Die Psychotherapie-Debatte

Was Psychotherapie wirksam macht
 
 
Hogrefe AG (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Oktober 2017
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-456-95681-7 (ISBN)
 
Die zweite Auflage des Titels "The Great Psychotherapy Debate" von Bruce E. Wampold und Zac E. Imel liegt nun in der deutschsprachigen Adaption von Christoph Flückiger vor. Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über die psychologische Therapieforschung, ihre Geschichte und über die verschiedenen Ansätze, die zur Untersuchung der Wirksamkeit verwendet werden. Zentrale therapeutische Methoden und Interventionen werden verständlich dargestellt und anhand aktueller Forschungsliteratur kritisch hinterfragt. Die Autoren vergleichen die herkömmlichen Untersuchungsansätze, die nur die Betrachtung spezifischer Wirkfaktoren berücksichtigen, mit dem eigens von ihnen entwickelten Kontextmodell, das von methodenübergreifenden Einflüssen ausgeht. Dafür stellen sie beide Modelle dar, leiten Hypothesen zur Therapiewirksamkeit ab und überprüfen anschließend ihre Annahmen anhand der aktuellen empirischen Literatur. Nach diesem Vergleich kommen sie zu dem Fazit, dass übergreifende Faktoren, wie etwa die Therapeuteneigenschaften, für die Wirksamkeit der Psychotherapie eine wichtige Rolle spielen. Damit versöhnen sie nicht nur unterschiedliche Ansätze, sondern sie ermutigen auch Kliniker dazu, pragmatisch-integrativ und methodenübergreifend zu arbeiten.
  • Deutsch
  • Das Buch richtet sich nicht nur an Studierende, Psychologen, Psychotherapeuten und Mediziner, sondern es ist dank seines didaktisch sinnvollen Aufbaus und seiner guten Verständlichkeit auch für viele weitere Interessierte geeignet.
  • 13
  • |
  • 13 Tabellen
  • 7,84 MB
978-3-456-95681-7 (9783456956817)
3456956819 (3456956819)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Die Psychotherapie-Debatte [Seite 1]
1.1 - Nutzungsbedingungen [Seite 6]
1.2 - Inhaltsverzeichnis [Seite 7]
2 - Geleitworte [Seite 9]
2.1 - Psychotherapie, Wissenschaftsmodelle und Argumentationslust [Seite 9]
2.2 - Auf dem Wege zu einem psychotherapeutischen Kernwissen [Seite 12]
2.3 - Psychotherapie: Alles Placebo, alles Dodo, alles fliegt? [Seite 16]
2.4 - Neue Wege in der Psychotherapieforschung [Seite 20]
3 - Kapitel 1 Die Geschichte der Medizin, der Methoden und der Psychotherapie [Seite 23]
4 - Kapitel 2 Das Kontextuelle Metamodell [Seite 69]
5 - Kapitel 3 Kontextuelles Metamodell versus Medizinisches Metamodell [Seite 99]
6 - Kapitel 4?Absolute Wirksamkeit [Seite 123]
7 - Kapitel 5?Relative Wirksamkeit [Seite 161]
8 - Kapitel 6?Therapeuteneffekte [Seite 209]
9 - Kapitel 7?Allgemeine Effekte [Seite 233]
10 - Kapitel 8?Spezifische Effekte [Seite 273]
11 - Kapitel 9?Konsequenzen der wissenschaftlichen Debatten [Seite 323]
12 - Literaturverzeichnis [Seite 353]
13 - Sachwortverzeichnis [Seite 387]
14 - Die Autoren [Seite 397]
Kapitel 3 Kontextuelles Metamodell versus Medizinisches Metamodell (S: 97-98)

Progressive Forschungsentwicklung

Laut Baker, McFall und Shoham (2008) sind "die wichtigsten Ziele der klinischen Psychologie und Psychotherapie, wissenschaftlich fundiertes Wissen zu generieren und dieses Wissen auf die optimale Verbesserung der psychischen und Verhaltensstörungen anzuwenden" (S. 68). Diese Verlautbarung ist auf der einen Seite so unumstritten offensichtlich, dass sie in allgemeiner Übereinstimmung resultieren sollte. Andererseits wirft diese Aussage jedoch grundlegende Fragen über das wissenschaftliche Arbeiten, die psychische Gesundheit und die Art der empirischen Evidenz auf. Kein der Vernunft verpflichteter Wissenschaftler spricht sich wohl gegen empirische Evidenz als zentrales Wissenschaftskriterium aus. Isaac Asimov (1983) antwortete, als er gefragt wurde, an was er glaube:

Ich glaube an empirische Evidenz. Ich glaube an die Beobachtung, Messung und Argumentation, die von unabhängigen Beobachtern bestätigt wurden. Ich werde alles glauben, egal, wie wild und lächerlich es sein mag, wenn es Beweise dafür gibt. Je wilder und lächerlicher etwas aber ist, desto fester und fundierter müssen die Beweise sein. (S. 43)

Die Wissenschaft nutzt empirische Evidenz, um Bewährung (und möglicherweise sogar so etwas wie "wahre" Effekte) zu entdecken. Leider sind die Konzepte der empirischen Evidenz und der Bewährung vage. Was macht empirische Evidenz aus? Kann Bewährung einwandfrei festgestellt werden? In der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts haben sich Wissenschaftsphilosophen wie Karl Popper, Thomas Kuhn, Imre Lakatos und Paul Feyerabend mit diesen Fragen intensiv auseinandergesetzt.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage der Abgrenzung der Wissenschaft von Pseudowissenschaft, verbunden mit dem Bedürfnis, zu zeigen, dass es sich bei der Psychoanalyse Freuds und der marxistischen Wirtschaftstheorie um Pseudowissenschaften handelt, und zu klären, was den Fortschritt in der Wissenschaft darstellt. Diese Fragen sind nach wie vor von zentraler Bedeutung, um die Natur der Psychotherapie zu verstehen, wie Paul Meehl (1967, 1978) vor gut vier Jahrzehnten feststellte: Theorien in "weichen" Bereichen der Psychologie fehlt der kumulative Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis. Sie neigen dazu, weder widerlegbar noch bestätigbar zu sein. Sie verblassen lediglich, sobald die Leute das Interesse daran verlieren. (Meehl 1978, S. 806).

Um die Natur der Wissenschaft zu verstehen, haben Wissenschaftsphilosophen verschiedene Theorien entwickelt, die erklären können, wie Wissenschaftsfortschritt verstanden werden kann. Trotz der philosophischen Schwierigkeiten, die in den Begriffen Beweis, Wahrheit, Wissenschaft und Pseudowissenschaft enthalten sind, wollen wir einige Wissenschaftstheorien ansprechen, um die Belege interpretieren zu können, die auf kumulativen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht durch Popularität oder Politik herbeigeführt sind. Für die Zwecke dieses Buches verwenden wir insbesondere die Theorie von Lakatos (Lakatos, 1970, 1976; Larvor, 1998; Serlin & Lapsley, 1985, 1993), dessen Arbeit irgendwo zwischen Poppers Falsifikationsvorschlag (auch kritischer Rationalismus genannt; siehe Miller, 1994; Popper, 1963) und Kuhns wissenschaftlichen Revolutionen liegt (Kuhn, 1962, 1970). Der Einsatz dieser besonderen Rekonstruktion ändert nichts an den Schlussfolgerungen dieses Buches, da man, mit Ausnahme des radikalen Konstruktivismus, jedes Schema nutzen könnte und trotzdem die gleichen Schlussfolgerungen entstehen würden. Einfach ausgedrückt, bietet Lakatos eine Wissenschaftstheorie an, die uns bei der Einordnung von Psychotherapieevidenz eminent nützlich erscheint.

Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie zum Lesen die kostenlose Software Adobe Reader, Adobe Digital Editions oder einen anderen PDF-Viewer Ihrer Wahl (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie die kostenlose App Adobe Digital Editions oder eine andere Lese-App für E-Books (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nur bedingt: Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

35,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
PDF mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung des WebShops erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok