Per Anhalter über den Atlantik

Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer
 
 
Delius Klasing (Verlag)
  • erschienen am 22. Januar 2019
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-667-11652-9 (ISBN)
 
Was tun nach dem Abi? Eine Atlantiküberquerung im Segelboot

Wohin mit sich selbst nach dem Abitur? Viele junge Menschen möchten sich nicht sofort in den "Ernst des Lebens" stürzen. Die Welt entdecken, echte Freiheit erleben und neue Erfahrungen machen, bevor der Alltag mit Studium, Job und Familie einkehrt - ein Traum für viele frisch gebackene Abiturienten.

Christoph Vougessis und Anna Haubrich haben diesen Traum gelebt: Nach dem Abi zogen sie los, der eine mit seinem vierzig Jahre alten Segelboot Shalom von Hamburg aus, die andere als Tramperin aus Süddeutschland.


Hals über Kopf verliebt - junges Glück unter Segeln

Das Schicksal führt sie auf La Gomera zusammen. Sie lernen sich kennen, verlieben sich und segeln gemeinsam über den Atlantik. Zwischen Sonnenuntergangsromantik und stürmischer See wachsen die beiden zusammen und erleben einen unvergesslichen Abenteuerurlaub. Bei Flaute schwimmen sie im Meer und geben den Fischen Namen. Sie stellen fest, dass ein Leben als Vegetarier auf dem Ozean nicht immer einfach ist und schaffen Abhilfe mit Pommes Frites. Und sie treffen auf viele neue Freunde, in fremden Kulturen und unter anderen Reisenden.

Doch auch auf hoher See ist nicht alles eitel Sonnenschein. Shalom ist ein treues Boot, aber doppelt so alt wie ihr Skipper. Ein Leck hier, eine Havarie da - Christoph erlebt auf dieser Reise Momente, die ihn an seine physischen und psychischen Grenzen stoßen lassen. Anna dagegen verfolgt ihren ursprünglichen Plan weiter und reist nach vier Monaten gemeinsamer Zeit allein nach Mexiko und Guatemala.


Erwachsenwerden am anderen Ende der Welt

In Per Anhalter über den Atlantik erzählen Christoph und Anna ihre gemeinsame Geschichte aus zwei Perspektiven. Eine Geschichte über eine Zeit weit weg von Konsumgesellschaft und Zwängen, eine Zeit der Freiheit und des gemeinsamen Glücks, aber auch über eine Zeit, die sie beide hat erwachsener werden lassen. Ehrlich und offen berichten die sympathischen jungen Segler über die Hochs und Tiefs, die Abenteuer und Schieflagen ihrer Weltreise.

Eine wunderbare Mischung aus Liebesgeschichte und Abenteuerroman!
1. Auflage 2019
  • Deutsch
  • Bielefeld
  • |
  • Deutschland
  • 30
  • |
  • 30 Abbildungen
  • |
  • 1 farbige Zeichnung
  • 3,61 MB
978-3-667-11652-9 (9783667116529)
weitere Ausgaben werden ermittelt

HAMBURG: EINE NEUE FAHRTENYACHT UND EIN KURS ENTSTEHEN


»Christoph. Erde an Christoph, sind Sie da? Schlafen können Sie zu Hause, aber ganz sicher nicht hier in meinem Unterricht!«

Verschreckt fahre ich aus dem Halbschlaf hoch, richte mich im Stuhl wieder gerade auf und schaue in das Gesicht meiner Geschichtslehrerin während der ersten Stunde des Tages. So richtig sympathisch waren wir uns nie. Na toll.

»Wir waren gerade bei der Ideologie des Nationalsozialismus. Schreiben Sie doch mal die Grundpfeiler an die Tafel und erkläre uns diese in knappen Sätzen.«

Ich erhebe mich und mache mich, nun mehr als wach, auf den Weg nach vorn, um der Aufforderung - zur Überraschung der Lehrkraft und zu meiner eigenen Genugtuung - in allen Punkten nachzukommen.

»Wäre das dann alles?«, frage ich artig, bevor ich mich zu meinem Platz zurückbegebe. Sie schaut mich nur mürrisch an, nickt unwirsch und lauert auf ihr nächstes Opfer.

Was ist die Schule doch manchmal für eine Farce. Noch weniger als zwei Monate, dann ist es endlich vorbei, denke ich mir und schaue aus dem Fenster.

Die Überführung liegt nun schon mehr als zwei Monate zurück, und ich befinde mich mitten in den Abiturvorbereitungen. Während dieser Zeit wurde die SHALOM lediglich auf das Gelände meines Segelvereins gestellt und wartet seitdem auf meine Rückkehr.

Im Kopf gehe ich, wie jeden anderen Tag auch, die To-do-Liste durch: Das Ruder muss durch neues Laminat verstärkt und das Ruderlager abgedichtet werden. Die Wanten müssen ersetzt und die Püttinge erneuert werden. Fenster abdichten, Seeventile erneuern, Ankergeschirr ergänzen, den Motor warten, eine Kochecke einbauen, eine Selbststeueranlage auftreiben und und und. Die Liste will kein Ende nehmen, ist aber ein gutes Gedächtnistraining, immerhin.

In ein paar Monaten ist das hier alles passé und ich befinde mich auf großer Reise, im August soll es spätestens losgehen. Egal, was noch kommen mag, ich bin bald weg.

Die Schulglocke kündigt mit einem schrillen Gebimmel das Ende des NS-Regimes an. Zufrieden packe ich meine Schulsachen in meinen Rucksack und stehe auf.

Einen Monat später halte ich mein Abiturzeugnis in der Hand und verlasse ein für alle Mal den Ort, um dem sich acht Jahre lang mein Alltag drehte, und wo ich von blauem Meer und weißen Segeln nur träumen konnte.

Schaue ich doch mal, wie es der SHALOM so geht.

Ich starte mein Mofa und lasse Schule und Vergangenheit hinter mir.

Eine Stunde und 34 Kilometer später erreiche ich das knallrot gestrichene Vereinshaus des SG-HFB. Seit Februar bin ich nicht mehr hier gewesen und nun ist bereits Ende Mai. Ich bin glücklich und von einem ausgelassenen Tatendrang erfüllt, der mir förmlich zuruft:

»Dein eigenes Segelboot! Rigg es auf, mach es fahrbereit und entdecke ferne Länder hinterm Horizont!«

Ich juble in mich hinein und stelle mein Mofa auf den kleinen Sandweg neben der Straße ab, damit das auslaufende Öl nicht so auffällige Schlieren auf dem Asphalt hinterlässt.

Ich betrete das Vereinsgelände und schlendere verträumt in die hinterste Ecke des Hofes, wo die SHALOM auf einem geliehenen Trailer im Windschatten einer großen Bootshalle geduldig auf mich wartet.

Fest entschlossen, an die Arbeit zu gehen, erklimme ich die wackelige Leiter, die an der SHALOM anlehnt.

Zwei Stunden später gleicht die Kajüte einem Schlachtfeld. Die Polster und sämtliche Ausrüstungsgegenstände, die sich noch von der Überführung an Bord befanden, liegen nun alle im Cockpit verteilt, damit ich im Inneren des Bootes genügend Platz für meine handwerklichen Arbeiten habe. Ich blicke um mich herum und weiß nicht, wo ich in diesem Chaos anfangen soll.

Die nächsten Tage und Wochen sind von intensivem Arbeiten, frühem Aufstehen, wenig Schlaf auf einer unkomfortablen Isomatte und schlechtem Essen geprägt. Ich erneuere die Püttinge, lasse mir von meinem ersparten Geld neue Wanten anfertigen und baue, während meine Klassenkameraden auf unserem Abiball tanzen, eine Toilette in das Vorschiff ein. Auf der Backbordseite entsteht eine kleine Kochecke mit einem zweiflammigen Spirituskocher und direkt daneben ein Kartentisch für die Navigation. Die Elektrik wird neu verkabelt und durch eine 20-Watt-Solarplatte ergänzt, die meine kleine Autobatterie künftig mit Strom versorgen soll.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Der Frühling geht in den Sommer über, und die SHALOM verwandelt sich langsam, aber sicher in eine kleine Fahrtenyacht. Anfang Juli steht der Krantermin kurz bevor, während ich fieberhaft an dem Herzstück einer jeden Fahrtenyacht arbeite: der Selbststeueranlage. Im Internet habe ich eine günstige gefunden und nach nur vier Tagen halte ich sie bereits in den Händen. Es handelt sich um eine große, etwas klobige, mechanische Windsteueranlage aus Edelstahl, die vom Vorbesitzer selbst zusammengeschweißt wurde. Mechanisch musste sie sein, da die Stromversorgung der SHALOM eher mau und nur für die Versorgung der Positionslampen konzipiert ist, und diese Variante gegenüber der elektrischen in meinen Augen eh die zuverlässigere und wartungsärmere ist. Auf die richtige Länge für mein kleines Boot kürzen kann ich Gestell und Windfahne selbst. Wie beides später funktioniert, ist recht simpel: Die Windfahne, von der Form ähnlich wie ein Ofenblech, steuert das Boot in einer einstellbaren Gradzahl zum Wind und hält so den Kurs. Wenn das Boot nun aus dem Kurs laufen sollte, übt der Wind Kraft auf die Windfahne aus, welche wiederum mit einem Ruder verbunden ist. Dieses Ruder bringt das Boot wieder zur eingestellten Windrichtung und damit auf den gewünschten Kurs.

Beim Anschweißen der Verstrebungen, welche die schwere Anlage am Rumpf fixieren sollen, hilft mir kurzerhand ein guter Freund, und so kann ich auch das Problem der Selbststeuerung innerhalb weniger Tage ad acta legen. Meine kleine, feine Fahrtenyacht erstrahlt in tiefstem Blau - und ist nun bereit für eine große Reise.

Die Frage ist nur, wo soll es hingehen?

»Zu den Kanaren? Was soll das denn? Wieso fährst du nicht erst einmal ein bisschen in der Nordsee umher? Da könnten wir dich auch jederzeit besuchen, falls mal was sein sollte!«

Meine Mutter schaut mich über den Esstisch hinweg entgeistert an - wie es wohl jede Mutter tun würde, wenn sie erfährt, dass ihr achtzehnjähriger Sohn allein tausende Meilen auf den offenen Atlantik segeln will. Ich sehe ihr an, dass wir das Thema noch lange nicht hinter uns haben.

»Kanaren, was hat dich denn da schon wieder geritten? Wieso willst du nicht, wenn du schon unbedingt segeln gehen musst, ins Mittelmeer? Das macht doch auch viel mehr Sinn! Dann könnten wir zusammen mit deinem Bruder die Sommerferien in Opas Haus in Griechenland verbringen. Wieso willst du nicht dorthin?«

Was wie eine Frage klingt, war nicht als solche gemeint - es geht ohne Pause weiter.

»Außerdem wäre das nicht so weit weg! Das Mittelmeer, das ist doch auch hübsch!«

Das ist typisch meine Mutter. Meinem Vater ist das egal, zumindest tut er so. Oder er will sich nicht mit meiner Mutter anlegen. Immer schön den Kopf unten halten, während ich hier mitten im Krieg stehe. Ich halte kurz inne, um mir eine erste Verteidigungslinie zurechtzulegen - hier muss man sinnvoll argumentieren, sonst ist es gleich zappenduster. Ich hole Luft und gehe zum Gegenangriff über.

»Ich weiß, dass das nicht so weit weg ist. Aber darum geht es doch gar nicht. Der Vorteil bei den Kanaren liegt nun mal darin, dass man von dort aus überall .«

»Thomas, wieso sitzt du da eigentlich wie ein Sack Mehl?! Kriegst du nicht mit, worum es hier geht? Oder ist es dir egal? Dein Sohn will zu den Kanaren segeln. Das ist doch mitten im Atlantik! Jetzt sag doch auch mal was!«

Ich schaue meinen Vater an. Dieser erwacht nun aus seiner zwar taktisch klugen, aber langfristig nicht haltbaren Lethargie und richtet sich auf.

»Naja nun, der Junge ist erwachsen, und Geld hat er auch. Was sollen wir machen? Außerdem wussten wir doch schon, dass er eine Segelreise plant, die über die Grenzen der Nordsee klar hinausgehen würde.«

Meine Mutter schaut meinen Vater entgeistert an. Damit hat sie nicht gerechnet. Das kam jetzt unerwartet und erwischt sie eiskalt. Zufrieden schaue ich meinen Vater an. Der alte Fuchs. Aber sie lässt nicht locker.

»Das kann ja wohl nicht dein Ernst sein! Ich glaube, hier sind alle verrückt geworden! Mensch Junge, in deinem Alter habe ich eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, und nicht ganze Ozeane in einem schrottreifen Boot überquert!«

Ich nehme erst einmal einen kräftigen Schluck von meiner inzwischen kalt gewordenen Suppe und versuche dann, die Gemüter zu beruhigen.

»Ich kann euch ja verstehen. Das klingt für euch natürlich alles mehr als erschreckend, und wäre ich selbst Vater, wüsste ich auch nicht, wie ich reagieren würde. Aber das ist mein Traum, seit ich vierzehn Jahre alt war. Und das wisst ihr auch. Seit vier Jahren habe ich buchstäblich...

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