O du fröhliche Weibernacht

Roman
 
 
Edel Elements (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. November 2019
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96215-320-5 (ISBN)
 
Firmen-Weihnachtsfeier auf Helgoland. Drei Tage lang. Was für eine bescheuerte Idee! Und dann müssen sich die elegante Ulrike, die ehrgeizige Jana, die schüchterne Miriam und die resolute Cordula auch noch ein Zimmer teilen. Die vier können einander nicht ausstehen und würden sich lieber gegenseitig mit Christstollen bewerfen, als gemeinsam bei lustigen Spielen und teambildenden Maßnahmen mitzumachen. Doch ein ordentlicher Schuss Rum im Tee, ein gigantischer Nordseesturm und ein schlecht maskierter Nikolaus bewirken ein Wunder...

1


Montag, 16. Dezember: Morgen, Kinder, wird's was geben!

»Liebe Kolleginnen und Kollegen, darf ich kurz um Ihre Aufmerksamkeit bitten?« Andreas Sonnenberg schlug mit einem Löffel an seine Kaffeetasse.

Augenblicklich ebbte das lebhafte Stimmengewirr, das im Blauen Salon des Seebäderschiffes Jan Petersen geherrscht hatte, ab. Hier und da war leises Husten zu hören, ein paar Tassen wurden vorsichtig auf den adventlich geschmückten Tischen abgestellt, und die Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern verstummte.

»Unser Kapitän hat mir gerade mitgeteilt, dass wir fünfundvierzig Minuten vor Helgoland sind. Ich hoffe, Sie haben die Überfahrt bislang genossen«, begann Andreas seine kleine Ansprache. Heute hatte er seinen Anzug gegen Jeans und eine schwarze Strickjacke getauscht und wirkte ungewohnt lässig und entspannt. »Bevor wir aber gleich alle nach draußen gehen, um die Einfahrt in den Hafen zu beobachten, möchte ich ein paar Punkte ansprechen. Als Erstes wünsche ich uns allen ein paar schöne, besinnliche Stunden auf der Insel. Die haben wir uns redlich verdient!«

Sein warmer, dankbarer Blick streifte die Runde. Viele seiner Mitarbeiter lächelten zurück oder nickten leicht. Andere blieben still und warteten neugierig auf das, was noch kommen würde.

»Sie haben sich bestimmt schon gefragt, was wir während der nächsten beiden Tage unternehmen und wo wir übernachten werden. Heute möchte ich das Geheimnis lüften: Nach unserer Ankunft beziehen wir unsere Zimmer in der Jugendherberge der Insel!«

Ein überraschtes Raunen ging durch den Blauen Salon. Damit hatte wohl keiner gerechnet.

»Wir haben uns bewusst für diese einfache Unterkunft entschieden, weil wir möglichst wenig Zeit in den Zimmern, sondern lieber miteinander verbringen wollen. Außerdem konnten wir das gesamte Haus für uns mieten. In den nächsten beiden Tagen werden wir deshalb völlig ungestört und unter uns sein. Das ist wichtig, denn - jetzt kommt die zweite Überraschung - morgen werden wir einen Teamwettkampf veranstalten .«

Wieder war erstauntes Gemurmel zu hören.

»Wir werden uns in kleinen Teams einer Reihe von Aufgaben stellen, die wir nur miteinander lösen können. Keine Angst, das tut nicht weh, sondern soll Spaß machen und gleichzeitig die Kommunikation fördern.«

»Die Gössner-Riechel sieht aus, als müsse sie sich gleich übergeben«, wisperte Cordula und deutete auf die Sekretärin, die am selben Tisch wie ihr Chef Platz genommen hatte und das Geschehen mit gequältem Gesichtsausdruck verfolgte. »Und ich wette, das liegt nicht am Wellengang!«

Miriam legte einen Zeigefinger an die Lippen. Sie saß neben Cordula an einem der riesigen Panoramafenster, die einen wunderschönen Ausblick auf das im fahlen Sonnenlicht glitzernde Meer und den eisblauen Himmel boten. »Sei still, sonst verpassen wir noch etwas Wichtiges!«

»Heute, nach dem Auspacken, kann jeder tun und lassen, was er will«, fuhr Andreas Sonnenberg fort. »Gegen sechs Uhr treffen wir uns im Speisesaal zum Abendessen. Was uns morgen erwartet, erfahren Sie beim Frühstück. Aber ich möchte Ihnen jetzt schon Herrn Steffen Altmann vorstellen, der mit uns das Teamevent durchführen wird. Er ist ausgebildeter Sozialpädagoge und wird unser Teamcoach sein. Herzlich willkommen, Herr Altmann!«

Zögernder Applaus brandete auf, als ein großer, sehr schlanker Mann mit Halbglatze zu Andreas an den Tisch trat. »Hallo zusammen«, grüßte er mit tiefer Stimme.

»Ich habe Herrn Altmann zu mir gebeten, weil wir eine wichtige Frage klären müssen, bevor wir von Bord gehen«, sagte Andreas Sonnenberg. »Nämlich: Wer teilt mit wem das Zimmer?«

»Ich dachte, das machen wir unter uns aus?«, flüsterte Miriam überrascht.

»Das dachte ich auch«, gab Cordula zurück.

»Wir werden die Zimmereinteilung auslosen, um Sie möglichst bunt zu mischen«, erklärte Steffen Altmann. »Schließlich wollen wir diesen Ausflug nutzen, um viele neue Kontakte zu knüpfen und über unseren Tellerrand hinwegzuschauen.«

»Wollen wir das wirklich?«, sagte Miriam leise und schüttelte kaum merklich den Kopf. Auch an anderen Tischen waren kritische Bemerkungen zu hören.

»Die Zimmereinteilung entspricht der Gruppe, in der Sie morgen beim Teamevent um den Sieg kämpfen werden«, fuhr Steffen Altmann fort, ohne auf die Kommentare einzugehen. »Insgesamt sind Sie achtzig Teilnehmer, davon sechzig Frauen und zwanzig Männer. Das passt wunderbar!«

»Ach ja?«, murmelte Cordula. »Mich würde interessieren, ob er hier an Bord schon mal aufs Klo musste. Zumindest bei uns Frauen ist es nämlich ständig besetzt.«

»Psst!« Erneut legte Miriam ihren Zeigefinger auf die Lippen. »Ich glaube, jetzt geht es los.«

Der Teamtrainer winkte einen Kellner heran, der zwei große Glasvasen auf den Tisch stellte. In einem der Behälter lagen kleine, zusammengefaltete rosafarbene Loszettel, in dem anderen Gefäß war das Papier blau.

»Die Jugendherberge hat Viererzimmer, deshalb bilden wir Vierergruppen. Männlein und Weiblein werden getrennt voneinander ausgelost. Die Damen nehmen bitte einen rosa Zettel, die Herren einen blauen.«

»Wie schade«, flüsterte Cordula Miriam ins Ohr. »Die Gössner-Riechel ist jetzt bestimmt total enttäuscht. Ich wette, die hätte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um im Zimmer von Herrn Sonnenberg zu landen.«

Miriam kicherte. »Also wirklich, Cordula!«

Inzwischen hatte Steffen Altmann damit begonnen, das Auslosungsverfahren zu erklären. »Auf den Losen steht der Name eines typischen Weihnachtsgebäcks. Es gibt zum Beispiel Kokosmakrone, Vanillekipferl, Christstollen oder Zitronenherz . hmm! Da läuft mir doch das Wasser im Munde zusammen.« Er lachte als Einziger über diese Bemerkung, und als er das bemerkte, beeilte er sich, mit seinen Erläuterungen fortzufahren. »Jedes Gebäck kommt viermal vor und ist gleichzeitig der Name des Teams, dem Sie angehören. Also dann, viel Spaß beim Auslosen!«

Langsam wanderte der Glasbehälter von Tisch zu Tisch. Ulrike Gössner-Riechel wollte die Lose weiterreichen, ohne selbst eines genommen zu haben, wurde jedoch sofort von Andreas Sonnenberg dazu aufgefordert, einen Zettel zu ziehen. Für einen Moment wirkte die Sekretärin bestürzt, hatte sich jedoch schnell wieder im Griff. Sie nahm einen Zettel, warf einen kurzen Blick darauf und zerknüllte ihn achtlos in der Hand. Dann beobachtete sie das weitere Geschehen mit gelangweilter Miene.

Aber nur bis zu dem Moment, in dem Jana Flemming rief: »Team Zimtstern! Ich liebe Zimtsterne! Wer ist noch in meinem Team?«

Ulrike wurde blass und schaute nach links und rechts. Im Blauen Salon wurde während der Auslosung lebhaft geredet und gelacht, und niemand achtete darauf, was am Nebentisch vor sich ging. Deshalb stopfte sie den Zettel unauffällig in den Ärmel ihrer hellgrauen Angora-Strickjacke.

»Ich wette, sie ist ebenfalls ein Zimtstern!«, grinste Cordula und stupste Miriam gut gelaunt in die Seite.

Diese faltete gerade ihr eigenes Los auseinander. »Bloß nicht!«

»Warum?«

»Weil ich auch einer bin. Schau hier!«

»Mal sehen, wo ich lande.« Cordula griff ins Glas, zog ein Papier heraus und gab den Behälter weiter.

»Und?«, fragte Miriam.

Cordula antwortete nicht, sondern schielte zu Tine, ihrer Nachbarin auf der rechten Seite, die gerade ihr zweites Lehrjahr bei Sonne & Seife absolvierte. Umständlich faltete das Mädchen seinen Zettel auseinander. Aber noch bevor es verkünden konnte, in welcher Gruppe es gelandet war, griff Cordula zu ihrer Kaffeetasse und stieß dabei eine Blumenvase mit Tannenzweigen um. Wasser ergoss sich auf den Tisch und tropfte von dort aus auf Tines Hose.

»Oh, wie dumm von mir!«, rief Cordula und begann, mit einer Serviette den Fleck auf der Hose des Mädchens zu bearbeiten.

»Tut mir echt leid. Wie bekommst du das nur trocken, bevor wir aussteigen? Draußen ist es eiskalt. Ach, weißt du was? Auf der Toilette gibt es einen Handföhn. Wenn du dich da für ein paar Minuten drunterstellst, ist die Hose wie neu.«

»Ist schon okay, ist ja nur Wasser.« Achtlos warf Tine ihr Los auf den Tisch und verschwand auf die Damentoilette.

Cordula sammelte den Zettel ein und wirkte sehr zufrieden mit dem Verlauf der Dinge.

»Was sollte das denn?«, wollte Miriam wissen.

»Was meinst du?«

»Du hast die Vase absichtlich umgeworfen.«

»Habe ich nicht.«

»Doch. Deine Kaffeetasse ist leer, es gab gar keinen Grund, sie noch einmal in die Hand zu nehmen.«

»Und wennschon! Ich habe das nur für dich getan.«

»Wie bitte?«

»Ich bin nämlich jetzt auch ein Zimtstern.«

»Aber Cordula, du kannst doch nicht einfach die Zettel vertauschen!«

»Ich vertausche sie nicht, ich verwechsele sie. Das kann doch in der Aufregung mal passieren.«

»Sie wird es merken.«

»Bis dahin haben sich alle Teams gebildet, dann wird sie nichts mehr sagen. Erst recht nicht, wenn sie sieht, was ihr erspart geblieben ist.«

Herr Altmann beendete die Diskussion, indem er verkündete, dass nun alle Gruppen ausgelost seien. »Ich habe Schilder auf den Tischen verteilt und bitte Sie, sich zu Ihren Teammitgliedern zu setzen. Und vergessen Sie nicht: Das sind für die nächsten zwei Nächte auch Ihre Zimmergenossen.«

»Hast du das bedacht? Willst du tatsächlich lieber ohne meine Unterstützung zwischen der Schönen und dem Biest schlafen?«, fragte Cordula, während sie sich erhob und auf Jana Flemming zusteuerte.

Miriam folgte ihr widerstrebend. »Nein, eigentlich nicht.«

»Dann komm schon!«

Jana lächelte ihnen entgegen und machte...

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