Eine Galerie finden

Ratgeber für Künstler
 
Cai Wagner (Autor)
 
Jovis Berlin (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 6. Dezember 2011 | 144 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86859-902-2 (ISBN)
 
Künstler ohne Galerie haben im Kunstmarkt heute kaum Chancen. Spätestens nach Ende des Studiums an der Kunsthochschule wird die Suche nach einer Galerievertretung notwendig. Wer dies ein paar Jahre nach Abschluss noch nicht geschafft hat, hat ein ernstes Problem.Jeder Künstler weiß von den Schwierigkeiten zu berichten. Wie und warum der eine Künstler der Galerie wird, weshalb aber der andere nur immer wieder Absagen kassiert, ist nach außen unklar. Galerien scheinen wie die berühmte Black Box: vorne kommt was hinein, hinten kommt was heraus, aber was dazwischen geschieht, entzieht sich dem Blick.Cai Wagner versucht in "Eine Galerie finden" vor dem Hintergrund seiner über zehnjährigen Tätigkeit als Galerist Licht ins Dunkel zu bringen. Die Voraussetzungen einer Bewerbung werden ebenso erläutert wie das konkrete Vorgehen in der Bewerbungsphase. Hinweise zu Galeriewechsel und Vertragsrecht ergänzen dies. Abgerundet wird der Ratgeber durch Einsichten in den Kunstmarkt und die Zwänge, denen auch Galerien unterworfen sind.

Cai Wagner eröffnete seine erste Galerie 2000 in Berlin. Zuvorhat er Germanistik und Theaterwissenschaft an der Freien UniversitätBerlin studiert und einige Jahre am Theater gearbeitet.2008 gründete er gemeinsam mit Margret Uhrmeister die GalerieWagner + Partner, die sich auf zeitgenössische Fotografieund Malerei spezialisiert hat. Er ist seit vielen Jahren im LandesverbandBerliner Galerien im Vorstand tätig, zuletzt als stellvertretenderVorsitzender und dort u.a. verantwortlich für den BereichFortbildung und Qualifizierung. Regelmäßig ist Cai Wagnerauch an Kunsthochschulen Gastdozent.
Deutsch
Berlin
0,73 MB
978-3-86859-902-2 (9783868599022)
3868599029 (3868599029)
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Cai Wagner eröffnete seine erste Galerie 2000 in Berlin. Zuvorhat er Germanistik und Theaterwissenschaft an der Freien UniversitätBerlin studiert und einige Jahre am Theater gearbeitet.2008 gründete er gemeinsam mit Margret Uhrmeister die GalerieWagner + Partner, die sich auf zeitgenössische Fotografieund Malerei spezialisiert hat. Er ist seit vielen Jahren im LandesverbandBerliner Galerien im Vorstand tätig, zuletzt als stellvertretenderVorsitzender und dort u.a. verantwortlich für den BereichFortbildung und Qualifizierung. Regelmäßig ist Cai Wagnerauch an Kunsthochschulen Gastdozent.
  • Titelblatt
  • Urheberrecht
  • Inhalt
  • Vernetzung und Kommunikation
  • Einleitung
  • Ein abendlicher Anruf
  • Der Kunstmarkt
  • Poleposition: Wo stehe ich als Künstler?
  • Professionelle Suche: Welche Galerie passt zu mir?
  • Fehler vermeiden - was man unbedingt unterlassen sollte
  • Strategien der Kontaktaufnahme
  • Portfolio-Viewings, Seminare und andere Foren nutzen
  • Das erste Treffen
  • Möglichkeiten der Selbstvermarktung
  • Der abendliche Anruf - Fortsetzung
  • Ein anderer Blick auf den Kunstmarkt - Kunst ist nicht demokratisch
  • Anmerkungen

SELBSTEINSCHÄTZUNG

Dieses Buch ist für all diejenigen geschrieben, die im weitesten Sinne ein „Vermarktungsproblem“ haben, einen Galeriewechsel anstreben oder die sich am Ende des Studiums befinden und nun eine Galerie suchen. Es richtet sich nicht an jene, die im Kunstmarkt etabliert sind, sondern an alle, die nicht hofiert werden und sich und ihre Kunst einer Galerie andienen müssen. Grundsätzlich besteht in dieser Situation immer die Gefahr, dass man im wortwörtlichen Sinne mit einer Mappe losrennt und sich vorstellt, ohne vorher genau zu schauen, was man zu bieten hat, wo man steht und an welchen potenziellen Geschäftspartner – sprich Galerie – man sich wendet.

Eine kritische und professionelle Betrachtung der eigenen Position bzw. Person wird unterlassen, vielleicht auch, weil sie vordergründig nichts mit Kunst zu tun hat. Fakt ist auch, dass Wirtschaftsstandards wie Coaching, Entwicklungsgespräche und andere Instrumente aus der Arbeits- und Organisationspsychologie aus vielerlei Gründen sehr wenig Eingang in die Kunstwelt gefunden haben. Zentral bleiben noch immer die persönliche Begegnung und die Persönlichkeit des Künstlers. Wie also beginnt man mit einer kritischen Selbsteinschätzung und bringt deren Ergebnisse in eine gewisse Systematik?

In der modernen Kunst ist historisch gesehen fast alles möglich. Es gibt den malenden Bahnwärter Henri Rousseau, einen Autodidakten, der die Naive Kunst wesentlich geprägt hat. Dann ist da der Meisterschüler eines Erich Heckel. Oder ein ehemaliger Wallstreet-Banker, der weiß, wie man Geld macht und heute als Jeff Koons bekannt ist. Alle haben ihren Platz trotz sehr unterschiedlicher Ausbildung gefunden. Am Ende zählt allein das Talent. Dennoch schauen Galerien sehr genau auf die Ausbildung ihrer Künstler. Eine fundierte Ausbildung sichert nicht nur die Bekanntheit der Künstler mit künstlerischen Inhalten und Techniken ab, sie ist selbstredend auch ein Qualitätsmerkmal für sich. Wie soll man etwa einen Autodidakten vermarkten? In welchen Kontext soll man ihn stellen – Art Brut, wenn es hoch kommt? Wird nicht bei einem 40-jährigen Künstler, der nach 20 Berufsjahren in die Kunst gewechselt ist, immer die Frage aufkommen, ob er noch ausreichende Karrierechancen hat? Oder der gelernte Grafiker, der jetzt als Maler reüssiert? Viel einfacher ist es, den jungen Studenten einer angesehenen Kunsthochschule zu fördern! Und das geht noch besser, wenn er Meisterschüler eines möglichst bekannten und einflussreichen Künstlers ist!

Abgesehen von wenigen Ausnahmen gilt, dass auch im Kunstmarkt eine künstlerische Ausbildung an einer Hochschule die beste Voraussetzung für Erfolg ist, am besten noch mit erfolgreich abgeschlossenem Meisterschülerstudium. Erst danach sollte man gezielt eine feste Zusammenarbeit mit einer Galerie anstreben. Die Zeit davor kann man für die Teilnahme an diversen Gruppenausstellungen nutzen, man sollte seine Kraft aber in erster Linie für eine gute Qualifikation aufbringen. Stehen Sie diesbezüglich also vor grundsätzlichen Entscheidungen, kann ich nur dazu raten, die beste Ausbildung und Förderung anzustreben. Hat man aus bestimmten Gründen andere (Lebens-) Wege gewählt, muss man sich dies sehr nüchtern vor Augen halten und die eigenen Stärken unbedingt noch weiter herausheben oder gewisse Nischenbereiche ansteuern. In einigen Fällen kann es sogar sinnvoller sein, von Anfang an den Weg der Selbstvermarktung zu gehen und ganz auf eine Galerievertretung zu verzichten.

Hat man sich Klarheit über die formale Positionierung durch seine Ausbildung verschafft, sollte man unbedingt seine persönlichen Zielsetzungen überprüfen, indem man sich einige grundsätzliche Fragen stellt. Was will ich mit meiner Kunst erreichen: Selbstverwirklichung? Popularität? Vermögen? Wie soll mit meiner Kunst umgegangen werden: Platzierung in Museen? Möglichst regelmäßige Verkäufe? Oder soll sie in den Alltag intervenieren, Menschen zu Diskussionen anregen? Welche persönlichen Opfer bin ich bereit zu bringen, um Erfolg zu haben: keine Familie? Aushilfsjobs, um meine Pläne durchzuziehen, komme, was wolle? Umzüge und ständiges Reisen, um die notwendige Präsenz am Markt zu zeigen?

Solche Fragen, so allgemein sie auch scheinen, sind von grundsätzlicher Wichtigkeit, denn sie verweisen zunächst einmal darauf, was für ein Typ man ist – verkopft, schüchtern, autistisch, eitel, geldgierig, größenwahnsinnig, vielleicht sogar von traumatischen Erfahrungen getrieben. Es geht hier nicht um die moralische Einschätzung, sondern um eine grundlegende Bestimmung der individuellen Ausgangsposition. Anders ausgedrückt: Was also treibt mich im Leben zur Kunst? Da Kunst und Künstler eine Einheit bilden, ist dies nie wirklich zu trennen. Dieser Zusammenhang wird einen wesentlichen Einfluss darauf haben, welche Galerie und Position man als Künstler anstrebt. An nachfolgender Skizze soll dies verdeutlicht werden. Gewisse Beziehungen machen auch beim besten Netzwerk keinen Sinn, da sie für beide Seiten nicht fruchtbar sind. Betrachtet man einmal Galerien und Künstler als eine vertikal organisierte Hierarchie von Wertigkeiten, dann stehen ganz unten die hausfraugeführte Provinzgalerie und der Hobbykünstler, ganz oben der galeristische Global Player und der Top-Künstler mit Turner-Preis und Einzelausstellung im MoMA. Dazwischen fächert sich das gesamte Spektrum auf. Klar ist, dass der Nobody nicht bei einer New Yorker Topadresse unterkommt. Ebenso klar ist, dass eine fränkische Hobbygalerie keinen Weltkünstler wie Gerhard Richter vertreten kann. Im Prinzip geht es darum, sich auf der oben skizzierten Vertikalachse einzuordnen und eine grundsätzliche Entscheidung für die Zusammenarbeit mit einer Galerie zu treffen: Orientiere ich mich nach unten oder nach oben, und was erwarte ich dabei von der Galerie?

Schematisches Verhältnis des Niveaus von Galerien und Künstlern

Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Erreicht man die erstrebte Vertretung durch eine große, wichtige Galerie, besteht immer auch die Gefahr, dass man als neuer Künstler in zweiter oder sogar dritter Reihe steht. Umsatz und Renommee werden mit den bekannten Künstlern erzielt. Man selbst läuft nebenher und muss Jahre auf die ersehnte Einzelausstellung warten. Andererseits vermag diese Galerie, Kontakte zwischen ihrem neuen, unbekannten Künstler und bedeutenden Sammlern und Kuratoren herzustellen sowie wichtige Ausstellungen auf den Weg zu bringen, wenn sie geschickt agiert. Auf diesen Zusammenhang habe ich weiter oben bereits hingewiesen, als es um die Darstellung der unterschiedlichen Akteure im Kunstmarkt ging.

Ist man als Künstler in seiner Karriere bereits fortgeschritten, kann auch eine weniger bekannte oder sehr junge Galerie als Partner durchaus Sinn machen. Hier besteht für den Künstler die Möglichkeit, sehr stark prägend zu wirken und Entwicklung und Ausrichtung dieser Galerie mitzubestimmen. Einzelausstellungen, Messeteilnahmen oder Kataloge lassen sich so mitunter schneller erreichen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass diese Maßnahme von außen wie ein Karriereknick wirken kann; Galerienwechsel werden in der Kunstszene beobachtet und bewertet. Mögliche Kollateralschäden sind nicht zu unterschätzen.

Grundsätzlich für das Verständnis ist, dass Galerie und Künstler sich stets in einem Wachstums- und Veränderungsprozess befinden und sich darin über die Jahre hinweg gegenseitig beeinflussen. Die oben dargestellte Skizze müsste daher eigentlich den Faktor „Zeit“ enthalten, denn dieser führt zu einer „horizontalen Modulation.“ Anders ausgedrückt: Mal zieht ein Künstler die Galerie, mal zieht eine Galerie den Künstler. Beide bilden ein Team und leben von gegenseitigen Impulsen. Deshalb ist bei der Suche nach einer Galerie wichtig, dass Sie diese komplexen Aspekte im Blick behalten. Eine schonungslose Selbsteinschätzung sollte Ihnen zumindest eine Vorstellung davon geben, wo Sie sich einordnen und welches Prinzip besser auf Sie zutrifft: Ziehen oder gezogen werden.

WO LEBEN? WO ARBEITEN? WO PRÄSENT SEIN?

Nicht jeder Künstler kann in New York oder Berlin leben. Aber Gütersloh? Mit der Galeriefrage ist auch die Standortfrage verbunden7. Bei der Überlegung, eine Galerievertretung zu finden, sollte auch die Frage nach dem eigenen Wohn- und Arbeitsort bedacht werden. Besteht bereits eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit einer Galerie, so hat diese ein Interesse daran, dass der Künstler möglichst in der Nähe lebt und arbeitet. Die Begründung ist einfach: Sehr oft möchten Sammler „ihre“ Künstler kennenlernen und auch im Atelier besuchen. Diese ganz besondere Atmosphäre wirkt verbindlich und bringt manchen Verkauf auf den Weg, der sich so in der Galerie nicht ergeben hätte. Gleiches gilt für den Besuch von Kuratoren, die dieses Umfeld schätzen. Es ist unvorteilhaft für den Künstler, wenn Besucher von der Galerie bis zum Atelier erst einige...

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