Leben in Freiheit

Die Erzväter in uns
 
 
Verlag der Friedrich Weinreb Stiftung
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Dezember 2017
  • |
  • 196 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-905783-81-0 (ISBN)
 
Am Beispiel der Erzväter erzählt Weinreb vom Ursprung des menschlichen Geschehens. Immer wieder bezieht er sich dabei auch auf die beiden Schöpfungsgeschichten, Genesis 1 und 2. Er erzählt von den Grenzen und ihren Erfahrungen. Freiheit ist zunächst eine Freiheit in Grenzen. Denn Freiheit ohne Grenzen ist unbegrenzt, ist leer. Insofern ist Freiheit im Raumzeitlichen, in unserem Alltag immer die Wahl der Abhängigkeiten. Weinreb erzählt vom Erkennen der Grenzen, vom Unterscheiden der Welten und ihren Formen und schliesslich vom Überschreiten der Grenzen. Er erzählt von menschlichen Grunderfahrungen und von deren Voraussetzung zur Transzendenzerfahrung. Im Lichte der Erzväter und Erzmütter lässt sich somit mehr als nur eine Weise der Freiheit erleben. Freiheit, das ist für Weinreb zunächst die Begegnung mit uns selbst, die Begegnung in unserem eigenen Leben mit dem, was immer schon da war. Im Lehrhaus des Wortes führt er uns von der Innenwelt in die Aussenwelt des Wortes, vom Mythos in den Logos, die unsere irdische und kosmische Wirklichkeit kreieren. Erzählend staunt er über das Wirken der verborgenen Welten und er lässt uns staunen über unser Wirken in der Vielfalt der erscheinenden Welten mit ihren unzähligen Alternativen. Wie denken wir? Wie entscheiden wir? Wie handeln wir? Immer sind wir zwischen Himmel und Erde gestellt und immer sind wir frei in unseren Beziehungen zur Natur und zu den Mitmenschen. Weinrebs kabbalistische Erzählweise der Erzväter führt uns in unsere inneren und äusseren Dimensionen hinein. In sich durch sie hindurchgehend erzählt er vom Wiedererkennen des Ewigen. Isaaks Opferung - die Sicht in den Himmel. Der Segen Isaaks - die Vereinigung von Nichtbewusstem und Bewusstem. Jakobs Traum auf dem Stein - die Verbindung von Himmel und Erde. Jakobs Ringen mit dem Engel Esaus und sein Sieg - die Integration des irdischen Schattens zum ganzen, zum heilen Menschen. Wie im Mythos so vollzieht sich das Geschehen auch in unserem Leben hier.
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Friedrich Weinreb (1910 Lemberg - 1988 Zürich) war ein Neuerer im Erzählen der Bibel und ein Wegbereiter im Zugang zur Kabbala. Judentum und Christentum stehen für ihn in einer schöpferischen Verbindung. Altes und Neues Testament bilden dabei eine Einheit. Sein Werk öffnet auch Wege zum Verständnis spiritueller Erfahrungen. Eine Nähe seines Werkes besteht zudem zu anderen mystischen Traditionen. Weinreb gilt als grosse Ausnahmeerscheinung im Judentum des 20. Jahrhunderts. Mit seinem bahnbrechenden Buch «Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung» öffnete er die Schatzkammer des jüdischen Wissens. Die «heilige mündliche Lehre», jahrtausendelang in weltabgeschiedenen Gelehrtenkreisen gehütet, erschloss Friedrich Weinreb als Quelle der Inspiration für die Gegenwart. Als Schriftsteller und Vortragender hinterliess er ein umfangreiches Lebenswerk, in dem es überraschende Wege der Verbindung zwischen biblischem Welt- und Menschenbild und heutiger Zeit und Lebenserfahrung zu entdecken gibt.
  • Cover
  • Über dieses Buch
  • Titel
  • Editorische Notiz
  • Impressum
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort: Im freien Leben
  • Der doppelte Ursprung
  • Im Lehrhaus des Wortes
  • Das Staunen und die Alternative
  • Das Wiedererkennen des Ewigen
  • Einheit gilt jederzeit überall
  • Alles kommt aus uns selbst
  • Dank

Im Lehrhaus des Wortes


Glaube als Vertrauen und Treue. Die Wurzel Adam und die Wurzel Abraham. Das Lehrhaus Schem und Ewer. Die Sehnsucht nach der Manifestation des Ewigen. Sarah: das von jener Seite Erscheinende. Isaak: der auferstandene Körper. Ismael: der natürliche Körper. Wachstum gegen Starre. Isaaks Bindung auf dem Berg Moria. Abraham zur ersten, Isaak zur zweiten und Jakob zur dritten Welt. Verdienste der Väter.

Die Art der Ankunft Abrahams, dass er sozusagen vorher schon als ungeborenes Kind existiert, lässt erkennen, dass wir es hier nicht mit einem bewussten Überraschungscoup zu tun haben. Er sagt nicht: Gut, ich beschließe es so, und dann werde ich handeln. Das können Sie von einem 16- oder 20-Jährigen sagen, nicht jedoch von einem ungeborenen Kind. Gerade diese Art des Geborenwerdens weist darauf hin, dass hier etwas lebendig wird, weil es schon vorher in uns, schon im Absoluten da ist.

Das Ereignis der Geburt Abrahams findet auf allen Ebenen statt, selbst dort, wo es sich als historisches Geschehen ausdrückt. Denn die Menschheitsgeschichte ist nur eine dieser Ebenen, so wie ein Same sein nur ihm bestimmtes Ei findet und alle anderen Samen anderswo landen. Die Welt ist nicht so langweilig, dass es immer nur ein Geschehen gibt und alles andere nicht wahr ist oder gar nicht existiert.

Jedenfalls lässt uns dieses Ereignis der Geburt Abrahams erkennen: Wenn wir es als echtes Leben ernst nehmen, als freudiges Ereignis ernst nehmen, nicht mit bitter-ernstem Gesicht, sondern als etwas Heiter und Ernstes, wenn wir es ernst nehmen als Totalität, dann existiert es auf allen Ebenen und auch in unserem eigenen Leben. Es ist eine Geburt, die in uns stattfindet. Die Frage ist nur: Wird Abraham wirklich in uns geboren? Und wie wird er geboren?

Wir können die drei Erzväter auch als die drei Welten betrachten, die man im >Wort<, im Mythos, bezeichnet als die »olam aziluth«, die »olam bria« und die »olam jezira«. Alle drei liegen in unserem Nichtbewussten. Hier besteht eine Struktur. Sie ist nicht starr, sie beruht auf dem Prinzip »chesed«, >Gnade<. Gnade lässt frei, ist gütig und wohlwollend. Sie sagt nicht: So muss es sein, und wenn du davon abweichst, wird es dir schlecht gehen. Die Struktur der Gnade lässt alles zu und ist auf ihrer Seite von unvorstellbarer Liebe, während auf der anderen Seite - in der Übersetzung der Bibel - >Heulen und Zähneknirschen< ist, eine extreme Grausamkeit. Gnade ist eine Struktur, die nicht festlegt, sondern alle Möglichkeiten vom einen Extrem bis zum anderen offen lässt.

Dies sind demnach die Drei, die drei Welten. Darum tritt diese Dreiheit immer als Prinzip auf - denken Sie an die drei Schöpfungstage, die sich wiederholen, an die Dreiheit beim Aufbau eines Satzes, oder die Dreiheit im Stamm eines Wortes. Die Dreiheit liegt allem zu Grunde, was hier in Erscheinung treten kann. Sie existiert als Gegensatz zwischen Zweien, aus dem als Drittes eine Frucht hervorgeht.

Und diese Dreiheit sehen wir auch in Gestalt der Erzväter. Sie ist die Struktur des Menschen. Von ihr können wir nichts wissen - wir könnten auch sagen: Wir dürfen nichts wissen. Etwas nicht wissen dürfen, bedeutet nämlich in der Seele des Menschen, dass es nicht ins Bewusstsein eindringen kann. Es wird einfach nicht zugelassen. So wird auch nicht zugelassen, dass Gott an einer Formel oder einem Dogma festgenagelt wird.

Es wird nicht zugelassen. Wenn du es doch zulässt - gut. Nur musst du dann auch mit dem anderen Extrem leben. Darin bist du frei, sonst könnte keine Liebe existieren. Wenn nur ein winziges Stückchen Unfreiheit mit im Spiel wäre, wäre es keine Liebe mehr. Diese Freiheit ist die Möglichkeit, in eine Totalität hineinzukommen, in eine Vollkommenheit und Vollständigkeit, durch die überall Pluralität und Vielfalt hervorgebracht wird.

Der erste Aspekt der Dreiheit liegt auf der gleichen Ebene wie das Handeln Gottes, von dem es in der Überlieferung heißt: Gott will aus seiner großen Freude heraus alles geben, damit auch ein anderer diese Freude erleben kann. Das ist der »zimzum«, 90-40-90-6-40, das >Sich-Zurückziehen Gottes< bis zu dem auf unserer Seite liegenden Nichts. Und dadurch wird dieses Nichts wieder aufgehoben, damit auch andere Wesen, Wesen jeder Art, diese große Freude des Weges erleben können.

Das ist das Prinzip der Schöpfung und des ersten Erzvaters. Ein >Vater<, »ab«, ist ein Ursprung, »Alef-Beth«, 1-2, also das Prinzip des Ursprungs, aus dem spontan etwas hervorgeht. Darum hat auch »emunah«, 1-40-6- 50-5, >glauben, vertrauen<, mit derselben Wurzel zu tun, die bei der Schöpfung dazu dient, dass Gott aus Liebe die Welt erbaut. Auf dem Fundament der Liebe ist die ganze Welt, die ganze Schöpfung erbaut. Also ist auch jeder Mensch in seiner menschlichen Beschaffenheit darauf erbaut.

Glauben ist deshalb ein Prinzip des wahren Menschen. Glauben hat nichts zu tun mit einem Befehl, derart, dass ein Zwang auf ihn ausgeübt wird oder er Zwang auf sich selbst ausübt: >Ich muss jetzt endlich glauben.< - So etwas würde schon in die Sphäre des Krankhaften gehören und eine Zwangsneurose sein. So jemand sagt dann immer: Das muss ich, und das darf ich nicht. Glaube kann nur spontan entstehen, er muss geboren werden wie ein kleines Kind. Es tritt aus einer anderen Sphäre hervor, wo schon vieles für uns bereit lag. Es ist die Sphäre unseres Nichtbewussten.

Dort liegt vieles auf Grund der Totalität unseres Seins bereit, zum Beispiel, wie wir mit all unseren Möglichkeiten beschaffen sind, in denen sich unser Sein manifestiert. Das bezieht sich auch auf unsere Erbmasse, auf alles, was wir in Gestalt unserer Vorfahren und der Völker, zu denen wir einmal gehörten, früher schon erlebt haben. Dies alles ist in der Totalität unseres Seins inbegriffen, plus die Erfahrungen aus dem jetzigen Leben. Alles Zeitliche verändert sich unaufhörlich. So tritt es in seiner Totalität in Erscheinung.

Abraham und auch die beiden anderen Erzväter kommen als Schüler zu Schem und zu Ewer - im Nichtbewussten. In diesem Lehrhaus erfahren sie von einem Geschlecht, das von Adam abstammt. Denn Schem stammt nicht von Abraham ab und Ewer auch nicht. Beide sind seine Vorfahren in der Linie, die von Adam, Seth und Noach herkommt.

Betrachten wir die Dinge nicht historisch, sondern so, als ob sie sich in uns selbst abspielten. Es wird von einem Lehrhaus erzählt - und das ist kein Gebäude, kein Lehr- und Lernprogramm mit Zulassungen und Examina, sondern etwas, woraus wir selbst Offenbarungen schöpfen. Diese stammen wieder aus einer Traditionslinie. Mit Abraham beginnt etwas Neues, seine Lehrer, Schem und Ewer, der Name Gottes und die Dinge von der anderen Seite, stammen aus einer anderen Sphäre. Und beim Namen Gottes denken wir wieder offen: Hier ist jeder Name möglich und inbegriffen. In jedem Menschen, in seinem Nichtbewussten, lebt die gesamte Geschichte der Bibel. Und jeden Augenblick leuchtet ein anderer Teil dieses Nichtbewussten auf. Im Bewussten kann nur dies oder das in Erscheinung treten, so wie im Bewussten auch nur ein Same ein Ei befruchten kann. Doch im Nichtbewussten liegt immer alles beisammen. Bewusst ist das unvorstellbar. Unbewusst ist alles beisammen, von da aus zieht sich eine Linie zu Adam, Adam im Gleichnis und Bild Gottes.

Nun sehen wir also im Menschen, dass Schem und Ewer als eine Traditionslinie in ihm aufleuchten, dass sie in ihm gegenwärtig sind. Im Bewussten kannst du niemals sagen: Da es nun einmal so gesagt und formuliert ist, muss ich es auch in alle Zukunft so formulieren. Denn in jeder Zeitperiode, ebenso wie in jedem einzelnen Leben, kann es sich immer wieder anders manifestieren. Es leuchtet immer wieder auf andere Weise auf, während das sich Verändernde, die Zeit, weitergeht. Und jede Zeit bringt wieder eine andere Formulierung. Darum ist Gottes Name 70-fach, das heißt, hier sind alle Möglichkeiten inbegriffen. Aber nicht in dem Sinn, dass man die 70 >auf einen Blick< übersieht.

Das Bewusste muss frei gelassen werden. Das Bewusste bringt die Möglichkeit der Beziehung mit sich. Man kann im Bewussten nach einer Beziehung zu anderen Menschen suchen, sich danach sehnen und ein Bedürfnis nach einer Beziehung haben, die durch Geben und Nehmen und von Liebe bestimmt ist. >Liebe< muss hier in Anführungszeichen geschrieben werden, weil sie sich auf jeder Ebene neu ausdrückt und nicht ausschließlich dies oder das ist, obwohl jede Zeit ihr wieder eine andere Nuance, eine andere Farbe gibt. Man sagt heute kaum mehr entweder dies oder das. Unsere Zeit lässt uns mehr Freiheit, zieht die Grenzen nicht so streng, gebraucht keine ehernen, ewig gültigen Formulierungen mehr. Ist doch im Bewussten nichts ewig gültig.

Deshalb ist es auch so gefährlich, eine einmal ins Bewusstsein getretene Formulierung aus der Bibel in eine heutige Sprache zu übertragen. In der Bibel ist alles exakt, weil sie zur Sphäre des Heiligen gehört: Sie gilt hier und dort, im Bewussten und im Nichtbewussten. Doch entstanden ist sie im >Heiligen Geist<, im »ruach hakodesch«. Für uns ist es das Nichtbewusste, doch kann es sich im Bewussten jeden Augenblick auf wieder andere Weise manifestieren. Aber es stammt aus der Wurzel des Nichtbewussten. Es stammt aus dieser Wurzel, wenn derjenige, der darüber erzählt, in diesem Moment in beiden Sphären leben kann. Lebt er nur in einer Sphäre, in der des Bewussten - sagen wir, in der der Wissenschaft -, dann ist die Chance groß, dass er von der anderen Seite gar nichts begreift. Nicht weil er schlecht wäre, sondern weil es ihm einfach nicht gegeben...

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