G. F. Unger 2024 - Western

Kellog
 
 
Bastei Entertainment (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2019
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8423-9 (ISBN)
 
Kellog Das Schicksal scheint es gut mit Kellog und seiner kleinen Ranch zu meinen. Doch als er sich auf den Weg nach Phoenix macht, um die schöne Julia zu heiraten, schlägt das Unheil erbarmungslos zu ... G.F. Ungers Romane sind immer wieder ein einmaliges und unverwechselbares Lesevergnügen!

»Heiliger Rauch«, spricht der Registrator staunend und ungläubig. »In den Bradshaws soll es Rinder geben? Wie sind die denn dorthin gekommen? Und wenn, warum wurden sie noch nicht von den Apachen aufgefressen?«

»Es sind wahrscheinlich zu viele.« Kellog grinst. »Und gewiss haben sie sich in den vergangenen Jahren so stark vermehrt, dass selbst hungrige Apachen sie nicht völlig vertilgen konnten. Wissen Sie, Mister, die kleine Stammherde wurde vor dem Krieg in dieses verborgene Tal gebracht. Aber eigentlich lief sie von selbst dort hinein, weil sie sich in einer Stampede befand. Ihr Erstbesitzer zog dann in den Krieg. Als er im Sterben lag - er war schlimm verwundet worden -, überschrieb er mir sein Brandzeichen. Er konnte es damals nicht hier registrieren lassen. Nun hole ich das nach. Jetzt wissen Sie eine Menge, Mister. Und nun frage ich Sie nochmals, ob ich hier bei Ihnen richtig bin. Hier sind der Lageplan und die Übertragungsurkunde des Brandzeichens.«

Der Registrator nickt heftig und hebt beide Hände, so wie jemand, der sich ergibt.

»Natürlich sind Sie richtig, Mister. Wir kommen ins Geschäft. Dieser junge Staat ist froh über jeden neuen Bürger, der sich hier niederlassen will und etwas aufbaut. Und eine Ranch in Arizona, das ist gewiss eine gute Ergänzung zu all den Minen und dem Ackerbau der Siedler. Wie ist Ihr Name, Mister? Vielleicht werden Sie eines Tages der erste Cattle King unseres Baby-Staates, hihihi. Die Registrierung kostet nur fünfzig Dollar, hihihi!«

Er macht eine kleine Pause und fragt dann vorsichtig: »Aber Sie wissen doch, dass die Apachen immer noch ihr Unwesen in unseren Land treiben, ebenso schlimm wie drüben in New Mexico?«

»Mein Name ist Kellog, Brad Kellog. Und ich habe eine Entlassungsbescheinigung aus der Gefangenschaft als Captain der Konföderationsarmee.«

?

Es ist drei Tage später, als Brad Kellog Phoenix verlässt und nordwärts reitet. Er hat zwei Packtiere bei sich, zähe Maultiere, die schwer beladen sind. Und vom Schmied in Phoenix ließ er zwei Brandeisen anfertigen, die ein etwas schräges W symbolisieren, ein »Running W« also. Er hat noch einen langen Weg vor sich und weiß nicht, was ihn erwartet.

Längst hat er den Wagenweg verlassen und folgt schmalen Pfaden, kann sich nur nach Landmarken orientieren, die manchmal in weiter Ferne zu erkennen sind, wenn er selbst über Höhen muss und seine Tiere verschnaufen lässt. Es ist ein unübersichtliches Land, voller Schönheit und tausend Geheimnissen.

An einem dieser Tage trifft er auf eine Armeepatrouille, deren Lieutenant ihn staunend betrachtet und dann schließlich zu ihm sagt: »Mister, Sie wagen eine Menge, wissen Sie das?«

»Ich denke schon, Lieutenant«, erwidert Kellog und fragt dann: »Sind Sie hinter Apachen her?«

»Schon länger als eine Woche. Aber wir waren erfolglos. Apachen kann man nicht fangen. Es ist, als wollte man mit einem großmaschigen Netz kleine Fische fangen. Die schlüpfen immer durch. Es sind Tonto-Apachen, die von der Mogollon Mesa herunterkamen, um Beute zu machen. Und Sie haben zwei Packpferde, beladen mit Beute. Auf solche Gelegenheiten warten die roten Teufel nur. Wohin wollen Sie?«

»Zu meiner Herde in einem Hochtal in den Bradshaws. Zur Running-W-Herde. Es gibt in diesem Tal einen See, in dessen Mitte sich ein roter Felsen auf einer Insel erhebt. Kennen Sie dieses Tal, Lieutenant?«

Doch der graubärtige Offizier schüttelt den Kopf.

»In diesem Land gibt es tausend Geheimnisse, mein Freund.«

Er blickt auf den Scout an seiner Seite. Dieser ist ein Halbblutmann mit einer Adlerfeder am Hut. »Kennen Sie das Tal, Concho?«

Dieser blickt mit seinen schrägen Augen auf Kellog.

Dann spricht er vorsichtig mit kehliger Stimme: »Ich habe mal von diesem Tal gehört. Santana - so nennen ihn die Weißen - versorgt sich dort mit Rindfleisch für sein verborgenes Dorf, das wir bisher noch nicht finden konnten. He, Hombre, er wird Sie töten.«

Er spricht den letzten Satz wie eine ihm gleichgültige Feststellung und hat dann nichts mehr zu sagen.

Und das hat der Lieutenant auch nicht. Der Weg seiner Patrouille bis nach Fort Apache ist noch weit, wird länger als drei Tage dauern.

Die Patrouille - zwölf Reiter, der Lieutenant und der Scout - reitet wieder an.

Kellog sieht ihnen nach, und er hört den klirrenden Trab noch lange in dem sonst so stillen Land, in dem es eigentlich nur Jäger und Gejagte gibt.

Dann reitet auch er seines Weges.

Er ist bisher stets wachsam und lauernd durch dieses Land geritten, hat sich verhalten wie ein Wolf, der durch ein ihm fremdes Revier streift und genau weiß, dass überall Fallen und Jäger auf ihn lauern könnten.

Jetzt wird er noch vorsichtiger reiten, auf die kleinsten Zeichen achten, sei es am Boden oder hoch oben in der Luft, wo die Vögel kreisen. Und er wird auf seinen feinen Instinkt lauschen, der ihn bisher stets vor lauernden Gefahren warnte.

Es ist drei Tage später, und er sucht immer noch das verborgene Tal in den Bradshaws, in dem es einen See mit einer Felseninsel geben soll, als er auf eine Fährte stößt, die ihm ein Rätsel aufgibt.

Und so sitzt er ab, um dieses Rätsel zu lösen.

Wenig später weiß er es richtig zu deuten.

Es sind zwei Fährten. Eine ist zwei Tage alt und wurde von drei Pferden verursacht. Die andere etwas jüngere Fährte stammt von einem Reiter, der offenbar hinter den drei Reitern her ist.

Was soll er tun? Dies fragt sich Brad Kellog.

Dann entschließt er sich. Denn er muss wissen, wer in diesem Land umherreitet, zumal die erste Fährte - also jene der drei Reiter - von unbeschlagenen Hufen erzeugt wurde.

Der Verfolger dagegen ritt ein Tier mit Eisen an den Hufen.

Kellog macht sich also an die Verfolgung, zumal die beiden so unterschiedlichen Fährten in jene Richtung führen, in die er ohnehin reiten wollte.

Er verspürt eine ungute Ahnung.

Als er zwei Stunden später durch eine enge Schlucht in ein weiteres Tal gelangt, da hält er erst einmal an und blickt witternd über das Tal, das von einigen flachen Hügelketten durchzogen wird. Es sind sehr flache Hügel, auf denen da und dort einige rotgelbe und von der Erosion schon stark zernagte Felsen stehen.

Aber er kann nichts erkennen. Was da jenseits der flachen Hügel liegt, ist ihm noch verborgen.

Er will wieder anreiten, doch da hört er den wilden Schrei. Dieser Schrei ist gewiss im ganzen Tal meilenweit in der Runde zu hören. Er klingt wie der schmerzvolle Laut eines gequälten Menschen, der den bösen Schmerz nicht anders ertragen kann. Es ist die Stimme eines Mannes.

Kellog beginnt zu ahnen, was dort jenseits der flachen Hügel im Gange ist.

Die Reiter der unbeschlagenen Pferde haben ihren Verfolger in ihrer Gewalt. Wahrscheinlich ritt er in ihre Falle.

Kellog reitet nun auf die flachen Hügel zu, zieht die beiden Packpferde an den Leinen mit und ist bereit für alles.

Wenig später hört er wieder den gellenden, durchdringenden Schmerzensschrei, und nun ist er fest überzeugt, dass auf der anderen Seite der Hügel drei Apachen ihren Verfolger so böse quälen, wie es nur Apachen fertigbringen.

Er findet nach etwa hundert Yards eine Hügellücke und durchreitet diese.

Und dann sieht er alles.

Es sind nur zwei Apachen.

Der dritte Reiter war eine Reiterin, eine Frau also. Diese hockt hilflos am Boden und hält sich mit beiden Händen den Kopf.

Und der Mann, der die Apachen und deren Gefangene verfolgte, hängt an einem alten Cottonwood, mit den Füßen über einem Feuer.

Er zieht immer wieder seine Knie hoch, sodass seine Füße nicht so dicht über dem Feuer hängen. Aber er macht das offensichtlich schon eine ganze Weile. Seine Muskeln versagen ihm ihren Dienst. Immer wieder fallen seine Beine nieder und erreichen die Flammen seine Füße.

Was sie mit ihm tun, ist grausam, aber Apachen kannten noch niemals Mannestugend und Ehrbegriffe.

Und so reitet er auf sie zu, lässt die beiden Packtiere zurück.

Sie sehen ihn kommen und treten ihm einige Schritte entgegen, und der arme Geschundene am Cottonwoodbaum - es ist mexikanischer Abstammung - bringt noch einmal mit letzter Anstrengung seine Füße aus der Nähe der Flammen. Er kann nichts anderes tun, nur die Knie anziehen.

Kellog hält an, sitzt ab und nähert sich im ruhigen Schritt.

Die Apachen halten ihre Gewehre an den Kolbenhälsen gepackt mit den Mündungen nach unten gerichtet. Als sie grinsen, wirken ihre breiten Münder wie offene Wunden.

Man sieht ihnen an, dass sie sich auf das Töten des Weißen freuen, so als wäre das für sie ein Spiel, ja, sie lassen Kellog ziemlich dicht herankommen. Denn ihrer Meinung nach können sie nur gewinnen. Sie müssen nur die Läufe ihrer Gewehre hochschwingen und abdrücken.

Einer spricht verächtlich: »Hombre, hast du Locokraut gefressen? Oder warum bist du sonst so dumm?«

Aber Kellog spricht kein Wort. Er kann nicht länger warten oder gar herumtändeln. Der arme Kerl am Baum mit den Füßen über dem Feuer braucht schnelle Hilfe.

Kellog zieht wortlos und schießt blitzschnell.

Die Apachen bekommen ihre Gewehrläufe nicht mehr richtig hoch, schießen vor ihm in den Boden und sterben noch stehend.

Dann ist alles vorbei.

Er tritt ans Feuer und will es auseinander treten.

Doch da ist die Frau bei ihm und ruft: »Lassen Sie mich das tun, Señor! Lassen Sie mich das...

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