Traumtänzerküsse

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 356 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96655-032-1 (ISBN)
 
Wenn die Liebe heller strahlt als jeder Regentag: Der Liebesroman »Traumtänzerküsse« von Bestseller-Autorin Jennifer Wellen jetzt als eBook bei dotbooks. Eiskunst-Star Mila schwebt wie auf Wolken - endlich geht es auf Welttournee! Vorher will sie aber ein letztes Mal ihre Eltern besuchen, in der heimischen Eishalle ein paar Runden drehen und ihrem ehemaligen Tanzpartner aus der Klemme helfen. Doch das Unvorstellbare geschieht: Bei einem Sprung verletzt sie sich, die Tournee scheint gestrichen und ihr großes Glück Geschichte ... Doch Mila will sich nicht unterkriegen lassen - noch dazu braucht der Besitzer der Eishalle dringend ihre Hilfe. Eine Spendenaktion mit Mila als Showact soll die Halle vor dem Aus retten. Aber wird sie rechtzeitig wieder fit sein? Hilfe erhält Mila ausgerechnet von Finn, dem ruppigen Eishockeyspieler. Dabei hütet er ein Geheimnis, das ihre Welt auf den Kopf stellen könnte ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der turbulente Liebesroman »Traumtänzerküsse« von Bestseller-Autorin Jennifer Wellen - ein Roman, der Mut macht, traumtänzergleich in die Welt hinauszuziehen und das eigene Happy End einzufangen. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,71 MB
978-3-96655-032-1 (9783966550321)
Jennifer Wellen, Jahrgang 1974, studierte nach ihrem Abitur Biologie und arbeitet derzeit als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Wenn sie neben ihrer Tochter, den zwei Katzen und ihrem Hund noch Zeit findet, schreibt sie mit Begeisterung witzige Romane für Frauen, die wissen, wie das Leben spielt. Bei dotbooks veröffentlicht sie die romantischen Komödien: »Liebe ist wie eine Goodie Bag« »Sternschnuppenwünsche« »Drei Küsse für ein Cottage«

Kapitel 1


Eiskunstlauf war schon 1908 olympisch, also ganze sechzehn Jahre, bevor erstmals Olympische Winterspiele stattfanden.

Knapp neun Stunden später bezahlte ich den Taxifahrer, stieg aus dem Auto und warf einen Blick auf mein Elternhaus: ein graues Einfamilien-Reihenhaus im Herzen von Borbeck.

Borbeck als Essener Stadtteil ist eigentlich ganz schön. Fast wie ein kleines Dorf mitten in der Großstadt. Mit einem kleinen Schloss, dem grünen Schlosspark drum herum und einer winzigen Innenstadt, die alles hat, was frau braucht - Parfümerien, Schuhläden und Buchläden. Aber das Beste an diesem Stadtteil ist, dass die Eishalle in Essen-West nur circa zehn Minuten Fahrt entfernt ist.

Mein Finger schwebte bereits über der Klingel, an der auf einem Messing-Schild Antonovsky stand, als die Tür aufgerissen wurde.

»Mila-Schatz, ich habe das Taxi gesehen. Ach, wat schön, datte endlich da bis.« Meine Mutter, eine kleine, beleibte Person mit Monsterbusen, den ich Gott sei Dank nicht geerbt hatte, riss mich schwungvoll in ihre Arme. »Wir haben uns ja so lange nich mehr gesehen.« Ich japste überrascht. Ihr Klammergriff hätte jeden Sumoringer vor Neid erblassen lassen. »Wie war die Zugfahrt?«

Aus dem Hintergrund hörte ich Paps brüllen. Seine Stimme war immer schon bölkend gewesen, was sicher auch daran lag, dass er sie seit Jahren als regelmäßiger Besucher im Rot-Weiß-Stadion an der Hafenstraße trainierte. »Nu lass dat Kind doch erst mal rein, Merlinde. Außerdem müssen de Nachbarn doch nich allet mitkriegen, oda?«

Meine Mutter ließ mich los. »Papsch hat recht, komm rein.« Ich holte tief Luft, streifte mir die Füße an der Matte ab und betrat zögerlich mein ehemaliges Zuhause. Mittlerweile wohnte ich schon seit knapp neunzehn Jahren nicht mehr bei meinen Eltern, da ich mit zehn Jahren nach Oberstdorf ins Trainingsinternat gezogen war. Fünfzehn Jahre später hatte ich die Wettbewerbskarriere an den Nagel gehängt und war von Oberstdorf nach München übergesiedelt, wo ich von der berühmten Eisrevue Skate Dreams engagiert worden war. Seitdem lief ich dort gegen eine verdammt gute Bezahlung.

Meine Mutter schloss die Tür hinter mir und lief in die Küche voran. »Hasse Hunger, Püppi? Ich kann schnell Pommes Currywurst machen, wennse wills. Die Fritteuse ist, glaube ich, noch heiß von vorhin.«

Ich dachte kurz an meinen speziellen Sporternährungsplan, der so etwas eigentlich nicht vorsah. Viel zu viele Kalorien und kaum gesunde Nährstoffe. Allerdings kam ich dabei relativ schnell zu dem Entschluss, dass ich ja auf Urlaub und mir damit meine Ernährung gerade schnurzpiepegal sein konnte. »Gern!«

Mit wenigen Handgriffen bereitete meine Mutter die Fritteuse vor und stellte die Pfanne auf den Herd. Vorsichtig setzte ich mich auf die rustikale Eckbank und sah schweigend eine Zeit lang dabei zu, wie Mutti so vor sich hin brötschelte. Irgendwann wurde mir die Stille allerdings unangenehm.

»Wo ist eigentlich Mats? Noch arbeiten?«

Mutter nahm zwei Bratwürstchen aus der Verpackung und ließ sie in die heiße Pfanne fallen. Es brutzelte laut. »Quatsch. In der Halle, wo sonst?« Sie grinste. »In der Beziehung ist er doch genau wie du. Hauptsache, Kufen anne Füße.«

Mein großer Bruder spielte Eishockey. Eiskunstlauf war ihm immer zu weibisch gewesen. Er war eines dieser Raubeine, die auf ordentliche Bodychecks standen, die er schon als Kind mit besonderer Vorliebe an mir geprobt hatte. Seit Jahren spielte er bei den Essener Moskitos, wenn auch mehr als Hobby, sprich: Amateurspieler. Denn er hatte es sich nicht nehmen lassen, im Gegensatz zu mir nach der Schule noch eine ordentliche Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zu machen.

Meine Mutter drehte sich zu mir um und lächelte. Mein Herz zog sich zusammen, weil mich in diesem Moment die Sehnsucht ergriff. Aber nicht nach meiner Familie, was in mir umgehend wieder das schlechte Gewissen anheizte - mich ergriff vielmehr die Sehnsucht nach der Halle. Nach dem Eis. Der Geruch, das gleißende Licht, das knarzende Geräusch, das meine Kufen machten, wenn sie hineinschnitten .

Schon früher war ich am liebsten morgens vor der Schule zum Training auf dem Eis gewesen. War im Halbdunkel der Halle meine Kür gänzlich ohne Musik gelaufen. Aber mal ehrlich, was bitte stimmte nicht mit mir, dass ich mich von Kindesbeinen an tatsächlich mehr zu gefrorenem Wasser als zu menschlichen Lebewesen hingezogen fühlte?

»Vielleicht gehe ich ihn gleich mal besuchen«, erwiderte ich beiläufig. Die Aussicht, nach der Zugfahrt etwas Eishallenluft schnuppern zu können, war himmlisch. Immerhin war ich schon seit beinahe zwei Tagen auf Entzug.

Meine Mutter griff in die Pommes-Verpackung und holte eine Handvoll Fritten hervor, um sie in die Fritteuse zu werfen. Es sprudelte, als das Fett heiß über die Kartoffelstreifen schwappte. Der Geruch erinnerte mich an eine Pommesbude.

»Nee, is klar, kaum hier und schon willste wieder weg, was?« Ich drehte den Kopf zur Seite und sah meinen Vater, der unbemerkt in die Küche getreten war. In seiner dunkelbraunen Jogginghose und dem Schießer-Feinripp-Unterhemd hatte er ein bisschen was von Hausmeister Krause. »Und warum kommst du überhaupt, wenne am liebsten doch gleich wieder weg wills?« Seine verkniffene Miene drückte pures Missfallen aus.

»Dann fahre ich eben nicht«, beschwichtige ich ihn. Dabei musterte ich ihn genauer. Er hatte tiefe Augenringe und sah abgemagert aus. Vielleicht war er deswegen gerade so krabbitzig.

»Nee, nee, nee, lass dich von uns nicht aufhalten. Wir wollen doch dem berühmten Eissternchen nicht im Wege stehen.« Er ging zum Kühlschrank und holte eine Tablettenpackung hervor. Hastig drückte er eine heraus, legte die Verpackung zurück ins Fach und schloss mit Nachdruck den Schrank. Meine Mutter reichte ihm ein Glas Wasser an. »Hier, Boris.«

»Danke, Mutsch.« Wortlos verzog er sich dann schlurfend zurück ins Wohnzimmer.

»Is was mit Paps? Er sieht extrem schlecht aus.«

Meine Mutter warf mir einen uneindeutigen Blick zu. »Bisschen Husten und Schnupfen. Du weißt doch, wie Männer sind, wenn se de Grippe haben.« In der Zwischenzeit hatte sie einen Teller aus dem Schrank geholt, auf dem sie nun die Bratwürstchen drapierte. Dann hob sie das Sieb mit den Fritten an. »Fahr ruhig, du weißt doch, wie Papsch ist. Er meint es nicht so. Kannst auch gerne mein Auto nehmen.«

Wenn ich ehrlich war, war der Gedanke, eine Eishalle zu betreten, für mich bei Weitem verlockender, als meinen miesepetrigen Vater den ganzen Abend ertragen zu müssen. Aber Streit wollte ich auch nicht provozieren. Schon gar nicht direkt am Anfang meines Besuchs. Dennoch .

»Ich bleib auch nicht lange«, versicherte ich ihr. »Versprochen!«

Mutter stellte lächelnd den Essensteller vor mir ab und strich mir mit einer Hand über den Schopf. So wie sie es schon früher immer gemacht hatte. »Und wenn schon, Hauptsache, du bist überhaupt mal wieder zu Hause. Kommt ja schließlich nicht so oft vor, was?«

Der Geruch der würzigen Currysauce ließ mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Herrgott, wann hatte ich das letzte Mal ein Essen, das aus mehr als zweihundert Kalorien, Salatblättern oder gedünstetem Gemüse bestand, zu mir genommen? Ehrlich gesagt konnte ich mich nicht dran erinnern.

Wie ein ausgehungerter Wolf stürzte ich mich auf die Pommes und schob mir zwei Fritten gleichzeitig in den Mund. Mutti sah mir freudestrahlend dabei zu. »Lasset dir schmecken, Püppi, du kannst es vertragen, du bis ja spindeldürr geworden.«

Mit vollem Mund nuschelte ich: »Mutti, du weißt doch, wenn ich zu fett bin, kann Roman mich bei den Hebefiguren nicht mehr halten.«

Sie lächelte versonnen. »Ach ja, Roman. Wann lernen wir ihn denn eigentlich mal kennen? Ihr seid ja schon wat länger zusammen.«

Schnell schob ich mir eine weitere Pommes in den Mund. »Mal sehen. Vielleicht nach der Tournee oder so«, nuschelte ich.

Mutti seufzte leise auf, als sei sie enttäuscht. »Und wann fährst du wieder zurück?«

Gedanklich überflog ich meinen Terminplan. Sollte ich sie belügen und sagen, dass der Flieger nach Hongkong viel eher startete als ursprünglich geplant? Damit könnte ich die Zeit hier dramatisch verkürzen. Aber meine eigene Mutter anzulügen brachte ich einfach nicht fertig. Also murmelte ich nur, ehrlich wie ich war: »Heute in zwei Wochen, Mutti. Zwei Tage später geht dann der Flieger.«

Nach dem Essen bezog ich mein altes Kinderzimmer im ersten Obergeschoss, in dem sich seit meinem Weggang rein gar nichts verändert hatte. Immer noch stand darin ein buchefarbenes Jugendzimmer mit Kastenbett; immer noch hingen an den rosa gestrichenen Raufasertapeten Poster von Alexei Yagudin, dem mehrfachen Welt- und Europameister im Herreneiskunstlauf und meinem heimlichen Kindheitsschwarm; und immer noch zierten etliche Pokale sowie Medaillen das Regal direkt über dem Bettkasten, in dem sich vermutlich das mit Schneeflockenbettwäsche bezogene Federbett befand. Ebenso wie auf dem Bett immer noch alle meine Monchichis saßen, die ich einst als Kind gesammelt hatte. Mein liebster Monchichi Karla trug sogar kleine Schlittschuhe an den Pfoten, die Mutti aus weißem Stoff genäht und bemalt hatte.

Hastig griff ich nach ihr, um sie an meine Brust zu drücken. Wenn ich mich in vierzehn Tagen zur Tournee aufmachen würde, würde ich das Äffchen auf jeden Fall als Maskottchen mitnehmen.

Es war das erste Mal, dass ich so eine Welttournee vor der Brust hatte und ganze neun Monate nicht in Deutschland sein würde. Bislang war ich mit Skate Dreams immer nur in Deutschland getourt. Trotzdem freute ich mich auf die neue...

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