Dr. Norden 1106 - Arztroman

Immer wieder Dr. Lammes!
 
 
Martin Kelter Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Januar 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7409-2496-6 (ISBN)
 
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Deutlich über 200 Millionen Exemplare verkauft! Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von 'Dr. Norden', der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von 'Dr. Laurin', 'Sophienlust' und 'Im Sonnenwinkel'. Sie hat allein im Martin Kelter Verlag fast 1.300 Romane veröffentlicht, Hunderte Millionen Exemplare wurden bereits verkauft. In allen Romangenres ist sie zu Hause, ob es um Arzt, Adel, Familie oder auch Romantic Thriller geht. Ihre breitgefächerten, virtuosen Einfälle begeistern ihre Leser. Geniales Einfühlungsvermögen, der Blick in die Herzen der Menschen zeichnet Patricia Vandenberg aus. Sie kennt die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Leser und beeindruckt immer wieder mit ihrer unnachahmlichen Erzählweise. Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist.
  • Deutsch
  • 0,17 MB
978-3-7409-2496-6 (9783740924966)

»Auf Wiedersehen, mein Liebster!« Felicitas Norden schulterte die Tasche und beugte sich zu ihrem Mann hinunter, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben.

Daniel hatte in der Zeitung geblättert, die neben ihm auf dem Esstisch lag, und sah verwundert hoch.

»Du hast doch noch gar nicht gefrühstückt.« Er deutete auf das unberührte Gedeck.

Fee griff nach seiner Kaffeetasse und trank im Stehen einen Schluck.

»Habe ich dir nicht gesagt, dass ich mich heute mit Elena im 'Schöne Aussichten' zum Frühstück verabredet habe?«

»Ich hatte keine Ahnung.«

»Oh, dann muss ich das wohl vergessen haben.« Sie warf einen schnellen Blick auf die Uhr. »Tut mir leid. Ich muss los. Bis später!« Sie drückte ihm die Tasse in die Hand, winkte und war schon zur Haustür hinaus, ehe Daniel etwas sagen konnte.

Verwundert sah er ihr nach und beugte sich schließlich wieder über seine Zeitung.

Fee dagegen ging mit beschwingten Schritten den Gartenweg hinunter Richtung Wagen. Solche Verabredungen waren wie kleine Inseln, die im mitunter stürmischen Meer des Alltags schwammen. Außerdem freute sie sich immer, Tatjana zu sehen. Die ehemalige Freundin ihres ältesten Sohnes hatte aus der kleinen Bäckerei mit dem Café den beliebtesten Treffpunkt der Gegend gemacht, was nicht nur an den hervorragenden Backwaren, sondern auch an Tatjana selbst und ihrer umwerfenden Art lag. Trotz ihrer Sehbehinderung erkannte sie ihre Stammgäste, kaum dass sie das Geschäft betreten hatten. Felicitas bildete da keine Ausnahme.

»Fee, wie schön!« Mit ausgebreiteten Armen kam sie auf die Mutter ihres Exfreundes zu, die sie wie eine leibliche Verwandte ins Herz geschlossen hatte. Daran änderte auch die Trennung von Danny nichts. »Wie geht es dir?«

»Ich darf in netter Gesellschaft bei dir frühstücken. Da erübrigt sich jede weitere Frage.« Fee drückte Tatjana noch einmal an sich, ehe sie sich ein Stück von sich schob und kritisch musterte. »Aber mit dir stimmt was nicht«, sagte sie ihr auf den Kopf zu. »Du siehst aus, als hättest du durchgemacht. Und dieses Strahlen .« Der Rest des Satzes schwebte unausgesprochen in der Luft.

Tatjana wusste, woran sie dachte, und lachte.

»Kein Wunder. Ich habe ja auch die Nacht mit deinem Sohn verbracht.«

Sie zwinkert spitzbübisch.

»Wie bitte?« Fee schnappte nach Luft. Das war eine ebenso überraschende wie erfreuliche Nachricht.

Doch im nächsten Moment winkte Tatjana ab.

»Nicht, wie du denkst.« Sie zwinkerte ihr zu. »Er stand gestern Abend plötzlich hier vor der Tür. Da habe ich ihn gleich zum Plätzchenbacken eingeteilt.«

Schon wollte Fee ihrer Enttäuschung Ausdruck verleihen, als ihr ein Gedanke in den Sinn kam.

»Danny hasst Plätzchenbacken.« Zu gut erinnerte sie sich an den kleinen Jungen, der angeekelt die Hände von sich gespreizt hatte. »Iiiihhh, der klebrige Teig!«, imitierte sie seine Kinderstimme.

Tatjana lachte.

»So ähnlich sah er heute Nacht auch aus. Aber er hat brav mitgemacht.«

»Wenn das kein Zeichen ist!« Aus den Augenwinkeln bemerkte Felicitas die winkende Hand. Sie drehte sich um und entdeckte Elena. »Ich glaube, ich werde erwartet.« Fast tat es ihr leid, das Gespräch an dieser Stelle unterbrechen zu müssen.

»Ich weiß. Aber keine Angst. Ich habe deine Freundin schon gut versorgt.«

»Alles andere hätte mich überrascht.«

»Was darf ich dir bringen?«, erkundigte sich Tatjana.

»Eine Breze. Und diesen göttlichen, selbstgemachten Frischkäse mit den Kräutern aus deinem Schrebergarten. Und einen großen Kaffee.«

»Mit warmer Milch?«, fragte Tatjana, obwohl sie die Antwort längst kannte. »Kommt sofort.«

»Du bist ein Schatz.« Fee zwinkerte ihrer Wahltochter zu, ehe sie sich endlich auf den Weg zu ihrer Freundin machte, die allmählich ungeduldig wurde.

*

»Ich dachte schon, du schlägst Wurzeln da vorn«, bemerkte Elena, als sie sich nach der herzlichen Begrüßung wieder setzte.

Fee rutschte auf die Bank neben sie, stellte die Umhängetasche neben sich und wickelte den Schal vom Hals.

»Stell dir vor: Danny hat heute Nacht mit Tatjana Plätzchen gebacken.«

Elena zog eine Augenbraue hoch.

»Wie romantisch!«, spottete sie gutmütig. »Und daraus schließt du natürlich sofort, dass die beiden wieder zusammen sind.«

»Nein, natürlich nicht.« Fee war so aufgeregt, dass sie kaum ruhig sitzen konnte. »Aber es ist doch immerhin ein guter Anfang. Danny hasst Plätzchenbacken.«

»Wahrscheinlich hat er nur Tatjanas Leckereien vermisst«, gab Elena zu bedenken und stach ein großes Stück von der Torte ab, die vor ihr stand.

Fee sah ihr ungläubig dabei zu.

»Sahnetorte zum Frühstück? Ich wünschte, das könnte ich mir auch erlauben.«

Elena kicherte mit vollem Mund.

»Na hör mal! So viel, wie wir täglich in der Klinik herumlaufen, können wir uns ruhig mal was gönnen. Außerdem bist du rank und schlank wie eine Gazelle.«

»Aber nicht so trainiert«, widersprach Fee und dankte Tatjana, die Kaffee und Frühstück vor ihr auf den Tisch stellte. »Wusstet ihr, dass wir im Laufe unseres Lebens zwischen 30 und 40 Prozent unserer Muskelmasse abbauen?«

»Wirklich?« Tatjana hob den Arm und spannte die Muskeln an. Mit der Hand prüfte sie das vorhandene Material. »Man merkt, dass ich einen Lehrling habe und nicht mehr so viel Teig kneten muss«, fällte sie ein gnadenloses Urteil.

Elena lächelte verschmitzt.

»Das nenne ich mal einen Zufall!« Sie zog den Flyer eines Fitness-Studios aus der Tasche und legte ihn auf den Tisch. »Den hat mir heute früh eine junge Dame auf dem Weg hierher in die Hand gedrückt. Was haltet ihr von einem Probetraining?«

Felicitas griff nach dem Prospekt und las den Text neben den glänzenden Fotos laut vor.

»Du brauchst eine kleine Auszeit vom Alltag? Mit sportlichen Ak­tivitäten, ausgeklügeltem Training und professioneller Unterstützung? Dann bist du bei uns genau richtig! Wir machen dich mit Spaß fit, bevor ein Saunagang deinen perfekten Studioaufenthalt abrundet.«

Mit dem Tablett in der Hand hatte Tatjana andächtig gelauscht.

»Klingt, als wäre diese Schinderei das reinste Vergnügen«, witzelte sie.

»30 bis 40 Prozent der Muskelmasse!«, erinnerte Elena sie gnadenlos an die Tatsachen.

Tatjana lachte.

»Also gut. Ich bin dabei!«, versprach sie, als das Glöckchen über der Tür mit seinem hektischen Klingeln neue Kundschaft und damit Arbeit ankündigte.

*

»Was ist denn mit dir los?«, fragte Dr. Daniel Norden seinen Partner und Sohn, dem er schon vor der Praxis auf der Straße begegnete. »Du strahlst ja so!«

»Warum auch nicht? Es ist ein schöner Tag, die Sonne lacht .«

»Es ist knackig kalt und erst halb acht«, fiel Daniel ihm ins Wort und bog hinter ihm in den Gartenweg ein, der zur Praxis führte. »Du kannst mir nichts vormachen! Bei diesem Wetter und um diese Uhrzeit hast du normalerweise nie gute Laune.«

»Es geschehen eben noch Zeiten und Wunder.« An der Tür angekommen, blieb Danny stehen und trat einen Schritt zur Seite. Er machte eine einladende Verbeugung. »Alter vor Schönheit!«

»Großes Mundwerk vor vornehmer Zurückhaltung«, scherzte Dr. Norden und trat ein.

Wohlige Wärme schlug ihm entgegen. Wie fast jeden Morgen wurde er auch an diesem Tag von feinem Kaffeeduft begrüßt.

»Herrlich. Das ist fast wie Heimkommen. Besonders, wenn man zu Hause allein am Frühstückstisch sitzt.«

»Wie konnte das geschehen?«, erkundigte sich die langjährige Assistentin Wendy, die mit der Gießkanne aus einem der Sprechzimmer kam.

»Ganz einfach.« Auf dem Weg zur Garderobe öffnete Daniel den Reißverschluss des Parkas. »Wie Sie wissen, bastelt Felix nach wie vor an seiner Pilotenausbildung. Anneka absolviert ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin in Neuseeland, Dési hat heute später Schule und Jan ist drei Tage auf Exkursion. Meine Frau hat eine Verabredung zum Frühstück. Und Danny zieht es vor, den Morgen allein oder in Gesellschaft von Frau Wohlrab zu verbringen«, zählte er ein Familienmitglied nach dem anderen auf. Inzwischen hatte er die Jacke aufgehängt. Während er in einen frischen Kittel schlüpfte, drehte er sich zu seinem Sohn um. »Deinen Augenringen nach zu schließen, warst du heute Nacht bei Charlotte«, sagte er ihm auf den Kopf zu. Seine Miene sprach Bände. Wie alle anderen auch konnte er die schöne Bestatterin Charlotte Wohlrab nicht leiden.

»Falsch geraten!«, erwiderte Danny. Seine Stimme war voller Triumph. Auch er hatte inzwischen die Jacke gegen einen Kittel getauscht und zwinkerte seinem Vater zu. »Ich habe die ganze Nacht mit Tatjana verbracht.«

Es dauerte einen Moment, bis diese Neuigkeit in Daniel Nordens Bewusstsein angekommen war.

»Soso, eine Nacht mit Tatjana.« Vergeblich versuchte er, sein Erstaunen zu verbergen. »Das erklärt natürlich, warum du nicht viel zum Schlafen gekommen bist!«

»Was du wieder denkst!« Danny schnalzte tadelnd mit der Zunge. Seine Augen blitzten vor Vergnügen, als er sich zu Wendy und ihrer Kollegin Janine herumdrehte.

»Diese Erwachsenen von heute! Vermuten immer nur das Eine.« Wenn er allerdings gedacht hatte, Schützenhilfe von ihrer Seite zu erhalten, hatte er sich geirrt.

»Du wirst mir nicht weismachen wollen, dass du die ganze Nacht neben ihr auf dem Sofa gesessen bist!«, sagte Wendy ihm auf den Kopf zu.

»Natürlich nicht! Wo denken Sie hin! Wir haben die ganze Nacht gebacken«, erklärte er zu seiner Ehrenrettung.

Janine musterte den Junior mit...

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