Listen to your heart

oder höre auf dein herz
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 312 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-3067-1 (ISBN)
 
Seine oberste Priorität galt immer pünktlich zu sein, sein Job gutzumachen und niemals, auch wirklich niemals auf die Kulleraugen einer schönen Kundin hereinzufallen. Dabei gab es schon viele Stuten, die den Hengst von der Weide locken wollten, aber die einen waren nicht mit dem gottgegebenen Äußeren gesegnet, bei den andern wäre er lieber ins Zölibat eingetreten.
Dann trat Eva in sein Erscheinungsbild, die nun versuchte mit sanften, charmanten Verführungsmethoden die mächtige Eiche ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,30 MB
978-3-7526-3067-1 (9783752630671)
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1. Grillen, die Insel der Männlichkeit


Es war endlich mal wieder Sommer. Die Sonnenwende hatte ihren Höchststand erreicht, Menschen waren gut gelaunt, die Sonne zaubere lustige Sommersprossen auf Gesichter, verliebte bewegten sich Arm in Arm im Schunkelgang, einige lagen faul im Gras, Ausflüge wurden zum Kurzurlaub, Blumen dekorieren die Balkone, Open-Air-Konzerte häufen sich, Biergärten und Schwimmbäder wurden genötigt.

Andere widmen sich lieber dem sommerlichen Wurst-Grillen mit gekühltem Bier und Schorlen in Parks, in Schrebergärten oder auf dem eigenen Grundstück.

Grillen tut immer der Mann. Nicht etwa, um der Frau das Kochen zu ersparen, nein, es ist die feurige Lust, Holzkohle zu schichten, an dem Brandbeschleuniger zu schnüffeln, das blutige Fleisch zu sehen, das offene Feuer, das Knistern der rot glühenden Kohle, die Hitze und schließlich der Moment, wo sich ein weißer Asche-Belag gebildet hat, der dem Profi signalisiert: Jetzt geht's erst richtig los.

Eigenhändig wird dann das rohe Muskelgewebe auf den Rost gelegt, ungewürzt damit die Gewürze nicht verbrennen und das Fleisch so sein volles Aroma entfalten kann. Durch die direkte Hitzestrahlung schließen sich sofort die Poren und nur wenige Vitamine und Mineralstoffe gehen verloren, wodurch die typischen Geschmacksstoffe erhalten bleiben.

Zärtlich und liebevoll wird dann das Grillgut vom Grillmeister mit der Grillzange gewendet, welches vorher mit hochwertigem Speiseöl einmassiert wurde, um das Anhaften am Rost zu vermeiden. Ein wenig Fett schmilzt aus der feinen Marmorierung der Schweinenacken-Steaks und tropft auf die Glut. Es qualmt leicht und fängt an zu zischen. Brutal wird es mit einer halben Flasche Bier gelöscht, bevor ein Höllenfeuer entsteht. Der Rest verschwindet in der Kehle des Bachelors of Barbecue.

Gewürzt wird zum Schluss mit etwas Salz und Pfeffer und auf handelsüblichen Papptellern gereicht, die instabil sind, leicht durchweichen und zusammenknicken, wenn ein gebratenes Stück Fleisch oder Salat sich darauf befindet.

Ein Refugium für Griller, eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt, eine Aufgabe, die den ganzen Mann fordert. Den dabei entstehenden Rauchschwaden wird nicht nur sehnsüchtig hinterhergeblickt, bei denen Urinstinkte geweckt werden, nein, sie werden zudem noch tief inhaliert, um die Duftstoffe vorab nasal zu genießen.

Während man vor dem Rost wie ein Schwein schwitzt, als wenn man für die Klimaerwärmung trainieren würde, sind die Gäste dabei, das gebratene Fleisch und die Würstchen in Ketchup zu ertränken und es wollüstig und geräuschvoll niederzumetzeln. Zwischendurch immer wieder die Rufe an den Grillmeister:

»Komm setzt dich doch mal zu uns.«

»Keine Zeit«, heißt es dann.

Ja es ist einfacher gesagt, als getan. Lässt man den Grill für einen kurzen Augenblick unbeaufsichtigt, um der Aufforderung nachzukommen, kann es schnell mal zu einem Flammeninferno kommen. Durch das Heruntertröpfeln des Fetts wird die glühende Kohle aufgeflammt und der Grill nebst Fleisch gerät in Brand.

Um so ein Feuer schnell unter Kontrolle zu bringen, dazu aber nie ein Eimer Wasser störend im Wege steht, bedarf man sich dann schon der Verwendung einiger Biere, auch "Papas Bestes" genannt. Dabei werden dann die verbrannten Rückstände der Holzkohle aufgewirbelt, die sich dann schützend oder auch bedrohlich um das Grillgut legen.

Riechen tut das Fleisch daraufhin angenehm nach Bier als nach Asche, aber ob es dadurch nun besser schmeckt, sei dahingestellt. Zumindest gleicht das Grillgut kongruent der darunter liegenden Holzkohle.

Bereits der Neandertaler stand morgens früh auf, schwang sein Bärenfell um die Hüften, nahm sein Speer und ging auf die Jagd, um seiner wichtigsten Pflicht nachzukommen, die Familie zu ernähren. Er riskierte dabei sein Leben, kämpfte mit Mammuts und Säbelzahntiger und erst wenn er ein wildes Tier erledigt hat, kehrt er wieder zurück. Zu Hause wartet dann seine Sippe, die währendes die ganze Zeit das Feuer bewachten. Stolz wird dann das tote Tier über die Flammen gehängt, um es zu braten, worauf die Frau ihm lobend auf die Schulter klopft und meint:

»Du bist der Größte.«

Das Verhaltensmuster hat sich also seit der Steinzeit nicht viel geändert. Frauen haben kein Interesse an den Job des Grillmeisters, schließlich haben sie in so vielen anderen Lebensbereichen bereits das Zepter an sich gerissen, sodass dem Mann nur noch der Griff zur Grillzange übrig blieb, um sich in der ureigenen Rolle als Jäger und Familienversorger zurückzufinden.

Mit dem Gang zum Schlachter fängt alles an, er ersetzt gewissermaßen die Jagd. Entschlossen steht man an der Theke, deutet mit dem Finger auf alle möglichen Sorten des rohen Fleisches und der Würstchen hin und grunzt:

»Einpacken!«

Meistens wird immer viel zu viel gekauft. Wahrscheinlich um sich, wie bei den Vorfahren, als großartigen Versorger bei der Sippschaft zu präsentieren.

Der menschliche Grill-Trieb sitzt gleich neben dem Sexualtrieb und dem Hang zum Heimwerken. Sobald es draußen wärmer wird, erwacht er und die Freude, auf ein in Bier gewälztes Schwein zu grillen, steigt. Dabei ist es egal, wie man grillt, Hauptsache man(n) grillt.

Da generell beim Grillen das Gebot der Rücksichtnahme oberste Priorität genießt und man auch Streitigkeiten vermeiden möchte, weil die Rauchentwicklung des Grillgutes die sündhaft teure, extravagante, hochwertige, frisch gewaschene Victorias's-Secret Unterwäsche auf dem Nebengrundstück verpesten könnte, die ausgerechnet an diesem Tag zum trocken aufgehängt wurde, werden die Nachbarn des Friedens Willen mit eingeladen, obwohl man sie eigentlich gar nicht ausstehen kann. Wie schon Friedrich Schiller wusste: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt . äh . ne ., wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, oder so.

Meisten wird der Grillrost mit mindestens zehn Kilo Fleisch für die ersten zehn Gäste vollständig ausgelegt und in zehn Minuten weggegrillt. Die Steaks sehen dann von außen kräftig gebräunt aus, sind aber von innen statt zart und saftig eher immer noch roh. Grillen dauert eben.

Eigentlich ist Grillen scheiße und eine stressige Angelegenheit. Während die anderen essen und man selber schwitzt, ernährt man sich von den halbleeren Bierflaschen, die man zuvor zum Löschen der Glut benutzt hatte.

Doch so stressig es auch ist, schon am nächsten Abend, wenn von irgendwoher der Duft frisch entfachter Holzkohle einem in die Nase steigt, wenn Tatendränge hervorrufen werden, die einem mental saftige Steaks mit einer herben Rauchnote vor Augen schweben lässt, dann spürt man ihn wieder, den uralten Ruf der Vorfahren.

Ja, schon der Satz:

»Schatz, ich kümmere mich um das Fleisch, mach du den Rest«, sind Worte, die schon zu Zeiten der Jagd und des Beerenpflückens gefallen sind und bis heute sich nicht verändert haben.

So auch das alljährliche Zusammentreffen bei einem Nachbarn, der all seine Bekannten und Freunde dazu einlud, mit ihm ein solches Fest im Freien zu genießen.

Einige kamen in Hawaii-Hemd, Gummisandalen, Bermuda-Shorts und weißen Socken, die über kalkweiße Beine gezogen wurden, andere in Pumphosen, weißem Hemd und Krawatte.

Sie alle bestellten sich ein Sex on the Beach, bekamen aber nur ein leicht gekühltes Bier aus einer mit kaltem Wasser gefüllten Wanne.

Der Hof dieser meet-and-grill Aktion war so groß, dass eine ganze Bierzeltausstattung eines Hofbräu-Hauses, einschließlich Getränke-Kühlschrank, Doppelspültresen und überdimensionalen Schwenkgrill Platz hätte, Platz, um die ureigenen animalischen Triebe auszuleben.

Der Gastgeber selber, mit der Erhabenheit eines ganzen Mannes, der mittlerweile die Midlife-Crises erreicht hatte und mit dem Mangel an einer Partnerin lebt, also unverheiratet ist, war für die Speisezubereitung auf dem Bräter zuständig.

Viele bezeichnen ihn auch aufgrund seines Single-Daseins als eine Art Praktikant, unberührt, unbesehen, geblockt, noch mit Frischesiegel.

Manchmal aber auch erweckt er in einem den Eindruck, als wenn er als Kind beim Schaukeln zu dicht an der Wand gestanden hatte oder das die Geschwindigkeit des Laufbandes in seinem Fitnessstudio zu hoch eingestellt wurde und er wie ein Pfeil durch die Halle geschossen wurde.

Seit Jahren schon hat er ein großes Problem mit dem Im- und Export. Er importiert zu gerne Bier durch seine Kehle und hatte er mal zu viel eingefahren, so exportierte es dann schon mal, meistens mit einem besorgten Blick irgendwo auf dem Hinterhof über einen unschuldigen Busch.

Wohnen tut er noch zum Nulltarif zu Hause, in seinem alten Kinderzimmer und genießt dabei die Nestwärme. Schmutzige Wäsche, die im Wäschekorb landet, findet er spätestens nach zwei Tagen sauber, wohlriechend und gebügelt im Kleiderschrank wieder.

Zweimal die Woche wird das...

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