Mobbing an Schulen

Erkennen - Handeln - Vorbeugen
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2016
  • |
  • 217 Seiten
 
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978-3-17-030042-2 (ISBN)
 
Mobbing an Schulen ist ein sehr altes Phänomen, das existiert, seitdem es die Institution Schule gibt. Heute wird Mobbing nicht mehr als "Randerscheinung des Erwachsenwerdens" bagatellisiert, sondern als nicht tolerierbares soziales Fehlverhalten betrachtet.
Das Buch beginnt mit einem ausführlichen Einblick in die Mobbing-Forschung, u. a. zu Merkmalen und Erscheinungsformen von Mobbing. Darüber hinaus werden Ursachen und Folgen von Mobbing, aber auch neue Formen wie das Cyber-Mobbing thematisiert. Im weiteren Verlauf stehen dann das Eingreifen bei und Vorbeugen von Mobbing im Mittelpunkt. Dabei werden etablierte Interventions- und Präventionsprogramme verständlich präsentiert, konkrete Empfehlungen gegeben, wie man in Mobbing-Situationen handeln kann, und Gelingensbedingungen beschrieben, wie es gar nicht erst zu Mobbing kommt. Gespickt mit vielen Fallbeispielen und einer ausführlichen Materialsammlung zum Download wird die Darstellung anschaulich und der praktische Transfer des präsentierten Wissens erleichtert.
  • Deutsch
  • Stuttgart
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  • Deutschland
  • 4,21 MB
978-3-17-030042-2 (9783170300422)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sebastian Wachs (Universität Potsdam), Markus Hess (Freie Universität Berlin), Herbert Scheithauer (Freie Universität Berlin), Wilfried Schubarth (Universität Potsdam).
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Inhalt [Seite 6]
5 - 1 Einleitung [Seite 10]
6 - 2 Wie kann man Mobbing erkennen? [Seite 18]
6.1 - 2.1 Begriffsbestimmung [Seite 19]
6.2 - 2.2 Erscheinungs- und Interaktionsformen des Mobbings [Seite 28]
6.3 - 2.3 Was Mobbing nicht ist [Seite 31]
6.4 - 2.4 Verbreitung von Mobbing [Seite 40]
6.5 - 2.5 Erklärungsansätze von Mobbing [Seite 50]
6.6 - 2.6 Folgen von Mobbing [Seite 69]
7 - Exkurs I: Cyber-Mobbing [Seite 82]
8 - Exkurs II: Lehrer als Opfer oder Täter von Mobbing [Seite 93]
9 - 3 Wie kann man gegen Mobbing handeln? [Seite 100]
9.1 - 3.1 Grundhaltung beim Umgang mit Mobbing: Genau hinschauen und schnell handeln [Seite 101]
9.2 - 3.2 Eine Interventionsstrategie gegen Mobbing in zehn Schritten [Seite 105]
9.3 - 3.3 Welches Interventionsprogramm gegen Mobbing passt zu meiner Schule? [Seite 122]
9.4 - 3.4 Konzeptioneller Vergleich der Interventionsprogramme [Seite 136]
9.5 - 3.5 Schulrechtliche Aspekte [Seite 146]
10 - 4 Wie kann man Mobbing vorbeugen? [Seite 154]
10.1 - 4.1 Präventionsmodell und Wirkfaktoren [Seite 155]
10.2 - 4.2 Situationsanalyse, Mobbing-Prävention an deutschen Schulen [Seite 157]
10.3 - 4.3 Methoden und Best-Practice-Hinweise für die Prävention von Mobbing [Seite 158]
10.4 - 4.4 Sicherung der Nachhaltigkeit [Seite 164]
10.5 - 4.5 Was sollte man nicht tun? Wirkungslose Maßnahmen [Seite 169]
10.6 - 4.6 Ausgewählte, evaluierte Präventionsprogramme [Seite 175]
11 - Literatur [Seite 204]

 

 

 

1


Einleitung


 

 

 

Mobbing an Schulen ist unbestritten ein sehr altes Phänomen, das vermutlich existiert, seitdem es die Institution Schule gibt. Vergleichsweise neu ist jedoch die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens und die damit einhergehende Erkenntnis, dass es sich bei Mobbing nicht um eine »Randerscheinung des Erwachsenwerdens« oder um Konflikte handelt, die selbstständig unter den beteiligten Schülern2 ausgehandelt werden sollten. Viele Menschen leiden noch im Erwachsenenalter unter den Folgen von Mobbing-Erfahrungen, die sie während ihrer Schulzeit erlebt haben. Deshalb wird Mobbing heute viel stärker als Gefahr für das kindliche Wohlbefinden und als Beschneidung elementarer Kinderrechte eingeschätzt. Hierbei spielte nicht zuletzt auch die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention und die damit verbundene Stärkung der Rechte des Kindes als Subjekt und Träger von Grundrechten eine wesentliche Rolle. Daher ist es ein wichtiges Ziel, Schule für alle Beteiligten so zu gestalten, dass Lernen und Lehren in einer angenehmen, anregenden und förderlichen Atmosphäre möglich wird.

Dieses Buch will dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, indem es Grundlagen der Mobbing-Problematik darstellt und Möglichkeiten der Intervention und Prävention aufzeigt. Es ist in die drei thematischen Bereiche »Erkennen«, »Handeln« und »Vorbeugen« gegliedert und berücksichtigt neueste Erkenntnisse der Mobbing-Forschung. Im ersten Teil »Erkennen« wird ein Überblick über Merkmale und Formen von Mobbing gegeben. So erfährt der Leser z. B., wie man in einer Schulklasse Fälle von Mobbing erkennen und welche Ursachen und Folgen Mobbing haben kann. Der Teil schließt mit zwei Exkursen ab. In dem ersten Exkurs wird eine neue Variante des Mobbings, das sog. Cyber-Mobbing, behandelt, und im zweiten Exkurs wird auf das Phänomen »Lehrer als Opfer und Täter von Mobbing« eingegangen.

Im zweiten Teil des Buches »Handeln« liegt der Schwerpunkt auf dem professionellen Umgang mit Mobbing-Vorfällen und dem konkreten Eingreifen zur Unterbindung. Dementsprechend werden Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, um die jeweils spezifische Situation zu analysieren.

Im dritten Teil des Buches »Vorbeugen« wird ein umfassender Überblick über mögliche Maßnahmen gegeben, die dazu beitragen, Mobbing gar nicht erst auftreten zu lassen und Mobbing entgegenzuwirken. Dabei werden anhand eines internationalen Forschungsüberblicks Empfehlungen zur wirksamen Vorbeugung von Mobbing gegeben, Gründe für eine mögliche Unwirksamkeit von Präventionsmaßnahmen aufgezeigt und schließlich drei in Deutschland erfolgreich umgesetzte Präventionsprogramme detailliert vorgestellt.

Wir wünschen uns, mit diesem Buch einen Beitrag zur intensiveren Auseinandersetzung mit Mobbing in der Schule zu leisten. Darstellungen von Fallbeispielen, Steckbriefen zu Präventions- und Interventionsprogrammen sowie eine Materialsammlung als Download-Material3 (u. a. Checklisten zum Erkennen von Mobbing, Links zu Unterrichtsmaterialien, ein Ratgeber, wie Eltern in die Mobbing-Prävention und -Intervention einbezogen werden können, ein Überblick verschiedener Beratungsmöglichkeiten) sind zusätzliche praxisbezogene Angebote für alle Personen, die mit Kindern und Jugendlichen zum Thema »Mobbing« arbeiten möchten und dadurch ihre Entwicklung zu zivilcouragierten, eigenverantwortlichen und sozial kompetenten jungen Menschen unterstützen können.

Mobbing sollte in demokratischen Institutionen, wie Schulen sie bestenfalls sind, keinen Raum finden. Hierzu ist es notwendig, Kinder, Eltern und Lehrkräfte in die Lage zu versetzen, Mobbing zu erkennen, bei Konfrontation mit Mobbing handeln zu können und im günstigsten Fall Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen - also vorzubeugen.

Bremen, Berlin, Potsdam im Dezember 2015

Fallbeispiele


Fallbeispiel »Finn, ein Mobbing-Opfer«


»Wann hört das endlich wieder auf, warum hassen mich alle? Ich kann einfach nicht mehr!«, sind die verzweifelten Gedanken des 13-jährigen Finn, als er von der Schule nach Hause kommt. Mal wieder ist Finns Tag in der Schule die reinste Qual gewesen. Schon wieder so ein Tag, an dem er nach dem Mittagessen schnell auf sein Zimmer verschwindet und sich ins Bett legt, niemanden sehen möchte, weint und sich fragt, was er falsch gemacht hat.

Finns Leidensweg begann mit einer harmlosen Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und seinem Klassenkameraden Daniel. Ab diesem Moment hatte es Daniel auf ihn abgesehen. Daniel ist im Gegensatz zu Finn sehr beliebt an der Schule. Er gehört zu den besten Fußballspielern der Schule, ist kräftig und gilt als »cool«. Auch bei den Mädchen ist Daniel durchaus beliebt. Finn empfand die Auseinandersetzungen mit Daniel zunächst nicht sonderlich besorgniserregend, weil Daniel dafür bekannt war, sich gerne mal mit anderen zu »duellieren«. Ungewöhnlich war nur, dass die Streitigkeiten nun schon seit Monaten andauerten, mit der Zeit immer heftiger wurden, immer öfter auftraten und sich Daniel nicht wie sonst auch nach einer gewissen Zeit jemanden anderes aussuchte, auf dem er rumhacken konnte. Jetzt reicht schon ein kurzer Blick Finns, und schon fühlt sich Daniel provoziert und fängt an, Finn zu attackieren.

Immer öfter lauert Daniel ihm nun auf, beschimpft ihn als »Schwuchtel« und »Opfer«, schubst ihn und verpasst ihm kleinere Backpfeifen und Tritte. Dabei ist Daniel nie allein, sondern stets in Begleitung seiner Clique, die ihn anfeuert oder auch mal Finn festhält, wenn er versucht, Daniels Schlägen und Tritten auszuweichen. Selbst während des Unterrichts wird Finn drangsaliert. Einmal, als der Sportlehrer kurz die Turnhalle verlassen hatte, schrie Daniel den Jungs zu: »Los, alle auf das Opfer!«. Daraufhin umzingelten Finn gleich fünf Jungs, die ihn abwechselnd mit Bällen abschossen. Einige andere aus der Klasse standen in der zweiten Reihe. Sie jubelten den Ballwerfern zu und schrien die vermutete Richtung, in die Finn springen würde und Daniel und die anderen also die Bälle werfen müssten, um ihn zu treffen. Ein paar Mädchen dagegen äußerten ihren Unmut, was dann dazu führte, dass die Jungen von Finn abließen.

Immer häufiger versucht Finn, der Schule fernzubleiben, denn darin sieht er die einzige Möglichkeit zu entkommen. Durch die vermehrten Fehltage verpasst Finn immer mehr Lernstoff in der Schule. Hinzu kommt, dass ihm das Lernen zu Hause schwerfällt, was sich negativ auf seine Noten auswirkt. Er schläft schlecht in den Nächten und leidet immer häufiger unter Übelkeit und Kopfschmerzen. Und dann sind da noch diese Gefühle von Hilflosigkeit und Verzweiflung.

Für Finn ist allerding eines klar: Weder Eltern noch Lehrkräfte will er um Hilfe bitten. Es ist ihm zu peinlich, dass er sich nicht alleine helfen kann, und ebenso will er nicht als Petze dastehen und damit Gefahr laufen, noch unbeliebter zu werden. Insgeheim redet er sich ein: »Das härtet mich nur ab für später. Irgendwann sucht Daniel sich schon ein neues Opfer.«

Fallbeispiel »Klara, eine Mobbing-Täterin«


»Mir kommt so die Wut, wenn ich Juliane allein sehe, drehe ich durch. Wenn ich mit der fertig bin, dann will keiner mehr was mit ihr zu tun haben.« Das sind die wutentbrannten Gedanken der 16-järigen Klara, als sie mit dem Bus zur Schule fährt. Juliane kam vor einem Jahr neu in Klaras Klasse und freundete sich prompt mit Klara an. Doch die Freundschaft der beiden Mädchen hielt nicht lange, denn Juliane wollte sich nicht an Klaras Spielregeln halten.

Klara ist Anführerin der Party-Clique der Schule. Wer hier dazugehört, hat es geschafft und gilt automatisch als cool. Um zu dieser Clique dazuzugehören, muss man attraktiv sein, top gestylt und Klara gefallen. Denn wer »in« und »out« ist, entscheidet Klara fast allein. Sie weiß zudem sehr genau, wie sie Einfluss nehmen kann, falls es mal zu leichteren Widerständen innerhalb der Party-Clique kommt. Je nachdem wie das Urteil dann ausfällt, darf die Person mit der Clique Zeit verbringen, wird ignoriert oder im schlimmsten Fall fertiggemacht und verunglimpft. Und so bemühen sich einige Mädchen redlich, in Klaras Gunst zu stehen, und übernehmen hin und wieder kleinere »Freundschaftsdienste« - wie Klara es nennt - wie etwa das Spendieren eines Kinobesuchs, kleinere Geschenke, wie mal ein Nagellack oder Lippenstift, oder das Erledigen ihrer Hausarbeiten.

Juliane empfand dies jedoch als nicht richtig und weigerte...

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