G. F. Unger 2068 - Western

Die Alamo-Mannschaft
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Juni 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9615-7 (ISBN)
 
Nach dem verlorenen Krieg waren wir auf dem besten Weg, Verdammte zu werden. Doch dann kam unsere Chance: Wir sollten den legendären Schatz von Alamo nach Texas zurückholen ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,64 MB
978-3-7325-9615-7 (9783732596157)

Die Alamo-Mannschaft

Es war im August 1865, als ich aus dem Krieg nach San Antonio de Bexar heimkehrte. Natürlich hatte ich Partei für den Süden genommen und war in der Texas-Brigade Stonewall Jacksons geritten. Das hatte mir zwei Kugelnarben und eine Säbelnarbe eingebracht. Doch ich war trotz dieser Narben immer noch in der Lage, ein wildes Pferd einzubrechen oder einen Saloon auszuräumen.

Ich konnte auch sonst noch ein Menge - nur war damit in diesen Monaten nach dem Krieg wenig anzufangen. Texas war arm, und es gab nicht einmal Nägel für Hufeisen oder Stiefelsohlen.

Außer mir kehrten noch viele Burschen heim. Und wir alle glaubten, dass es nun wieder losgehen würde. Doch es war nichts zu machen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich Texas in der Gewalt von Banditen befand, die es im Schutz der Besatzungstruppen ausplünderten.

Das gefiel uns wilden Jungs natürlich nicht sehr. Denn wir wollten uns nicht völlig an die Wand drücken lassen.

Und so waren wir nach einer Weile ein recht feiner Verein .

Für die Yankees waren wir üble Straßenräuber und Banditen.

Für die Texaner waren wir Patrioten, die den Yankee-Banditen das Ausbeuten schwer machten. Und wir waren auch nicht knauserig. Wir verteilten das meiste von dem Geld. Wir hatten überall Freunde, und in unserem County nannte man uns einfach die Alamo-Mannschaft.

Dies alles ging einige Monate so, bis Johnny Sturges mit Pablo Uvaldez in unser Camp kam.

Das Camp bestand aus einer großen Blockhütte, zwei Corrals und einigen schattigen Bäumen an einem Bach inmitten wilder Hügel.

Dick Sullivan war soeben dabei, die Forellen zu braten, die ich im Bach gefangen hatte. Es waren erstklassige Forellen.

Jim Phildarlik übte mit seinen beiden Revolvern einige Kunststücke.

Burt Morrow sah ihm zu.

Und Wade Buchanan war dabei, aus Pferdehaar ein Halfter für seinen schwarzen Hengst zu flechten.

Ich selbst tat nichts, denn ich hatte ja schon die Forellen gefangen.

Es war ein freundlicher Mittag in den wilden Hügeln. Johnny Sturges hatte sich zuvor schon durch seinen Jagdfalkenschrei angekündigt, sodass wir genau wussten, wer da kam. Seinem Begleiter hatte er die Augen mit einem alten Unterhemd zugebunden, und als er mit ihm vor der Hütte und vor der glühenden Asche unseres Feuers, in dem die in Lehm gehüllten Forellen lagen, verhielt, da grinste er uns auf seine blitzende Art an, wie er es immer tat, wenn er glaubte, die ganze Hand voller Trümpfe zu haben oder auf dem besten Pferd zu sitzen.

Wade Buchanan war der härteste und erfahrenste Bursche von uns, rotköpfig und grünäugig. Er konnte keine Kunststücke mit dem Colt wie Jim Phildarlik, doch er schoss schneller und genauer als dieser. Wade Buchanan war wohl unser Anführer, obwohl auch wir anderen etwas zu sagen hatten.

Dann war da Burt Morrow, ein schweigsamer, mittelgroßer und kräftiger Bursche, der stets so harmlos wirkte wie ein Farmer - und der sich in einen Kettenblitz verwandeln konnte und vor nichts Furcht hatte.

Johnny Sturges war der dritte Mann. Oh, er war einer von der sieghaften Sorte, mit goldenen Locken, einem blitzenden Lächeln und blauen Augen, einer von denen, die stets wie Sieger wirken.

Dick Sullivan war unser Bulle, und ich habe später in meinem ganzen Leben keinen Mann mehr gekannt, der stärker gewesen wäre als Richard Sullivan.

Jim Phildarlik war einer dieser langen, hageren und blondbärtigen Texaner, ein Zwei-Revolver-Mann, kühl und dabei zugleich etwas eitel.

Und am Schluss zu mir. Nun, man hätte mich für einen Sioux halten können, hätte ich eine entsprechende Tracht und Haarfrisur getragen. Der Säbelhieb hatte mir überdies die linke Gesichtshälfte zerhackt. Ich war keine Schönheit, ziemlich groß, hager und sehnig, dunkelhaarig und auch ziemlich dunkelhäutig für einen weißen Mann.

Wir sechs galten als die Alamo-Mannschaft im Land.

An diesem friedlichen Mittag waren wir neugierig, was für einen Vogel uns Johnny Sturges da wohl ins Camp geschleppt hatte.

Er ließ uns nicht lange warten, denn er konnte uns anmerken, dass wir nicht sehr begeistert waren, Besuch bekommen zu haben. Überdies hatten wir schon erkennen können, dass unser Gast ein Mexikaner war. Und bis jetzt hatten uns die Mexikaner immer nur die Besatzungstruppen auf den Hals gehetzt.

»Das ist Pablo Uvaldez«, sagte Johnny Sturges und tat ganz so, als würde er gleich ein Kaninchen aus seinem alten Hut zaubern oder als hätte er sonst einen Trumpf im Ärmel.

»Hast du ihn mitgebracht, damit er unsere guten Forellen essen kann?«

Dick Sullivan fragte es etwas bitter und wehmütig, denn er war ein Mann, dessen Magen die Größe eines Futtersackes hatte. Er kochte deshalb stets einige Extraportionen für sich. Auch hatte ich einige Forellen für ihn mehr gefangen. Nun tat es ihm schon leid, für unseren unangemeldeten Gast eine Extraportion hergeben zu müssen.

»Er ist unser lieber Gast«, sprach Johnny Sturges vom Sattel aus zu Dick nieder. »Wenn er Hunger hat, wirst du ihm mehr als nur eine Forelle geben müssen.«

Er saß nach diesen Worten ab und sagte seinem Begleiter, dass der nun die Binde von den Augen nehmen könne. Dies tat der Bursche natürlich sofort. Dann blickte er sich um.

Ja, er war ein Mexikaner, aber einer mit Yaqui-Blut in den Adern. Die Yaquis aber, nun, das waren damals so ziemlich die schlimmsten Söhne der Apachen-Nation die es im Süden gab. Dieser Pablo Uvaldez hatte vielleicht einmal einen spanischen Großvater gehabt - mehr weißes Blut sicherlich nicht. Und dieser spanische Großvater musste wahrscheinlich ein sehr stolzer Edelmann gewesen sein.

Der Bursche jedenfalls, der da inmitten unseres Camps auf seinem prächtigen Pferd saß, benahm sich gleichfalls sehr stolz, und er betrachtete uns von seinem hohen Sitz aus sehr sorgfältig und prüfend.

Er war schon ziemlich bei Jahren - dies aber von unserem Standpunkt gesehen, denn wir waren allesamt so zwischen zweiundzwanzig und sechsundzwanzig. Er hätte glatt unser Vater sein können. Körperlich war er noch ausgezeichnet in Form, gedrungen wie ein Apache, lederhäutig, scharfäugig und fast schon weißhaarig.

Gekleidet war er recht einfach, doch sein Pferd war allererste Klasse.

Er betrachtete uns eine ganze Weile Mann für Mann. Es wurde uns schon etwas zu dumm, denn wir waren es nicht gewöhnt, von einem Mex oder Greaser so gemustert zu werden. Das lag uns eben so im Blut, weil wir richtige Texaner waren und seit Alamo kein Texaner mehr einen Mex lieben konnte.

Johnny Sturges spürte wohl, dass wir auf dem besten Weg waren, eklig zu werden, denn er sagte schnell: »Pablo Uvaldez kam über den Rio Grande und bis zu uns, weil er uns einen geschäftlichen Vorschlag besonderer Art zu machen hat. Ich selbst fand den Vorschlag so interessant, dass ich Señor Uvaldez zu euch brachte, damit ihr ihn anhören könnt. Es geht um mehr als eine Million Dollar in Gold und erlesene Kostbarkeiten. Es können aber auch zwei oder drei Millionen sein. So genau lässt sich das nicht abschätzen.«

Johnny Sturges sprach die beiden letzten Sätze, bei denen wir die Ohren spitzten, so lässig, als wenn es sich um einen mäßigen Einsatz bei einem Pokerspiel handeln würde, das man mit einer schlechten Karte gewinnen könnte, wenn die Karte des Mitspielers noch schlechter wäre.

»Ja, ich habe eine prächtige Forelle für Señor Uvaldez«, sagte Dick Sullivan dann in die Stille, und seine Bereitwilligkeit war ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr selbst unser Dick beeindruckt war.

Aber Burt Morrow, der immer irgendwo und irgendwie einen Hasen im Pfeffer vermutete, fragte dann: »Und was ist dabei wohl krummer als ein Hundebein? He, es muss doch dabei etwas stinken wie ein toter Lachs in der Sonne?«

Pablo Uvaldez nickte sofort. Dann machte er wahrhaftig endlich seinen hartlippigen Mund auf und sagte in einem vorzüglichen Englisch, wie wir Texas-Söhne es nicht sprechen konnten: »Natürlich sind einige Schwierigkeiten dabei, Gentlemen. Wenn das nicht wäre, hätte ich nicht überall nach einer erstklassigen Mannschaft gesucht - nach einer Mannschaft von edlen Patrioten, die den Teufel nicht fürchten.«

Als er dies gesagt hatte, kam es uns vor, als hätte uns jemand süßen Schaum um die Mäuler schmieren wollen. Doch wir waren nun zumindest interessiert.

»Essen wir erst einmal«, sagte Dick Sullivan. »Wir können es dabei besprechen. Und es wäre eine prächtige Sache, wenn Sie auch die Yankees davon überzeugen könnten, Señor Uvaldez, dass wir keine Banditen, sondern edle Patrioten sind, die nur dafür sorgen, dass Texas nicht allzu sehr ausgeplündert wird von den Schuften aus dem Norden und Nordosten.«

Wir hatten alle nicht viel dazu zu sagen. Wir setzten uns erst einmal rings ums Feuer, aßen Forellen, selbst gebackenes Brot und tranken das klare und köstlich schmeckende Wasser vom Bach.

Pablo Uvaldez ließ sich mächtig Zeit, und er betrachtete und studierte uns immerzu....

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