So etwas wie Asyl

 
 
epubli (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7450-8202-9 (ISBN)
 
Amanda, John und ihre Tochter Emily sind eigentlich eine ziemlich durchschnittliche Familie. Die Ankunft von Asylanten in ihrer Nachbarschaft stellt ein Ereignis dar, das ihren Zusammenhalt auf die Probe stellt. John engagiert sich öffentlichkeitswirksam für die Rechte der Asylanten, kämpft aber heimlich gegen ein geplantes Wohnheim in der Nähe ihres Hauses. Die pubertierende Emily verliebt sich zu Johns Leidwesen in Khalil, einen jungen Flüchtling, und Amanda setzt sich für die junge Liebe ein. Doch nicht nur John möchte nicht, dass Khalil bei ihnen wohnt. Ein Konversationsstück im besten Sinne: britisch trocken und schlagfertig nimmt der Konflikt seinen Lauf. Eine großartige Komödie!

Tamsin Kate Walker arbeitet seit vielen Jahren als Journalistin und Übersetzerin. Nach ihrem Studium an der National Academy of Writing in England begann sie, für die Bühne zu schreiben. Ihre Kurztheaterstücke Digits und Indecent Exposure haben Wettbewerbe in Bristol und Berlin gewonnen und wurden an diesen Orten uraufgeführt. Ihr Erstlingsroman Impersonation wurde 2014 vom Berliner Verlag CulturBooks veröffentlicht. Die Britin Tamsin Kate Walker lebt mit ihren fünf Kindern in Berlin.
  • Deutsch
  • 0,07 MB
978-3-7450-8202-9 (9783745082029)

I. Akt

1. Szene

Licht. Eine hypermoderne Küche/Esszimmer/Wohnzimmer-Einheit, in der AMANDA eine Zeitschrift liest und einem Pop-Song aus dem Radio zuhört, dem die Nachrichten folgen.

NACHRICHTENSPRECHER

Da weiterhin Flüchtlinge nach Europa strömen ...

AMANDA

Langweilig.

Sie sucht nach einem anderen Sender, bis sie wieder einen 80er Jahre Song findet und dreht ein bisschen lauter.

AMANDA

Oh, ich liebe diesen Song!

Sie holt eine Weinflasche und schenkt sich ein Glas ein, als sie den Schlüssel im Haustürschloss hört. Ihre 17jährige Tochter EMILY kommt herein. Schnell schaltet Amanda das Radio ab.

AMANDA

Ach, du bist's .

EMILY

Hab dich auch lieb, Mum!

AMANDA (schaltet das Radio wieder ein, weiterhin 80er Jahre Pop)

Ich dachte, es wäre dein Vater. Wie war dein Tag?

EMILY

Ziemlich beschissen. Wie kannst du dir solches Zeug anhören? (verstellt den Sender um elektronische Musik zu suchen, dabei hören wir Wort- und Musikfetzen, darunter "Weitere Zusammenstöße", "Flüchtlinge" und "Mittlerer Osten")

AMANDA

Lass das bitte.

EMILY

Was gibt's zum Abendessen? Ich hoffe, keinen Fisch, ich esse nämlich keinen Fisch mehr.

AMANDA

Gestern hast du ihn gegessen.

EMILY

Heute esse ich ihn nicht.

AMANDA

Weshalb nicht?

EMILY

Weil er voller Plastik ist.

AMANDA

Nicht der Fisch, den ich kaufe.

EMILY

Also gibt es Fisch?

AMANDA

Nein, es gibt Hühnchen. Und bevor du fragst: Es wurde mit Mais gefüttert. (trinkt einen Schluck Wein) Ehrlich gesagt, wegen mir könnten wir auch eins aus der Legebatterie nehmen, die schmecken doch genauso.

EMILY

Es geht nicht darum, wie sie schmecken, Mum. Es geht um die Art und Weise wie sie gehalten werden. Kannst du dir vorstellen in einem Käfig zu leben, wo ständig alle auf dir herumhacken?

AMANDA

Kein Kommentar. (Pause) Hast du Hausaufgaben?

EMILY

Warum fragst du mich das immer. Ich bin keine fünf. Wann ist denn jetzt das Abendessen mal fertig, ich muss weg.

AMANDA

Du bist doch gerade erst gekommen.

EMILY

Na und? Ich gehe heute Abend mit den spanischen Austauschschülern aus.

AMANDA

Aber du nimmst doch gar nicht am Spanischaustausch teil.

EMILY

Danke, dass du mich daran erinnerst.

AMANDA

Guck nicht mich an.

EMILY

Du bist die einzige, die hier ist.

AMANDA

Du wirst ihm noch dankbar dafür sein, dass du die Möglichkeit hast, nach China zu gehen.

EMILY

Ich will nicht nach China, ich will nach Spanien.

AMANDA

Du warst doch schon so oft in Spanien.

EMILY

Nicht in Málaga. Es wird so deprimierend sein, wenn nächsten Monat alle weg sind.

AMANDA

Du wirst auch weggehen.

EMILY

Ja toll, nach Peking! Weißt du, was die da essen?

AMANDA

Frühlingsrollen?

EMILY

Entenfüße und Affenhirn. Und es gilt als schwere Beleidigung, wenn du nicht isst, was dir angeboten wird. Was bedeutet, dass ich jeden beleidigen werde. Was wahrscheinlich heißt, dass ich aus der Familie geworfen und an die Sklaverei oder Prostitution verkauft werde .

AMANDA

Oder dass du verhungerst. Sei nicht so hysterisch.

EMILY

Ich hasse einfach Chinesisch! Es ist so schwierig. Und langweilig. Und ich stehe nicht auf Chinesische Jungs.

AMANDA

Du gehst da ja nicht wegen der Jungs hin.

EMILY

Würde ich, wenn ich nach Spanien ginge.

AMANDA

Sag das nicht, wenn dein Vater zuhört.

EMILY

Warum nicht? Ich steh auf spanische Jungs. Die haben so dunkle, mysteriöse Augen.

AMANDA

Haben chinesische Jungs nicht auch dunkle Augen? (sucht anderen Radiosender) Ich kann das nicht hören.

Bei der Sendersuche hören wir wieder einzelne Wort- und Musikfetzen, darunter "kämpfen" und "Flüchtlinge". Sie bleibt bei einem 90er Jahre Indie Pop Sender hängen.

AMANDA

Oh, den Song liebe ich. Ewig nicht gehört.

EMILY

Lass doch den anderen Sender. (greift nach dem Radio)

AMANDA

Hey, Hände weg, ich bin dran.

EMILY

Okay. Ich biete dir einen Deal an. Ich lasse dich das hier jetzt hören, wenn du mir versprichst, dass du mit Dad über China redest.

AMANDA

Nein. Abgesehen davon würde es gar nichts nützen. Wir beide wissen, was er sagen würde.

EMILY

Ich werde nicht gehen. Er kann mich nicht zwingen.

AMANDA

Da wäre ich mir nicht so sicher.

EMILY

Kann er nicht. (schaut in die Töpfe auf dem Herd) Ich verhungere. Ist das bald mal fertig?

AMANDA

Bald. Du kannst schon mal den Tisch decken. Dein Vater wird jeden Augenblick von seiner Demo zurückkehren.

EMILY

Schon wieder eine Demo? Du solltest übrigens nicht "Demo" sagen. Für solche Wörter bist du zu alt. (ein weiterer Song aus dem Radio) Das hier, das ist ein guter Song. (stellt ihn lauter)

AMANDA

Den mag ich auch.

EMILY

Wir können ihn nicht beide mögen.

AMANDA

Möchtest du mit deiner Mutter tanzen?

EMILY

Sei nicht peinlich.

AMANDA

(während sie mit ihren Pfannen hantiert, nippt sie an ihrem Wein)

Hmmm. (schaut auf die Flasche) Von dem hier sollte ich mehr besorgen.

EMILY

Du hast schon einen Keller voll davon.

AMANDA

Wenn du erst mal in meinem Alter bist, wirst du ein gutes Glas Wein am Ende eines anstrengenden Tages zu schätzen wissen.

EMILY

Anstrengend? Du solltest mal versuchen, Chinesisch zu lernen.

AMANDA

Vielleicht mache ich das sogar. Ich würde schrecklich gerne mal nach China.

EMILY

Die haben dort keinen Wein, Mum!

AMANDA

Nein?

EMILY

Weiß ich nicht. Wenn sie einen haben, wird der aus irgendeinem komischen Zeug gemacht sein. Wogegen demonstriert er diesmal überhaupt?

AMANDA

Ach, du weißt schon, diese Sache mit den Flüchtlingen, die in einem Einkaufszentrum einquartiert werden sollen.

EMILY

Und wo ist das Problem? Es ist ja nicht so, als würden die dadurch obdachlos.

AMANDA

Dein Vater sagt, wenn man die Leute an die Stadtränder verfrachtet, wird es für sie zu schwierig, sich zu integrieren, oder so ähnlich.

EMILY

Wie auch immer. (versucht einen Finger in Amandas Essen zu tauchen) Hat er einen neuen Spruch drauf? "Learn to swim, don't be a fool, join the fight to save our pool."

AMANDA

Sei nicht so. Immerhin tut er etwas.

EMILY

Wenn das eine so gute Sache ist, warum bist du nicht dort und grölst mit ihm zusammen?

AMANDA

Ich kümmere mich ums Abendessen. Würdest du jetzt bitte mal den Tisch decken?

Die Tür geht auf. JOHN ALLEN, ein gut angezogener Mann mit grauen Schläfen kommt herein. Ihn umweht der Hauch von Autorität.

AMANDA

Na endlich! Hab mich schon gewundert, wo du bleibst.

JOHN

Wo ich bleibe? Ich bin stundenlang marschiert. (dreht sich um)

Stimmt's, Khalil?

Ein jüngerer, attraktiver Mann von arabischem Aussehen, KHALIL HALABI, betritt hinter JOHN den Raum. Er hat ein großes zusammengerolltes Banner auf seine Schulter gewuchtet.

JOHN

Wir haben einen ganz schön langen Marsch hinter uns.

AMANDA (zu JOHN)

Willst du uns nicht deinen Freund vorstellen?

(zu KHALIL) Kommen Sie herein.

KHALIL

Vielen Dank.

AMANDA

Ich bin Amanda, Johns Frau und das ist unsere Tochter Emily.

JOHN (schaltet das Radio aus)

Man versteht ja sein eigenes Wort nicht .

AMANDA

Entschuldige, ich wollte nur gerade mal den Wetterbericht .

JOHN

Das ist Khalil.

KHALIL...

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