Wer trauert um Apoll

Historischer Roman
 
Paul Waters (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 17. März 2011 | 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0249-0 (ISBN)
 
Drusus ist vierzehn, als sein Vater unter dem neuen Kaiser Constans einer Intrige zum Opfer fällt. Religiöse Fanatiker reißen den Familienbesitz an sich. Sein geliebter Lehrer stirbt. Drusus steht vor dem Nichts. Zudem ist er ein Anhänger der alten römischen Religion, während überall das Christentum auf dem Vormarsch ist. Mitten in bürgerkriegsähnlichen Unruhen muss Drusus sich entscheiden, wem er vertrauen kann, wen er lieben darf und gegen wen er kämpfen muss. Ein bemerkenswerter, brillant geschriebener Roman in der Tradition von Mary Renault und Robert Ranke-Graves.
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Deutsch
0,58 MB
978-3-8387-0249-0 (9783838702490)
3838702492 (3838702492)
weitere Ausgaben werden ermittelt
ACHTES KAPITEL (S. 159-160)

Die Ernten waren eingeholt. Die letzten großen Handelsschiffe segelten nach Süden. Die Stadt bereitete sich auf das Herbstfest vor – und Scapula kündigte ein Festmahl an. An dem Abend hatten Marcellus und ich mit Freunden gespeist. Als wir auf dem eleganten Anwesen von Scapulas Vater eintrafen, wimmelte es dort bereits von wüsten, betrunkenen Gästen. Wie üblich herrschte in den Räumen ein schummriges Licht, das kleine Schirmlampen in den Nischen spendeten.

Es war heiß und stickig und roch nach Weihrauch und teuren Duftölen, wie mein Onkel sie aus Ägypten und Syrien einführte und in seinem Laden am Forum verkaufte. Bislang war unser Abend angenehm verlaufen. Nun aber, wo wir von Gedränge und gellendem Gelächter empfangen wurden, machte ich mich auf eine Wende gefasst. Der Diener an der Tür nahm uns die Mäntel ab. Stirnrunzelnd sagte ich zu Marcellus: »Die halbe Stadt muss hier sein.« Nach dem Abendessen mit unseren Freunden kam mir das Fest vulgär vor. Ich wollte schon vorschlagen, uns die Mäntel geben zu lassen und wieder zu gehen, doch bevor ich das aussprechen konnte, dröhnte uns Scapulas Stimme aus der lärmenden Menge entgegen, und einen Moment später kam er mit rotem Gesicht und einem goldenen Eichenzweig im Haar lachend zu uns. Er begrüßte Marcellus übertrieben herzlich, während er mir scheinbar unabsichtlich den Rücken zukehrte.

An solche Kränkungen war ich schon gewöhnt. Ich überließ sie ihrer Plauderei und schlenderte davon, traf auf einen Freund, und als ich mich schließlich umdrehte, waren Marcellus und Scapula verschwunden. Ich nahm mir ein volles Glas und schob mich langsam zwischen den Leuten hindurch zur Terrasse. Die Gäste saßen auf den Stufen und auf dem Rasen oder spazierten über die Gartenwege. Eine von Scapulas Flötenspielerinnen gesellte sich zu mir und umgarnte mich plappernd, machte mir Komplimente, befühlte meine Armmuskeln und dergleichen. Ich schickte sie weg. Dann sah ich jemanden, den ich aus dem Palast kannte und unterhielt mich eine Weile mit ihm und seinen Freunden. Die Zeit verging.

Ein Sklave kam mit Wein vorbei, und ich ließ mir einschenken. Marcellus blieb in der Menschenmenge verschwunden. Ich plauderte und trank und trank. Und als die Gruppe, bei der ich stand, aufbrach, kehrte ich in die heißen, überfüllten Räume zurück. Inzwischen war es fast nicht mehr möglich, sich dort zu bewegen. Jemand schlug mir hart auf die Schulter, und ich fuhr herum. Es war Scapula. »Auf der Suche nach Marcellus?«, fragte er durch den allgemeinen Lärm. »Eigentlich nicht.« »Nein?« Er zog eine Augenbraue hoch, um anzudeuten, dass er mir nicht glaubte. »Aber er hat nach dir gesucht. Was hältst du von der Gesellschaft heute Abend? Es sind allerhand hübsche Mädchen da, meinst du nicht? Hübsch und bereitwillig.

Das sollten sie auch sein; sie kosten mich genug.« Ich reagierte kurz angebunden und wollte ihn stehen lassen. Doch er hielt mich mit ausgestrecktem Arm zurück. »Ich will dir das lange Suchen ersparen«, sagte er. »Marcellus ist in den Garten gegangen, dort entlang.« Mit schalkhaftem Blick fügte er hinzu: »Aber da fällt mir gerade ein, dass er dich im Augenblick vielleicht gar nicht brauchen kann. Er war nicht allein, weißt du. Marcellus versteht es, sich zu amüsieren, auch wenn du es nicht tust.« Seine Spitzen waren immer gut gezielt, aber ich wäre lieber gestorben, als mir das anmerken zu lassen.

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