Ein Engel zur Weihnacht

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Oktober 2018
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-6888-8 (ISBN)
 
Zwei einsame Herzen auf der Suche nach Glück.

Christine, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Von ihrem Exmann bekommt sie keinerlei Unterstützung. Im Gegenteil: Er nutzt jede Gelegenheit, um ihr das Leben zur Hölle zu machen. Als sie jedoch eines Tages einer alten Frau das Leben rettet, wendet sich ihr Schicksal.

Jason ist zunächst wenig begeistert, als sein Großvater ihn beauftragt, die mysteriöse "Christy" zu finden, die tags zuvor eine Freundin der Familie vor dem sicheren Tod bewahrt hat. Er hat schließlich gerade erst seinen Traumjob verloren und würde seinen Frust lieber im Alkohol ertränken. Dennoch macht er sich auf - ohne zu ahnen, dass am Ende der Reise das große Glück auf ihn wartet.

Romantisch, traurig und voller Gefühl. Diese Liebesgeschichte erwärmt das Herz nicht nur zu Weihnachten.
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,20 MB
978-3-7325-6888-8 (9783732568888)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Donna VanLiere ist Schauspielerin und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Mit ihrem ersten kleinen Weihnachtsroman, "Die Weihnachtsschuhe", landete Donna VanLiere in ihrer Heimat Amerika einen Riesenerfolg, der sich auch bei den deutschen Lesern fortsetzte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Nashville, Tennessee.

Prolog


Ich habe meinen Vater nicht gekannt. Meine Mutter wollte es so oder - vielleicht auch er -, ich weiß es nicht. Abends beobachtete ich meine Mom oft dabei, wie sie beim Geschirrabwaschen aus dem Küchenfenster starrte. Sie schien immer nach etwas oder jemandem Ausschau zu halten oder auf etwas oder jemanden zu hoffen. Ihr Gesicht war voller Wehmut - aber möglicherweise war es auch Sehnsucht. Es fällt mir schwer, mich genau an ihren Gesichtsausdruck zu erinnern. Wahrscheinlich änderte er sich täglich. Ich hatte nie nach dem Mann gefragt, der mein Vater war, aber als wir an meinem zehnten Weihnachtsfest alles festlich schmückten, fasste ich mir ein Herz. Wir trugen den Kunstbaum aus der Garage ins Haus und stellten den Plastikweihnachtsmann mit Rentier auf den Rasen im Vorgarten. Mein Herz pochte, während wir Großmutters Krippenfiguren aus Porzellan aus einer Schachtel mit Weihnachtsschmuck holten. Ich zog eine kleine Kuh aus ihrem Einwickelpapier und stellte sie auf den Couchtisch. Mühsam rang ich nach den richtigen Worten, aber ich wusste, dass ich einfach damit herauskommen musste.

»Hast du dir schon mal gewünscht, dass mein Vater hier wäre?«, fragte ich, ohne meine Augen von der bläulich weißen Kuh zu heben.

Sie arbeitete schweigend weiter, während ihre Hände wie aufgescheuchte Motten flatterten.

»Da war einmal ein König«, sagte sie schließlich und blickte über ihren Brillenrand zu mir herüber.

»Wo?«, fragte ich.

»Hm.« Sie polierte den Kopf des Hirtenjungen mit ihrem Blusenzipfel. »Er lebte in einem fernen Land. Aus einer Laune heraus beschloss er, einen riesigen Felsbrocken mitten auf die Straße zu legen.«

»Wie hat er ihn denn da hinbekommen?«, fragte ich und hob ein Lamm aus dem Seidenpapier.

Sie hielt inne. »Das weiß ich nicht. Sicherlich hatte er einen Ochsen, um ihn zu transportieren.«

»Man braucht mehr als einen Ochsen, um einen riesigen Felsbrocken zu transportieren, oder?«

Sie seufzte und schob sich die Brille die Nasenwurzel hoch. »Er ließ sechs Ochsen den Felsbrocken schleppen.«

»Na, das sind wohl zu viele.«

»Wie viele sollen es denn deiner Ansicht nach gewesen sein?«

Ich dachte darüber nach, während ich das Jesuskind auswickelte. »Vier.«

Kopfschüttelnd drehte sie die Maria auf dem Tisch hin und her. »Gut. Vier Ochsen transportierten den Felsen. Dann goss der König viele Eimer voll Wasser an alle Seiten des Felsbrockens, sodass dieser ganz und gar von Schlamm umgeben war. Dann versteckte er sich und beobachtete, wie sich die Menschen auf der Straße fortbewegten. Viele seiner Höflinge und Soldaten murrten über den riesigen Felsen, während sie durch den Schlamm um ihn herum stapften. Wohlhabende Kaufleute und Würdenträger aus benachbarten Königreichen beschwerten sich über den König und den Zustand der Straßen in seinem Königreich. Aber niemand unternahm etwas gegen die gigantische Straßensperre.« Sie legte etwas Stroh um die Krippe und auch um jedes Tier. »Nach einiger Zeit kam ein Bauer des Weges, der einen Sack auf dem Rücken trug.«

»Was war in dem Sack?«, fragte ich. »Süßigkeiten?«

»Ja.« Sie nickte und legte das Seidenpapier in die Schachtel zurück. »Als er den Felsbrocken sah, stellte er den Sack mit den Süßigkeiten ab, nahm einen dicken Ast, der auf den Boden gefallen war, und rammte ihn unter den Felsen. Weißt du, was dann passierte?«

»Der Felsen rührte sich nicht.«

»Keinen Zentimeter. Also stieg der Bauer auf das obere Ende des Astes und sprang mit all seiner Kraft darauf herum. Er sprang und sprang und sprang, aber .?«

»Nichts«, vermutete ich und hob das Jesuskind hoch.

»Leg Jesus wieder auf den Tisch«, sagte sie und deutete mit dem Finger auf die Figur. »Nicht nur nichts! Der Bauer fiel vom Ast und direkt in diesen fürchterlichen Schlamm. Also blickte sich der Bauer wieder gründlich um, und in der Ferne sah er die Ochsen herbeikommen.« Ich nahm zwei Weisen aus dem Morgenland und tat so, als würden sie miteinander sprechen. »Bitte leg die Weisen wieder hin, bevor du Weihrauch und Myrrhe durch die Gegend streust.« Sie sah mich verärgert an, als sie mir die Figuren aus den Händen nahm. »Die Ochsen hatten den Sack mit den Süßigkeiten gerochen.«

Ich riss die Augen auf. »Wie konnten sie den kleinen Sack mit den Süßigkeiten aus der Ferne riechen?«

»Ochsen haben große Nasenlöcher«, erwiderte sie.

»Wie groß?«, fragte ich und schob den Josef dichter an das Geschehen rund um die Krippe.

»Angela Christine!« Ich sah zu ihr hoch. Sie hatte mich nach ihrer Mutter und Großmutter Angela Christine genannt, rief mich aber stets Christine, außer in Situationen wie dieser, wenn ich sie so reizte, dass sie meinen vollen Namen durch ihre zusammengebissenen Zähne zischte. Dann fuhr sie fort. »Das spielt keine Rolle. Würdest du bitte einfach nur zuhören?« Sie klang nun wie ein seufzender Ochse und fuhr fort: »Der Bauer machte aus dem heruntergefallenen Ast und den daran hängenden Schlingpflanzen ein Geschirr und legte es um die Ochsen, und in null Komma nichts war der Felsbrocken beiseitegeräumt. Zu seiner Verwunderung entdeckte der Bauer an der Stelle, wo der Fels gelegen hatte, einen kleinen roten Samtbeutel, der voller Goldmünzen war und einen Zettel mit einer Nachricht enthielt.«

Ich legte mich auf das Sofa, warf ein Kissen hoch in die Luft und fing es wieder. »Was stand da drauf?«

Sie setzte sich ans andere Ende des Sofas und legte meine Füße auf ihren Schoß. »Darauf stand: >Danke, dass Sie diesen Felsbrocken entfernt haben. Bitte behalten Sie das Gold als Zeichen meiner Anerkennung.< Und darunter stand die Unterschrift des Königs. Auf diese Weise lernte der Bauer, was wir alle irgendwann einmal lernen.«

»Und was ist das?«, fragte ich und sah sie an.

»Jeder Felsbrocken auf dem Weg kann unser Leben verbessern, aber möglicherweise müssen wir erst in den Schlamm fallen, bevor das geschieht.« Und auf diese Weise beantwortete sie meine Frage, ob sie sich schon mal gewünscht habe, dass mein Vater mit uns zusammenlebte.

Ich fand, dass meine Mutter wie ein Filmstar aussah. Sie hatte dunkle kastanienbraune Haare, die sie mit einer einzigen Drehung ihres Handgelenks hochstecken oder auf ihre Schultern herabfallen lassen konnte. Ihre Haut war blass, und sie trug wegen ihrer Kurzsichtigkeit eine Schildpattbrille. Sie arbeitete in einer lokalen Bäckerei, und wenn sie nach Hause kam, duftete sie nach Teig und Kaffee und hatte einen Beutel mit Brot vom Vortag und mit Gebäck bei sich, das von zu vielen alten Damen bei der Suche nach Backwerk mit einer Doppelrahmfrischkäsefüllung herumgestoßen worden war. Ich fragte mich oft, was aus meiner Mutter geworden wäre, wenn sie mich nicht gehabt hätte. Ich spürte stets, dass in ihr noch eine andere Person steckte, die so tiefgründig und schön war wie das Geheimnis in ihrem Herzen.

Unsere gemeinsamen Weihnachtsfeste hatten nichts Prächtiges an sich. Mit Ausnahme des Baumes, Großmutters Krippenfiguren und des Plastikweihnachtsmanns hatten wir keinen weiteren Weihnachtsschmuck, und da wir nur zu zweit waren, pflegte Mom als Weihnachtsgericht ein Huhn zu braten und dazu Bratkartoffeln und Bohnen zuzubereiten. In den Tagen vor Weihnachten setzte sich meine Mutter mit mir hin, und wir verfassten zwei Briefe: einen an den Weihnachtsmann, in dem alles stand, was mir in einem der gängigen Kaufhauskataloge gefiel, und den anderen an Gott, in dem wir ihm für alles dankten, was uns in den Sinn kam: für Moms Job, mein Plüschkaninchen Millie, mein Hamster Oscar, die Krankenversicherung, den neuen Durchlauferhitzer und für das Geld, um die Rechnungen und unsere Nahrungsmittel zu bezahlen. Als ich älter wurde, reduzierten sich die Briefe auf einen, den wir unter den Weihnachtsbaum legten. »Zur Erinnerung«, wie Mom sagte. Aus einigen Erzählungen schließe ich, dass wir die Feiertage ziemlich schlicht begingen, aber für mich waren sie märchenhaft.

An jenen wunderbaren Weihnachtstagen mit meiner Mutter konnte ich mir nicht vorstellen, dass irgendwelche Felsbrocken auf meinem Weg lagen. Ich träumte nie davon, dass ich vor mich hinstolperte, ohne dass ein Ende in Sicht war. Aber als ich erwachsen wurde, lebte ich letztlich so - in einem täglichen Kampf ums Überleben.

Ich vermute, dass wir alle in gewisser Weise so sind. Wir wagen es nicht zurückzublicken, und wir sind nicht mutig genug, nach vorn zu sehen. Wir sind irgendwie stecken geblieben und warten. Offenbar wartete ich immer - auf den richtigen Zeitpunkt, die richtige Arbeit oder einen Anruf; darauf, dass die Ampel auf Grün sprang, dass mich meine Vergangenheit einholte oder dass meine Zukunft begann.

Ich kam an einen Punkt, an dem ich des Wartens unendlich müde war und wissen wollte, dass mein Leben nicht irgendwohin, sondern an irgendein Ziel führte. Ich wollte wieder dieses kindliche Staunen empfinden. Schließlich holte mich das verrückte Wie, Wann und Warum des Lebens ein, und ich entdeckte, dass es kein Oz, keinen Märchenkönig und keinen Scrooge gab. Ich erwachte aus einem Traum, der mich von der Realität wegzureißen begann, und das war der Moment, in dem ich Weihnachten wiederhaben wollte. Das einfache Weihnachten, an dem ich die Krippenfiguren mit dem Ärmel meiner Bluse sauber wischte und in der Kirche die Hand meiner Mutter hielt. Ich wollte wissen, dass es einen Sinn und Zweck nicht nur hinter dem Felsbrocken auf der Straße,...

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