Gullivers Reisen

Walbreckers Klassiker für Kids
 
 
Kuebler Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Februar 2011
  • |
  • 112 Seiten
 
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978-3-942270-71-7 (ISBN)
 
In klarer Sprache wird die flotte Handlung der Geschichten von Gulliver bei den Lilliputanern und bei den Riesen geschildert. Er versucht, gut mit ihnen auszukommen, lernt ihre Sprache und es entwickeln sich Freundschaften - aber manche Adelige und Militärs werden zu Feinden. So lebt er in ständiger Gefahr. Wie wird es ihm ergehen? Die Geschichte von Gullivers Reisen stammt aus einer Zeit, in der politische Kritik kaum möglich oder selbstmörderisch war. Deshalb hat Jonathan Swift seine Gesellschaftskritik so geschickt verpackt, dass er eine Veröffentlichung wagen konnte. Gut, so war das damals - aber warum sollte man diese Geschichte heutzutage lesen? 'Gullivers Reisen' könnte als Fantasy bezeichnen. Ein genialer Entwurf, den Gulliver mal riesig, mal winzig darzustellen. So kommt er nicht nur zu den niedlichen aber auch kriegerischen Liliputanern, sondern auch zu Menschen, die für ihn Riesen sind. So muss er einmal gegen die Admiräle kämpfen und im anderen Fall mit Wespen. Auch eher lustige Szenen gibt es vielfach.

Der Autor des Originals ist Jonathan Swift. Der Autor der Nacherzählung ist Dirk Walbrecker, geboren in Wuppertal, Wahl-Münchener, Studium der Literatur- und Theaterwissenschaft, Regie-Assistent, Aufnahmeleiter, Drehbuchschreiber, Kinder- und Jugendbuchautor mit zahlreichen Veröffentlichungen, Leseveranstaltungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Türkei - und auch Pädagoge. Er war als Lehrer tätig und weiß genau, wie man die verschiedenen Altersgruppen ansprechen kann und was wirklich spannend ist und wie man die Lust weckt, durch Literatur gehaltvoller, spannender und auch humorvoller leben zu können.
  • Deutsch
  • 0,70 MB
978-3-942270-71-7 (9783942270717)
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Das Abschiednehmen war tränenreich. Auch ich war zu salzigen Tränen gerührt noch heute wird mir an den Gedanken daran ganz weh ums Herz.
Richtig salzig und feucht wurde es erst, als wir in See gestochen waren.
Vom ersten Teil der Reise gibt es wenig zu berichten. Wir umschifften fast den halben Erdball ohne besondere Vorkommnisse. Erst nachdem wir Indien passiert hatten, erwischte uns der erste heftige Sturm. Dummerweise war unsere Mannschaft schon längst nicht mehr vollzählig. Einige hatten durch die anstrengende Arbeit an Bord ihr Leben gelassen. Andere hatten wegen schlechter Ernährung das Zeitliche gesegnet. Da halfen auch meine hochgeschätzten ärztlichen Künste nicht mehr. Südlich von Sumatra erwischte es uns dann: Das Schiff lief auf ein Riff und war nicht mehr manövrierbar. Der Rest der Mannschaft ließ das Rettungsboot zu Wasser. Mit vereinten Kräften suchten wir vorwärts zukommen, um irgendwann und irgendwie rettendes Land zu erreichen.
Aber es sollte nicht sein.
Eine kräftige Woge packte unser Boot, warf es in die Luft und ließ es kentern. Vergeblich hielt ich Ausschau nach meinen Begleitern. Sie schienen allesamt von dem Ungetüm Meer verschluckt. Ich kann es vorwegnehmen: Von niemandem habe ich je wieder ein Lebenszeichen bekommen. Der einzig Überlebende ist meine Wenigkeit. Doch wie es dazu kam mir treibt es noch heute Schauer über den Rücken!
Ich schwamm, ich prustete, ich gurgelte um mein Leben. Gar nicht so fern sah ich irgendwann Land. Aber mit jeder Woge schien ich wieder weiter fortgetrieben zu werden. Zugleich spürte ich, wie meine Kräfte nachließen. Zu Hause, in der Themse, war ich ohne Probleme fünf Mal, fünfzehn Mal, fünfzig Mal von einem Ufer zum anderen und wieder zurück geschwommen. Aber da war das Wasser nicht so eklig salzig. Außerdem hatte ich dort gewöhnlich auch ein Schwimmtrikot an. Hier aber, fern der Heimat im Indischen Ozean, schwamm ich in voller Kleidung. Und mit Hut!
Was danach folgte, ist schnell erzählt: Irgendwann war ich am Ende. In Gedanken sagte ich allen Lebewohl: meinen Kindern, meiner Frau, meinen Freunden und auch meinen Feinden. Da jedoch spülte mich eine Woge an Land. Ermattet kroch ich ins Trockene. Vergeblich suchte ich nach Lebewesen. Umsonst war mein Rufen nach Hilfe. Mir schwanden die Sinne, und ich sank in eine tiefe Ohnmacht.
Ich weiß nicht, wie lange ich besinnungslos war. Doch was danach folgte, war fast noch grausamer als der Tod: Ich wachte auf, da ich meinte, eine Wespe steche mich in den Mittelfinger meiner rechten Hand. Ich wollte das Biest abschütteln, doch nichts ging mehr. Meine Arme ließen sich nicht bewegen. Meine Beine waren wie festgezurrt. Selbst mein Kopf schien auf unerfindliche Weise am Boden gefesselt!
Zugleich hörte ich zartes Stöhnen, Ächzen, Flüstern und Raunen. Etwas Glänzendes, Längliches zischte haarscharf an meiner Nasenspitze vorbei. Was zum Teufel ging hier vor?
Ich riss mit aller Kraft meinen Kopf hoch und musste dabei nicht wenig von meinem wertvollen Haupthaar gelassen haben. Doch wenigstens sah ich nun, was da auf und neben mir geschah: Dutzende von winzigen Wesen wuselten um mich herum. Bedrohten mich mit Speeren, Lanzen, Pfeil und Bogen. Machten an mir rum, als ob ich nicht Lemuel Gulliver, sondern ein willenloses Spielzeug wäre. Einer von diesen dreisten Winzlingen kletterte mir gar ungeniert und ohne zu fragen in die Rocktasche!
Wo war ich gelandet? Was war das für ein Völkchen?

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