Schutz von Kulturgut

 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Juni 2021
  • |
  • 136 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-17-038629-7 (ISBN)
 

Der Erhaltung und dem Schutz von Kulturgut kommt im 21. Jahrhundert eine verstärkte Bedeutung zu. In Deutschland als Zeichner der Haager Konvention (1954) ist der Kulturgutschutz als eine Aufgabe des Zivilschutzes festgeschrieben. Das Buch gibt einen systematischen und zugleich umfassenden Überblick zu den zentralen Aspekten des Kulturgutschutzes. Was sind "national besonders wertvolle" Kulturgüter? Was sind die Gefahren für Kulturgüter? Eingegangen wird insbesondere auf die Gefahren Wasser, Feuer, klimatische Veränderungen und Extremwetterlagen, aber auch auf bewaffnete Konflikte sowie Unglücke. Grundlegend ist daher die Betrachtung des Krisen- und Katastrophenmanagements. Eine Auswahl an Realbeispielen verdeutlicht die Ausführungen.

1. Auflage 2021
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung aller Ebenen, Angehörige des Militärs und der Hilfsorganisationen, Studierende einschlägiger Fachrichtung (insbesondere in Frankfurt/Oder und Bonn)
13 Abbildungen, 1 Tabelle
  • 5,47 MB
978-3-17-038629-7 (9783170386297)
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Daniela Vogt ist promovierte Politikwissenschaftlerin und hat Politikwissenschaften, Geographie und Ethnologie studiert. Sie war im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn u.a. im Bereich Kulturgutschutz nach Haager KoSvention tätig.

[32]2    Bedrohung und Zerstörung von Kulturgut
2.1   Gefährdungen im Alltag
2.1.1   Alter und Abnutzung

Alle Materialien unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess, der sich teilweise durch konservatorische und/oder restauratorische Maßnahmen verzögern lässt; allerdings nur, wenn diese strikt angewendet werden. Alte Dokumente und Gebrauchsgegenstände weisen außerdem oftmals Bruchstellen, Risse oder andere Gebrauchsspuren durch häufige Nutzung auf. Zudem sind sie durch Schädlingsbefall, Schimmel oder chemische Zersetzungsprozesse gefährdet. Klimawandel und Umweltverschmutzungen verstärken den Alterungsprozess.

2.1.2   Schädlings-, Pilz- oder Schimmelbefall und Schadstoffe

Unter dem in Museen, Bibliotheken und Archiven aufbewahrten Sammlungs- und Bestandsgut sind es vorwiegend Objekte aus organischen Substanzen - wie Papier, Textilien, Holz, Pergament und Leder sowie sonstige tierische Materialien - aber auch Kunststoffe in Abhängigkeit von ihrer chemischen Zusammensetzung, die von tierischen Schädlingen, vor allem Insekten, und Mikroorganismen angegriffen und zerstört werden. An Steinbauten können beispielsweise pflanzliche Schädlinge wie Flechten, Moose und Efeu über lange Zeit unmerklich schaden. Die ständige Beobachtung und Kontrolle sind daher unerlässlich. Erst die genaue Kenntnis und Identifizierung eines Schaderregers ermöglicht effiziente und nachhaltige Abwehr-, Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen.

Eine Vielzahl an Schadsubstanzen in der Luft und in Kontaktmaterialien wirken auf Sammlungsgüter- und Bauwerke ein, sodass diese verändert, angegriffen und abgebaut werden. Häufig beschleunigt die Wirkung der Schadstoffe Alterung und Zersetzung. Die schädigenden Substanzen sind zumeist gasförmige, organische Verbindungen, aber auch Festpartikel wie Stäube. Unterscheiden lassen sich Außenschadstoffe der direkten Umgebung (salzhaltige Luft, Verkehrs- und Industrieemissionen) und Schadstoffe der Innenraumluft (Ausdünstungen von Baumaterial, Lagermedien und/oder Verpackungen). Die Objekte selbst dünsten schädigende Stoffe [33]aufgrund der natürlichen Zersetzung oder der verwendeten Restaurierungs- und Konservierungsmittel aus. Nicht zu vernachlässigen sind die Wirkung von Atmung und Transpiration von Besuchern. Die Analyse der Zusammensetzung der Raumluft und der verwendeten Lager- und Ausstellungsmaterialien kann, durch entsprechend eingeleitete Maßnahmen, helfen eine Schadstoffbelastung in Museen, Bibliotheken und Archiven zu vermeiden bzw. zu vermindern. Die Wirkung von Schadstoffen wird oftmals zudem durch Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht begünstigt. Schädlinge können auch durch biologische Waffen oder Epidemien unkontrolliert in hoher Konzentration Kulturgüter angreifen oder zerstören.

2.1.3   Licht und klimatische Bedingungen

Tageslicht und künstliches Licht enthalten Strahlungsanteile, die Materialien bei dauerhafter Beleuchtung ausbleichen, austrocknen, verfärben oder verformen können. Lichtschutz spielt daher in Ausstellungsräumen eine wichtige Rolle. Anders als bei Bauwerken lassen sich hier geeignete Lichtquellen wählen, schädliche Strahlungen ausfiltern und Belichtungszeiten begrenzen.

Unsachgemäße Lagerung oder schlechte klimatische Bedingungen (z. B. Feuchtigkeit, starke Temperaturschwankungen) sind weitere Gründe für eine mögliche Zerstörung von wertvollen Kulturgütern. Zum Schutz von Sammlungsgut kann das Raumklima in gewissem Umfang reguliert und möglichst konstant gehalten werden. Ohne die entsprechende technische Klimatisierung eines Gebäudes sind die klimatischen Verhältnisse in den Innenräumen immer gewissen tages- und jahreszeitlichen Schwankungen durch Einflüsse des Außenklimas unterworfen. Die mögliche Regulierung durch technisch-bauliche Maßnahmen oder Nutzerverhalten muss jedoch immer im Zusammenhang mit dem Bauwerk betrachtet werden, das dadurch keinen Schaden nehmen darf. Zumal die Maßnahmen am Bauwerk anstehendes Kondenz- bzw. Tauwasser oder die Bildung von Schimmelpilzen begünstigen können. Bauwerke und Denkmäler sind täglich Wind und Wetter ausgesetzt. Technische Maßnahmen und Änderungen im Nutzungsverhalten greifen hier nicht. Rasche klimatische Veränderungen und extreme Wetterlagen, einmalig, wiederkehrend oder länger anhaltend, beschleunigen den Verfall und erhöhen die Gefahr einer Zerstörung. Beispielsweise können Schimmelbildung durch hohe Luftfeuchtigkeit und Risse durch starke Temperaturschwankungen entstehen.

[34]2.1.4   Feuer

Schäden durch Brand stellen ebenfalls eine erhebliche Gefahr für bewegliches und unbewegliches Kulturgut dar. Innerhalb kürzester Zeit können durch ein Feuer Sammlungen und Gebäude geschädigt werden oder unwiederbringlich verloren gehen. Erschwerend kommt hinzu, dass Sammlungen häufig in denkmalgeschützten oder anderen historischen Gebäuden untergebracht sind, die ursprünglich nicht für eine Nutzung als Museum, Bibliothek oder Archiv vorgesehen waren und deren Struktur nur bedingt an Vorgaben des Brandschutzes angepasst werden kann. Vorbeugende Maßnahmen zum Brandschutz reduzieren jedoch die Wahrscheinlichkeit der Brandentstehung, und die möglichst schnelle Kontrolle eines Brandes minimiert die sekundären Folgen durch Rückstände wie Ruß, Wasser und andere Löschmittel sowie durch die Evakuierung. Brandschutzmaßnahmen und -kontrolle sind primär auf den Personenschutz - von Bewohnern, Anwohnern, Beschäftigten, Besuchern und Feuerwehr - ausgerichtet. Indirekt dienen diese Maßnahmen auch dem Sachwertschutz. Nach dem verheerenden Brand der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek (HAAB) in Weimar im September 2004 titelte der Spiegel: »Ein Stück Weltkulturerbe ist verloren«. Beim Bibliotheksbrand sind rund 30.000 wertvolle Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert vernichtet worden, weitere 40.000 wurden durch Löschwasser und Rauch schwer beschädigt. Eine Million Bücher waren insgesamt in Gefahr - Feuerwehr und Bürger verhinderten das Schlimmste.

Ein Großteil der Gebäude des Klosters Hilandar auf dem Berg Athos wurde im Frühjahr 2004 durch einen Brand stark zerstört. Anfangs wurde von einem technischen Defekt ausgegangen, für wahrscheinlicher halten Experten mittlerweile Brandstiftung. Dem Feuer fielen viele uralte Kirchenschätze, ikonographische Fresken aus dem 12. und 13. Jahrhundert sowie das Weiße Rasthaus und uralte Gästebuch zum Opfer. Der Schaden wird auf über 20 Millionen Euro geschätzt, doch der Verlust an unwiederbringlichem Wissen und an jahrhundertealten Schätzen ist unbezahlbar.

Ende Oktober 2019 brannte die Burg Shuri auf der südlichen Insel Okinawa beinahe komplett nieder. Die Burg stammt aus der Zeit des Ryukyu-Königreichs. Dessen Herrschaft 1879 zu Ende ging, als die Insel von Japan annektiert wurde. Die Burg brannte bereits zuvor kurz vor Kriegsende 1945 nieder, viele Zivilisten kamen damals bei der Schlacht um die Insel ums Leben. Nach aufwendiger Restaurierung wurde die Burg 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt (SZ online 31.10.2019).

Bereits Mitte April desselben Jahres brach in der Kathedrale Notre-Dame de Paris ein Brand aus, der rasch von der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Kirche gehört seit 1991 zum UNESCO-Welterbe. Die reiche Ausstattung der Kirche blieb größtenteils erhalten, wurde jedoch teilweise durch Hitze, Rauch, Ruß [35]und Löschwasser verschmutzt und beschädigt. Roboter unterstützten die Bergungsarbeiten der Feuerwehr (Zeit online, Themenschwerpunkt Notre Dame 2019).

2.1.5   Wasser

Neben der Gefahr durch Überschwemmungen sind vor allem Archive und Sammlungen durch Rohrbrüche und andere Defekte gefährdet. Auch Gebäude selbst sind durch Wasserschäden gefährdet. Anstehendes Grundwasser, ungewöhnlich hohe Niederschlagsmengen wie Starkregen schaden den Gebäuden. Außerdem kann in Folge eines Brands der Einsatz von Löschwasser an Kulturgütern und Denkmälern Schäden anrichten.

Beispiel Stadtarchiv Bonn: Im November 2012 war im Bonner General-Anzeiger zu lesen: »Gedächtnis der Stadt« in Gefahr. Wasser sickerte von der Decke in das Archiv, sodass 643 laufende Regalmeter aus Angst vor Wassereinbrüchen nicht mehr belegt wurden und weitere 1.771 Regalmeter permanent mit Folie abgedeckt wurden. Die eingedrungene Feuchtigkeit schädigte die gelagerten Fotos, Bücher, Zeitungsbände. In dem Artikel heißt es zum Stand des Ausmaßes: »Die Gefahr, dass man Dokumente, die man Jahrhunderte über Krisen- und Kriegszeiten gerettet hat, nun durch einen massiven Wassereinbruch verlieren könnte, ist nicht unrealistisch. Bislang habe man Glück gehabt« (Kliemann 2012).

Solche und andere Szenarien, wie beispielsweise Sackungen an Gebäuden bei aufgeweichten Böden, können ganze Archivbestände und Gebäude vernichten.

2.1.6   Diebstahl

Einbruch sowie Diebstahl während der Öffnungszeiten und durch Mitarbeiter bzw. durch Fachbesucher gehören zu den häufigsten Schadensereignissen in Museen. Dies erklärt sich allein schon aus dem erhöhten Risiko, dem Sammlungen ausgesetzt sind.

  • Sie sind überwiegend in öffentlichen Gebäuden untergebracht, daher meist frei zugänglich und im öffentlichen Raum fehlen häufig Barrieren wie Zäune oder Mauern.

  • Mögliche Täter können als Besucher während der Öffnungszeiten unauffällig die Örtlichkeiten genau inspizieren und Informationen zu Präsentation, Diebstahlsicherungen und möglichen Fluchtwegen ungestört sammeln.

  • [36]Wertvollste Exponate werden häufig frei zugänglich präsentiert, was die schnelle Entwendung oder Beschädigung vereinfacht.

  • Bei sogenannten...

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