Campus Delicti

- Kriminalroman -
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. Januar 2018
  • |
  • 230 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7427-5402-8 (ISBN)
 
Düsseldorf in den frühen 2000ern: Ein Student der Heinrich-Heine-Uni wird ermordet. Steingart Bröcker ist Finanzreferent des politisch äußerst linken AStA der Heinrich-Heine-Uni. Eben noch hat er gegen Neonazis demonstriert, am nächsten Tag wird er ermordet aufgefunden. Für den AStA ist sofort klar: Das war eine politische Tat! Doch ist es wirklich so einfach? Mirko Tomacek, junger Kommissar bei der Kripo Düsseldorf, hätte jedenfall gar nichts dagegen, den Neonazi Kai Peters festzunehmen. Doch der Staatsanwalt besteht auf sicheren Beweisen und Mirkos Chef setzt ihn und seine Kollegin Karin Klein auf das Privat- und Unileben des Opfers an. Als die Studentin Sybille in die Nachforschungen hineingezogen wird, steckt sie bald tiefer darin, als ihr lieb ist - und deckt dabei einen ungeheuerlichen Skandal auf.
  • Deutsch
  • 0,75 MB
978-3-7427-5402-8 (9783742754028)
3742754025 (3742754025)
Katharina Voller wurde 1981 in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Literaturstudium an der dortigen Heinrich-Heine-Universität und Verlagsvolontariat in Berlin verbrachte sie einige Jahre als freie Lektorin, Sprachlehrerin und Mutter in Nordamerika und China. Seit 2013 lebt sie mit ihrer Familie wieder in der Nähe von Düsseldorf und arbeitet als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. In ihrer Kurzgeschichte "Der Anfänger" (Am Erker, Dezember 2013) spielt ebenfalls Mirko Tomacek die Hauptrolle.

Dienstag



"Ja?"

"Herr Tomacek! Guten Morgen!"

Karin klang sehr viel ausgeschlafener, als Mirko sich fühlte. Wenigstens hatte sie ihn mit ihrem Anruf nicht aus dem Bett geholt. Das hatte der dicke Kater schon erledigt, der ihn pünktlich um halb sieben in den Zeh gebissen hatte, um ihn an die übliche Aufstehzeit zu erinnern.

"Hallo, Karin!"

"Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich mit Ludwig gesprochen habe?"

"Nee, ach was," sagte Mirko und hoffte, dass es nicht so zweifelnd klang, wie er sich selbst dabei fühlte. Einerseits war er natürlich geschmeichelt, dass Karin ihn im Team haben wollte, und freute sich auch auf die Zusammenarbeit. Aber andererseits - den Neonazis auf den Zahn zu fühlen lockte ihn weit mehr, als den Eltern einen Kondolenzbesuch abzustatten und sich durch eine Studentenbude zu wühlen.

"Gut," sagte Karin und klang zufrieden. Dann aber, als hätte sie Mirkos Gedanken doch erraten, fügte sie hinzu: "Und ich weiß, die Neonazis klingen erstmal vielversprechender, aber glaub mir, das ist weit dröger als es sich anhört. Mit Mündig im MIK zu sitzen, ist bestimmt kein Spaß."

Mirko rümpfte die Nase. "Da hast du vielleicht sogar recht!" So sehr er seinem ursprünglichen Ermittlungsschwerpunkt hinterhertrauerte, es war sicher kein Freude, dem Verfassungsschutz im Innenministerium - ganz korrekt Ministerium für Inneres und Kommunales, kurz MIK - auf dem Schoß zu sitzen und sich anzuhören, warum die leider so gar keine Auskunft geben könnten. Von der Seite war leider meistens nur Hilfe angesagt, wenn der Verfassungsschutz damit etwas erreichen wollte. Dafür waren Mündig und Brinkmann womöglich wirklich die richtigen.

"Hör mal," sagte Karin, "warum ich eigentlich anrufe: Ich wollte die Kommilitonen ja eigentlich dem Fußvolk überlassen, aber die von dieser Samstagskundgebung könnten wir ja vielleicht selbst übernehmen. Mindestens die, die hier in Düsseldorf wohnen."

"Ok, warum nicht."

"Ich hab mir gedacht, wir fahren die noch vor den Eltern ab. Wären zwei junge Herren, Jan Schmidt und Markus Schufenberger. Vielleicht sind die ja am frühen Morgen zuhause ein wenig gesprächsbereiter als nachher in der Uni?"

"Wäre einen Versuch wert."

"Gut, ich hol dich gleich ab."


#


Um kurz nach Neun parkte Karin den Wagen vor einem Haus auf der Kopernikusstraße in Bilk. Altbau, hohe Fenster, doch die Eingangstür hätte dringend erneuert werden müssen und auch der Außenanstrich hatte seine besten Zeiten lange hinter sich.

"So, Jan Schmidt, bitteschön," sagte Karin, während sie auf die Klingelleiste zugingen.

"Das ist der AStA-Vorsitzende, oder?", fragte Mirko.

Karin nickte. Mirko drückte den Knopf neben dem Schild "J. Schmidt / S. Kaspers / V. Hannemann". Hoffentlich würde sich Karins Einschätzung bewahrheiten und der Besuch am relativ frühen Morgen zu lockereren Zungen bei den Studenten führen.

Die Wohnung von Jan Schmidt befand sich im vierten Stock und es gab keinen Aufzug. Mirko bereute es mal wieder, den Sport seit der Polizeischule sträflich zu vernachlässigen. Er versuchte, Karin nicht merken zu lassen, wie sehr er außer Atem gekommen war, erntete aber dennoch ein boshaftes Grinsen von seiner Kollegin, der die Stufen nichts auszumachen schienen. Er musste dringend wieder an seiner Fitness arbeiten.

In der Wohnungstür stand eine junge Frau mit extrem kurzen Haaren und schaute sie fragend an.

"Guten Morgen!", grüße Karin höflich.

"Morgen," erwiderte die junge Frau, immer noch misstrauisch.

Karin hielt ihr ihren Ausweis entgegen. "Kriminaloberkommissarin Karin Klein. Das hier ist mein Kollege, Mirko Tomacek. Wir möchten zu Herrn Schmidt."

Etwas huschte über das Gesicht der jungen Frau, das vielleicht ein kurzes Grinsen hätte sein können.

"Herr Schmidt, klar, dann kommen Sie am besten rein," sagte sie und gab den Weg in die Wohnung frei. "Am besten in die Küche. Zweite Tür rechts."

Mirko ging vorweg und Karin folgte ihm in die Küche, in der ein passabler Esstisch Platz gefunden hatte.

"Ich hol dann mal den Herrn Schmidt," sagte die Kurzhaarige, diesmal mit kaum noch unterdrücktem Grinsen. "Kaffee?"

Sowohl Mirko als auch Karin verneinten. Die Kurzhaarige verschwand und sie hörten sie an eine Tür klopfen und leise mit jemandem reden. Einen Moment später betrat ein großer, dunkelhaariger junger Mann die Küche. Markenjeans, Marken-Poloshirt, teure Uhr am Handgelenk. Mirko bemühte sich, nicht die Augenbrauen hochzuziehen - nach den Studenten, denen er in den letzten Tagen begegnet war, hatte er gerade beim AStA-Vorsitzenden anderes erwartet.

"Guten Morgen!" Die Stimme von Jan Schmidt klang wach und vertrauenserweckend, sein Händedruck war fest.

Karin stellte wiederum sich und Mirko vor und Jan setzte sich den beiden gegenüber.

"Kaffee?" fragte auch er.

"Nein, danke," sagte Karin. "Sie können sich wahrscheinlich denken, dass wir wegen Steingart Bröcker hier sind."

"Ja, natürlich." Jan runzelte die Stirn und blickte auf seine Hände. "Schrecklich. Er war ein guter Freund. Und Kollege."

"Deswegen sind wir hier," sagte Karin. "Können Sie uns sagen, ob er sich in letzter Zeit verändert hatte?"

Jan blickte auf, überrascht. "Verändert? Nein. Wieso?"

"Hatte er Probleme? Hat ihn vielleicht etwas belastet?"

Jans Augen wurden schmaler. "Nein, nichts dergleichen," antwortete er. Mirko konnte geradezu sehen, wie es in Jan arbeitete, während dieser überlegte, worauf Karin hinaus wollte. Karin blieb ganz gelassen.

"Hatte er, mal abgesehen von möglichen politischen Hintergründen, jemanden, der ihm etwas hätte antun wollen?"

"Abgesehen von möglichen politischen Hintergründen?" Jan klang ehrlich empört und schaute Karin wütend an. Mirko seufzte.

"Als ob man davon absehen könnte! Sie wollen wahrscheinlich gerne davon absehen! Aber ich bitte Sie -" , Jan beugte sich vor, "nur wenige Stunden vor seinem Tod geraten wir mit Nazis zusammen, die uns ausdrücklich bedrohen. Ausdrücklich! Die Steini sogar bis nach hause verfolgen, wo er wenig später umgebracht wird. Und da soll man von einem politischen Hintergrund absehen? Machen Sie mal Ihre Arbeit und finden Sie Beweise gegen dieses Nazi-Schwein, dann müssen wir auch nicht über irgendwelche anderen Probleme von Steini reden!"

Jan lehnte sich zurück, sichtlich angetan von der eigenen kleinen Rede. Karins Blick hatte sich zusehends verfinstert, aber dieses Mal wartete Mirko nicht darauf, was seine Kollegin hätte sagen wollen. Er beugte sich nun seinerseits vor und bemühte sich um einen ruhigen Ton. "Jetzt hören Sie mal, Herr Schmidt. Wie wir unsere Arbeit machen, das lassen Sie mal schön unsere Sorge sein. Gerade weil ein politischer Hintergrund vielleicht am ehesten auf der Hand liegt, möchten wir von ihnen hören, ob es noch andere Möglichkeiten gibt. Sie kannten Herrn Bröcker vermutlich mit am besten - wenn Sie also ehrlich daran interessiert sind, dass wir den Täter finden, beantworten Sie doch einfach die Frage meiner Kollegin."

Karin schenkte ihm einen kurzen dankbaren Blick, während Jan Schmidt ihn wütend anstarrte. Doch er schien den Sinn seiner Worte einzusehen, denn im nächsten Augenblick schüttelte er den Kopf und sein Gesichtsausdruck entspannte sich wieder etwas.

"Nein. Wirklich, mir fällt keiner ein, der sonst ein Interesse daran gehabt haben könnte, Steini etwas anzutun. Abgesehen vom politischen Hintergrund," sagte er, immer noch etwas bissig.

"Ok. Dann kommen wir doch mal zum Samstag selbst," sagte Karin und holte ihren Notizblock hervor. "Sie waren also mit Steingart Bröcker und einigen anderen ab etwa 11 Uhr morgens vor dem Wohnhaus von Kai Peters postiert, um dort Flugblätter zu verteilen, richtig?"

Jan nickte.

"Um etwa 14 Uhr tauchten dann Kai Peters und weitere Personen auf und es kam zum Streit."

"So könnte man das nennen."

"Und was passierte dann?"

Jan sah auf. "Wie ich schon am Sonntag Abend berichtet habe," sagte er in weiterhin scharfem Ton, "haben wir beschlossen, unsere Aktion abzubrechen, bevor der Streit eskaliert. Wir hatten zunächst vor, uns in die nächstgelegene Wohnung zurückzuziehen, also hierhin. Als uns die Nazis aber verfolgten, haben wir uns aufgeteilt, weil wir hofften, sie so abzuschütteln. Steini und Schuffe sind zusammen zu Steinis Wohnung gelaufen und wurden dabei, wie ich im Nachhinein erfahren habe, weiter von den Nazis verfolgt. Chris und Ivo sind zur Bahn, Stefan war schon nach hause. Ich selbst bin mit Frauke zu meiner Wohnung gelaufen und nachdem bei uns ja nichts mehr von Nazis zu sehen war, ist sie gegen 15 Uhr weg. Ich habe dann gegen 17 Uhr bei Steini angerufen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Er sagte, die Nazis hätten ihn bis zum Wohnheim verfolgt, jetzt sei aber alles ok, Schuffe sei gerade gegangen."

"Das können sie aber flüssig wiedergeben," bemerkte Mirko spitz.

Jan runzelte die Stirn. "Ich durfte ihren Kollegen ja auch schon einmal alles erzählen."

Karin warf Mirko einen fragenden Blick zu und er zuckte schwach mit den Schultern. Sollte sie ruhig zum nächsten Thema übergehen.

"Gut. Können Sie uns denn auch etwas zu seinem Privatleben sagen? Hatte er eine Freundin? Oder einen Freund vielleicht?" fragte Karin.

Jans Stirnrunzeln verschwand; er blickte auf und lächelte. "Nee, nee, Freund sicher...

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