Karl Monk und das Geheimnis der schwarzen Schildkröte

Detektivroman aus Christiania
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2019
  • |
  • 248 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-0531-2 (ISBN)
 
Die schwarze Schildkröte, so heißt ein wertvoller Diamant, der dem alten Weltenbummler Bartholomäus Frik gestohlen wird. In einem aufwendigen Indizienprozess wird der Tathergang untersucht. Doch erst Jahre später gelingt dem Meisterdetektiv Karl Monk, unterstützt durch den Ich-Erzähler Fredrik und dessen Frau Klara, die Lösung des Falls ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,57 MB
978-3-7481-0531-2 (9783748105312)
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Der Admiral, Politiker und Schriftsteller Christian Sparre (1859 - 1940) schrieb unter dem Pseudonym Fredrik Viller Erzählungen und Romane rund um den Detektiv Karl Monk, die ihm den Ruf eines "norwegischen Conan Doyle" einbrachten. Der vorliegende Roman erschien zuerst 1899 unter dem Titel "Gamle Friks diamant." - "Der Diamant des alten Frik."

Drittes Kapitel.
Mr. Reginald Howell.


Eines Tages bekam ich folgende Einladung: "Herr Polizeikommissär Monk!

Mein Onkel lässt Sie bitten, morgen 5 Uhr bei uns zu Mittag zu speisen. Er erwartet einen Engländer, den Sohn eines seiner früheren Kameraden in Australien, und möchte Sie mit ihm bekannt machen. Ihre Sigrid Frik."

Es war dies tatsächlich das konventionellste Billet, das man nur erhalten konnte, und doch verursachte es mir eine große Freude, wenn ich derartige Schreiben mit der feinen, hübschen Handschrift erhielt, die ich so gut kannte.

Es war an einem Samstag wenige Tage vor Weihnachten. - Die Zeit seit damals, als ich Sigrid zum ersten Male gesehen hatte, bis jetzt, hatte ich dazu benützt, mich so gründlich zu verlieben, wie nur ein Mann es tun kann.

Liebe macht blind, sagt man, aber so blind hatte sie mich gar nicht gemacht, dass ich nicht bemerkt hätte, wie meine Versuche, der jungen Dame zu gefallen, ihr gar nicht unangenehm schienen. Mehr kann kein Mann verlangen, bis er mit klaren und deutlichen Worten sich erkundigt hat, und dies beabsichtigte ich gerade in nächster Zeit zu tun, verschob es aber immer noch, in der eitlen Hoffnung, zuerst größere Gewissheit über den Erfolg erlangen zu können.

Dass ich die Einladung zum Mittagessen am folgenden Tage annahm, versteht sich von selbst.

Bei meiner Ankunft in "Villa Ballarat" fand ich den alten Frik in strahlender Laune.

"Hier haben Sie ihn, Monk, hier haben Sie ihn, Reginald Howell, den Sohn meines alten Freundes Howell, des besten Mannes und treuesten Kameraden in der ganzen Welt! Ich glaube nicht, dass mein alter Freund selbst in der Jugend ein so gutes Aussehen hatte wie der Sohn hier. Aber sein Herz war wie Gold und man konnte auf ihn wie auf Felsen bauen -"

Der alte Frik hatte Mühe, von der Erinnerung an den alten Howell loszukommen. Aber es gelang schließlich seiner Nichte, ihn so weit in die Gegenwart zurückzubringen, dass ich dem jungen Engländer vorgestellt werden konnte.

Es war ein großer, schöner, junger Mann, ungefähr in meinem Alter und von dunklem englischem Typus.

Er litt allerdings stark an den englischen schiefen Schultern und unsymmetrischen Gliedern, aber seine Haltung war ungezwungen und sicher, wie sie bei Engländern aus der guten Gesellschaft zu sein pflegt.

Seine Augen waren schön, sehr dunkel, fast schwarz, aber ohne Wärme, und sein Gesicht hatte nichts besonders Anziehendes. Er zeigte übrigens bei der ersten Begegnung weniger von der kalten Steifheit, als dies sonst bei Angehörigen seiner Nation der Fall zu sein pflegt, und sein Wesen war einschmeichelnder als bei den meisten seiner Landsleute, doch in durchaus nicht unangenehmer Weise.

Er gefiel mir nach und nach ganz gut.

Es kam vor, dass er im Anfang Fräulein Sigrid ziemlich warme Blicke zuwarf, und ich fühlte bei dieser Gelegenheit nicht geringe Lust, ihn aus dem Feld zu schlagen. Aber da dieses nur eine Wiederholung jenes Gefühles war, das ich in den vergangenen Monaten gegenüber einem halben Dutzend anderer junger Männer empfunden hatte, die in "Villa Ballarat" verkehrten, so war ich vernünftig genug, diesem Gefühle nur vorübergehend Platz einzuräumen. - Er hütete seine Blicke bald darauf, vermutlich merkte er, wo sich das Land befand, wie der Seemann zu sagen pflegt.

Was in hohem Grad zum Vorteil des jungen Engländers sprach, das war seine augenscheinliche Bescheidenheit.

Als sein Vater vor einem Jahre starb - er hatte bis dahin in Australien gewohnt - beschloss der Sohn nach Europa zu reisen und schiffte sich auf einem Segelschiff ein - er habe sich immer für die Segelschifffahrt interessiert, sagte er -; aber das Fahrzeug war auf offener See in Brand geraten. Mannschaft und Reisende mussten in die Boote steigen. Doch nur eines der letzteren erreichte das Land, dasjenige nämlich, in welchem sich Reginald mit acht anderen Gefährten befand. Aber es zerschmetterte schließlich an den Korallenriffen und Mr. Howell rettete sich allein auf eine kleine Insel. - Dort traf er einige freundlich gesinnte Eingeborene und wurde ein paar Monate später von einem Schiff aufgenommen, das ihn nach Europa brachte.

Es kommt selten vor, dass sich Leute des Erzählens enthalten können, wenn sie eine ziemlich interessante Begebenheit erlebt haben. Aber erst nach wiederholten Aufforderungen von Seiten des alten Frik war Mr. Howell zu bewegen, einen sehr nüchternen und kurzen Bericht über die abenteuerliche Reise abzugeben.

Es war klar, dass er sich bei dem fürchterlichen Ereignis sehr kaltblütig und mutig benommen und es nur seiner Besonnenheit und Geistesgegenwart zu verdanken hatte, dass er sich hatte retten können. Doch erwähnte er seine eigene Person fast gar nicht und bloß in den bescheidensten Ausdrücken. Er hatte überhaupt die Eigenschaft - entweder durch Erziehung erworben oder seiner Natur eigen - selten oder nie von sich selber zu sprechen - eine Eigenschaft, die nie verfehlt, einen vorteilhaften Eindruck zu machen.

Als der junge Mann in England ankam, stattete er selbstverständlich den Behörden einen genauen Bericht ab über den Untergang der "The Queen of the East" und das Schicksal seiner Besatzung. Dieser Bericht wurde von den meisten englischen Blättern abgedruckt. Mr. Howell erbot sich lachend, uns einige derselben zu verschaffen, wenn wir seinen mündlichen Bericht zu wenig erschöpfend fänden.

Reginald Howell war auf die ausdrückliche Einladung des alten Frik nach Norwegen gekommen.

Als dieser von dem Tode seines alten Freundes Howell vernommen, hatte er gleich geschrieben und den Sohn aufgefordert, ihn in Norwegen zu besuchen. Der junge Howell hatte Friks Brief gerade in dem Moment erhalten, als er im Begriffe stand, von Australien abzureisen - er hatte sich zum Voraus entschlossen, Europa zu besuchen - und seine Abreise telegrafisch mitgeteilt.

"Du tatest recht daran, Reginald, so schnell als möglich den alten Freund Deines Vaters zu besuchen! Du hast doch die Absicht, den Winter bei uns zu verbringen? Hier kannst Du das Skilaufen lernen, ein netter Sport das, Du kannst mir's glauben! Du musst bei uns wohnen, ich habe zwei Zimmer in "Villa Ballarat" für Dich eingerichtet."

Mr. Howell glaubte, die Einladung wenigstens für ein paar Monate annehmen zu können. Er war eifriger Sportsmann und hatte sich längst vorgenommen, es mit dem Skisport zu versuchen.

"Recht so!", brüllte der alte Frik und stieß sein Champagnerglas gegen dasjenige des Engländers. "Das ganze Haus und alles, was ich besitze, steht dem Sohne meines alten Freundes zur Verfügung - nach dem Mittagessen sollt Ihr hören, was ich ihm schulde. - Zwar glaube ich nicht, dass ich Dir mit Geld dienen kann. In seinem letzten Brief an mich schrieb Dein Vater, dass er Dir alles hinterlassen werde, was er besitze - Deine Mutter starb ja, als Du noch ein ganz kleiner Junge warst. Du bist das einzige Kind! - Gewaltig reich war wohl Dein Vater nicht. Aber ich glaube, er schrieb etwas von 1200 Pfund im Jahr?"

"Ja, so ungefähr", bemerkte der junge Mann gutmütig und lächelte über die Redseligkeit des wohlwollenden Alten, "und dies ist mehr als genug für mich."

"Dann ist es vielleicht am besten, wenn ich Deinen Namen im Testamente streiche? Er hat dort bisher so hübsch neben demjenigen Einars und Sigrids gestanden."

Wir lachten alle herzlich und erhoben uns vom Tische.

Als wir beim Kaffee saßen und unsere Zigarren angezündet hatten, begann der alte Frik seine Erzählung von seiner Kameradschaft mit dem alten Howell und den Begebenheiten, welche diese Männer miteinander verbunden hatten.

Wohl versuchte ich zuerst freizukommen in der Hoffnung, mit Sigrid unter vier Augen ein Gespräch unterhalten zu können. Aber es gelang nicht, und nachdem ich die Erzählung des Alten angehört hatte, musste ich gestehen, dass nur ein verliebter junger Mann von etwas Interessanterem träumen konnte, als dieser Bericht war.

Ich möchte wünschen, ich könnte ihn mit allen Einzelheiten und Friks eigenen Worten wiedergeben. Aber das kann ich nicht und ich muss mich darauf beschränken, Dir die Hauptpunkte der Erzählung mitzuteilen.

Bartholomäus Frik hatte etwa um das Jahr 1830 Norwegen verlassen und war zur See gegangen. Es war sein Widerwille gegen die Schule und die Lust nach Abenteuern, die ihn von dannen getrieben hatten. Zuerst streifte er mehrere Jahre in der östlichen Welt umher, in Ostindien, Südafrika und Australien, teils als Seemann, teils als kühner Jäger und verwegener Abenteurer zu Lande. Endlich befand er sich Ende der vierziger Jahre in dem zuletzt genannten Weltteil, als das Goldfieber um sich zu greifen begann. Eine Gesellschaft von drei Personen brach von Melbourne auf, um sich nach den Golddistrikten zu begeben. Es waren Frik, der älteste von ihnen, und sodann zwei Engländer, Howell und Davis. Die Bekanntschaft zwischen diesen drei Männern - sie waren alle Abenteurer, aber aus guter Familie - war nicht alt,...

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