Dr. Norden 669 - Arztroman

Das Recht auf Leben
 
 
Martin Kelter Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. Januar 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7409-2465-2 (ISBN)
 
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Deutlich über 200 Millionen Exemplare verkauft! Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Es gab Tage, an denen Dr. Norden seine Praxis am liebsten fluchtartig verlassen hätte. Nur sein Pflichtgefühl half ihm über die Resignation hinweg, die ihn dann packte. Obgleich er schon so lange mit den schwersten Krankheiten zu tun hatte, war es doch zuviel für ihn, wenn er gleich drei Patientinnen schlechte Diagnosen stellen mußte. Zu sagen wagte er es ihnen noch nicht, daß sie sich möglichst schnell zu einer Operation entschließen sollten. Er empfahl ihnen, erst noch mit ihrem Gynäkologen zu sprechen. Bei Frau Soldau bestand der Verdacht auf Brustkrebs, Anita Hensgen hatte gerade erst eine Fehlgeburt erlitten, und dadurch war von Dr. Leitner ein Gebärmutterkarzinom festgestellt worden. Er war ein Freund von Dr. Norden und arbeitete eng mit ihm zusammen. Die Patientin war achtunddreißig und Mutter von drei Kindern. Dr. Leitner meinte, daß sie auf die Gebärmutter verzichten könnte, aber so einfach nahm sie das nicht hin.
  • Deutsch
  • 0,21 MB
978-3-7409-2465-2 (9783740924652)

Es gab Tage, an denen Dr. Norden seine Praxis am liebsten fluchtartig verlassen hätte. Nur sein Pflichtgefühl half ihm über die Resignation hinweg, die ihn dann packte. Obgleich er schon so lange mit den schwersten Krankheiten zu tun hatte, war es doch zuviel für ihn, wenn er gleich drei Patientinnen schlechte Diagnosen stellen mußte. Zu sagen wagte er es ihnen noch nicht, daß sie sich möglichst schnell zu einer Operation entschließen sollten. Er empfahl ihnen, erst noch mit ihrem Gynäkologen zu sprechen. Bei Frau Soldau bestand der Verdacht auf Brustkrebs, Anita Hensgen hatte gerade erst eine Fehlgeburt erlitten, und dadurch war von Dr. Leitner ein Gebärmutterkarzinom festgestellt worden. Er war ein Freund von Dr. Norden und arbeitete eng mit ihm zusammen. Die Patientin war achtunddreißig und Mutter von drei Kindern. Dr. Leitner meinte, daß sie auf die Gebärmutter verzichten könnte, aber so einfach nahm sie das nicht hin.

Ausgerechnet an diesem Vormittag war auch noch Larissa Jacoby gekommen. Sie wußte, daß sie einen Gehirntumor hatte, der inoperabel war. Dr. Norden bemühte sich sehr, sie zuversichtlich zu stimmen, denn der Tumor verursachte ihr noch keine großen Beschwerden und man sah ihr auch nichts an. Sie war sehr gefaßt, aber ihre Tochter sollte auf keinen Fall etwas davon erfahren. Judy war ihr ein und alles, und ihr zeigte sie immer ein frohes Gesicht. Larissa Jacoby war eine sehr attraktive Frau. Sie hatte Dr. Norden mit ihren wunderschönen dunklen Augen angesehen und gesagt: »Wenn Sie einmal mehr Zeit haben, würde ich Ihnen gern etwas anvertrauen, was mich sehr belastet und was auch einmal sehr wichtig für Judy werden könnte, Dr. Norden. Möglichst bald, wenn ich Sie darum bitten dürfte. Ich wüßte sonst niemanden, dem ich mich anvertrauen könnte.«

Er hatte ein eigentümliches Gefühl gehabt, eine bange Ahnung, daß ihr tatsächlich nicht mehr viel Zeit bleiben könnte, obgleich man ihr nichts ansah. Sie war eine schöne Frau, gewiß keine Titelblattschönheit, sondern eine vom Leben und vom Schicksal geprägte ausdrucksvolle Schönheit.

Sie war geschieden und hatte ihre Tochter seit deren zweitem Lebensjahr allein aufgezogen. Sie hatte nie darüber gesprochen, warum die Ehe in die Brüche gegangen war. Sie liebte ihre Tochter über alles, und Judy hing mit nahezu abgöttischer Liebe an ihrer Mami.

Judy war ein Sonnenschein, ein entzückendes Mädchen, und sie hatte ihre Mutter wie meistens von der Praxis abgeholt. Sie ahnte wirklich nichts. Sie dachte, daß Larissa Dr.Norden regelmäßig wegen ihrer Allergien aufsuchte. Jetzt war wieder Pollenflug und verursachte Heuschnupfen und tränende Augen bei Larissa.

Wenn Judy in der Praxis erschien, war Frohsinn angesagt, doch an diesem Vormittag hatte sich Dr. Nordens Miene nicht aufgehellt, so sehr er sich auch bemühte.

Nun saß er an seinem Schreibtisch, und Wendy kam auf Zehenspitzen herein.

»Kann es weitergehen?« fragte sie rücksichtsvoll.

Er nickte.

»Es war ein bißchen happig«, meinte Wendy, die ja Bescheid wußte.

»Ein Tag, an dem ich am liebsten alles hinwerfen würde«, erwiderte er rauh.

»Frau Winkler ist dran, sie wird mal wieder ein neues Wehwechen haben oder braucht jemanden, der ihr zuhört.«

»Vielleicht die richtige Ablenkung«, meinte er.

Frau Winkler war eine nette Frau, die nur den Tick hatte, alles auf sich zu projizieren, was sie an Krankheiten in den Illustrierten las. Es war ein Glück, daß sie eigentlich gesund war und auch nicht so sensibel, daß sie sich hineinsteigerte. Sie ging einfach zu Dr. Norden und fragte ihn, ob sie diese Krankheit haben könnte, und er redete sie ihr aus. Was er sagte, war für sie das Evangelium. Sie liebte ihn und sagte es auch, aber sie durfte es sagen, da sie fast siebzig war, hellwach und mit viel Verständnis für die Jugend, was ihren fünf Enkelkindern zugute kam.

Jetzt machte sie sich ernsthaft Sorgen, weil sie so gern Rindfleisch aß, vor allem Tartar und Carpaccio.

»Eigentlich mußte ich ja schon BSE haben, Herr Doktor«, meinte sie mit einem treuherzigen Augenaufschlag, »aber soll ich auf meine alten Tage noch auf meine Lieblingsgerichte verzichten?

Was sollte er ihr raten? Was konnte man den Menschen überhaupt raten, da überall Gefahren im Essen lauerten, wenn nicht durch BSE, so auch durch Pestizide, Düngemittel und Umweltverschmutzung. Er meinte, daß man allgemein nun wieder vernünftiger denken lernte und von der Massentierhaltung weg kam. Frau Winkler hörte auf alles, was er sagte, aber sie hatte auch noch etwas anderes auf dem Herzen.

»Ich habe gesehen, daß Frau Jacoby bei Ihnen war und mache mir Sorgen, was ihr fehlen könnte. Judy ist doch so ein entzückendes Mädchen, ich wundere mich, daß sie nicht ein bißchen geselliger sind. Meine Schwiegertochter hat sie schon ein paar Mal eingeladen, weil unser Jocki sich so für Judy interessiert, aber sie hatte immer eine Ausrede. Ich kenne sie schon lange und habe auch ihren Mann gekannt. Ich will ja nicht in den Verdacht kommen, daß ich klatsche, aber man macht sich seine Gedanken. Sie nehmen's mir doch nicht übel, Herr Doktor?«

»Nein, reden Sie nur, ich wußte gar nicht, daß Sie Frau Jacoby schon so lange kennen.«

»Ich weiß auch noch, wie sie geheiratet hat. Das war eine große Hochzeit, und man hat gemeint, daß es die große Liebe ist, aber als die Kleine dann zur Welt kam, so ein zartes Püppchen und immer kränklich, da hat man ja nicht gemeint, daß sie mal so ein entzückendes Mädchen werden würde.«

Dr. Norden wurde nachdenklich. Larissa hatte auch nie darüber gesprochen, daß Judy ein kränkelndes Kind gewesen war. Jetzt war sie jedenfalls kerngesund.

»Ja, und weil die Kleine so krank war, ist Frau Jacoby, damals hieß sie ja noch Santorro, er war nämlich Italiener, ist sie mit der Kleinen nach Amerika geflogen zu einem Spezialisten, wie ihre Mutter, Gott hab sie selig, mir erzählt hat. Und da ist sie dann lange geblieben, und die Ehe ist darüber wohl in die Brüche gegangen. Die Männer sind ja manchmal komisch, er wollte einen Sohn haben, und seine Mutter hat wohl auch gestichelt, aber jetzt rede ich wirklich zuviel. Es ist ja rührend, wie Mutter und Tochter zusammenhalten. Ich gönne es Frau Jacoby von Herzen, daß Judy so ein reizendes Geschöpf geworden ist.«

»Und sicher leben sie so zurückgezogen, weil Frau Jacoby unter Allergien leidet«, erklärte Dr. Norden, um weiteren Vermutungen vorzubeugen.

»Das tut mir leid. Ich weiß, das kann sehr unangenehm sein.

Man will ja nicht aufdringlich sein, aber es ist schade, daß sie sich gar so zurückzieht. Sie werden jetzt doch nicht denken, daß ich eine Klatschbase bin, Herr Doktor?«

»Ich weiß, daß Sie es nur gut meinen. Lange genug kenne ich Sie ja.«

Aber nun atmete er doch auf, als sie sich verabschiedet hatte. Er dachte wieder an Larissa Jacoby. Hatte sie ihm erzählen wollen, welche Sorgen sie damals mit Judy gehabt hatte? Sie brauchte jetzt keine Angst mehr um ihre Tochter zu haben, denn Judy würde das Leben schon meistern. Sie nahm es nicht leicht und hatte ein Ziel vor Augen. Sie wollte Simultandolmeterscherin werden und in den Diplomtischen Dienst gehen. Dazu hatte sie sich schon zu Beginn des Studiums entschlossen und war auf dem besten Wege, dieses Ziel sogar bald zu erreichen, da sie außergewöhnlich sprachbegabt war. Und so sehr Larissa auch an ihr hing und sie gerade jetzt noch bei sich haben wollte, sie würde ihr nichts in den Weg legen.

Judy brachte wirklich alles für eine große Karriere mit.

Sie war klug und attraktiv, vielseitig gebildet und hatte allerbeste Umgangsformen, was man wirklich noch selten erlebte. Sie verzettelte sich nicht, sondern ging schnurstracks ihren Weg. Bei Larissa hatte Dr. Norden den Eindruck, daß sie ihre kurze, glücklose Ehe nicht verkraftet hatte, denn der Tumor konnte nicht der Grund sein, daß sie so distanziert zur Gesellschaft und vor allem zu den Männern war, denn von dem Tumor wußte sie erst seit einem knappen Jahr.

Ihm wäre es freilich lieber, es gäbe diese Diagnose nicht, aber er setzte sein Hoffnung noch darauf, daß es sich um einen gutartigen Tumor handelte.

Er telefonierte mit Dr. Leitner, seinem Freund Schorsch, der die Diagnose bei Anita Hensgen und auch bei Ina Soldau gestellt hatte.

»Glaubst du, mich läßt das kalt, Daniel? Zwei so nette junge Frauen. Vielleicht geht alles gut, wenn sie sich schnell operieren lassen. Frau Soldau hat so große Angst, daß sie ihr Kind verlieren könnte.«

»Was verständlich ist, aber ihr Leben ist wichtiger. Was nützt es, wenn das Kind lebt und sie tot ist. Man muß das ganz objektiv sehen. Bei Frau Hensgen kommt wohl nur eine Uterusamputation in Frage?«

»Die könnte ihr Leben retten. Sie hat drei Kinder, und man kann auch ohne Gebärmutter ein glückliches Leben führen, wenn man sich nicht einredet oder einreden läßt, keine richtige Frau mehr zu sein. Du kennst doch ihren Mann. Wie würde er sich verhalten?«

»Ich denke, daß es ihm sehr wichtig ist, das Leben seiner Frau und den drei Kindern die Mutter zu erhalten. Es ist eine gute Ehe. Ich fahre gegen Abend zu ihnen, um es ihrem Mann zu erklären. Aber ich kann dir sagen, heute ist bei mir ein ganz belämmerter Tag.«

»Für mich auch. Du könntest Wendy mal pünktlich gehen lassen, damit sie mich ein bißchen aufmuntert. Du hast schließlich Fee.«

Zwischen Schorsch Leitner und Wendy hatte sich eine sehr herzliche Beziehung angebahnt, und Daniel Norden hätte auch schweren Herzens auf Wendy verzichtet, wenn sie eine noch festere Bindung zu Schorsch eingegangen wäre, aber das wollte sie nicht.

Sie sei schon zu alt und zu...

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