Die Fackel der Freiheit

Bd. 24. Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 22. Juli 2011 | 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0494-4 (ISBN)
 
Queen Berry, die Königin vom jüngst befreiten Sklavenplaneten Torch, ist in Gefahr. Anscheinend haben es Attentäter auf sie abgesehen. Jeremy X stellt ihr einen Sicherheitsoffizier an die Seite, der sie beschützen soll. Keine leichte Aufgabe - vor allem nicht bei einer jungen Monarchin, die so gar nichts davon hält, bewacht zu werden ¿
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011
Deutsch
1,41 MB
978-3-8387-0494-4 (9783838704944)
3838704940 (3838704940)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 1


»Es wird schwieriger, Jack.« Im Besuchersessel in Jack McBrydes Küche lehnte sich Herlander Simões zurück und schüttelte den Kopf. »Man sollte doch glauben, es würde entweder irgendwann nicht mehr schmerzen, oder dass ich mich daran gewöhne. Oder ich endlich den nächsten Schritt mache und einfach aufhöre daran zu denken.« Er entblößte die Zähne zur bitteren Parodie eines Lächelns. »Ich habe immer gedacht, ich sei ein ganz helles Bürschchen, aber offensichtlich habe ich mich getäuscht. Wenn ich wirklich so verdammt helle im Kopf wäre, dann wäre es mir wohl mittlerweile gelungen, wenigstens eines davon zustande zu bringen.«

»Ich wünschte, ich könnte dir irgendeinen Zauberspruch verraten, Herlander.« McBryde öffnete eine weitere Bierflasche und schob sie seinem Gast hin. »Und ich will ganz ehrlich zu dir sein: Manchmal möchte ich dir einfach nur kräftig in den Hintern treten.« In seinem eigenen Lächeln lag wenigstens eine Spur echter Belustigung, und auch er schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, ob ich eher darüber sauer bin, wie du dich immer weiter damit quälst, oder darüber, wie das dein ganzes Leben ruiniert, nicht bloß deine Arbeit.«

»Ich weiß.«

Simões griff nach dem Bier und nahm einen tiefen Zug aus der Flasche. Dann stellte er sie wieder auf den Tisch und umschloss sie mit beiden Händen, sodass seine Daumen und Zeigefinger sich berührten. Einen Moment lang starrte er seine Hände an. Seine Miene wirkte dabei sehr nachdenklich.

»Ich weiß«, wiederholte er und blickte wieder McBryde an. »Ich habe bereits versucht, meinen Zorn zu überwinden, genau wie du gesagt hast. Manchmal glaubte ich sogar, ich würde es schaffen. Aber dann taucht immer irgendetwas Neues auf.

»Schaust du dir immer noch nachts diese Holos an?« McBrydes Stimme klang jetzt sehr sanft, und Simões’ Schultern schienen herabzusinken, obwohl er sich keinen Millimeter bewegt hatte. Wieder starrte er auf die Bierflasche; seine haselnussbraunen Augen hatten sich erneut in Jalousien verwandelt. Kurz nickte er.

»Herlander«, sagte McBryde leise. Simões blickte ihn an, und Jack schüttelte erneut den Kopf. »Damit bringst du dich doch bloß um. Und das weißt du genauso gut wie ich.«

»Ja, vielleicht.« Simões holte tief Luft. »Nein, nicht ›vielleicht‹ – ja, es ist so. Sogar meine offizielle Therapeutin weiß das. Aber ich … ich kann einfach nicht anders, Jack! Es ist, als wäre sie, solange ich nur immer wieder diese Holos anschaue, nicht wirklich fort.«

»Aber sie ist es, Herlander.« McBrydes Stimme war ebenso gnadenlos wie sanft. »Und Harriet auch. Und bald auch dein ganzes verdammtes Leben, wenn du dich davon immer weiter runterziehen lässt.«

»Manchmal frage ich mich, ob das wirklich eine so schlechte Idee ist«, gestand Simões leise ein.

»Herlander!« Dieses Mal klang McBrydes Stimme sehr scharf, und wieder hob Simões den Kopf.

Schon komisch, dachte McBryde, als sie einander in die Augen blickten. Unter gewöhnlichen Umständen wäre es ein Verstoß gegen jegliche Regeln des Alignment-Sicherheitsdienstes gewesen, einen der Wissenschaftler, für deren Sicherheit er verantwortlich war, als Gast in seinem eigenen privaten Appartement willkommen zu heißen. Und besagter Wissenschaftler war ihm sogar erstaunlich schnell zu einem echten Freund geworden. Ja, das war wirklich ein Verstoß gegen sämtliche Regeln … nur dass immer noch die Anweisung galt, die Isabel Bardasano persönlich Jack erteilt hatte.

Zunächst hatte Jack gewisse Vorbehalte gehegt, als er diese Anweisungen erhalten hatte – und in mancherlei Hinsicht war dem immer noch so, vielleicht sogar noch mehr als zu Anfang. Zum einen war seine Beziehung zu Simões wirklich zu so etwas Ähnlichem wie echter Freundschaft geworden, und Jack wusste, dass das aus ach so vielerlei Gründen überhaupt nicht gut war. Jemanden, der eigentlich nur eine einzige Verkörperung unbändiger Qual war, zu seinem Freund zu machen war so ziemlich die beste Methode, den eigenen Seelenfrieden gründlich zu ruinieren. Selbst mitempfinden zu müssen, was man Herlander Simões und seiner Tochter angetan hatte, war sogar noch schlimmer, vor allem, wenn man bedachte, wie das zu seinem Zorn beitrug … und die abwegigen Denkpfade, auf die ihn das führte. Und selbst wenn man all das einfach außer Acht ließe, war Jack sich doch nur zu deutlich bewusst, dass seine Objektivität – seine professionelle Objektivität, die niemals zu verlieren, auch nicht im Hinblick auf Simões, er sich und anderen geschworen hatte – gänzlich zerstört war. Was zunächst lediglich Gehorsam einer Weisung gegenüber gewesen war – nur die pflichtschuldige Bemühung, einen wissenschaftlichen Aktivposten funktionsfähig zu halten –, hatte sich nach und nach in etwas gänzlich anderes verwandelt.

Auch Simões war sich dessen bewusst. Es war sonderbar, aber in mancherlei Hinsicht hatte die Tatsache, dass McBryde zunächst auf gänzlich pragmatischem Wege versucht hatte, Simões’ Nützlichkeit für das Gamma Center zu bewahren, es dem Hyperphysiker sogar leichter gemacht, sich ihm gegenüber zu öffnen. McBryde war der Einzige, der nicht mit der Erklärung angefangen hatte, alles was er tue, geschehe doch nur zu Simões’ ›eigenem Besten‹, und das hatte Simões dazu gebracht, diesem Mann gegenüber seine Deckung aufzugeben. Es gab Momente, in denen sich McBryde fragte, ob in Simões’ Einstellung ihm gegenüber nicht zumindest ein Funken Selbstzerstörungswut liege – er würde irgendetwas sagen oder tun oder preisgeben, was McBryde dazu zwingen würde, ihn aus dem Center herauszuwerfen.

Doch wie auch immer seine verworrenen Emotionen, seine Einstellungen, seine Motive und seine Hoffnungen auch geartet sein mochten: Jack McBryde war der Einzige in der ganzen Galaxis, zu dem Herlander Simões gänzlich offen zu sein bereit war. Zugleich war er auch der Einzige, der es wagen konnte, Simões für irgendetwas zurechtzuweisen – beispielsweise für seine selbstzerstörerische Neigung, sich jeden Abend aufs Neue Aufzeichnungen von Francesca anzusehen –, ohne sich damit sofort augenblicklich Simões’ selbstverteidigenden Zorn zuzuziehen.

»Seien wir doch ehrlich, Jack«, sagte der Wissenschaftler jetzt und verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. »Früher oder später wirst du zu dem Schluss kommen, es sei an der Zeit, mich von der Arbeit abzuziehen. Du weißt genauso gut wie ich, dass meine Effizienz immer weiter sinkt. Und ich bin auch nicht gerade eine Stimmungskanone, wenn es um die Moral des restlichen Teams geht, oder? Was meine Emotionen angeht, so sind sie nicht einmal mehr aktiv zerstörerisch. Wirklich, eigentlich sind sie das nicht mehr. Da ist bloß noch dieses langsame, schleifende, allmähliche Aufzehren. Ich bin so gottverdammt müde, Jack. Ein ziemlich großer Teil von mir will einfach nur noch, dass es aufhört. Aber da ist auch dieser andere Teil, der einfach nicht aufhören kann, denn wenn ich das tue, dann wird Frankie einfach für immer fort sein, und diese Mistkerle werden weitermachen, als wäre nichts gewesen, und sie ganz und gar vergessen. Die werden das Ganze einfach unter den Teppich kehren.«

Bei den letzten beiden Sätzen klang seine Stimme unendlich verbittert, und seine Finger verkrampften sich um die Bierflasche, als wolle er sie zerquetschen. Als wolle er sie erwürgen, schoss es McBryde durch den Kopf und fragte sich, ob er versuchen solle, Simões von seinem Zorn abzulenken.

Er wusste, dass er sich unbedingt mit der Therapeutin zusammensetzen sollte, die man dem Wissenschaftler zugewiesen hatte. Jack sollte ihr mitteilen, was er bislang in Erfahrung gebracht hatte und sie um Rat fragen, wie er auf Simões reagieren sollte, damit es möglichst konstruktiv wäre. Bedauerlicherweise konnte Jack das nicht tun. Zu seiner eigenen Überraschung lag es zum Teil daran, weil es für ihn ein Vertrauensbruch gegenüber Simões gewesen wäre. Was auch immer er zu diesem Mann bei ihrem allerersten Gespräch hinsichtlich seiner Privatsphäre gesagt hatte, bislang hatte er sie gewahrt und niemals verletzt – und er vermutete, dies sei Simões durchaus bewusst.

Der andere Grund war noch deutlich erschreckender, wenn Jack sich selbst gestattete, sich damit zu befassen (was er so selten wie nur irgend möglich tat): Er hatte Angst. Er hatte Angst, er könne, wenn er über Simões’ Denkart und Zorn sprach, nur allzu viel seiner eigenen Gedanken verraten … insbesondere im Gespräch mit einer ausgebildeten Therapeutin im Dienste des Alignments, die bereits darüber nachdachte, welches potenzielle Risiko ihr Patient wohl darstellen mochte.

Soll ich versuchen, ihn von diesem Zorn abzubringen, oder soll ich ihm einfach gestatten, ein bisschen Dampf abzulassen? Zumindest einen Teil dieses gewaltigen Druckes muss er loswerden, aber so richtig helfen tut das ja auch nicht, oder? Innerlich schüttelte McBryde den Kopf. Natürlich nicht. Es ist, als würde jedes Mal, wenn er etwas Druck ablässt, auf diese Weise nur noch mehr neuer Sauerstoff hereingelassen. Und dieser Sauerstoff sorgt dafür, dass das Feuer letztendlich nur noch umso heftiger lodert.

»Du lässt Fabre und dem Rest immer noch keine Ruhe, oder?«, fragte er schließlich.

»Du bist doch der Sicherheitsexperte«, gab Simões sofort zurück, doch in seiner Stimme schwang nur ein Hauch Zorn mit. »Du liest doch jetzt schon sämtliche meiner E-Mails und Memos und dergleichen, oder etwa nicht?«

»Na ja...

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