Soulfire!

Meine Rock'n'Roll Odyssee
 
 
Hannibal Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. September 2021
  • |
  • 528 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-85445-716-9 (ISBN)
 
An der Seite vom Boss
Bruce Springsteens rechte Hand erzählt

Steven Van Zandt gehört zu den letzten wahren Rock'n'Rollern. Mit seinem Kopftuch, den schweren Stiefeln und der Gitarre in Hüfthöhe symbolisiert er den Rebellen und zugleich den Romantiker der endlosen Highways der USA. Als Mitglied von Springsteens E Street Band spielte Van Zandt auf Megaerfolgen wie "Darkness On The Edge Of Town", "The River" oder "Born In The U.S.A.", und während seiner Aktivitäten als Solokünstler schrieb er Songs für Meat Loaf, Pearl Jam sowie Jackson Browne. In den Achtzigern sorgte der auch Little Steven genannte Ausnahmemusiker für viel Aufsehen, da er im Rahmen des Ensembles Artists United Against Apartheid mit dem Album "Sun City" gegen das südafrikanische Regime opponierte. Seinem Ruf folgten Künstler wie Bob Dylan, Pete Townshend, Miles Davis, Lou Reed und Peter Gabriel.
Van Zandt erzählt in seiner Autobiografie von der harten Jugend in New Jersey, dem Ruf des Rock'n'Roll und der immens erfolgreichen Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen, der er viel Raum widmet. Doch auch Themen wie die Schauspielerei, das Wirken als Philanthrop und das Engagement für sozial schlechtergestellte Jugendliche kommen zur Geltung.
Sein einnehmender Erzählton offenbart einen Träumer, einen modernen amerikanischen Rosenkavalier, der die Welt der hart arbeitenden Menschen, der unerfüllten Wünsche und der Sehnsucht nach der wahren Liebe beschwört.
  • Deutsch
  • Höfen/Innsbruck
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  • Neue Ausgabe
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  • Digitale Ausgabe
enthält 47 Fotos auf 16 Seiten sowie 3 Bilder im Text
  • 44,10 MB
978-3-85445-716-9 (9783854457169)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Der Gitarrist, Sänger und Songwriter Steven Van Zandt wurde am 22. November 1950 in Massachusetts geboren und lebt in New Jersey. Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Radiomoderator spielte er in der Serie "The Sopranos" und mehreren prestigeträchtigen Filmen. Zur Unterstützung von jungen Musikern gründete er die Rock and Roll Foundation. Van Zandt ist mit der Schauspielerin Maureen Santoro verheiratet.

Vorwort

Stille.

Er lag unter einer Decke hinten im Wagen auf dem Boden, umhüllt von einer irren, unheimlichen Stille.

Niemand sprach ein Wort. Kein Radio. Nur das gemächliche Brummen des Motors. Er lag da ganz allein mit seinen Gedanken. Und eines sei euch gesagt: Das gefiel ihm gar nicht.

Seine beiden Mitverschwörer schmuggelten ihn an einer Militärblockade vorbei hinein in die schwarze Township Soweto. Die "einheimischen Unruhen", wie die Regierung es gern formulierte, kochten alle paar Jahre wieder hoch, doch in letzter Zeit traten sie regelmäßiger auf. Inzwischen handelte es sich um einen Dauerzustand.

Nicht ganz zufällig war die Polizei weniger zuverlässig als noch zuvor. Die Beamten beschlichen gemischte Gefühle, wenn es darum ging, ihre eigenen Familienmitglieder und Nachbarn bei Demonstrationen zu verprügeln. Oder wenn sie wegsehen mussten, wenn Leute aus ihrem Bekanntenkreis im Knast gefoltert und gelegentlich ermordet wurden.

Die Regierung, die ihr Vertrauen in die Polizei verloren hatte, setzte nun in einem beispiellosen Schritt auf das Militär. Es bewachte jeden einzelnen Checkpoint, den man auf dem Weg in das riesige Ghetto oder aus ihm hinaus passieren musste. Nicht etwa zum Schutz der Einwohner, sondern um sie einzupferchen und einfacher abschlachten zu können, sobald konstruktive Ansätze dem Blutvergießen weichen mussten. Die Lage war noch nie so angespannt gewesen. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, um zur falschen Zeit die falsche Hautfarbe zu haben. Deshalb auch die Sache mit der Decke.

Die sich schier uferlos ausbreitende Township war nicht ans Stromnetz angeschlossen, weshalb ein dichter Nebel von Öl- und Kohlerauch in etwa einem Meter Höhe über dem Boden hing und die Rätselhaftigkeit und immanente Gefahr des Augenblicks noch stärker betonte. Es fühlte sich an wie ein von einer Twilight Zone inspiriertes Fahrgeschäft in einem von Dostojewski ersonnenen Disneyland. Oder wie eine Außenmission in Star Trek, bei der er das entbehrliche Crewmitglied war, ein sogenanntes Redshirt. Die Jungs im roten Oberteil mussten immer über die Klinge springen. Die Farbe der Uniform entsprach in diesem konkreten Fall seiner Hautfarbe. Klar?

Jedes Land besitzt seinen ganz eigenen Geruch. In Südafrika liegt der süßliche Duft von Jacaranda, Zuckerrohr und Bananenstauden in der Luft. Gelegentlich durchschnitt diesen eine ätzende Brise, die eine Mischung aus verbranntem Gummi und Menschenfleisch transportierte. Dieser Gestank ergab sich, wenn angeblichen Verrätern mit Benzin gefüllte Reifen übergeworfen und in Brand gesteckt wurden, um sie hinzurichten.

Das nannte sich Necklacing.

Neben der Kombination aus betörender Schönheit und glühendem Hass war auch noch das charakteristische Aroma einer Revolution wahrnehmbar. Und er liebte jede einzelne beängstigende, irre Minute, Baby!

Der finale Showdown stand unmittelbar bevor und er hatte einen Sitzplatz direkt am Ring ergattert. Er war unterwegs zu einem höchst geheimen und absolut illegalen Treffen mit einer der allerbrutalsten Gruppierungen der südafrikanischen Revolutionsbewegung, der Azanian People's Organisation (AZAPO). Es galt herauszufinden, wie diese tickten und bestenfalls ihre Zustimmung zu jener Strategie zu erhalten, die er sich zur Unterstützung ihres Freiheitskampfes hatte einfallen lassen.

Im Südafrika des Jahres 1984 war es verboten, dass sich drei schwarze Männer zur selben Zeit am selben Ort versammelten. Es war illegal, den Kulturboykott gegen das Land zu befürworten. Das galt vor allem für die Schwarzen, als die sie vom Staat klassifiziert wurden. Auch war es ein Kapitalverbrechen, eine Schusswaffe zu tragen, oder Umgang mit jemandem zu pflegen, auf den dies zutraf.

Er sollte nun gegen all diese Gesetze verstoßen. Die AZAPO repräsentierte die Frontsoldaten. In den Augen der am Hungertuch nagenden Massen waren sie Helden. Für die Regierung waren sie hingegen Terroristen.

Nicht geplant hatte er, in der nächsten Stunde ihre Strategie zur Revolution zu kritisieren und ein Plädoyer zu halten, um sein Überleben zu sichern.

Wie hatte es diesen Halb-Hippie von einem Gitarristen nur hierher verschlagen?

Sieben glorreiche Jahre lang galten Bruce Springsteen und die E Street Band als das "Rat Pack" des Rock'n'Roll. Er schlüpfte dabei bereitwillig in die Rolle Dean Martins. Wann immer eine Party auf dem Programm stand, rief man ihn an. Politik war hingegen nicht sein Ding. Vielmehr war er der Spaßmacher. Ein Hofnarr. Immer für einen Lacher gut. Sex, Alk, Drogen, Rock'n'Roll . und noch einmal eine Extraportion Sex! Yo, Barkeeper, noch eine Lokalrunde!

Damit er nun unter dieser Decke liegen musste, hat schon so einiges schieflaufen müssen.

Dennoch war es nur logisch, dass ein gestandener Rock'n'Roller aus New Jersey sich auf die Risiken von Inhaftierung und Tod einließ. Dies entsprach der Logik seiner neuen Denke, die er sich erworben hatte, indem er zu einem ganz anderen Menschen geworden war.

Er hatte Tag und Nacht mit der E Street Band gearbeitet und voller Stolz dazu beigetragen, sie zur größten und besten Formation auf dem Planeten zu machen. Dann, in einem Augenblick vollkommener Klarheit (oder auch kompletten Wahnsinns), verließ er die Gruppe, um herauszufinden, wer er wirklich war und wie die Welt funktionierte. Jetzt oder nie, lautete sein Motto. Sobald man sich auf dem Weg zu Reichtum befand, gab es in der Regel kein Halten mehr. Die Reichen hatten einfach zu viel zu verlieren. Er entschied sich aber für das Abenteuer und gegen das Geld.

Was für ein Depp.

Gleich zu Beginn seiner verrückten Reise hatte er eine überraschende Erkenntnis erlangt. So war er zu dem Schluss gekommen, dass er mit ausführlicher Recherche jedes politische Problem nicht nur analysieren, sondern sogar lösen könnte. Ganz egal, wie komplex dieses auch sein mochte! Natürlich war es etwas ganz anderes, die Lösung adäquat umzusetzen. Aber eigentlich recherchierte er ja nur, um Material für Songs zu sammeln. Zumindest vorerst.

Ihm war schon seit jeher bewusst gewesen, dass er die Fähigkeit besaß, musikalische Projekte auf ein höheres Niveau zu hieven: Song, Arrangement, Text, Produktion - sucht euch etwas aus! Jahrelang hatte er für andere Schlechtes in Gutes, Gutes in Großartiges und Großartiges in noch Großartigeres verwandelt.

Das war keinesfalls reines Honigschlecken.

Selbst im Kunst- und Kreativbereich kann das Talent, Dinge reparieren und verbessern zu können, sowohl Segen als auch Fluch sein.

Die Sache mit dem Segen erklärt sich von selbst.

Der Fluch-Aspekt unterteilte sich in drei Ebenen. Zunächst freuten sich nur die wenigsten Menschen über Ratschläge, ganz egal, was sie sagten. Sie wollten sich der Illusion hingeben, alles selbst auf die Reihe gebracht zu haben. Manchmal heuchelten sie Interesse und ignorierten einen Ratschlag dann einfach. Außerdem war es nicht unbedingt ein Kinderspiel, auf diese Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen, da andere den Wagen steuern durften, während er sich darum kümmern musste, dass die Räder gut geschmiert liefen. Mitunter musste er auch vom Wagen abspringen, um Reparaturen vorzunehmen.

Der größte Wermutstropfen bestand jedoch darin, dass es ihm niemals gelang, diese wunderbare Logik auch auf sein eigenes Leben anzuwenden. Der Frust über die geschäftliche Seite lenkte ihn von den Genüssen der Kunst ab. Es spielte keine Rolle, wie sehr er dagegen ankämpfte, der wahnhafte Teufel, der tief in ihm wohnte, wartete immer noch auf jenen magisch-mystischen Mäzen, der doch schon längst die Bildfläche hätte betreten müssen.

Als ihm bewusstwurde, dass sein Können über den künstlerischen Bereich hinausreichte, nämlich bis hinein in die reale Welt und das echte Leben, war das ein ziemlicher Schock. Immerhin empfand er sich selbst als Halbidioten, der gerade einmal so die High School beendet hatte. Ganz zu schweigen davon, dass der Normalzustand seines Verstandes, wenn er sich nicht gerade aktiv mit etwas befasste, von einer chaotischen Kombination aus Frustration, Ungeduld, Selbsthass und Besessenheit von künstlerischen und philosophischen Fragestellungen geprägt war.

Aber das war doch schließlich der Grund, warum Künstler letztendlich Künstler werden wollten, oder? Um aus dem Chaos Ordnung zu erschaffen. Um das Irrationale in einen rationalen Rahmen zu fassen. Um Antworten auf die unbeantwortbaren Fragen zu finden. Um eine Struktur zu kreieren, die als Unterschlupf vor den widersprüchlichen Wirbelstürmen zu fungieren vermochte, die unablässig seinen Verstand quälten. Oder ging es etwa nur um Rache? Am besten sich gar nicht erst darauf einlassen, dachte er. Es roch alles schlichtweg zu sehr nach emotionaler Schwelgerei.

Die neue Erkenntnis, dieses Bewusstsein, dass er sein Talent auf die großen Probleme der Welt fokussieren konnte, lehrte ihn aber, dass seine Bestimmung, zumindest für die nähere Zukunft, darin bestand, ein politisch engagierter Rockmusiker zu sein.

Jedoch nicht so, wie sich Jackson Browne, Bonnie Raitt, Graham Nash und John Hall politisch engagierten. Das waren allesamt Helden, die sich an...

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