Dorian Hunter 38 - Horror-Serie

Sieg der schwarzen Magie
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9193-0 (ISBN)
 
Ich habe Coco Zamis verloren, die Geliebte meines Herzens und die unerschrockene Gefährtin im Kampf gegen die Schwarze Familie. Ich verlor Coco auf einer der über dreitausend kleinen und kleinsten Bahamainseln, auf einer Insel, deren Namen niemand kennt, die auf keiner Seekarte eingezeichnet und normalen Menschen nicht ohne magisches Wirken zugänglich ist. Auf der Insel des Dämons Asmagon. Zum Schmerz über den Verlust kommt noch die Ungewissheit. Habe ich sie verloren, weil sie sich für mich, für Donald Chapman, Marvin Cohen und die anderen von der früheren Inquisitions­abteilung aufopferte? Oder weil sie das Leben an meiner Seite nicht mehr ertragen konnte? Alles begann an einem sonnigen Märztag in einer Villa in Nassau, der Hauptstadt der Bahamas, auf der Insel New Providence ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,23 MB
978-3-7325-9193-0 (9783732591930)

2. Kapitel

Der Matrose starrte fassungslos in die Ecke, wo Augenblicke zuvor noch der Hermaphrodit Phillip gefesselt gelegen hatte. Phillip war spurlos verschwunden, als hätte er sich in Luft aufgelöst, von einem Augenblick zum anderen. Er zwinkerte ein paarmal, aber davon tauchte Phillip nicht wieder auf.

»Wo ist der Kerl hin?«, brüllte er Coco Zamis, Miss Pickford, Trevor Sullivan und den bewusstlosen Marvin Cohen an.

Niemand antwortete.

Wütend stieg der Matrose die Treppenleiter hoch und rannte zum Kapitän.

Coco konzentrierte ihre Hexenfähigkeiten darauf, ihre Fesseln zu sprengen. Sie murmelte die Messerbeschwörung und wollte die Lederriemen mit unsichtbarer Klinge durchschneiden, aber es gelang ihr nicht. Nicht etwa, weil ihre Hexenfähigkeiten zu schwach gewesen wären; irgendetwas hemmte sie, blockierte sie; ein dämonischer Einfluss, der über der Jacht hing und ihre Magie zunichtemachte.

Coco fluchte wenig damenhaft. Sie war sehr nervös und gereizt und machte sich große Sorgen um Dorian, denn er war schon vor Stunden abgeholt worden. Und jetzt war auch noch Phillip auf geheimnisvolle Weise verschwunden.

Trevor Sullivan begann zu stöhnen. Seine sonst so bleiche rechte Gesichtshälfte hatte sich verfärbt. Er warf sich auf der Schaumgummimatratze hin und her. Seine Augen waren so verdreht, dass man nur noch das Weiße sah, seine Halsmuskeln und Sehnen zum Zerspringen angespannt. Sein Kopf zuckte hin und her. Coco konnte sich nicht erklären, was er hatte, und Miss Pickford begann entsetzt um Hilfe zu rufen.

Endlich kamen der Kapitän und der schwarze Matrose.

»Halt's Maul, Alte!«, rief der Kapitän mit den groben Gesichtszügen. »Sonst kriegst du einen Tritt! Also, Caiman, wie war das mit diesem komischen Jungen oder was immer es auch war?«

»Der Kerl lag dort hinten. Ich hab mich nur kurz umgedreht, und als ich wieder hingesehen hab, war er weg. Verfluchter Zauber!«

»Er muss irgendwo auf dem Schiff sein«, sagte der Kapitän.

»Ich hätte ihn gesehen, wenn er über die Treppe entwischt wäre. Er ist einfach weg!«

»Wenn das der Alte hört!«, seufzte der Kapitän. »Na, machen wir Meldung, sonst regt er sich noch mehr auf, weil wir nicht gleich zu ihm gekommen sind.«

Die beiden gingen zur Treppenleiter, ohne sich um Trevor Sullivan oder den schwerverletzten Marvin Cohen zu kümmern.

Cohen hatte hohes Fieber. Er sprach manchmal irre und kämpfte in seinen wirren Phantasien mit Dämonen, pfählte Vampire und schoss mit Silberkugeln auf Werwölfe.

Coco stellte die Fragen, die ihr schon lange auf der Zunge lagen.

»Was ist mit Donald Chapman? Ist er nicht an Bord? Und wollt ihr euch nicht um Marvin Cohen kümmern? Hat er etwa noch die Kugel in der Brust?«

»Den kleinen Wicht haben wir zum Frühstück gefressen«, antwortete der Kapitän höhnisch.

Ohne weiter auf Cocos Fragen einzugehen, verließen er und der Matrose den kleinen Laderaum der Jacht.

Etwa eine Viertelstunde später kam der Kapitän wieder, eine Spritze in der Hand. Coco hatte noch einmal versucht, sich durch Hexerei von ihren Fesseln zu befreien - vergeblich.

Trevor Sullivan war wieder ruhig geworden. Er war bei Bewusstsein, aber völlig erschöpft. Miss Pickford schimpfte vor sich hin, sorgte sich laut um ihren Schützling Phillip und wünschte den Gangstern alle Qualen der Hölle an den Hals.

Der Kapitän trat zu Coco. »Halt still, sonst tut es nur noch mehr weh.«

Er krempelte ihren Blusenärmel hoch und suchte die Vene. Die Mühe, die Einstichstelle zu desinfizieren, machte er sich nicht. Er fand die Vene nicht gleich und stocherte ein paarmal herum. Coco hatte die Augen geschlossen. Der Kapitän zog die Spritze heraus. Noch bevor er ohne ein weiteres Wort die Treppenleiter wieder hinaufstieg, hatte Coco das Bewusstsein verloren.

Ihr Geist glitt aus der Realität in eine Welt wirrer Phantasien. Sie hörte Stimmen und sah Fabelgestalten und Horrorwesen, sie erlebte Alpträume und Visionen und hatte sie im nächsten Augenblick schon wieder vergessen; nur die Schweißtropfen auf ihrem Gesicht und ihrem Körper blieben zurück.

In ihrem Alptraum wanderte sie durch eine dunkle, große Grotte. Im Hintergrund brannte ein Feuer, weit entfernt, und Schatten huschten und tanzten dort über die Wände. Coco wusste, dass etwas unsagbares Grauenhaftes auf sie wartete, aber sie musste weitergehen, auf das Feuer zu. Aus den Höhlen in der Grottenwand, die von spärlichem, düsterem Lichtschein beleuchtet war, schauten Monster- und Gnomenköpfe, schlängelten sich hässliche Tentakel. Stimmen wisperten und raunten, geiferten und schimpften.

Coco ging immer weiter, und plötzlich stand Olivaro vor ihr, jener Dämon, der sich nach dem Tod Asmodis auf Haiti als Magus VII. zum Herrscher der Schwarzer Familie gemacht hatte.

Olivaro war mittelgroß, eher zierlich gebaut, schwarzhaarig und hatte einen olivfarbenen Teint. Er trug einen hellen Leinenanzug und sah durchschnittlich aus - bis man in seine Augen sah. Sein Blick war stechend und verschlagen, durchbohrend und glühend. Nein, Olivaro war kein durchschnittlicher Dämon.

»Hilf mir, Olivaro!« Sie konnte zwischen Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. »Rette mich!«

»Nichts lieber als das«, antwortete er. »Ich bringe dich sofort in Sicherheit.«

Coco wusste, dass ihre Freunde an Bord einer Jacht gefangen waren, zugleich aber erschien ihr ihre Alptraumumgebung auch ganz real, und sie verschwendete keinen Gedanken darauf, wie sie hierher gekommen war. Der Kapitän hatte ihr etwas in die Vene gespritzt, damit sie ihre Hexenfähigkeiten nicht einsetzen konnte. Griffith hatte es angeordnet.

»Allein will ich nicht in Sicherheit gebracht werden«, antwortete Coco auf Olivaros Angebot. »Du musst auch meine Freunde retten. Besonders Dorian Hunter.«

Olivaros Blick wurde stechend, als er den Namen hörte. »Was gehen mich diese Würmer an? Dorian Hunter braucht nur Griffiths Angebot anzunehmen und sich der Schwarzen Magie zu verschreiben, dann ist er gerettet.«

Coco hörte zum ersten Mal davon. »Das wird Dorian nie tun. Lieber stirbt er.«

»Soll er sterben. Ich will erreichen, dass er die Schwarze Familie nicht mehr bekämpft, und wenn Griffith mir die Arbeit abnimmt, kann es mir nur recht sein.« Er musterte Coco, sein verschlossenes Gesicht wurde weicher. Er begehrte Coco, wie ein Dämon eine schöne Hexe nur begehren konnte. Coco war mit ihrem pechschwarzen Haar, dem aparten Gesicht, den hohen Wangenknochen, den dunkelgrünen Augen und der schlanken, kurvenreichen Figur sehr attraktiv. »Du bist eine Zamis, der Abkömmling einer dämonischen Familie und eine Hexe von dunklem Geblüt. Das kannst du nicht verleugnen. Auch dein perverses Zusammenleben mit dem Dämonenkiller macht diese Tatsache nicht zunichte.«

Coco warf stolz den Kopf zurück. Selbst im Traum wollte sie sich Olivaro nicht beugen.

Er fuhr fort, an sie zu appellieren: »Du gehörst zur Schwarzen Familie, Coco. Du bist eine von uns. Dass du den Grafen Cyrano von Behemoth als Bräutigam abgelehnt hast, obwohl dein Vater es so bestimmt hatte, kann ich ja verstehen. Aber es gibt auch noch andere männliche Dämonen, die an dir interessiert und die viel attraktiver sind, als Behemoth es mit seinen Glotzaugen war.«

Es gab für Coco keinen Zweifel, dass Olivaro von sich selber sprach. Als Herrscher der Schwarzen Familie wäre er für jede Hexe und jede Dämonin der Traummann gewesen, aber nicht für Coco. Sie hütete sich jedoch, ihn vor den Kopf zu stoßen.

»Willst du uns nicht doch helfen? Um meinetwillen. Wenn Hunter gerettet wird, wer weiß, vielleicht kann ich ein Gefühl für dich entdecken. Wir kommen in der letzten Zeit nicht mehr so gut miteinander aus wie zu Anfang - Dorian und ich.«

Olivaro überlegte und sah Coco ins Gesicht. Sein Blick wanderte über ihre attraktive Figur. Er wollte diese Frau haben.

»Ich bin Magus VII., der Herrscher der Schwarzen Familie. Es gehört eine Fürstin an meine Seite .« Er ließ die Worte in der Schwebe.

Coco tat, als müsste sie nachdenken. Es war ein sehr verlockendes Angebot, die Frau des Fürsten der Finsternis zu werden.

»Rette uns alle, Olivaro! Zeig mir, dass dir an mir wirklich etwas liegt! Wenn Dorian Hunter auf elende Weise ums Leben kommt, wird das unser Verhältnis auf ewig belasten.«

Olivaros spitze Zunge fuhr über seine Lippen. »Ich will sehen, was zu machen ist.«

Ich war bei der Folter zum zweiten Mal ohnmächtig geworden. Kaltes Wasser weckte mich. Prentice und Bull, die beiden Kreolen, rissen mich vom Boden hoch. Während meiner Bewusstlosigkeit hatten sie mich vom Stahlrohrsessel losgeschnitten.

Mein Körper und mein Gesicht sahen übel aus. Überall hatte ich Brandwunden, Quetschungen und blutunterlaufene Stellen. Alles tat mir weh. Ich war so fertig, dass ich mich am liebsten in eine Ecke gelegt und die Augen zugemacht hätte. Aber das ließen meine Folterer nicht zu.

Der Kapitän ging voran. Sie schleppten mich wieder zu Griffiths Kabine. Diesmal erwartete der Alte mich stehend. Er trug einen hellen Leinenanzug und stützte sich auf einen Stock mit Silberknauf.

Auf dem Tisch der Kabine stand ein Käfig, ähnlich einem Vogelbauer, aber viel stabiler. In ihm hockte wie ein Häufchen Elend - Donald Chapman. Die Kleider des Dreißig-Zentimeter-Mannes waren zerfetzt. Auf dem Käfigboden sah ich Blutspuren.

»Don!«, rief ich entsetzt.

Er winkte müde ab. »Der alte Satan hat sich persönlich um...

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