Liebe ist mehr als ein Wort, Dr. Whitworth

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juli 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1793-3 (ISBN)
 
"Heirate mich", schlägt Cal vor. Zwei Worte, ganz praktisch gedacht. Aber er macht es sich zu leicht, findet Blythe. Natürlich wäre eine Zukunft mit dem Landarzt wunderschön: Gemeinsam könnten sie die Lebensretter des Outback werden! Aber doch nicht ohne Liebe ...

1. KAPITEL

Blythe wusste genau, was er dachte. Immer wieder sah er sie verstohlen von der Seite an, bevor er leise fragte: "Bist du wirklich Lileths Schwester?"

"Sehe ich aus wie ihre Schwester?", gab sie bissig zurück und deutete auf die zierliche dunkelhaarige Braut, die mit ihrem Bräutigam und dem Bischof in einem winzigen Raum in der Kapelle saß. Weil dort niemand sonst Platz fand, mussten Blythe als Brautjungfer und der ihr unbekannte Trauzeuge vor der Tür warten.

Es war unglaublich heiß, und die prüfenden Blicke des Mannes machten sie nervös. Dummerweise hatte sie ihn mit ihrer Bemerkung geradezu herausgefordert, sie so genau zu mustern.

Aufmerksam glitt sein Blick über ihren Körper und blieb an ihrem Dekolleté und an ihren Kurven hängen, die der anschmiegsame Stoff betonte.

"Eigentlich nicht", antwortete er schließlich gedehnt.

Blythe verdrehte die Augen. Hatte ihm die Hitze so zugesetzt?

Sie war groß, blond und steckte in einem Brautjungfernkleid, das eigentlich für ihre deutlich zierlichere Stiefschwester genäht worden war. Wie konnte er da nicht merken, dass er die falsche Partnerin hatte?

Vorsichtig, um ihr Kleid nicht zu sprengen, rückte sie in den schmalen Streifen Schatten, den die Wand in der Mittagshitze spendete. Auf dem hellen Satinstoff wären Schweißflecken ein Desaster.

Warum dauerte es nur so lange, ein paar Dokumente zu unterschreiben?

"Du bist blond."

"Blitzmerker!", murmelte Blythe ironisch.

"Wohl eher das Gegenteil", bemerkte der Trauzeuge verständnisvoll. "Ich bin überrascht, dass ich überhaupt hier stehe. Als ich gestern Abend ankam, wurde ich gleich zu Marks Junggesellenabschied entführt. Er konnte zeitig zu Bett gehen, aber ich musste bleiben. Und die paar Stunden Schlaf haben nicht wirklich geholfen."

Er rieb sich die Stirn. So bedauernswert der hochgewachsene Mann wirkte, Blythes Sympathie hielt sich in Grenzen.

"Selbst schuld!"

Wütend blitzte er sie an. Jeder andere wäre bei diesem Blick wahrscheinlich geflüchtet, aber sie ignorierte ihn einfach. Seine Augen waren atemberaubend. Grau mit einem dunkleren Ring um die Iris.

"Ich habe keinen Kater", widersprach er grimmig, "sondern bin nur müde."

Blythe ignorierte seinen Protest. Aufmerksam musterte sie ihn. Sein schwarzes Haar war extrem kurz geschnitten - wahrscheinlich extra für die große Feier.

"Die Trauzeugen bitte."

Der Bischof bat sie herein, damit sie unterschreiben konnten. Blythe versuchte, auf dem Dokument einen Blick auf den Namen ihres Begleiters zu erhaschen. Callum Whitworth. Du meine Güte! Er war einer von ihnen. Ein Viehbaron!

Mit ihrer Unterschrift war es offiziell.

Lileths Großvater hatte keine Kosten gescheut und sogar ein Streichquartett einfliegen lassen. Das stimmte sogleich den triumphalen Hochzeitsmarsch an, als der Bischof das Brautpaar zurück in die Kirche und den Mittelgang hinunterführte. Die beiden Trauzeugen folgten mit einigem Abstand.

"Ich finde, Triumph ist an dieser Stelle etwas übertrieben", raunte Blythes Partner ihr zu. "Wer hat denn hier schon gewonnen?"

"Die wahre Liebe natürlich!", zischte Blythe ironisch zurück. "Ich dachte, ihr Naturburschen wärt noch echte Romantiker!"

"Gebranntes Kind scheut das Feuer."

Dutzende Kameras blitzten auf, und es regnete Rosenblätter auf die strahlende Braut. Freunde und Verwandte drängten sich um das Brautpaar und schoben Blythe und ihren Begleiter unsanft zur Seite.

"Also, wer bist du?", fragte er beiläufig.

"Lileths Stiefschwester. Eigentlich war ich für die Hochzeitsfeier gar nicht eingeplant, weil ich die falsche Kleidergröße habe. Aber da Mary-Lynne Mumps bekam, bin ich sozusagen der Ersatz in letzter Minute."

Plötzlich kam Blythe ein Gedanke.

"Du bist ein Whitworth, also wusstest du, dass ich nicht Mary-Lynne bin!"

Schelmisch lächelte er sie er. Dadurch wirkte er unglaublich attraktiv - einfach umwerfend.

"Wir haben die Mädchen seit ihrer Kindheit kaum gesehen", sagte er. "Ich glaube, die Familie hat sich etwas von ihnen distanziert, als ihr Vater die Mädchen nach dem Tod ihrer Mutter allein aufziehen wollte. Ohne die Erzieherinnen und Bediensteten, die mein Großvater gern angestellt hätte."

"Und als er dann meine Mutter geheiratet hat, sind sie noch tiefer in Ungnade gefallen." Blythes zynischer Tonfall konnte leicht mit seinem mithalten.

"Welche ist deine Mutter?" Er drehte sich zu den Frauen um, die die Braut umschwärmten.

"Die Frau mit dem Heiligenschein."

Cal warf ihr einen scharfen Blick zu, und sie bereute ihre flapsige Antwort.

"So war das nicht gemeint", versicherte Blythe schnell. "Meine Mutter ist die freundlichste und liebste Frau, die man sich vorstellen kann. Und sie hat ihre Familie immer hingebungsvoll umsorgt!"

"Du klingst nicht gerade glücklich darüber, sie zur Mutter zu haben", bemerkte Cal.

Blythe lächelte ihn verschmitzt an.

"Es ist leider sehr schwer, Nein zu sagen, wenn sie dich um einen Gefallen bittet. Schau mich an. Ich sollte vor zwei Wochen nach Großbritannien fliegen. Aber weil Lileth sich Hals über Kopf verliebt hat und heiraten wollte, musste ich meinen Abflug verschieben und die Stelle aufgeben, die ich dort antreten wollte. Dann hat ihr Großvater darauf bestanden, dass sie auf dem Familienanwesen heiratet. Also muss ich ans Ende der Welt fliegen, was ich mir kaum leisten kann. Und was passiert kurz nach meiner Ankunft? Mary-Lynne wird krank. Mum schaut mich an, und nach einem knappen 'Bitte, Blythe', werde ich für die Hochzeit in ein Kleid gequetscht, das zwei Nummern zu klein ist."

"Warum musstest du für den Flug bezahlen?"

"Es ist nicht gerade ein Katzensprung von Brisbane ins Northern Territory. Dir ist das vielleicht nicht so bewusst, aber dieser Ort liegt ziemlich abgelegen. Ich musste erst nach Darwin fliegen und dann weiter nach ."

"Aber mein Großvater hat alle Hochzeitsgäste eingeflogen", unterbrach er sie. "Aus Brisbane und aus Sydney."

"Nun ja ." Verlegen wich Blythe seinem Blick aus. Wie sollte sie ihm erklären, dass sie von diesem Mann, mit dem sie nicht verwandt war, nichts annehmen wollte? Nicht einmal ihre Mutter hatte das verstanden.

"Scheint, als würden wir gebraucht." Cal nahm ihren Arm und begleitete sie zum Brautpaar. "Die Fotos fürs Erinnerungsalbum."

Sie posierten für verschiedene Gruppenbilder. Anschließend wurden sie in einen Golfbuggy verfrachtet und folgten dem Fotografen und dem Brautpaar.

"Hochzeitsfotos an der Lagune sind hier auf Mount Spec Tradition", bemerkte Blythes Gefährte spöttisch.

"Du hast dort auch schon welche gemacht, oder?"

"Genau!"

"Das klingst nicht, als hätte dir die Ehe viel Freude gebracht."

Sein bitteres Lachen bestätigte ihre Vermutung.

"Mein Bruder hat mehr Glück gehabt", sagte er nur. In diesem Moment erreichten sie das schattige Ufer der Lagune. Auf dem Wasser blühten die Blumen, denen Lileth ihren Namen verdankte - Wasserlilien.

"Wunderschön", musste Blythe zugeben.

"Werd jetzt nicht rührselig", beschwerte sich Cal. "Dein Sarkasmus hat die ganze Feier erst erträglich gemacht, weil ich mich ständig frage, wen du als Nächstes aufs Korn nimmst! Wenn du jetzt wie alle Frauen sentimental wirst, kann ich mich auch gleich hier ertränken. Dann habe ich es hinter mir."

Blythe holte tief Luft, richtete sich zu ihrer vollen Größe auf und warf ihm einen vernichtenden Blick zu.

"Ich bin aber eine Frau", schnaubte sie.

Ratsch!

Sie hätte nicht so tief Luft holen dürfen. Oder überhaupt atmen.

"Oh Sch."

Ein Finger auf ihren Lippen verhinderte, dass sie das Wort aussprach.

"Doch nicht vor dem Bischof." Cals graue Augen blitzten amüsiert.

Schnell presste Blythe den Arm gegen die aufreißende Naht und sah sich panisch um.

"Der Bischof ist nicht hier, und das ist nicht lustig!" Sie schaute Cal finster an. "Verdammt, was mache ich denn jetzt?"

Krampfhaft hielt sie das Oberteil ihres trägerlosen Kleides fest und versuchte den Riss zu verbergen, als Lileth auf sie zusteuerte.

"Was hast du jetzt wieder angestellt?"

Wie immer hatte ihre jüngere Schwester eine Antenne dafür, wo es Probleme gab. Sogar an ihrem Hochzeitstag.

"Das Kleid ist geplatzt!", gestand Blythe. "Ich habe Mum gleich prophezeit, dass das passiert."

Lileth sah erleichtert aus. Dann zählte sie auf, welche Katastrophen Blythe bereits verursacht hatte, einschließlich Mary-Lynnes Mumps und Blythes falscher Kleidergröße.

"Eigentlich ist es nicht so schlimm", sagte sie schließlich. "Dann machen wir eben mehr Fotos von uns. Wenn Mary-Lynne dabei wäre . Und Callum ist ja auch nur Trauzeuge, weil er mit Mark arbeitet ."

Blythe sah zu ihrem Begleiter. Der Kommentar seiner Cousine ließ ihn scheinbar völlig kalt. Er zwinkerte Blythe sogar belustigt zu.

"Ihr Whitworths seid wirklich ein lustiges Völkchen", bemerkte sie, nachdem Lileth zu ihrem Bräutigam und dem Fotografen zurückgekehrt war.

"Sei froh, dass es so ist. Bist du im Hauptgebäude oder in einem der Bungalows? Da wir nicht weiter gebraucht werden,...

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