G. F. Unger Sonder-Edition 170 - Western

Gunfight in Laredo
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2019
  • |
  • 80 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8415-4 (ISBN)
 
Gunfight in Laredo Wir waren Freunde gewesen, George Bancroft und ich. Dann zog ich in den Krieg, und er blieb zu Hause. Während ich also für die Sache des Südens Tag für Tag mein Leben riskierte, machte er aus seiner Drei-Kühe-Ranch ein Rinder-Imperium. Eine Ranch nach der anderen riss er sich unter den Nagel. Mit einer Ausnahme: Whitney Houston hatte noch nicht an ihn verkauft. Er hasste Bancroft, wusste aber gleichzeitig, dass er sich nicht mehr lange gegen ihn halten konnte. Und so bot er mir seine Ranch zum Kauf an. Ich griff zu. Aber als ich den Kaufvertrag unterschrieb, fragte ich mich, ob es das eigene Todesurteil war, unter das ich meinen Namen setzte ...
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,82 MB
978-3-7325-8415-4 (9783732584154)

Damals war die »Klage des Cowboys« - The Cowboy's Lament - eines der bekanntesten Lieder im Südwesten. Es ist die Geschichte vom Geist eines getöteten Cowboys, der nachts in den Straßen von Laredo umherwandert und allen Menschen, denen er um die Geisterstunde begegnet, die tragischen Umstände seines Sterbens erzählt und Wünsche bezüglich seiner Beerdigung äußert.

Eine der vielen Strophen lautet so:

O, beat the drum slowly and play the fife lowly,

Play the dead march as they carry me along.

Put bunches of roses all over my coffin,

Roses to deaden the clods as they fall.

Oh, dämpft den Trommelschlag, spielt die Flöte leise,

Spielt den Totenmarsch, wenn sie mich zu Grabe tragen.

Werft Sträuße mit Rosen auf meinen Sarg,

Damit die Erdschollen nicht so schwer auf mich fallen.

Es wurde damals mehr als nur ein Cowboy in Laredo getötet, denn es gab immer wieder jene Revolverkämpfe aus den verschiedensten Gründen.

Wie es zu einem dieser Kämpfe kam, erzählt diese Geschichte.

?

Die Lichter waren längst schon angezündet in Laredo, als ich in die Stadt ritt. Immer wieder musste ich durch eine der vielen Lichtbahnen, und ich wusste, dass man auf mein Kommen gewartet hatte.

Viele Augen beobachteten mich. Da und dort standen Gestalten außerhalb der Lichtbahnen in der Dunkelheit. Ich ritt mitten auf der Fahrbahn durch den Staub. Langsam ritt ich.

Vor den Saloons und Geschäften standen Sattelpferde an den Haltebalken, waren auch Wagen abgestellt. Doch die Stadt war still, so als hielte sie den Atem an.

O ja, ich spürte den Atem von Drohung und lauernder Gefahr.

Aber ich wusste, es würde nichts passieren - noch nicht.

Und so ritt ich vor das Rio Hotel, saß ab, band mein Pferd an und ging hinein.

Beim Portier am Anmeldepult stand Marshal Buck Custer. Er wandte sich mir zu und betrachtete mich ernst.

»Du willst es wagen, Clay Benson?«, fragte er ruhig.

Ich starrte in seine flintsteinharten Augen.

»Manchmal muss ein Mann etwas wagen«, erwiderte ich.

Er nickte langsam. Dann sprach er: »In meiner Stadt werden sich Bancrofts harte Jungens noch zurückhalten. Doch .«

»Schon gut, Buck Custer, schon gut«, unterbrach ich ihn. »Ich bin mir über alles klar. Dies ist deine Stadt, und sie ist neutral und fair. So wie du. Schon gut.«

Ich ging weiter in den Speiseraum.

Es war Zeit zum Abendessen. Und ich wusste, dass Whitney Houston auf mich wartete. Er wollte mit der Postkutsche weg, die in gut einer Stunde vor dem Hotel die Fahrgäste nach Galveston aufnehmen würde. Gewiss hatte er schon eine Fahrkarte in der Tasche, so sehr vertraute er mir. Dennoch ging es ihm wie einem Spieler, der all seine Chips gesetzt hat und gewinnen muss, weil er sonst verloren ist.

Als ich in den Speiseraum trat, sah ich ihn sofort in der Ecke an einem kleinen Tisch sitzen. Er trug den rechten Arm immer noch in einer Schlinge, und wahrscheinlich würde er ihn nie wieder richtig bewegen können.

Whitney Houston war ein bulliger und etwas schwerfällig wirkender Mann. Altersmäßig hätte er mein Vater sein können. Er wirkte jetzt ausgebrannt. Ich wusste, er hatte nur noch eine Hoffnung, nämlich die, dass er von hier weg nach Galveston zu seiner Tochter kam, die dort mit einem Kapitän verheiratet war.

Er sah mich fragend an. Und so nickte ich ihm zu, indes ich mich setzte.

»Es bleibt dabei«, sagte ich. »Zweitausend Dollar für deine Ranch. Ich habe das Geld bei mir. Gut so?«

Er nickte und holte den Besitztitel aus seiner inneren Rocktasche.

»Es ist alles schon unterschrieben«, sprach er heiser. »Wenn ich für das Geld quittiert habe, gehört dir meine Ranch. Du bekommst sie billig, sehr billig, denn sie ist mit den Rindern, Pferden, der Weide und den Wasserrechten dreimal so viel wert.«

»Ich weiß«, erwiderte ich. »Aber ich habe nicht mehr Geld. Für zweitausend Dollar muss ein Cowboy zehn Jahre arbeiten. Jeder Dollar ist jetzt hier nach dem Krieg bei uns in Texas so groß wie ein Wagenrad. Und wenn man bedenkt, was für eine Menge Verdruss ich mit deiner Ranch kaufe, zahle ich einen fairen Preis - oder?«

Er schluckte und nickte.

Dann nahm er mein Geld, welches ich ihm zuschob und quittierte auf der Urkunde den Empfang. Als er mir die Urkunde zuschob, murmelte er: »Du wirst ihn töten müssen, Clay Benson. Ich war nicht groß genug dazu. Aber du .«

»Schon gut, Whitney«, unterbrach ich ihn.

Nun kam die Bedienung. Sie brachte ihm einen doppelten Whisky und fragte mich, was ich essen wolle. Es gab Hammelbraten oder Steak.

Ich wählte den Hammelbraten und sah dann zu, wie Whitney den Drink kippte.

Dann sprach er: »Mit zweitausend Dollar nimmt meine Tochter mich auf. Sie ist oft lange allein, weil ihr Mann ja Kapitän ist und zur See fährt. Clay Benson, ich danke dir. Es ist eine prächtige Ranch. Meine Frau liegt dort begraben. Aber wenn du die Ranch behalten willst, dann musst du George Bancroft töten. Einer seiner Revolvermänner hat mir den Arm zerschossen.«

Er erhob sich mit einem Ruck und ging. Es war selbstverständlich für ihn, dass ich seine Zeche zahlen würde.

Ich bekam meinen Hammelbraten und begann zu essen.

O ja, er schmeckte mir noch, obwohl ich genau wusste, welchen Verdruss ich mir nun gekauft hatte.

Sally Lee kam in den Raum. Jemand hatte ihr wohl gesagt, dass ich hier wäre.

Ihr gehörte das Hotel.

Sie setzte sich zu mir an den Tisch und sah mich schweigend an.

Sally Lee war eine Augenweide. Es machte Freude, sie anzusehen. Ihre grünen Augen funkelten im Lampenschein.

»Du hast es also getan«, stellte sie fest, denn ihre Worte waren keine Frage.

Ich schob mir mit der Gabel den nächsten Bissen in den Mund.

»Dein Hammelbraten ist köstlich«, sagte ich dann nach einer Weile.

»O Clay, o Clay Benson«, murmelte sie, »warum haben Männer deiner Sorte nur diesen verdammten Stolz?«

Ich zuckte mit den Achseln. »Das ist nun mal so«, sagte ich dann und schob mir den nächsten Bissen hinter die Zähne. Ich wusste, es waren starke und stets blinkende Zähne. Wenn ich so blinkend grinste, dann warnte das die meisten Männer. Doch andere fühlten sich dadurch herausgefordert. Und so war ich schon durch einige Kämpfe gegangen.

Ich fragte: »Gehst du diese Nacht mit mir ins Bett, Sally? Bist du nun bereit dazu? Nimmst du mich mit hinauf?«

Ihre grünen Katzenaugen wurden schmal. Und ihr sonst so voller und lebendiger Mund bekam harte Lippen.

»Warum sollte ich das tun?«, fragte sie fast grob.

Ich grinste wieder und legte Messer und Gabel tun.

»Weil du nun länger als ein Jahr Witwe bist - und weil es ja sein könnte, dass ich bald tot bin. Also könntest du mir doch einmal das Paradies bereiten. Sally, ich habe immer gespürt, dass ich dich irgendwann mal bekommen würde. Und jetzt wäre der rechte Zeitpunkt. Ich weiß, auch George Bancroft will dich. Aber weil er ohnehin auf mich losgehen wird, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Gründe er dafür hat. Bekomme ich dich also diese Nacht?«

Ja, es war eine klare Frage von mir, und vielleicht war sie in ihrer Direktheit sogar ziemlich brutal.

Sie saß mir gegenüber am Tisch. Der Lampenschein gab ihrem Gesicht einen besonderen Zauber. Ich sah nun, dass sie die Augen schloss.

Ihre langen Wimpern waren dunkler als ihr rotgoldenes Haar.

Als ich sie betrachtete, wurde ich mir abermals darüber klar, wie sehr ich sie haben wollte.

Plötzlich sah sie mich wieder an. Und erneut funkelte ihr Blick.

»Gut«, nickte sie, »gehen wir also hinauf in meine Wohnung für eine lange Nacht. Ja, du kannst mich haben, so wie ich dich haben will. Steht dein Pferd noch vor dem Hotel? Dann wird es Marmaduke im Hotelstall versorgen. Wenn du gegessen hast, gehen wir hinauf zu mir.«

Ich sah in ihren Augen, dass sie es wahrhaftig ernst meinte.

Doch ich wusste zugleich auch, warum sie jetzt zu allem mit mir bereit war.

Dort oben bei ihr war ich sicher für eine Nacht. Sie hatte Angst um mich. Gewiss, ich war davon überzeugt, dass auch sie mich wollte. Doch jetzt war noch etwas anderes hinzugekommen.

Und so schüttelte ich den Kopf.

»Nein, so nicht«, hörte ich mich murmeln. »Nicht so, schöne Sally. Ich weiß, es wird wunderschön sein mit uns. Aber ich kann mich nicht gleich bei dir verkriechen - nicht in den nächsten zwei Stunden, nicht wie ein Mäuserich, der ein Stück Käse erbeuten konnte und damit in sein Loch flüchtet. So nicht, Sally. Ich werde mein Pferd in den Mietstall bringen und dann im Saloon ein oder zwei Drinks nehmen. Erst dann werde ich kommen.«

Wieder schloss sie die Augen. Nun zuckte ihr Mund, verriet mir eine Menge von ihren Gedanken und Gefühlen. Ja, sie hatte Angst um mich. Das war wunderbar, denn es sagte mir, dass ich in ihrem Herzen war.

Doch als sie ihre Augen wieder aufmachte, erkannte ich darin ihren Zorn.

»Du wirst auf deinem Stolz in die Hölle reiten«, sprach sie herb und erhob sich. Und stehend sprach sie zu mir nieder: »Komm lieber nicht, Clayton Benson, komm lieber nicht, selbst wenn du es noch könntest.«

Dann ging sie.

Ich sah ihr nach, und es war ein tiefes Bedauern in mir.

Oha, sie war eine wunderschöne, begehrenswerte...

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