Wachstumsfinanzierung durch Wagniskapitalgeber in Deutschland

Darstellung des Finanzierungsprozesses und Analyse der Erfolgsfaktoren einer Venture Capital-Finanzierung für junge, innovative Wachstumsunternehmen
 
 
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  • 1. Auflage
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  • erschienen am 27. April 2021
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  • 140 Seiten
 
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978-3-7534-8991-9 (ISBN)
 
Die Gründungen von erfolgversprechenden Start-ups sind aufgrund ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von großem Interesse. Die Einwerbung von Finanzmitteln gilt für diese Unternehmen als wichtiges Erfolgskriterium, aber auch als große Herausforderung. Im Fokus dieses Buches steht die Betrachtung des Finanzierungsprozesses aus Sicht der jungen, innovativen Wachstumsunternehmen in Deutschland. Für Gründerinnen und Gründer ist das Verständnis von Venture-Capital- Gesellschaften und die Funktionsweise ihrer Geschäftsmodelle sehr relevant. Daher wird der Beteiligungsprozess theoretisch fundiert und praxisnah erläutert. Dieser Prozess ist vielschichtig und geprägt von einigen sehr spezifischen Aspekten zur Findung von Investitionsentscheidungen, da die unterschiedlichen Interessenslagen der beteiligten Akteure berücksichtigt werden müssen. Für Venture-Capital-Nehmer werden Erfolgsfaktoren aufgezeigt und ein Prozessmodell erarbeitet, welches als Hilfestellung für Planung und Umsetzung einer Wagniskapitalfinanzierung geeignet ist.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,62 MB
978-3-7534-8991-9 (9783753489919)
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Daniel v. Wedel verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als Unternehmer. Er gründete gemeinsam mit seinem Bruder mehrere Unternehmen in den Branchen Automotive, Sport und Freizeit und B2B-Dienstleistungen und sie waren an weiteren Gründungen beteiligt. Er ist aktiver Angel Investor und investiert in frühen Phasen in Start-ups in unterschiedlichen Bereichen, wie Software/KI oder Food & Beverages.
Daniel v. Wedel ist Mentor im Unibator der Goethe Universität Frankfurt und Lehrbeauftragter im MBA Studiengang "Entrepreneurship & Business Development" und Mitglied im Institut für Entrepreneurship der Frankfurt University of Applied Sciences.

2.1.3 Entwicklung von Venture Capital in Deutschland


In der Bundesrepublik Deutschland entstanden erst in den 1960er Jahren Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die in Form von Investmentfonds Kapital einsammelten und mittelständigen Unternehmen zur Verfügung stellten. Dabei stand aus finanzpolitischer Sicht die Stärkung der Eigenkapitalquote von kleinen und mittleren Unternehmen im Vordergrund, die keinen Zugang zum öffentlichen Kapitalmarkt hatten. 1970 wurde das ERP-Beteiligungsprogramm39 verabschiedet, das die Verlustrisiken durch Fördermaßnahmen für die Kapitalbeteiligungsgesellschaften reduzieren sollte. Vorausgegangen war dem eine Analyse von Professor Karl Hax, die der Kapitalbereitstellung unter bisherigen Bedingungen eine Unwirtschaftlichkeit für die Kapitalgeber attestierte. Demnach wären keine Investitionen in volkswirtschaftlich relevantem Umfang ohne staatliche Incentivierung zu erwarten. Doch auch diese Maßnahmen erwiesen sich aufgrund der mit dem Programm verbundenen Restriktionen als nicht zukunftsweisend.40 Es bleibt jedoch festzuhalten, dass sich daraus die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) der Bundesländer entwickelt haben, die bis heute mit öffentlich geförderten Mitteln in Wachstum und Innovationen bei kleinen und mittleren Unternehmen investieren.41

Venture Capital entwickelte sich aufgrund von Gemeinschaftsgründungen deutscher Banken, die durch eine Verpflichtung zur Verlustübernahme durch den Staat unterstützt wurden und als Aufgabe ganz konkret die Frühphasenfinanzierung hatten. Als Beispiel dient hier die 1975 gegründete Deutsche Wagnisfinanzierungsgesellschaft mbH (WFG), deren Scheitern und anschließende Neustrukturierung nach US-amerikanischem Vorbild eine große Wahrnehmung in der deutschen Finanzbranche zur Folge hatte. Die Stimulationswirkung der WFG und die anstehende Erschließung des europäischen Binnenmarktes in den 1980er Jahren führte zur Gründung weiterer Wagniskapitalgeber.42 Die 1990er Jahre waren geprägt von den wirtschaftlichen Herausforderungen der Wiedervereinigung, die die politischen Entscheider dazu bewegten, für Investitionen in die Deutsche Einheit steuerliche Vergünstigungen zu gewähren. Dies führte dazu, dass sich das Wachstum des Beteiligungsmarktes zunächst abschwächte und erst 1996 mit einem einsetzenden Boom, unterstützt durch gesetzliche Änderungen, wieder zunahm, so dass Ende der 1990er Jahre bereits bis zu 350 Venture Capital-Gesellschaften in Deutschland zu verzeichnen waren.43

Das Jahr 2000 markiert einen Wendepunkt, da die zahlreichen Unternehmen der New Ecomony an der Börse ihren Erwartungen nicht gerecht werden konnten. Dies führte zur Schließung des Börsensegments Neuer Markt. Die deutsche Venture Capital-Branche hatte sich von dieser Krise gerade erst erholt, als die Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 weltweit eine Abkühlung an den Börsenplätzen verursachte und somit einen wesentlichen Exitkanal für Venture Capital-Investitionen auch in Deutschland erheblich beeinträchtigte. Es folgten Totalverluste in bisher nicht gekannter Größenordnung und verunsicherte institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds nachhaltig.44

In Deutschland gilt heutzutage vor allem Berlin als herausragender Gründungsstandort mit einem stetig wachsenden Volumen an Venture Capital-Investitionen. Eine Studie von Ernst & Young Research zeigt, dass Berliner Startups 2015 rund 2,1 Milliarden Euro erhalten haben und somit ca. 70 % des gesamten Venture Capital-Investitionsvolumens in Deutschland auf sich vereinen konnten. Auf den weiteren Plätzen folgten Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg.45 Auch auf europäischer Ebene nahm Berlin im Jahre 2015 noch vor London die Spitzenposition beim Gesamtinvestitionsvolumen ein.46

Abbildung 1 - EY Start-up-Barometer 2016 - Risikokapitalinvestitionen 2015

Neben den kulturellen Vorzügen der Hauptstadt gelten die günstigen Lebensbedingungen, das unzureichende Arbeitsplatzangebot großer, etablierter Firmen und die zahlreichen Veranstaltungen rund um die Themen Gründung, Produktentwicklung und Finanzierung als wesentliche Erfolgsmerkmale des Entrepreneurship-Ökosystems in Berlin.47 Insgesamt wird seit 2010 den Technologiebranchen ein starkes Wachstum bestätigt, das auch auf die dort ansässigen erfolgreichen Gründungsunternehmen zurückgeht, die eine Leuchtturm-Funktion haben und für Sichtbarkeit und Vertrauen im Venture Capital-Umfeld sorgen.48 So entfällt beispielsweise ein großer Teil von den in Berlin getätigten Investitionen auf die Aktivitäten der Rocket Internet SE. Weitere erfolgreiche Exits sorgten 2015 auch international für Aufmerksamkeit.49 Aus diesem Grund wird für Berlin eine weitere positive Entwicklung vorausgesagt, da aufgrund des freigesetzten Kapitals ein Venture Capital-Boom einsetzen kann, der zudem von einer wachsenden Anzahl von erfahrenen Gründern getragen wird.50 In diesem Zusammenhang lassen sich auch die aktuellen Meldungen aus der deutschen Venture Capital-Branche positiv deuten, in denen einige Venture Capital-Gesellschaften den erfolgreichen Abschluss von neuen Fonds bekannt gaben, die fortan zur Frühphasen- und Wachstumsfinanzierung in Deutschland zur Verfügung stünden. Als prominente Beispiele können hier Paua Ventures, Berlin (Fondsvolumen: 45 Millionen Euro), Blue Yard Capital, Berlin (Fondsvolumen: 120 Millionen Euro), Acton Capitol Partners, München (Fondsvolumen: 170 Millionen Euro), Creandum, Stockholm (Fondsvolumen: 180 Millionen Euro) und Lakestar, Zürich (Fondsvolumen: 350 Millionen Euro) genannt werden.51 Auch in anderen Städten wurde das Potenzial erkannt und der Aufbau weiterer Gründer-Ökosystemen in Deutschland soll vorangetrieben werden. So plant die Stadt Hamburg, einen weiteren Fonds aufzulegen, um in kreative Unternehmer in der Hansestadt zu investieren und weitere Gründer und Investoren anzuziehen. In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt soll nach dem Willen der Stadtverwaltung und der Landesregierung Hessen ein Gründerzentrum für Finanztechnologien entstehen.52

2.2 VENTURE CAPITAL-GESELLSCHAFTEN


In der vorliegenden Arbeit werden ausschließlich die unabhängigen, institutionellen Investoren des formellen Wagniskapitals, im Folgenden Venture Capital-Gesellschaften genannt, betrachtet, die durch die Definition von Paul Gompers und Josh Lerner gekennzeichnet sind: "independent, professionally managed, dedicated pools of capital that focus on equity or equity-linked investments in privately held, high growth companies."53 Wesentliche Merkmale sind demnach ein professionelles Management, eine Fonds-Struktur, eine Eigenkapitalbeteiligung und eine Innovationsfinanzierung mit Renditeorientierung.54 Bevor einige dieser Merkmale näher betrachtet werden, erfolgt ein kurzer Blick auf die übrigen relevanten Beteiligungskapitalgeber bei der Finanzierung von Gründungsunternehmen in Deutschland, die zwar im weiteren Verlauf der Arbeit keine detaillierte Berücksichtigung finden, sich aber dennoch als alternative Finanzierungsquelle eignen können.

Ebenfalls zum formellen Beteiligungskapital zählen öffentliche Beteiligungskapitalgeber (Public Venture Capital). Ihre Bedeutung bei der Förderung von Gründungsaktivitäten in Deutschland wächst, sie unterliegen jedoch meist einem politischen Auftrag, wie beispielsweise der Stärkung der regionalen Wirtschaft oder der Forschung und Entwicklung in vorgegebenen Branchen (z. B. Biotechnologie) oder Innovationsthemen (z. B. Industrie 4.0).55 Aufgrund der Förderzwecke unterscheiden sie sich von renditeorientierten Wagniskapitalgebern in ihrer Herangehensweise zum Teil grundlegend, wie es zum Beispiel beim High-Tech Gründerfonds (HTGF) der Fall ist: Eine Unternehmensbewertung wird im Einzelfall durch den HTGF nicht durchgeführt, sondern die Beteiligung erfolgt pauschal in Höhe von bis zu 600.000 Euro für 15 % der Anteile am Zielunternehmen.56 Neben dem formellen Wagniskapital werden in Deutschland das informelle und das industrielle Wagniskapital unterschieden. Informelles Wagniskapital wird aus dem persönlichen Umfeld der Gründer zur Verfügung gestellt (friends & family), das für gewöhnlich ohne weitreichende vertragliche Vereinbarungen gewährt wird. Dazu zählen auch Investitionen von Business Angels, die je nach persönlicher Intention neben Kapital auch Kontakte und unternehmerische Erfahrung zur Verfügung stellen. Informelles Wagniskapital ist besonders in der Gründungsphase eines Unternehmens ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung.57 Industrielles Wagniskapital (Corporate Venture Capital) wird von etablierten (Groß-) Unternehmen des nicht finanziellen Sektors meist aus strategischen Überlegungen zur Verfügung gestellt, die sich dadurch den Zugang zu Innovationen sichern wollen.58 Ein direkter finanzieller Erfolg der Beteiligung steht dabei nicht unbedingt im Vordergrund.59 Weiterhin werden Anbieter...

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