Diese eine Woche im November

 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2013
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-13348-1 (ISBN)
 
Sie kämpfen mit dem Mut der Liebe

Als Julia in Venedig auf Tonio trifft, ist sie fasziniert von dem attraktiven jungen Mann. Während abendlicher Streifzüge zeigt Tonio der schönen Deutschen die verwunschenen Ecken der Lagunenstadt und die beiden kommen sich näher. Ihre Romanze wird jäh gestört, als sie auf die Spuren der Trucidi stoßen, einer geheimen Bruderschaft, die die Stadt vor Hunderten von Jahren regierte. Jetzt ist sie zurück und fordert die Herrschaft über die prunkvollen Palazzi. Julias Vater, ein deutscher Kommissar, ist ihnen bereits auf den Fersen - zu dicht, denn Julia und ihr Vater werden gekidnappt und ihr Leben liegt in den Händen der skrupellosen Gangster. Einzig Tonio kann seine große Liebe noch retten, doch dafür muss er sich dem Großmeister der Bruderschaft stellen ...

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Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor sowie als Regisseur in Berlin. Seine Inszenierung von "Willy Brandt - Die ersten 100 Jahre" am Theater Lübeck wurde 2013 in der Kritikerumfrage der WELT unter die zehn besten deutschsprachigen Theateraufführungen des Jahres gewählt. International bekannt wurde Michael Wallner als Autor durch den in über 20 Länder übersetzten Roman "April in Paris".

4

Rinaldo braucht einen großen Screen, einen richtig großen Screen sogar. Das Hologramm erfüllt den ganzen Raum, 5 Meter hoch und 16 Meter breit. Er selbst hat es entwickelt. Auf drei Kontinenten wurde das Multi-View-Modell gebaut, die Einzelteile kamen aus aller Herren Länder nach Venedig. Niemand kann ihn als Auftraggeber zurückverfolgen.

Dieser Mann nennt sich Rinaldo, dabei sieht er gar nicht wie ein Italiener aus. Sein Haar war blond, jetzt ist es weiß, es fällt ihm auf die Schultern. Er hat helle Augen, Polarwolf sagten sie daheim zu ihm. Seine Nase erzählt die Geschichte vieler Kämpfe, sie wurde oft gebrochen. Rinaldo stammt aus einer einsamen Gegend im Norden, deren Landschaft noch in ihm lebt, obwohl er sich schon vor langer Zeit in Venedig niederließ.

Seine Finger bedienen das Tablet, als ob sie die Arbeit auch ohne ihren Herrn verrichten könnten. Vor der holografischen Kulisse geht er auf und ab. Dutzende Prozesse sind gleichzeitig im Gang. Gerade bewegt sich Rinaldo in der Welt der Banken, er schwimmt auf den internationalen Strömen des Geldes. Sein Swimmingpool ist die Industrial Bank of China. Der Deal lockt weltweit Börsenhaie an. Sie kommen geschwommen, weil sie von dem großen Brocken fressen wollen, den der Weißhaarige ihnen hinwirft. Rinaldo streut das Gerücht, dass im Fernen Osten eine Neuentwicklung für integrierte Schaltkreise auf den Markt kommt. Er erwähnt den Kupferpreis in Russland. Er bringt ein restriktives Börsengesetz ins Spiel. Auf den ersten Blick stehen die Ereignisse in keinem Zusammenhang. Doch ein gewiefter Spekulant verbindet sie und schlägt Kapital daraus. Rinaldo hat die Haie scharfgemacht. Sie schnappen zu. Sie investieren, weltweit Milliarden.

Es gibt keinen großen Deal. Rinaldo blufft nur. Er zockt ab jetzt gegen seine eigene Prognose. Er dreht den allgemeinen Markttrend um. Ein paar Schnittstellen noch, ein paar Sekunden, dann wird der ganze Deal zusammenbrechen.

Das System gibt Alarm. Rinaldo kriegt Besuch. Hier darf nur herein, wer drei Codes richtig eingibt. Er holt die Überwachungsbilder auf den Screen. Tonio nähert sich dem Hauptquartier. Vor dem verdeckten Display schaut er sich um, erst dann tippt er die Ziffern ein. Die Stahltür springt einen Spaltbreit auf, er schlüpft hinein. Im alten Elektrokasten hinter dem Eingang verbirgt sich die nächste Sicherheitskontrolle. Tonio legt den Daumen auf den Scanner, der Laser gleitet über seinen Fingerabdruck. Vor ihm hebt sich das Gitter. Er steigt in den Fahrstuhl und beugt sich vor das unsichtbare Mikrofon. »Antonio Greco«, sagt er deutlich. Der Stimmendetektor gibt den Mechanismus frei, der Lastenaufzug setzt sich in Bewegung.

Rinaldo beendet seine Transaktion. Die Blase ist geplatzt. Das Geld verschwindet im Ozean der Weltgeschäfte. Ab heute könnte es ein paar Haie weniger geben. Es gibt immer noch zu viele. Er lässt die Grafiken und Zahlen verschwinden. Das sind Dinge, die Tonio nicht zu sehen braucht. Der Screen verwandelt sich in ein Paradies aus Wellen. Greifbar echt brandet die See auf dem Hologramm heran. Der Fahrstuhl öffnet sich.

Rinaldo und sein junger Freund reden wenig, das ist so ihre Art. Selten erzählen sie von sich selbst oder was in ihnen vorgeht. Der Weißhaarige stellt auch heute keine Fragen, obwohl er spürt, den Jungen hat etwas aus dem Gleichgewicht geworfen. Er schenkt ihm ein Glas Saft ein. Tonio trinkt. Dann beginnt er stockend zu erzählen.

Rinaldo hat Tonio aufgegriffen, als dessen Mutter schon lange tot war. Er lebte bei seinem Vater, einem trübsinnigen Kerl, der sich in den Chemiewerken von Mestre als Tagelöhner verdingte. Seit der Schnaps sein ständiger Begleiter geworden war, lebte er von Sozialhilfe und ließ den Jungen in einem Loch von Wohnung verwahrlosen. Nachts band er ihn ans Bett, wenn er auf Sauftour zog. Als die Nachbarn das nächtliche Geschrei des Kindes nicht mehr aushielten, meldeten sie es dem Jugendamt. Tonio kam in staatliche Fürsorge. Es war nur ein neues Gefängnis, eingetauscht gegen sein früheres. Schwer vorstellbar, doch der Junge liebte den brutalen Mann, den todtraurigen Säufer, seinen Papa, trotz allem, was er ihm angetan hatte. So klein Tonio war, spürte er, das Elend des Vaters kam daher, dass er seine Frau verloren hatte, Tonios Mutter.

Der Kleine sah sich nicht als Waisenkind, er hatte doch eine Familie, seinen Vater. Mit fünf Jahren brach er aus dem Waisenhaus aus und kehrte zu dem grölenden, unberechenbaren Mann zurück, den er liebte. War sein Vater überrascht, gerührt über die Treue seines Sohnes? Erwiderte er dessen Gefühl in der Tiefe seines Herzens?

Vater und Sohn blieben wieder ein paar Jahre zusammen. Sie zogen um. Tonio kam auf die Schule. Der Vater versuchte zu arbeiten. Es ging nicht lange gut. Diesmal sperrte man ihn ein, wegen Kameradendiebstahl. Er hatte die Spinde seiner Arbeitskollegen aufgebrochen. Tonio wollte auf keinen Fall wieder ins Heim und bat einen Kumpel seines Vaters um Hilfe. Der Kumpel half, aber die Hilfe war nicht umsonst. Ein Zehnjähriger ist kein Baby mehr. Für gewisse Aufgaben kann man ihn gut gebrauchen.

Tonio sah dabei nur das Abenteuer, nicht das Risiko. Von nun an gehörte er zu einer Gang, das war seine neue Familie. Er sah sich als Freibeuter. Sie erbeuteten, was nicht niet- und nagelfest war und sich schnell abtransportieren ließ. Sie brachen in Häuser ein, griffen sich Elektronikgeräte, Teppiche, manchmal Schmuck. Ziele gab es genug. In und um Venedig stehen viele Ferienwohnungen den Großteil des Jahres leer.

Tonio hatte etwas gefunden, was Spaß machte und einträglich war. Er ließ die Schule sausen. Er sparte Geld für den Tag, wenn sein Papa aus dem Knast kommen würde. Tonios Zeit als Freibeuter endete schon früher. Sie fassten ihn bei einem Einbruch und steckten ihn in die Anstalt. Er entkam wieder. Er schlug sich durch.

An einem Morgen im April erwartete Tonio seinen Vater vor dem Gefängnistor und gab ihm voll Stolz das gesparte Geld. Der Alte nahm es und haute damit ab. Er ließ seinen Sohn im Stich. Er schlug ihm damit eine Wunde, von der sich ein Kind kaum je erholt. So untauglich, so lächerlich Tonios Familie gewesen war, der Junge hätte für ihren Zusammenhalt alles getan. Zurückgestoßen von seinem Papa, verschloss er sich in seinem Inneren. Er gab dem Leben die Härte zurück, die er von ihm erfahren hatte. Tonio war nicht besonders groß, aber flink und stark. Er setzte sich mit seinen Fäusten durch, mit Eisenrohren, mit dem Messer. Seine Gegner hatten auch Messer, sie waren älter und stärker. Sie bewiesen Tonio, dass man mit zwölf kein Mann ist. Der Stich in seinen Unterleib war tief. Er kam ins Krankenhaus. Dort entfernten sie seine rechte Niere. Am nächsten Morgen besuchte ihn ein Unbekannter. Er hatte langes weißes Haar und eine gebrochene Nase. Er redete nicht viel, saß nur an seinem Bett. So begann ihre Freundschaft.

»Mit einem einzigen Schlag«, sagt Tonio. Sein Glas ist leer. Er lümmelt auf dem steinernen Band, das sich rund um den Raum zieht. »Wollten die ihn umbringen?«

»Nein«, antwortet Rinaldo. »Sie haben ihm einen Denkzettel verpasst. Er hat dir verboten, die Polizei zu rufen?«

»Er wollte mir sogar Geld geben, damit ich den Mund halte.«

»Bist du sicher, dass du das Wort richtig verstanden hast? Sagte er wirklich: Trucido?«

»Geschrien hat er es: Sag dem Trucido, er irrt sich.«

Tonios Erlebnis macht den Weißhaarigen nachdenklich. Sein Kopf sagt ihm: Du kennst das. Du hast davon gehört. Doch die Erinnerung ist zu ungenau, zu spät die Stunde.

»Trucido – was bedeutet das?«, fragt der Junge.

»In Venedig gab es mal eine Geheimgesellschaft, die Trucidi.«

»Könnten die etwas damit zu tun haben?«

»Nein.«

»Warum?«

»Weil die Bruderschaft seit dreihundert Jahren nicht mehr existiert.« Rinaldos Blick fällt auf den Hut. »Was ist das?«

Tonio hatte das Ding schon fast vergessen. »Der gehörte ihm.«

»Warum hast du den Hut mitgenommen?«

»Keine Ahnung.«

Die Zeit wird knapp. Wenn sich die beiden Geschäftspartner nicht beeilen, ist das bisschen Plastik, das Tonio gestohlen hat, wertlos. Er steht auf und gibt dem Älteren die Tasche.

»Wie viele Karten?«

»Vier.«

»Wie alt?«

»Zwei...

"ein wirklicher Lesespass"
 
"ein wirklich spannender Krimi und für jeden geeignet, der historische Elemente und Venedig liebt."
 
"Diese eine Woche im November bedeutet Literatur zum Verlieben (...). Eben ein Juwel unter den Jugendbüchern, ein echtes Highlight."
 
"Ein spannendes Abenteuer"

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