G. F. Unger Billy Jenkins 36 - Western

Der Sheriff von Stonewell
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Juli 2019
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8329-4 (ISBN)
 
Der Sheriff von Stonewell Reglos wie eine Statue sitzt Sheriff Wood auf seinem Schwarzfalben und starrt die beiden Männer an, die vor ihm stehen. Er kann es nicht begreifen, wo die Kerle so plötzlich hergekommen sind. Sheriff Wood sieht aus wie ein alter Cowboy. Seine hagere Gestalt scheint nur aus Knochen, Sehnen und Leder zu bestehen. Fünfzig Jahre hartes Reiterleben haben seinen Rücken etwas gekrümmt und seine O-Beine geformt. Bemerkenswert sind die hellen scharfen Augen in seinem Baumrindengesicht. Das Kinn ist vorgereckt, und die zusammengepressten Lippen bilden nur einen Strich in dem vom breitrandigen Hut beschatteten braunen Antlitz. Kaltblütig wägt der Sheriff seine kümmerlichen Chancen ab. Eigentlich war er sein ganzes Leben lang ein Optimist - aber jetzt muss er sich eingestehen, dass er seinen letzten Ritt hinter sich hat.
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 3,00 MB
978-3-7325-8329-4 (9783732583294)

Seine scharfen Augen beobachten die beiden Fremden. Ken Wood kann Männer noch besser beurteilen als Pferde - und was er da vor sich sieht, sind zwei Kerle von der allergefährlichsten Sorte.

Grinsend und selbstbewusst, hart und unerbittlich, auf den Fußsohlen wippend und die Hände an den Revolverkolben - so stehen sie da. Sheriff Wood kennt diese Sorte. Das sind Bestien in Menschengestalt. Es spricht für ihre Gefährlichkeit, dass sie ihn nicht aus dem Hinterhalt abgeknallt haben. Sie hätten es tun können, aber dazu sind sie zu stolz und selbstbewusst. Und doch sind es Verbrecher.

»Well«, brummt Sheriff Wood und gleitet mit der Geschmeidigkeit eines Indianers aus dem Sattel. Er hütet sich jedoch, eine verdächtige Bewegung dabei zu machen.

Die beiden Revolvermänner zeigen nur grinsend ihre Zähne. Der eine schiebt sich mit dem Daumen den Hut in den Nacken.

Ärgerlich stellt der Sheriff fest, dass er die Sonne gegen sich hat »Well«, sagt er noch einmal und verlegt sein Körpergewicht auf die Zehenspitzen. Nun steht er mit lässig herunterhängenden Armen da und kaut auf den blutleeren Lippen.

»Yeah, Sheriff - wir haben dich!«, sagt der Weißblonde lässig. Die Worte kommen gedehnt und in singendem Tonfall. Wood hat den Eindruck, dass dieser Mann auch unter dem Galgen keinen schnelleren Zungenschlag machen würde, selbst wenn er etwa dadurch sein Leben retten könnte.

»Well, Sheriff - wir haben dich!«, bestätigt der zweite Fremde. »Aber wir wollen dir 'ne reelle Chance geben!«

So nebenbei stellt der Sheriff fest, dass die beiden Verbrecher nicht viel jünger sind als er selbst. Er wundert sich darüber, denn Langreiter werden hier im Südwesten nicht sehr alt. Meist sterben sie durch eine Kugel oder an einem Strick, der ihnen von erbosten Cowboys um den Hals gelegt wird.

»Wie wollt ihr es machen?«, fragt der Sheriff. Er sagt es ganz ruhig, aber dabei denkt er, wie schön es wäre, wenn er noch einige Jahre in der Sonne sitzen könnte - nur sitzen, rauchen und sich an der schönen Welt erfreuen. Er wollte sich sowieso nächstens zur Ruhe setzen und Pferde züchten. Doch das ist nun nicht mehr möglich. Sheriff Wood weiß genau, dass er in den Stiefeln sterben wird.

Der lange, weißblonde Texaner grinst wieder und sagt lässig: »Wir haben sehen ausgelost. Wenn du mich triffst, dann wird mein Partner sein Bestes tun. Wenn du auch ihn triffst, kannst du wieder nach Hause reiten. Du musst zugeben, Sheriff, dass wir .«

»Okay. Aber ich bin das Gesetz, Leute, und .«

»Stimmt, aber wir wollen kein Gesetz im Stonewell-Distrikt! Wir wollen für einige Zeit das Recht des Stärkeren! Ist dir das klar, Mann? Well, deshalb musst du weg! Eine Chance wollen wir dir noch geben, Oldtimer! Versprichst du uns, dass du tausend Meilen weit wegreiten willst, dann unternehmen wir nichts!«

»Ich bin das Gesetz! Und ich weiche nur der Gewalt!«, sagt der Sheriff hart. Er wippt jetzt auf den Zehenspitzen.

»Okay«, sagt der blonde Texaner. »Mach die Bahn frei, Dod!«

»Mach ich, Brod!«, erwidert sein Partner und wendet sich an den Sheriff: »Ho, Mann mit dem blitzenden Sheriffstern! Ich werde nicht auf dich schießen, bevor du mit meinem Partner fertig bist!«

Der schwarzhaarige Dod tritt zur Seite, so dass sich Ken Wood und der weißblonde Texaner allein gegenüberstehen.

»Noch eine Frage!«, sagt der Sheriff.

»Well?«

»Was bringt euch mein Tod ein?«

»Ho, Sheriff, das will ich dir sagen. Wir wollen hier im Distrikt Abrechnung halten mit einigen Boys, die uns vor vielen Jahren hereingelegt haben. Diese Giftbienen tun jetzt so, als hätten sie das Gesetz auf ihrer Seite. Ho, wir werden ihnen zeigen, wo das Recht ist! Well, wir haben die Bruggs-Bank ausgeraubt. Du warst da auf der rechten Spur, Sheriff! Nur du kannst uns gefährlich werden, und deshalb musst du weg. Wir werden dann die >Doppelkopf-Ranch< vernichten und Tex Morells Macht brechen. Es wird ein kleiner Privatkrieg sozusagen, Sheriff, und dabei können wir dich nicht gebrauchen. Well, ich zähle jetzt bis drei, Sheriff! Eins . zwei . drei!«

Sheriff Ken Wood reißt seinen Colt aus dem Futteral. Er tut es so flink wie noch nie in seinem Leben. Er tut gewiss sein Bestes, obgleich er weiß, dass der blonde Texaner schneller sein wird.

Zwei Schüsse krachen rasch hintereinander.

Aus dem Rottannenwald kommt ein Reiter. Als er das Walddunkel hinter sich hat, zügelt er seinen Grauschimmel, stößt den breitrandigen Cowboyhut ins Genick und blickt über die weite, goldfarbene Ebene, die sich bis zu den Felsen und Schluchten hinzieht.

»Steh, Zwiebel!«, knurrt der Mann im Sattel. »Wir haben's nich' so eilig! Diesen schönen Morgen wollen wir 'n bisschen genießen!«

Die Worte sind in tiefstem Bass gesprochen worden. Der Reiter ist eine bemerkenswerte Erscheinung. Alles an ihm strahlt Ruhe und Kraft aus. Langsam hebt und senkt sich die breite Brust unter seinen Atemzügen, und das buntkarierte Reithemd droht jedes Mal aus den Nähten zu platzen, so stramm spannt sich der Stoff beim Atemholen. Dann zeichnen sich die ungeheuren Muskelwülste darunter ab. Die Hemdärmel sind bis zu den Ellenbogen aufgerollt, und man sieht die mächtigen Unterarme, die mit langen dunklen Haaren bedeckt sind.

Das Gesicht des Mannes ist rund, massig und hat ein massives Kinn.

Die kurze plumpe Nase ähnelt einer Kartoffel. Dieses Antlitz hat einen gutmütigen Ausdruck, der durch die fröhlichen blauen Augen noch unterstrichen wird.

Der graue Gaul würde eine Hässlichkeits-Konkurrenz gewinnen. Er hat den Hals eines Hirsches und den Kopf eines Maultiers. Die Oberlippe des samtenen Maules ist etwas zu lang und gibt dem Kopf ein komisches Aussehen. Die langen Ohren hängen manchmal traurig herab. Das eselsgraue Fell ist struppig und langhaarig, und der Schwanz ist für ein Rassepferd viel zu kurz.

Auf den ersten Blick scheint dieses Tier keine zwanzig Dollar wert zu sein. Wenn man es aber genauer betrachtet, kann man erkennen, dass es ungeheuer kräftig und zäh sein muss. Es ist kurz und gedrungen, hat eine breite Brust, starke Beine und harte Hufe. Als es sich jetzt in Bewegung setzt, kann man sehen, wie geschmeidig und voll verhaltener Kraft es sich bewegt. Es ist ein Wallach, und doch hat man den Eindruck, einen Hengst vor sich zu haben. Der Blick der Augen deutet auf Feuer und Klugheit.

Langsam reitet der athletische Cowboy über das weite Salbeifeld.

Die meterhohen Büsche wiegen sich im leichten Morgenwind, und ihre gelben Blüten rufen den Eindruck eines wogenden Goldmeeres hervor.

Beim Anblick eines Adlerpärchens, das am blauen Himmel seine Kreise zieht, wird dem Reiter das Herz weit. Er beginnt vor sich hinzusummen. Dann formen sich Worte, und er singt:

»Was ist das Beste auf der Welt?

Ein Königreich? Ein Haufen Geld?

Nein! Alles, was ich wünsche mir:

Die Freiheit - und ein braves Tier!

Und sonst noch was? Ho - Tabak, Rum!

Ein süßes Mädel .«

Der Gesang bricht plötzlich ab, denn aus der Ferne hallten zwei Schüsse herüber, deren Echo in den Schluchten rollt.

»Hoi! Coltschüsse!«, brummt der Reiter. »Cowboys auf der Jagd? Da hätten sie 'ne Winchester genommen. Wird 'ne Herde abgetrieben?«

Der Reiter verhält sein Pferd und lauscht angestrengt. Plötzlich knurrt er: »Lauf mal 'n bisschen schneller, Zwiebel! Muss wissen, was da los war!«

Der graue Gaul beginnt zu galoppieren, und nun kann man erkennen, was in ihm steckt. Wie ein Rennpferd zieht er durch das wogende Salbeifeld und nähert sich rasch den Felsen halbrechts.

»Hoi!«, ruft der Reiter. »Da sind aber plötzlich 'ne Menge Geier! Zwiebel, schwing die Haxen! Entweder liegt dort 'ne kranke Kuh zwischen den Felsen - oder .«

Der Wallach streckt sich, als hätte er jedes Wort seines Herrn verstanden. Die kreisenden Geier steigen höher, je näher der Reiter kommt.

Zwischen der Felsengruppe, die vor dem offenen Canyon wie eine Wachttruppe steht, bewegt sich ein Pferd. Beim Näherkommen sieht der athletische Cowboy, dass es ein Schwarzfalbe ist, der neben einem am Boden liegenden Mann steht. Jetzt wirft das Tier den Kopf auf und äugt herüber, weicht aber nicht vom Fleck.

Der athletische Cowboy wirft sich mit einer pantherhaften Geschmeidigkeit aus dem Sattel, die man gar nicht an ihm vermutet hätte. Schon steht er neben dem Leblosen, dreht den Mann auf den Rücken und sieht den Sheriffstern. Dicht neben dem blitzenden Metall befindet sich eine Schusswunde. Die Kugel muss noch im Körper stecken, da auf dem Rücken keine Wunde zu bemerken war.

Der Cowboy springt plötzlich auf und wirbelt herum. In den Händen hält er jetzt zwei langläufige Revolver. Geduckt, aber äußerst rasch und wendig gleitet er um die Felsen. Und nun sieht er in der Ferne zwei Reiter, die gerade über einen Hügelkamm hinwegziehen.

»Das sind sie! Klarer Fall!«, murmelt der Cowboy und eilt zu seinem Pferd zurück. Gerade will er sich in den Sattel schwingen, da fällt ihm ein, dass er den Niedergeschossenen nicht genau genug untersucht hat. »Vielleicht lebt er noch .«, murmelt er und kniet neben dem Sheriff nieder.

Gewissenhaft untersucht er den Leblosen. Jäh springt er wieder auf, kramt in den Satteltaschen und bringt eine Flasche zum Vorschein. Behutsam träufelt er die Tropfen zwischen die blutleeren Lippen des Sheriffs. Dann verbindet er die Brustwunde nach allen Regeln der Kunst. Zäh bemüht er...

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