Funkelnder Sternenstaub

 
 
Papierfresserchens MTM-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Juni 2020
  • |
  • 238 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96074-268-5 (ISBN)
 
Mavie Brunner träumt sich in eine erdachte Welt aus Sternenlicht und Sternenstaub. Dort verliebt sie sich fern der Wirklichkeit und verliert sich schrittweise in ihrer Fantasiewelt, die sie gefangen nimmt und wie ein unliebsamer Schatten ihr Herz umwebt.

Ein Junge aus ihrer Klasse kämpfte verbissen um Mavies Zuneigung, die sie nicht imstande ist zu erwidern. Mavie fühlt sich unverstanden, sucht Trost in den Briefen ihrer Mutter. Darin ist das Leben ihres verstorbenen und geliebten Vaters beschrieben. Langsam begreift sie, dass der unausweichliche Abschied von ihrer Traumwelt für immer bevorsteht.

Wird sie den niederschmetternden Schmerz ertragen? Zu allem Überfluss wird sie auch noch entführt. Wer möchte Mavie von der Bildfläche verschwinden lassen? Kann sie sich befreien? Kann Mavie mit der Sternenwelt abschließen und in die Realität zurückkehren? Erfährt sie die Erfüllung ihres Traumes nach tiefgreifender Liebe?
Erstauflage
  • Deutsch
  • Langenargen
  • |
  • Deutschland
  • Für LeserInnen ab 16 Jahren
  • Ungekürzte Ausgabe
  • 1,94 MB
978-3-96074-268-5 (9783960742685)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Karin Waldl BEd wurde 1982 in Wels (Oberösterreich) geboren. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Rüstorf bei Schwanenstadt. Sie hat Pädagogik studiert und in den Fächern Religion, Mathematik und Geometrisch Zeichnen ihren Abschluss gemacht. Sie arbeitet heute als NMS Lehrerin neben ihrer wertvollen Arbeit als Familienfrau. Durch ihre religionspädagogische Arbeit im Beruf und die heutigen Aktivitäten in der Gemeinde entstanden die Ideen zu ihren Kinder- und Jugendbüchern sowie Romanen.

*

Kapitel 1


Sternenstaub funkelte in dem blassen Licht der Sonne, die wie ein neapelgelber Kreis am gletscherblauen Himmel stand. Der feine Staub machte sich hier alles zu eigen. Er klebte glitzernd an meinen Fingern, denn unmittelbar im letzten Augenblick strich ich mit der Hand über eine glatte, geschmeidige Oberfläche. Sie war aus glänzendem, weich fließendem Sternenmarmor gemacht, so wie alles, was in meinem Horizont lag. Die weißlichen, fast durchscheinenden Gebäude erinnerten mich entfernt an die Bauwerke der Antike mit ihren hohen Säulen, die fast den Himmel berührten. Doch sie wirkten nicht alt und zerfallen, wie man es von den Bildern in den Geschichtsbüchern kannte, sondern neu und unverbraucht. Die Art der Verzierungen unterschied sich ebenfalls. Derart merkwürdige waren mir noch nie untergekommen. Wie Quellen, Bäche und Flüsse aus Milch überströmten sie die Mauern der Häuser. Fast lebendig wirkten die Bauten durch den fließenden Effekt, der durch diesen Schmuck erzielt wurde. Und alles bis in die kleinste Mauerritze hinein war mit Sternenstaub überzogen, soweit meine Augen reichten.

Auch wenn ich noch nie hier gewesen war, fühlte ich mich heimisch. Es interessierte mich nicht, wie ich hierhergekommen war, aber ich war neugierig darauf, meine neue Umgebung zu entdecken und zu erfassen. Es war eindeutig eine Stadt, die sich da vor mir erstreckte, aber es gab genug Pflanzen, die das Stadtbild auflockerten. Man gewann sogar den Eindruck, alles fügte sich harmonisch in die Natur ein. Blüten und Blätter der Gewächse waren anmutig, gleichmäßig und rein. So ganz anders, als ich es von der Erde kannte. Sie bildeten mit den Gebäuden eine freundliche, abgerundete Einheit, die nur jemand verstehen konnte, der die Schönheit schätzte, die einen in klarer Nacht beim Anblick der Sterne überkam. Hier musste die Natur nicht weichen, um Häusern Platz zu machen. Sie war fester Bestandteil des Lebensraumes, der sich in sie einfügte und nicht umgekehrt. Ein möglicher Kreislauf, den wir Menschen so nicht kannten, schloss sich hier auf verständliche Art und Weise.

Doch außer den Pflanzen konnte ich nichts Lebendiges entdecken, was eigenartig, fast ungewöhnlich war. Ich lauschte, ob ich nicht irgendein einzelnes Geräusch hören konnte. Aber es war außergewöhnlich still hier. Diese Ruhe war angenehm, strahlte einen Hauch von Frieden aus. Aber irgendwie erwartete man hier nichts anderes. Lärm wäre absolut fehl am Platz. Die Idylle dieser beruhigenden Atmosphäre würde dadurch bedauerlicherweise durchbrochen werden.

Stundenlang konnte ich mir die Einzelheiten dieser Stadt einprägen. Es gab so viel zu entdecken, dass man sich schwer sattsehen konnte. Doch die Zeit dafür wäre niemals ausreichend.

Der Sternenstaub rann mir wie Sand durch die Finger. Ich wusste, dass ich nicht ewig hierbleiben konnte. Mein Aufenthalt in dieser unwirklich anmutenden Welt war begrenzt. Über kurz oder lang musste ich dorthin zurück, wo ich hergekommen war. Wie war mir zwar ein Rätsel, aber es würde sich bestimmt lösen, wenn es so weit war.

Doch noch war ich hier und lauschte dem leisen Lüftchen, das aufgekommen war. Es zog leicht säuselnd durch die Straßen, bis es lauter wurde und sich schließlich zu einem unangenehmen Pfeifen steigerte. Ich wollte mir gerade die Ohren zuhalten, um den einzigen Ton, den ich seit meiner Ankunft vernommen hatte, wegzuschalten. Doch ich hielt inne. Denn ein kaum wahrnehmbares Wimmern mischte sich dazu. Wie der Wind war es am Anfang fast gar nicht zu hören, steigerte sich aber bald um das Mehrfache. Meine Neugierde war geweckt.

Ich steuerte, meinem Bauchgefühl folgend, los. Wer konnte in dieser nahezu perfekten Welt nur traurig sein? Ich ging weiter in die Richtung, wo ich die Quelle des herzzerreißenden Klagens vermutete. Und ich schlug instinktiv den richtigen Weg ein, denn das Weinen wurde lauter und lauter. Auch ich wurde mit jedem Schritt schneller, begann regelrecht zu rennen. Ich bog um die nächste Ecke und dann sah ich ihn, den Verursacher des Schluchzens. Ich war außer Atem und musste erst einmal stehen bleiben und Luft holen. Meine Lungen weiteten sich mit der Frischluft, die ich gierig einsog. Schwer keuchend legte ich die letzten paar Meter zurück, um mein Ziel zu erreichen.

Ein kleiner Junge saß auf dem Boden. Er war eindeutig kein Mensch, so viel war klar. Er war sehr klein und der Körper entsprach dem eines Kindes von etwa vier Jahren. Nur sein Gesicht wirkte weiser, eher den Zügen eines Erwachsenen entsprechend, ohne die kindliche Niedlichkeit einzubüßen. Doch sein wichtigstes Merkmal war denkbar unmenschlich. Er leuchtete vom Kopf bis zur Ferse. Das Licht, das von ihm ausging, war dem blaugrünen Polarlicht, das man manchmal über Norwegen erblicken konnte, sehr ähnlich. Irgendetwas in meinem Kopf sagte mir, dass ein Engel vor mir saß. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, wie ein Engel aussah.

Ich ging vorsichtig auf den Kleinen zu. Er bemerkte meine Anwesenheit und sah mich mit seinen großen anthrazitfarbenen Augen an, in denen Verzweiflung stand. Sein Blick berührte mich zutiefst. Ich wollte ihm helfen, sein Leid zu lindern.

Spontan fragte ich ihn: "Brauchst du meine Hilfe?"

Er nickte, ehe ein weiterer Schwall Tränen über seine Wangen floss.

Ich wollte ihn beruhigen, bückte mich zu ihm und legte ihm den Arm auf die Schulter. Sein Körper fühlte sich genauso unwirklich an, wie er aussah. Seine Beschaffenheit war schwer zu beschreiben, irgendwie war er weich wie Butter und doch hart wie Stahl, einerseits sanft wie ein Schaffell und doch fest wie ein Felsen. Ich glaubte nicht, dass es auf unserer Welt ein vergleichbares Lebewesen gab. Das Gefühl war für mich einzigartig.

"Wie heißt du?"

Schniefend antwortete er mir: "Aster. Und du?"

Auch seine Stimme hallte nach, als würde er gegen ein Bergmassiv sprechen. Doch weit und breit war kein Gebirge zu entdecken.

"Ich bin Mavie", stellte ich mich höflich vor.

Voller Erstaunen, so als nehme er mich jetzt erst richtig wahr, sagte er: "Du bist nicht von hier."

"Nein, da hast du allerdings recht."

"Macht nichts."

"Danke, das ist nett von dir." Amüsiert musste ich grinsen.

Aster verzog keine Miene. "Kannst du mir wirklich helfen?"

"Ich versuche es. Wenn du mir erklärst, was zu tun ist."

Der Junge deutete mit seiner kleinen Hand hinter sich. Ich blickte auf. Dort erstreckte sich eine Art Zaun, den ich bis jetzt für eine einfache Hecke gehalten hatte. Es waren dichte Pflanzen, die gebogen waren, sodass sie eine lebende Abgrenzung bildeten. Die Gewächse waren so geformt, dass keiner hinein- oder herauskonnte, aus welchem Blickwinkel man es auch immer sehen wollte. Mir war nicht klar, was er mir zeigen wollte, denn hier gab es kein Durchdringen, für niemanden.

"Was ist da?", fragte ich.

"Meine Aufgabe war, die drei Zentauren anzubinden, aber sie sind sehr eigensinnig. Wenn sie mir die Erlaubnis nicht geben, habe ich keine Chance. Du musst ihr Vertrauen gewinnen." Er starrte mich flehend an. Dann fügte er ein leises "Bitte!" hinzu.

In meinen Gedanken ratterte es. Hatte er wirklich Zentauren gesagt? Was war das noch einmal? Es wollte mir nicht auf Anhieb einfallen.

"Aster, was ist ein Zentaur?"

"Oh, ich ging davon aus, du wüsstest es. Ein Zentaur ist ein Mischwesen zwischen Pferd und Mensch."

Da fiel es mir wieder ein. In der Schule hatten wir von diesen Fabeltieren gehört, als von der griechischen Mythologie die Rede war. Mir wurde klar, dass ich zu vorschnell meine Hilfe zugesagt hatte.

"Und warum sollten sie mir gehorchen, wenn sie es bei dir nicht taten?"

"Weiß nicht. Vielleicht weil du größer bist? Weil du ein Mensch bist? Schließlich haben sie etwas Menschliches an sich."

Irgendwie waren seine Worte wenig ermutigend, aber ich war fest entschlossen, dem Kleinen aus der Patsche zu helfen. Ich musste mich seinetwegen der Gefahr stellen und Herrin über meine Angst werden. Es war schwer zu sagen, was mich erwartete. Vielleicht war ihre Pferdenatur nicht so stark ausgeprägt. An diesen Strohhalm der Hoffnung versuchte ich mich zu klammern.

Doch ein Problem blieb noch. Wie sollte ich dieses Dickicht von Zaun durchdringen? Aster war geduldig mit mir, so stellte ich ihm diese entscheidende Frage. "Wie komme ich hinein?"

"Indem du einfach hindurchgehst. Komm, ich zeige es dir."

Er stand auf und hob seine Hand. Sanft griff er nach einer der Pflanzen. Da, wo seine Finger das Gewächs berührten, öffnete es sich einen schmalen Spalt, durch den ich mich gerade so zwängen konnte. Kurz zögerte ich. Dann holte ich tief Luft und zählte gedanklich bis drei. Ich setzte meinen Fuß in die Öffnung und drückte mich seitlich hindurch.

Aster schrie mir nach: "Binde sie an den Holzbalken mit den drei Ketten. Viel Glück! Du wirst es brauchen."

Ich traute meinen Augen nicht. Eine riesige Koppel erstreckte sich vor mir. Obwohl ich kein Tier war, erschien mir dieses eigenartige Gras, gespickt mit den...

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