Die feurige Braut des Highlanders

Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2011
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1119-5 (ISBN)
 
Ronan ist mit einem jahrhundertealten Familienfluch belegt. Um keine Frau durch seine Liebe zu gefährden, verbringt er sein Leben in Einsamkeit. Doch er hat nicht mit Gelis gerechnet, die ein Auge auf den attraktiven Highlander geworfen hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als ihn zu heiraten. Schafft die mutige Lady es, den Widerspenstigen zu verführen und den Fluch zu brechen?
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 1,72 MB
978-3-8387-1119-5 (9783838711195)
383871119X (383871119X)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1. Kapitel


Eilean Creag Castle

in den westlichen Highlands,

Herbst 1348

Reden wir doch ganz offen, Schwester. Was du vorhast, ist die pure Torheit.«

Lady Gelis MacKenzie tat den Einwand ihrer Schwester Arabella mit einer ungeduldigen Handbewegung ab. Kaum noch in der Lage, ihre Aufregung zu zähmen, ignorierte sie die mangelnde Begeisterung Arabellas und trat noch näher an das bogenförmige Fenster ihrer Schlafkammer.

Einer Schlafkammer, die sie hoffentlich nicht länger mit ihrer älteren Schwester würde teilen müssen.

Nicht, dass sie ihre Schwester nicht liebte.

Das tat sie.

Ebenso, wie sie ihr schönes Zimmer liebte, das mit allen erdenklichen Bequemlichkeiten und mit allem Luxus ausgestattet war, mit dem ihr Vater, der Schwarze Hirsch von Kintail, sie förmlich überschüttete. Wohin das Auge blickte, entdeckte es Eleganz, und wer vertrauenswürdig genug war, dass ihm Zutritt zum Zimmer gewährt wurde, sah sogleich, dass dessen verschwenderische Pracht selbst der in den privaten Gemächern des Schwarzen Hirschen in nichts nachstand.

Aber weder die Pracht der überdachten Feuerstelle noch die beiden kunstvoll geschnitzten Eichenlehnstühle, weder die farbenfrohen Wandteppiche noch die extravaganten Bettvorhänge aus schwerem Brokat, von denen jeder einzelne kostbare Faden im Licht der feinen Wachskerzen schimmerte und glitzerte, interessierte Gelis.

Während sie ein Fädchen von ihrem Ärmel zupfte, warf sie einen Blick auf ihre Schwester. Auch wenn einige Sturköpfe es nicht zugeben wollten, wusste sie doch, dass das Leben größere Schätze bereithielt.

Wachskerzen und Öllampen mochten Schatten bannen und ein gut brennendes Holzfeuer dem kalten Highlandmorgen die schlimmste Schärfe nehmen, doch derlei Dinge trugen wenig dazu bei, das Herz einer Frau zu wärmen.

Ihre Leidenschaft zu entfachen und ihr vor Staunen den Atem stocken zu lassen.

Vor Staunen und Liebe.

Denn das war es, wovon Gelis träumte.

Und weder die ärgerlich geschürzten Lippen noch Proteste ihrer Schwester würden sie davon abhalten, ihre Träume wahrzumachen.

Offenbar fest entschlossen, genau das zu versuchen, trat Arabella zu ihr an das Fenster. »Dieser Unfug wird dir wenig Freude bringen«, beharrte sie. »Nur ein naives .«

»Ich bin keineswegs naiv«, unterbrach Gelis sie heftig. »Selbst Vater würde die Weisheit Devorgilla von Doons nicht bestreiten.«

Arabella rümpfte die Nase. »Es ist etwas anderes, Zaubersprüche anzuwenden und über Heilkräfte zu verfügen, als ernsthaft zu behaupten, in mondbeschienenem Wasser das Gesicht seines zukünftigen Gemahls sehen zu können!«

»Seiner künftigen Liebe«, berichtigte Gelis sie und konnte nicht verhindern, dass ein erwartungsvoller kleiner Schauer sie durchlief. »Liebe wie die eines wahren Seelenverwandten einer Frau.«

Arabella, die immer noch nicht überzeugt aussah, trat näher an das Fenster und warf einen Blick in den Burghof. »Na klar«, sagte sie spöttisch. »Am besten laufen wir gleich hinunter, starren in die Schüssel, die du gestern Nacht an der Burgmauer versteckt hast, und werden die Gesichter unserer wahren Liebe in dem Wasser sehen.«

»Das hat Devorgilla gesagt.«

Wie erwartet zog Arabella skeptisch eine Augenbraue hoch. »Und du glaubst auch alles, was man dir erzählt?«

Gelis blies sich eine Locke aus der Stirn. »Ich glaube alles, was Devorgilla sagt. Jeder weiß, dass sie sich noch nie geirrt hat. Oder kannst du das Gegenteil beweisen?«

»Ich .«, begann Arabella, nur um genauso schnell wieder den Mund zu schließen. Sie wandte sich vom Fenster ab und strich mit den Fingern über den Rand eines kleinen Tischs. »Ich bin nur der Meinung, dass du so zu viel Fantasie hast«, sagte sie schließlich stirnrunzelnd, »und ich möchte nicht, dass du enttäuscht wirst.«

»Bah!« Gelis versuchte, nicht laut herauszulachen. »Enttäuscht bin ich nur, wenn Vater mal wieder einen gut aussehenden Freier abweist! Die hässlichen Frösche kann er ruhig wieder fortschicken, aber einige Männer waren mehr als ansprechend.«

»Warum willst du überhaupt ein Orakel befragen, wenn du weißt, dass Vater dich nicht heiraten lassen wird?« Arabella ließ sich auf dem gepolsterten Sitz der Fensternische nieder. Noch immer lag ein verdrossener Ausdruck auf ihrem hübschen Gesicht.

»Dass er keine von uns heiraten lassen wird«, berichtigte Gelis ihre Schwester, während sie sie am Arm von der Bank hochzog. »Er wird noch behaupten, wir wären beide zu jung, wenn wir schon alt und grau sind! Deshalb müssen wir Devorgillas Magie anwenden. Wenn das Wasserorakel uns die Gesichter unserer zukünftigen Ehemänner zeigt, können wir zumindest sicher sein, dass es welche für uns geben wird. Ohne diese Gewissheit würde ich verrückt werden.«

Das bist du schon, glaubte Gelis ihre Schwester murmeln zu hören. Als sie ihr jedoch einen Blick zuwarf, sah Arabella so ruhig und beherrscht wie immer aus.

Die unerschütterliche Contenance ihrer Schwester stellte Gelis so manches Mal auf eine harte Geduldsprobe.

Da sie es im Moment jedoch für klüger hielt, sie zu ignorieren, umfasste sie Arabellas Arm noch fester und zog sie mit sich zur Tür zu. »Komm«, drängte sie, schon von einem Gefühl des Triumphs erfüllt, »jetzt ist gerade niemand auf dem Hof. Wenn wir uns beeilen, können wir einen Blick in die Zukunft tun, bevor es jemand merkt.«

»Wir werden nichts anderes als den Boden dieser Schüssel sehen«, murrte Arabella, während sie hinuntergingen und auf den Hof hinaustraten, dessen Leere und Stille so erdrückend waren, dass sie Gelis Zuversicht zu dämpfen drohten. Strahlender Oktobersonnenschein fiel auf das Kopfsteinpflaster, und nichts rührte sich auf dem weitläufigen Hof. Absolute Stille herrschte innerhalb der Einfriedung, während die dicken Burgmauern sie und ihr frivoles Tun mit Strenge und Missfallen zu beobachten schienen.

Gelis blieb stehen und holte tief Luft, dann schob sie entschlossen das Kinn vor und straffte die Schultern. Es war besser, Mut zu heucheln, als Arabella die Genugtuung zu geben, sie ihr Unbehagen spüren zu lassen. So unauffällig wie möglich schaute sie sich um und versuchte, das Gefühl zu verdrängen, dass dieser Morgen irgendwie ein bisschen seltsam war.

Aber das war er.

Und auch unnatürlich still.

Kein Geräusch kam aus den nahen Stallungen, kein Vogel zwitscherte in den Ebereschen neben der Kapelle, und nicht einer der Hunde ihres Vaters sprang um sie herum, wie sie es gewöhnlich taten, weil sie auf einen Leckerbissen oder auf ein Streicheln hofften. Selbst der Loch Duich lag in völliger Stille da, kaum ein Plätschern war von der anderen Seite der mächtigen Burgmauern her zu hören.

Das Wasser in der Schüssel schimmerte hell, seine silbrige Oberfläche funkelte und stellte Gelis' Zuversicht wieder her, als sie sich hinkniete, um einen genaueren Blick hinein zu tun.

»Siehst du? Da gibt es nichts zu sehen«, erklärte Arabella, die sich neben sie gehockt hatte. »Keine Gesichter zukünftiger Ehemänner und nicht einmal ein Kräuseln von dem Wind«, fügte sie hinzu, während sie einen Finger in das Wasser tauchte und es in Bewegung brachte.

»Nein!«, rief Gelis erschrocken und schlug nach Arabellas Hand. »Wir dürfen das Wasser nicht berühren! Das zerstört die Magie!«

»Magie! Da war keine Magie«, spottete Arabella, während sie sich an ihrem Kleid die Finger trocknete. »Du hast doch selbst gesehen, dass nichts als Wasser in der Schüssel war.«

»Aber es schimmerte silbern«, beharrte Gelis und stieß einen frustrierten Seufzer aus. »Das war das Licht des Vollmonds, das sich dort gefangen und auf uns gewartet hat.«

Arabella richtete sich auf. »Das Einzige, was auf uns wartet, ist die Stickarbeit, die Mutter uns für heute Morgen aufgetragen hat.«

»Die Stickarbeit, bei der sie deine Hilfe will«, gab Gelis ärgerlich zurück und schüttete das Wasser auf das Kopfsteinpflaster. »Ich bin mit der Nadel noch ungeschickter als Mutter, wie sie sehr wohl weiß.«

»Trotzdem wird sie dich erwarten.«

Gelis drückte die leere Schüssel so fest an ihre Brust, als enthielte sie immer noch Magie. Und das Abbild ihrer einzig wahren Liebe, des Mannes, von dem sie wusste, dass er ebenso sehr zu einer Legende werden würde wie ihr Vater.

Kühn, mit feurigem Blick und leidenschaftlich.

Herausfordernd und stolz.

Und vor allem würde er ihr und keiner anderen gehören.

»Lass uns gehen«, drängte Arabella. »Wir dürfen Mutter nicht warten lassen.«

Gelis spreizte die Hand und legte sie über den Boden der Schüssel, der sich erstaunlich warm anfühlte. »Geh du. Mich wird sie nicht vermissen. Und sie wird auch bestimmt nicht wollen, dass ich ihre Kissenbezüge ruiniere«, sagte sie geistesabwesend. Gott, aber sie konnte die Nähe ihres Geliebten fast schon spüren! Und ein Sehnen und Verlangen, so stark wie ihres. »Ich werde ihr bei etwas anderem helfen. Später.«

Arabella sah die Schüssel aus schmalen Augen an. »Wenn du nicht aufhörst, dich mit solchen Dummheiten zu beschäftigen, wird sie sehr verärgert sein.«

»Mutter ist nie verärgert.« Gelis warf ihrer älteren Schwester einen verdrossenen Blick nach, als diese mit entschlossenen Schritten den Hof überquerte, um zur Burg und zu stundenlanger, ermüdender Stickarbeit zurückzukehren.

»Und dank dir kann ich mich mit gar nichts mehr beschäftigen«, murmelte Gelis und blinzelte, um das Brennen in ihren Augen zu...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

4,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der weiteren Nutzung des WebShops erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen zu Cookies finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok