G. F. Unger Billy Jenkins 62 - Western

Cowboystreiche
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Juli 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7517-0079-5 (ISBN)
 
Auf der Herz-Ranch lungern die Cowboys schon eine Weile vor dem Schlafhaus herum und warten auf Jubal Lister, der die Post von Bluetown holt. Es ist später Nachmittag, als der junge Cowboy in den Ranchhof einreitet. Er hält auf die Gruppe seiner Kameraden zu und ruft schon von weitem: "Die Schulfräuleins geben einen Ball!" Der lange Vormann Charly Skinner kommt über den Hof. Vor ihm zügelt Jubal seinen Rotscheck und nimmt den Postsack vom Sattelhorn. Während Charly mit der Post zum Büro geht, bleibt Jubal im Sattel und blickt grinsend auf seine Kameraden, die ihn umringen und mit Fragen überfallen. "Wann findet der Ball statt, Jube?", ruft Little Egg, der kleine Cowboy mit dem Eierkopf. "Morgen!", erwidert Jubal strahlend. "Im neuen Schulhaus vor der Stadt! Es soll durch eine besondere Festlichkeit eingeweiht werden."
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,67 MB
978-3-7517-0079-5 (9783751700795)

Er fährt fort: »Ein paar Honoratioren werden Reden schwingen. Dann wird Kaffee getrunken. Anschließend führen die Schulkinder ein Theaterstück auf. Es dreht sich um einen Freiheitshelden, der in Europa, in der Schweiz, einen mächtigen Wirbel gemacht hat. Und nach dem Theater findet der Ball statt. Alle Eltern und Ranchhands sind eingeladen. Das soll ich euch bestellen. Unter der Briefpost ist noch 'ne schriftliche Einladung.«

»Heiliger Rauch!«, brüllt Blinky, der hübsche, als Schürzenjäger verrufene Reiter. »Shorty, du musst mir noch die Haare schneiden!«

»Mir auch! Mir auch!«, rufen andere sofort.

»Und ich muss mir noch das gute Hemd waschen!«, erregt sich Little Egg.

»Zur Hölle! Ich habe mir gestern einen Zahn ziehen lassen und muss mit 'ner hässlichen Zahnlücke zum Tanz gehen!«, murrt Len und spuckt aus.

»Du kannst für mich Herdenwache reiten, da brauchst du nicht zum Ball!«, schlägt Lin vor.

»Ich kann dir mal sagen, wie spät es um halb acht ist«, zischt Len unfreundlich.

Inzwischen hat Charly Skinner, der Vormann, die Post sortiert und kommt mit den Briefen der Cowboys aus dem Büro. »By Gosh, ihr habt einen Briefwechsel wie ein übergeschnapptes Mädchenpensionat!«, knurrt er. »Ich glaube, ihr habt es hier zu gut! Zu wenig Arbeit! Früher konnte ein Reiter nicht alle Wochen zwei oder drei Briefe schreiben und.«

»Früher konnten manche Leute überhaupt nicht schreiben!«, ruft der kleine krummbeinige Shorty dazwischen. »Und früher hatten manche Leute noch nicht mal Knöpfe an den Hosen!«

Jim Chester und Dick Hanson, die auf der Veranda gesessen hatten, kommen langsam über den Ranchhof geschleudert.

»Ich wette«, sagt der athletische Dick gerade, »dass ich keine Post habe. Wer soll mir denn schon schreiben, mir, dem armen Cowboy, der keine Liebe kennt und.«

»Deine Braut in Lucky Camp«, meint Jim grinsend.

»Ach, die.«, beginnt Dick wehmütig, doch da wendet sich Charly zu ihm um und winkt mit einem Brief. Dick bekommt große Augen, denn es ist ein rosafarbener Brief. Er hat den letzten vor drei Monaten erhalten - und ihn noch nicht beantwortet.

Er achtet gar nicht mehr auf den Wirbel, den seine Kameraden um ihn herum veranstalten - er nimmt den Brief und zieht sich in eine einsame Ecke zurück. Hinter dem Küchenhaus lehnt er sich an die Wand, öffnet den Brief und liest im letzten Licht des Tages die wenigen Zeilen:

»Lieber Dick!

Wenn ich nicht wüsste, dass du in manchen Dingen dickfelliger als ein richtiger Elefant bist, würde ich schon längst böse auf dich sein. Zum Glück habe ich jedoch damals durch deine dicke Haut (Fell) in dein Herz schauen dürfen - und mich in dich verliebt. Du bist auch der einzige Mann, der mir den Popo verhauen hat, damals, als ich den Sprengwagen nach Lucky Camp fuhr.

Ich bin mir also immer noch deiner Liebe gewiss, obwohl du mir meist nur Ansichtskarten schreibst und immer nur anfragst, ob ich schon kochen gelernt hätte.

Du lieber Büffel, ich habe es gelernt! Und nun komme ich mit meinem Vater und Bruder Jerry nach Bluetown. Ich will für immer im Blue-Mountain-Valley bleiben, von dem uns Billy und Jim damals so viele Dinge erzählt haben.

Alles andere erzähle ich dir, wenn ich von dir abgeholt werde - vom Bahnhof natürlich!

Kuss!

Deine Patricia«

Langsam, ganz langsam, als müsste er jedes Wort mühsam buchstabieren, liest Dick diese Zeilen.

Und dann starrt er auf den Misthaufen und wischt sich mit zitternder Hand über das schwitzende Gesicht.

»Oha! Oha! Mann, o Mann! Sie kommt! Sie kommt wirklich und hat inzwischen kochen gelernt! Ich liebe sie natürlich und wünsche mir kein anderes Mädel zur Frau. Aber, aber, aber, dadadas kommt doch überraschend. Ich wette, dass es kein Jahr mehr dauert, bis ich verheiratet bin.«

Dick sagt es mit entsagungsvoller Stimme laut vor sich hin. Und als er ein mehrstimmiges Lachen hört, wendet er den runden Kopf.

Jim, Blinky und Little Egg stehen an der Ecke des Küchenhauses. Und Li, der chinesische Koch, zeigt sein grinsendes Buddha-Gesicht im Hinterfenster. Sie alle haben Dicks Worte gehört, die gewissermaßen der Trauer-Monolog eines Junggesellen waren, der bei aller Liebe zu einem Mädchen seine Freiheit nur schwer aufgeben kann.

»Wenn ich euch grinsenden Knallköppe schon sehe!«, grollt Dick. »Ho - ich wünsche mir immer, auf einer einsamen Insel zu wohnen. Kann man denn auf dieser verdammten Ranch nicht mal fünf Minuten allein sein?«

»Sind wir nicht alle Brüder?«, ruft Blinky salbungsvoll mit hoher Stimme. Dabei breitet er seine Arme aus und drückt einen schmatzenden Kuss in die Luft.

»Wenn du mein Bruder wärst, so wäre ich ein Hundefloh. Ich will endlich die neuen Socken zurückhaben, die ich dir vor einer Woche für einen Tag geborgt habe. Ich brauche in Zukunft meine Socken selbst!«, grollt Dick.

Jim Chester hebt den Zeigefinger. »Dick!«, ruft er. »Ich habe eine Idee. Wir sagen, du wärest ganz plötzlich zum Nordpol verreist oder müsstest eine Entfettungskur machen, bei der du mit Sicherheit eingehen würdest. Und ich vertrete dich bei Patricia. Binnen zwei Wochen wird sie dich vergessen und nur noch mich lieb haben. Ich will mich für deine Freiheit opfern!«

»Ich wäre ein Schuft, wenn ich das prächtige Mädel in deine Hände fallen ließe! Eine Taube passt nicht zu einem bunten Kikerikihuhn. Zum Teufel! Ich werde wohl doch eine Familie gründen. Morgen wollen wir meinen Abschied vom Junggesellenleben feiern. Nur gut, dass 'n Ball stattfindet. Da woll'n wir mal kräftig auf die Pauke hauen und uns was Scharfes auf die Mandeln träufeln. Damned - ich bin glücklich und traurig. Lacht nicht, ihr Waschbären! Bald werde ich ein ernsthafter Mann sein, der für eine Familie sorgen muss!«

Dick wischt sich noch einmal über das Gesicht, drückt sich von der Wand ab und verschwindet in Richtung auf die Korrals. Die Abenddämmerung verschluckt ihn.

Die Männer sehen dem Athleten eine Weile schweigend nach.

»Wenn das nur gutgeht«, ächzt Blinky.

»Ach, ich wette, dass es seine Braut mit der Heirat gar nicht so eilig hat. Patricia Hill ist noch jung - erst zwanzig Jahre. Dick spinnt. Vor drei bis vier Jahren braucht er das Mädel gar nicht zu heiraten. Das will auch Pats Vater gar nicht. Dick spinnt wirklich. Außerdem kennen sie sich ja noch viel zu wenig. Sie lieben sich zwar, aber sie kennen sich deshalb immer noch längst nicht gut genug. Vielleicht will das Mädel -«

»Halt!«, ruft Little Egg und grinst. Sein Kopf sieht aus wie ein Osterei, das man entsprechend angemalt hat. »Ich habe eine großartige Idee. Das Mädel versteht doch Spaß, was?«

»Mit der kannst du Pferde stehlen gehen«, erwidert Jim überzeugt.

»Dann woll'n wir mal sehen, wie sehr Dick sie eigentlich liebt. Hört mal, Freunde, ihr kennt doch.«

Immer eifriger redend, teilt Little Egg den anderen Boys seinen Plan mit.

Das neue Schulhaus steht eine halbe Meile von der Stadt entfernt unter alten Bäumen am Rande einer großen Wiese. Alle Fenster sind erleuchtet, und alle Klassenräume sind zu kleinen Festsälen ausgeschmückt. Das Theaterspiel fand am Nachmittag im Freien statt. Jetzt spielt die Musik. Bunte Papierlaternen hängen an gespannten Leinen. Vor dem Haus und auch innen bewegt sich eine lustige Gesellschaft.

Vorerst ist das neue Schulhaus noch zu groß für die Stadt. Aber man rechnet damit, dass Bluetown in den nächsten Jahren noch etwas wächst, und hat deshalb gleich richtig gebaut. Übrigens wurde das Geld für den Bau vom »Rindertrust« gespendet. Der Trust hatte verschiedene Dinge gutzumachen, und er tat es.

Die Gäste kamen zu Pferd, mit fahrbaren Untersätzen aller Art und auch aus der Stadt zu Fuß. Sie brachten Körbe mit Kuchen und anderen Leckereien mit.

Die Gäste sind wie eine große Familie. Sogar die neue Mannschaft des Trusts unter ihrem neuen Manager ist gekommen. Es sind ordentliche Boys. Was war, das ist vergessen.

Das Fest ist schön.

Und auch die dicke Esmeralda Panchez, die lustige und zu jedem Cowboyscherz bereite Köchin von Sammy Woods Hotel, ist mit ihren drei Brüdern gekommen. Zusammen wiegen diese vier Geschwister nicht ganz zehn Zentner. Es ist eine schwergewichtige Geschwisterei.

Nur Dick sitzt verdrossen in einem kleinen Nebenzimmer, in dem man die Bar eingerichtet hat. Dick hebt immer wieder sein Glas und prostet einem unsichtbaren Ding zu: der Junggesellen-Freiheit, von der er heute schon Abschied feiert.

Manchmal erscheint einer seiner Kameraden, redet ein paar teilnehmende Worte mit ihm, trinkt zwei oder drei Schnäpse auf die Freiheit, auf die Braut und auf die zukünftige Familie und verschwindet wieder, um draußen von den Kameraden, die sich vor wilder Lust nur so krümmen, empfangen und ausgefragt zu werden.

Gerade kommt Shorty aus der Trinkstube. »Oh«, stöhnt er, »dieser rührselige Büffel. Jetzt weint er schon. Wir haben ihn so traurig wie einen alten Hund gemacht, einen alten Bello, der nicht mehr auf die Jagd gehen darf und allen Dingen, die schön auf der Welt sind, ade sagen muss. Brüder, was sind wir doch für Schufte! Aber mich freut's! Mich freut's verdammt! Denn ich habe ihn eine Woche mit Sir anreden und bedienen müssen! Und euch hatte er damals nicht gesagt, dass die Hammer-Boys die Furt in ein Schlammloch verwandelt hatten. Der hat's verdient! Der hat's...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

1,49 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen