G. F. Unger Western-Bestseller 2476 - Western

Hartes Geld
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. August 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0116-7 (ISBN)
 
Als Dan Shane die Wasserscheide des Passes hinter sich gelassen hat, kommt er bald zu jenem Punkt, von dem aus er über das weite Grass Valley blicken kann. Nach langen Jahren sieht er seine alte Heimat wieder. Dan Shane ist ein großer Mann. Er ist von jener hageren Sorte, die starke Knochen, lange Muskeln und eine außergewöhnliche Zähigkeit und Härte besitzt. Und er ist ein Revolvermann! Die tiefen dunklen Linien in seinem etwas unregelmäßigen Gesicht erzählen von langen Ritten und Fährten, von einem harten Leben, von Kämpfen und entschlossener Härte. Dan Shane raucht langsam eine Zigarette. Sein Blick schweift nachdenklich und träumerisch über das Tal. Dann drückt er den Stummel am Sattelhorn aus und macht eine leichte Bewegung im Sattel. "Weiter, Black Jack", sagt er zu seinem riesigen Rappwallach. Und dann reitet er auf Silver Falls zu. Es ist der 3. April 1869. Dieser Tag ist in der Legende genau überliefert, denn es war Dan Shanes achtundzwanzigster Geburtstag ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,72 MB
978-3-7517-0116-7 (9783751701167)

Hartes Geld

Als Dan Shane die Wasserscheide des Passes hinter sich gelassen hat, kommt er bald zu jenem Punkt, von dem aus er über das weite Grass Valley blicken kann. Nach langen Jahren sieht er seine alte Heimat wieder. Dan Shane ist ein großer Mann. Er ist von jener hageren Sorte, die starke Knochen, lange Muskeln und eine außergewöhnliche Zähigkeit und Härte besitzt.

Und er ist ein Revolvermann!

Die tiefen dunklen Linien in seinem etwas unregelmäßigen Gesicht erzählen von langen Ritten und Fährten, von einem harten Leben, von Kämpfen und entschlossener Härte.

Dan Shane raucht langsam eine Zigarette. Sein Blick schweift nachdenklich und träumerisch über das Tal. Dann drückt er den Stummel am Sattelhorn aus und macht eine leichte Bewegung im Sattel.

»Weiter, Black Jack«, sagt er zu seinem riesigen Rappwallach. Und dann reitet er auf Silver Falls zu.

Es ist der 3. April 1869.

Dieser Tag ist in der Legende genau überliefert, denn es war Dan Shanes achtundzwanzigster Geburtstag .

Zwei Meilen vor der Stadt trifft er auf einen Reiter, der bei seinem Anblick das Pferd verhält und ihn anstarrt. Dieser Reiter ist Mitch Fisher. Er beginnt auf eine kalte Art zu grinsen und sagt: »Da kommt also der große Tiger wieder heim. Herzlich willkommen, Dan Shane! Wir haben viel von dir gehört. Sie halten dich hier alle für einen Wundermann. Nur ich nicht! Ich bin der Meinung, dass du bisher immer nur eine Menge Glück hattest und noch nicht auf einen wirklich großen Mann gestoßen bist. Aber immerhin, herzlich willkommen in der alten Heimat!«

Mitch Fisher grinst wieder.

Dan sieht ihn ruhig und fest an. Langsam sagt er: »Wir konnten uns nie leiden, Mitch, nicht wahr? Daran hat sich bei mir bis heute nichts geändert. Geh mir aus dem Weg, Mister!«

Er setzt sein Pferd wieder in Bewegung, und da der Reitweg ziemlich schmal ist, muss einer der beiden Reiter dem anderen Platz machen. Dan Shane reitet genau auf Mitch Fisher los und starrt ihn an.

Dieser drängt mit einem Fluch sein Pferd zur Seite, und als Dan neben ihm ist, zischt er ihm zu: »Nur nicht so stolz, großer Mann! Wir ziehen hier alle an einem Lassoende!«

Dan Shane reitet ohne Entgegnung weiter und nähert sich der Stadt.

Die ersten Häuser zu beiden Seiten des Ortseingangs kennt er noch sehr genau, dann bemerkt er einige neue Saloons und Tanzhallen.

Dan Shane reitet vor den Lone Star Saloon und bleibt noch einige Sekunden im Sattel sitzen. Er blickt ruhig auf den kleinen Mann nieder, der auf dem Plankensteig steht und an einem kalten Zigarrenstummel kaut.

Es ist Marshal Ward Bridger. Seine Schnurrbartbürste über der Oberlippe ist fast weiß. Er nickt Dan Shane ausdruckslos und nur unmerklich zu und murmelt: »Wenn du dich an diesem Geschäft hier beteiligst, so wirst du dein Geld auf eine ziemlich harte Art verdienen müssen, mein Junge. Es wird hartes Geld sein, auf die raue Art verdient. Und es wird bedeutend schwerer sein als anderes Geld - weil es dein Gewissen belastet wie schwere Mühlsteine. Nun, mein Junge, ich sehe, du bist ein Mann geworden. Und jeder Mann trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.«

Einen Moment bekommt der eisgraue Marshal einen wärmeren und fast väterlichen Ausdruck in seine sonst so harten Augen. Dann hebt er leicht die Hand und geht davon.

Dan Shane sitzt immer noch im Sattel. Er blickt dem alten Kämpfer nach. Ward Bridger wirkt jetzt noch unscheinbarer als vor einigen Jahren. Aber sein Ruf und viele Legenden, die von seinen Kämpfen zu berichten wissen, strafen sein unscheinbares Aussehen Lügen. Er ist ein alter, eisgrau gewordener zäher Puma.

Dan Shane geht in den Saloon.

Chip Duane steht hinter dem langen Schanktisch und nickt ihm zu, als wäre Dan nur einen einzigen Tag fort gewesen.

Er holt eine besondere Flasche unter dem Schanktisch hervor und schenkt zwei Gläser voll. Dann sagt er trocken: »Willkommen, Dan! Deine Eltern werden sich freuen. Yeah, auch dein Vater wird sich freuen. Der alte Mann hat längst bereut, dass er dich damals .«

»Schon gut, Chip«, murmelt Dan Shane und nimmt das Glas. Als sie trinken, sehen sie sich in die Augen. Und Dan erinnert sich daran, dass Chip Duane immer sehr anständig zu ihm war. Und als er das leere Glas absetzt, greift er in die Brusttasche seines Reithemdes und holt einige Geldscheine hervor. Er zählt hundert Dollar ab und legt sie auf den Schanktisch.

»Du hast mir das Geld gegeben, damals, als mein Vater mich zum Teufel jagte«, sagt er. »Es war mir eine große Hilfe, denn es war Winter, und für einen jungen Burschen gab es nirgendwo Arbeit. Vielleicht hat dieses Geld verhindert, dass ich eine Postkutsche ausraubte. Hier hast du es zurück. Ich danke dir, Chip!«

»Ich habe dir das Geld geschenkt«, murmelt dieser. »Ich habe dir nichts davon gesagt, dass du es mir zurückgeben .«

»Nimm es bitte, Chip! Du gabst mir mit den hundert Dollar einen kleinen Halt mit auf den Weg. Dadurch wurde nicht zu einem verlorenen.«

Chip Duane schnauft. Er schenkt die Gläser nochmals voll. Als sie getrunken haben, sagt er: »Dein Bruder ist in der Stadt. Er .«

Chip Duane spricht nicht weiter, denn jemand kommt von der Straße herein. Dan Shane sieht in den großen Spiegel, der hinter dem Schanktisch an der Wand hängt, und erkennt, dass der Eintretende sein Bruder ist.

Er wendet sich langsam um.

Cole Shane ist stämmig, rotblond und so gesund wie ein junger, von Kraft und Zuversicht strotzender Büffelbulle. Zwischen den beiden Brüdern besteht nicht die geringste Ähnlichkeit. Cole grinst breit und ruft: »Willkommen, Bruderherz! Es ist gut, dich zu sehen! Das ist also der berühmte Dan Shane, der schnellste Revolvermann zwischen dem Rio Grande und der Indianergrenze im Norden! Du bist ein prächtiger Tiger geworden, Bruder, das muss ich zugeben. Und es ist gut, dass du sofort gekommen bist! Wir brauchen dich. Diese Stadt braucht dich. Komm, gehen wir zu Ambrose Hammer hinüber!«

Während dieses Wortschwalls tritt er zu Dan heran und streckt diesem beide Hände entgegen. Er ist zwei Jahre jünger als Dan, aber er wird schon etwas fleischig. In zehn Jahren wird er ein fetter Mann sein. Sein Atem riecht nach Whisky. Eine starke Erregung färbt seine Wangen dunkel.

Dan Shane weiß, dass sein Vater auf Cole große Hoffnungen setzte, nachdem er ihn, seinen ältesten Sohn, damals davonjagte. Und während er Coles Händedruck erwidert und dabei fest in die Augen des Bruders blickt, fragt er sich, ob Cole die Hoffnungen des Vaters erfüllt hat.

Cole lässt ihn nicht zu Wort kommen. Er hakt Dan unter und führt ihn zur Tür.

»Ambrose Hammer wird sich freuen«, sagt er. »Wir alle haben sehnsüchtig auf dich gewartet und hatten große Sorge, dass die ersten Treibherden hier eintreffen, bevor du heimgekommen bist. Ambrose wird sich mächtig freuen!«

Sie überqueren den Fahrdamm.

Hier steht ein stattliches Haus. Neben der Tür ist ein Schild befestigt. Darauf steht: Silver Falls Company, Verpachtung von Wasser-?, Weide- und anderen Nutzrechten. Agent: Ambrose Hammer.

Die beiden Brüder bleiben vor dem Schild stehen. Dan Shane liest die Worte bedächtig, Cole kichert, schlägt ihm kräftig auf die Schulter und sagt frohlockend: »Das wird ein Geschäft, nicht wahr? Das wird ein Geschäft! Wir werden alle reiche Leute!«

Er klopft Dan Shane wieder auf die Schulter. Dann öffnet er die Tür und ruft ins Haus: »Achtung, Ambrose! Jetzt bringe ich den berühmten Dan Shane!«

Er hält die Tür auf. Dan tritt langsam ein.

Der erste Raum ist als Büro eingerichtet, doch die beiden Schreibtische sind noch nicht mit Schreibern besetzt. In der Tür, die zu einem zweiten Zimmer führt, erscheint Ambrose Hammer. Er tritt Dan Shane mit ausgestreckten Händen entgegen. Unter seinem strichfeinen Bärtchen blitzen starke weiße Zähne. Sein hübsches, dunkles Gesicht ist in den letzten Jahren markanter geworden. Er ist fast so groß wie Dan und vielleicht noch zehn Pfund schwerer als dieser. Er wirkt wie ein Boss, der das Heft fest in der Hand hält und daran gewöhnt ist, anderen Menschen Befehle zu erteilen. Er trägt einen teuren Anzug und ein weißes Hemd mit einer seidenen Krawatte. Sein Haar ist rabenschwarz und gelockt. Zu seiner städtischen Kleidung trägt er jedoch Reitstiefel mit Sporen, und als sich seine Jacke bei einer Bewegung etwas mehr öffnet, erkennt Dan den Lederriemen eines Schulterholsters.

Er zögert unmerklich, bevor er Ambrose Hammers Rechte drückt. Ambrose Hammer hat sich in den letzten Jahren verändert. Hammer ist zwei Jahre älter als er. Damals war er ein wilder Bursche, der ständig mit sehr zweifelhaftem Gelichter im Land umherritt und immer die Taschen voller Geld hatte, dessen Herkunft fragwürdig war.

Als der Krieg ausbrach, verschwand Ambrose Hammer aus dem Land. Dan Shane machte den Bürgerkrieg als Angehöriger der Südstaatenarmee mit. Von Ambrose Hammer aber hörte er, dass dieser sich der Guerillatruppe...

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