Tödliche K. I.

Thriller
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2020
  • |
  • 348 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8392-6356-3 (ISBN)
 
Die Studentin Jana sitzt vor ihrem Computer und kann es nicht fassen: Terroristen kennen nicht nur ihre private E-Mail-Adresse, sondern auch ihren echten Namen, ihren echten Wohnort. Und das, obwohl sie nur online und mit falscher Identität für ihre Seminararbeit über Propaganda recherchiert hat. In Panik wendet sie sich an ihren Schulfreund Nils, einen begnadeten Hacker. Er löscht einen Virus von ihrem PC, doch Jana ahnt nicht, dass damit der Albtraum erst richtig beginnt .
weitere Ausgaben werden ermittelt
Markus Warken wurde 1965 in Saarbrücken geboren. Er ist Vater von drei Kindern und lebte mehrere Jahre in Bonn, Cambridge, Brüssel, Ulm und Berlin. Der promovierte Physiker arbeitet in der Forschung und Entwicklung eines weltweit führenden Technologieunternehmens und verfügt über einen tiefen Einblick in die Möglichkeiten und Entwicklungen der Computer- und Telekommunikationsindustrie. Seine Leidenschaft für das Schreiben begann im Flugzeug auf einer Dienstreise.

Prolog


Freitag, 4. August 2017 - »Crypto City«, Fort Meade, Maryland, USA

Das zentrale Gebäude von »Crypto City« wirkt von Weitem wie die monströs vergrößerte Kaaba - ein mächtiger, schwarz verspiegelter Würfel. Der vor Unbefugten hermetisch abgeschirmte Bau beherbergt das Hauptquartier des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA, in dem die Fäden des weltumspannenden Überwachungsnetzes der USA zusammenlaufen und »top secret« eine der mittleren Geheimhaltungsstufen ist. Für die einen hütet der schwarze Würfel den Gral der Freiheit, für die anderen umschließt er das Herz der Finsternis, ist er ein Hort der Kontrolle und Unterdrückung.

Lässt man die Mystik und Legenden beiseite, die sich um dieses Machtzentrum ranken, bleibt lediglich ein Bürokomplex, ähnlich dem Entwicklungszentrum eines großen Technologieunternehmens, in dem gewöhnliche, fehlbare Menschen arbeiten. Einer davon, Major Ulmer, hetzte am 4. August 2017 durch den letzten der schier endlosen Gänge, der ihn noch von seinem Ziel trennte: dem Büro seiner Arbeitsgruppe, dem Epizentrum des ADONIS-Programms. Die Blicke seiner Kollegen folgten ihm - manche neugierig, andere sensationslüstern, mitleidig oder schadenfroh. Nichts verbreitete sich schneller als schlechte Nachrichten. Der Spießrutenlauf ging bis zur Bürotür seiner Dienststelle. Ulmer flüchtete sich hinein und warf die Tür krachend hinter sich ins Schloss. 14 Augenpaare wandten sich ihm zu.

»Der Vizepräsident tobt - und wir sind schuld, weil unser System Bockmist gebaut hat!« Major Ulmer hielt die neueste Ausgabe einer Washingtoner Zeitung mit der rechten Hand hoch und klatschte mit der linken dagegen. »Lagebesprechung«, befahl er knapp und durchquerte das Büro mit schnellen Schritten, um zum Forum zu gehen, wo sie alle größeren Besprechungen abhielten. Er nutzte die wenigen Sekunden, die vom Lärm rückender Stühle und eilender Füße beherrscht wurden, um sich zu sammeln. Nachdem alle im Kreis um ihn herum standen, durchbrach nichts außer dem Surren der Klimaanlage die Totenstille.

»Vertrauliche Daten vom Dienstrechner des Vizepräsidenten sind an die Öffentlichkeit gelangt«, eröffnete er seinen Mitarbeitern. »An die einschlägigen Journalisten, allen voran diese Hyäne Vivian Lee. Die politische Laufbahn des Vizepräsidenten hängt am seidenen Faden und das Schlimmste: Die undichte Stelle ist eins unserer ADONIS-Cooties. Der Vizepräsident wird uns durch den Fleischwolf drehen, wenn wir das nicht mit Lichtgeschwindigkeit glattziehen!«

Ulmer fühlte Schweiß aus seinen Achselhöhlen tropfen.

»Kann man das Datenleck denn sicher auf ein ADONIS-Cootie zurückführen?«, fragte Sergeant Rodriguez, seit Jahren seine rechte Hand und engster Vertrauter. »Sonst kann uns keiner etwas wollen.«

Bevor Ulmer antworten konnte, flog die Tür auf, und Colonel Harris betrat den Raum. »ADONIS wird terminiert!«, blaffte er barsch.

Major Ulmer knirschte mit den Zähnen. In den Augen seiner Mitarbeiter stand blankes Entsetzen. Colonel Harris' Miene ließ keinen Zweifel daran, dass er es bitter ernst meinte. Ulmer straffte sich und ging langsam auf seinen Vorgesetzten zu. Im Rücken spürte er die Blicke seiner Männer wie stumme Hilferufe. Bislang war ADONIS von jedem als nächste Generation geheimdienstlicher Überwachungstechnologie gepriesen worden. Sollte das Missgeschick mit den Daten des Vizepräsidenten auf einen Schlag alles infrage stellen? Ulmer atmete tief ein und öffnete den Mund, um sein Lebenswerk zu verteidigen.

»Ich bin nicht gekommen, um zu diskutieren«, schnitt Harris ihm das Wort ab, bevor Ulmer einen Ton hervorbringen konnte.

»Das kann nicht Ihr Ernst sein«, begehrte Ulmer auf. »Mit ADONIS können wir jeden überwachen, der ein elektronisches Gerät benutzt. Wir sind um Größenordnungen effizienter als jedwede andere Form geheimdienstlicher Personenüberwachung, weil alle 4D-Schritte komplett automatisiert sind.«

Harris reagierte nicht, sodass Ulmer einen weiteren Vorstoß wagte. »Colonel, wir können jeden überwachen, jeden gottverdammten Menschen auf der ganzen Welt - und gegebenenfalls bekämpfen. Jeden - jederzeit - überall - und das bei lächerlich geringen Kosten.«

»Genau in dieser Automatisierung liegt das Problem«, knurrte Harris. »Sie haben sich verrannt! Lesen Sie eigentlich keine Zeitung? Nein? Holen Sie das bei Gelegenheit nach und ersparen Sie mir, Ihnen im Einzelnen erläutern zu müssen, was der Vizepräsident von automatisierten 4D-Schritten hält. Deny, disrupt, degrade, deceive - verleugnen, unterbrechen, herabsetzen und täuschen -, das wollen Sie allen Ernstes automatisieren?«

»Natürlich wissen wir, was in der Zeitung steht«, erwiderte Ulmer eifrig. »Die Schwierigkeiten des Vizepräsidenten könnten wir leicht ausbügeln. Warum bringen wir diese Schmierfinken nicht einfach zum Schweigen? Ein Wink an Sergeant Rodriguez, und die Abendzeitung wird heute noch melden, dass die verehrte Vivian Lee einer bedauerlichen Fehlinformation aufgesessen ist, sie alles widerruft und im Übrigen unbekannt verreist ist. Die restlichen Journalisten wittern, was die Stunde geschlagen hat, niemand hackt mehr auf dem Vizepräsidenten herum, und die Sache hat sich.«

»Ulmer, werden Sie größenwahnsinnig?«

Major Ulmer schoss das Blut ins Gesicht. Für ihn bedeutete die Einstellung von ADONIS das Ende seiner Karriere. Für Colonel Harris, der erst seit Kurzem mit dem Programm zu tun hatte, lag die Sache anders. Aus seiner Warte war die Einstellung von ADONIS die Lösung. Ulmer mit seinen Männern waren die geeigneten Bauernopfer, denen man die Schuld in die Schuhe schieben konnte. Außerdem handelte er sicher nicht ohne Weisung oder zumindest Deckung von ganz oben. Eigenmächtig das ADONIS-Programm zu beenden überschritt todsicher seine Kompetenzen.

Ulmer beschloss, seine Strategie zu ändern. »Ich schlage natürlich nicht vor, Lee und den anderen Journalisten körperlich etwas anzutun«, erklärte er. »Wir könnten die ganze Journaille mundtot machen. Eine Routineaufgabe für ADONIS.«

»Und wenn das rauskommt?«, zischte Harris.

»Wir könnten ihnen auch ein freundliches Angebot unterbreiten. Eines, das keiner von ihnen ausschlagen wird.«

Der Einwand zeigte Wirkung. Ulmer beobachtete, wie Harris schweigend nachdachte. Die linke Augenbraue des Colonels zuckte. Dann schien etwas in Harris zu explodieren und sein Vorgesetzter zertrümmerte Ulmers aufkeimende Hoffnung mit einer abfälligen Geste gefolgt von der Feststellung: »Nein, alles zu unsicher. Sie haben Ihr System nicht im Griff! Oder wie kommt es, dass ADONIS den Vizepräsidenten ans Messer liefert?«

Das war der wunde Punkt. Ulmer stierte Harris' obersten Uniformknopf an, als könnte er dort die Antwort ablesen.

»Sehen Sie, dafür haben Sie keine Erklärung! Und jetzt sorgen Sie dafür, dass ADONIS der Vergangenheit angehört und zwar so, dass das Programm spurlos getilgt wird, als hätte es nie existiert. Und das sofort, verstehen Sie? SOFORT!«

Ohne Ulmer eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ Colonel Harris den Raum. Seine Schritte hallten auf dem Flur wie die Schläge einer Marschtrommel.

Ulmer beantwortete Rodriguez' stummes Hilfeersuchen mit einem Schulterzucken. Mit dem Kinn deutete er zu Rodriguez' PC und schickte seinen Mitarbeiter damit an die Arbeit. Gefolgt von den Übrigen schlich Sergeant Rodriguez an seinen Platz und ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Dort knurrte er etwas Unverständliches, knüllte eine Handvoll Zettel mit Aufzeichnungen zusammen und pfefferte sie in den Papierkorb. Dann gab er eine Folge kurzer Kommandozeilenbefehle in seinen Rechner ein. Eine Weile hörte man nur das Klacken der Tastatur unter seinen Fingerkuppen. Auf einem großen Wandbildschirm erschien eine Weltkarte, übersät mit Millionen und Abermillionen grünen Punkten, die recht genau die Bevölkerungsdichte der Erde widerspiegelten - ein Punkt für jede über ADONIS aktiv überwachte Zielperson. Einige Sekunden geschah nichts. Rodriguez, Ulmer und alle anderen im Raum starrten wortlos den Wandbildschirm an. Erste vereinzelte Punkte begannen sich rot zu verfärben und kurz darauf zu verschwinden. Weitere Punkte folgten, bis lediglich vier übrig waren, die sich allem Anschein nach dem Löschbefehl widersetzt hatten.

»Wiederholen«, ordnete Ulmer an, und Rodriguez' Finger flogen erneut über die Tastatur. Drei weitere Punkte verschwanden. Der vierte Punkt zeigte sich unbeeindruckt und widerstand selbst drei weiteren Löschversuchen. Rodriguez zoomte heran. Es handelte sich um eine Zielperson des Servers Palo Alto ME2Z.

»Sandro, was ist da los?«, flüsterte Ulmer so leise, dass niemand außer Rodriguez ihn hören konnte.

»Keine Ahnung«, antwortete Rodriguez genauso leise. »Das System reagiert nicht wie spezifiziert. Ich, ähm, ich wollte es dir schon länger sagen: Gelegentlich bekommen wir Nachrichten von einzelnen Leviathanen, die wir nicht dekodieren können.«

Ulmer schauderte bei dem Gedanken an die Tragweite von Rodriguez' Satz, als der letzte Punkt erlosch. »Na also, geht doch!«, entfuhr es ihm erleichtert.

Rodriguez drückte sich an der Schreibtischkante vom Bildschirm weg und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Ich befürchte, nein«, erwiderte er und schluckte. Rodriguez deutete auf seinen Bildschirm. »Schau, die letzte Nachricht war >connectionRelease<, nicht >instanceShutDownConfirm<.«

»Das heißt?«

»Das heißt, der Leviathan hat von sich aus den Kontakt mit uns...

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