Josef und Li

Roman
 
Anna Vovsova (Autor)
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 30. März 2011 | 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05816-6 (ISBN)
 
Freundschaft, Fremdsein und ein großes Abenteuer in Prag

Aus dem Land der Geschichtenerzähler kommt ein Sommerroman über das Anderssein und den Zauber wahrer Freundschaft. Für Li ist es nicht leicht, in Prag Fuß zu fassen. Sie ist erst vor kurzem mit ihrer Familie von Vietnam in die tschechische Hauptstadt gezogen. Eines Tages steht plötzlich Josef in der Teestube ihrer Eltern. Er ist auf der Flucht vor den Tigerkrallen, einem Rachebündnis aus seinen ehemals besten Freunden und der zickigen Helena, dem Mädchen, das er verschmäht hat. Li hilft Josef - der Beginn einer einzigartigen Freundschaft.

Anders als für die schüchterne Li, die in Prag noch keine Freunde gefunden hat, ist für den elfjährigen Josef Klicka die Welt in Ordnung. Mit seinen Eltern und seiner nervigen älteren Schwester Vendula lebt er in einem Hochhaus, die Schule hat er im Griff und jede freie Minute streunt er mit seinen drei besten Freunden Schischa, Machal und Hnizdil durch die Gassen der Goldenen Stadt. Alles ändert sich, als Helena nach den Ferien mit ganz neuen Rundungen und verführerischem Augenaufschlag in die Klasse zurückkehrt. Zuerst glaubt Josef sich am Ziel seiner Träume, als Helena einwilligt, seine Freundin zu sein. Bis er merkt, dass das selbstsüchtige Mädchen ihn nur ausnutzt, und sich wieder von ihr trennt. Um sich zu rächen, zieht Helena Josefs Freunde auf ihre Seite und gründet den Bund der Tigerkrallen. Auf der Flucht vor dieser Bande trifft Josef erstmals Li, die Tochter der neuen vietnamesischen Nachbarn. Li ist ganz anders als alle Mädchen, die er bisher kannte. Während Josef Li Prag zeigt, taucht er selbst in eine exotische, fremde Welt ein. Und lernt erstmals wahre Freundschaft kennen. Da schlagen die Tigerkrallen erneut zu - diesmal gegen Li ...



Anna Vovsová wurde in Prag geboren und studierte dort an der Filmhochschule Dramaturgie. Nachdem sie einige Zeit in Frankreich verbrachte, kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück, wo sie mit ihrem niederländischen Lebensgefährten und zwei Kindern lebt und arbeitet. Ihren beiden Leidenschaften, dem Film und dem Interesse für andere Sprachen und Kulturen, ist Anna Vovsová immer treu geblieben. In ihrem ersten Roman Josef und Li konnte die Autorin beides miteinander verbinden, denn der Stoff wurde auch in einer siebenteiligen Serie verfilmt, die das tschechische Fernsehen im Jahr 2004 ausstrahlte.
weitere Ausgaben werden ermittelt
9 (S. 152-153)

Bei den Klickas sah der Heiligabend wohl genauso aus wie bei allen anderen Familien in Böhmen. Um drei Uhr nachmittags war die Spannung kaum mehr zu ertragen. Das große Zimmer war schon seit der letzten Nacht abgesperrt und nur Herr Klicka und Frau Klicková durften es betreten. Und jedes Mal, wenn sie herauskamen, taten sie so geheimniskrämerisch, als ob sie weiß Gott was gesehen hätten, und ermahnten Josef und Vendula, sie sollten keinen Blödsinn anstellen, denn dadurch würden sie das Jesuskind samt den Engeln vertreiben.

Frau Klicková kam nun mit angehaltenem Atem auf Zehenspitzen aus dem Zimmer und flüsterte aufgeregt Josef und Vendula zu: »Ich glaube, dass sie jeden Augenblick kommen! Also haltet noch ein bisschen durch und seid brav.« Und auch Herr Klicka sah irgendwie besänftigt aus, als er aus dem Zimmer trat. Einmal hatte er behauptet – da gingen Vendula und Josef noch nicht in die Schule –, ein Dutzend Engel dort herumfliegen zu sehen, so groß wie Brieftauben.

Die Engelchen waren angeblich dabei, den Baum zu schmücken, und zankten sich, ob sie alle Kugeln, Ketten und Schokoladenstücke in Knisterpapier verwenden sollten – was Herrn Klicka eher zugesagt hätte, der sich einen Baum wünschte, der nach Möglichkeit bis zur Zimmerdecke reichte und in allen Farben leuchtete – oder ob einfach nur getrocknete Orangen-, Zitronen- oder Apfelscheiben schöner wären, wie es Frau Klicková in einer Zeitschrift gesehen hatte. Als Josef noch ganz klein war und in der Küche im Hochstuhl am Fenster saß, hatte er auch einen solchen Engel erblickt.

Eigentlich sah er nur den Flügelschlag, schnell wie ein Blinzeln, und Josef stellte sich gleich vor, wie der Engel durch die Straßen wie ein silbrig glänzender Flieger segelte und in die Fenster der Häuser hineinblickte. In einigen Familien isst man zunächst zu Abend und dann erst kommt die Bescherung, und in anderen ist zunächst Bescherung, und erst dann gibt es Abendessen. Es ist aber auch möglich, dass irgendwo nur Bescherung ist, und woanders isst man nur zu Abend, aber solche Familien gibt es nicht viele, oder man spricht nicht von ihnen. Bei den Klickas gab es zuerst die Bescherung.

Es könnte auch kaum umgekehrt sein, da das große Zimmer, in dem der Esstisch stand, abgeschlossen war. Sie müssten sonst in der Küche an dem kleinen Tisch essen, was allerdings Frau Klicková nie zugelassen hätte. An Heiligabend musste alles so sein, wie es sich gehörte. Die bestickte Tischdecke, zusammengerollte Stoffservietten, die von einem Eisenring gehalten wurden, das blankpolierte Fischbesteck, ein Erbstück von Herrn Klickas Großeltern, und das Porzellangeschirr, welches, soweit sich Frau Klicková erinnern konnte, alle feierlichen Essen im alten Haus in Policka mitgemacht hatte.

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