G. F. Unger 1997 - Western

Blizzard-John
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Februar 2019
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7676-0 (ISBN)
 
Blizzard-John

Mitten im Blizzard hatte der verrückte Riese Bad Bud O'Nally die schöne Dee Boston aus dem Mayflower House entführt. Doch ein Mann stand in May Mayflowers Schuld und setzte sich auf O'Nallys Fährte ...


G.F. Ungers Romane sind immer wieder ein einmaliges und unverwechselbares Lesevergnügen!
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 2,71 MB
978-3-7325-7676-0 (9783732576760)

John Jennison ist sofort wach, als jemand ihn an der Schulter rüttelt. Er greift auch automatisch neben sich.

Denn dort liegt sein Colt.

Aber dann erkennt er seinen Besuch und staunt.

Denn bei ihm am Lager sitzt eine dicke Frau, eingehüllt in einen Pelz. Auch ihr schönes Gesicht wird von edlem Pelz eingerahmt. John Jennison kennt dieses Gesicht gut. Deshalb weiß er, dass zu diesem schönen Gesicht ein unförmiger Körper gehört.

Er fragt: »May, warum hast du mich aus meinem schönen Traum geweckt?«

Indes er es fragt, hört er draußen das Orgeln des Blizzards und wird sich darüber klar, dass sich die dicke May Mayflower trotz des Blizzards bis hierher durch Eis und Schnee gewühlt hat, was für sie eine gewaltige Anstrengung gewesen sein muss.

Er setzt sich auf in seinem neuen, sauberen roten Unterzeug und zieht sich sofort die Decken bis unters Kinn hoch. Es ist eisig kalt im Raum. Der Ofen ging längst aus.

»Ich mache wieder das Feuer im Ofen an«, spricht May Mayflower kehlig. »Und dann reden wir. Ich habe zu spät erfahren, dass du wieder in Two Dance bist. Erst als ich die Post bekam, da wurde es bei uns im Mayflower House bekannt.«

Sie erhebt sich nach diesen Worten vom Rand seines Lagers und beginnt am Kanonenofen zu hantieren, räumt die Asche heraus, füllt ihn mit Spänen und Anmachholz und zündet es an.

Es beginnt sofort zu prasseln, sodass sie mit Scheiten nachfüllen kann.

Sie setzt sich nun an den Tisch und öffnet ihren Pelzmantel, streckt die dicken Beine mit den Fellstiefeln von sich. Wie ein mächtiger Kloß hockt sie da auf dem Stuhl. Gewiss wiegt sie mehr als dreihundert Pfund, doch ihr Gesicht - nein der ganze Kopf - sind wunderschön. Mit einem anderen Körper könnte sie eine der schönsten Frauen der Welt sein.

Sie spricht plötzlich hart: »Du musst Bad Bud O'Nally töten, dieses verdammte Tier, du musst ihn töten und uns Dee Boston zurückbringen. Er hat sie geraubt, und vorher hat er Rosy erschlagen mit einem einzigen Faustschlag. Er ist ein Tier. Auch meinen Geldschrank hat er ausgeräumt. Also, mein Freund, komm hoch und folge ihm. Bring ihn um, so wie er eines meiner Mädchen umbrachte.«

Die kehlige Stimme der Dicken wird immer härter und schneidender. Als sie geendet hat, greift sie in die Tasche ihres kostbaren Pelzmantels und holt einen Packen Geld hervor.

»Die Mädchen haben gesammelt«, spricht sie etwas ruhiger. »Von ihrem Ersparten haben sie dreitausend Dollar zusammengebracht. Sie gehören dir, wenn du ihn umbringst und Dee zurückholen kannst. Du musst es tun, Blizzard-John. Wir alle wissen, du kannst es. Denn du bist der einzige Mensch von allen hier, der einen Blizzard besiegen kann. Also, mein Freund .«

Sie verstummt hart. Dann wirft sie noch mal einige Holzscheite in den Ofen, der nun zu bollern beginnt.

John sitzt immer noch bewegungslos da und will es nicht glauben.

Verdammt, sie wollen ihn mit einer Prämie von dreitausend Dollar hinausjagen in den Blizzard. Er soll in diesem Blizzard ein menschliches Ungeheuer finden, es töten und ihm ein entführtes Mädchen abnehmen.

Das ist fast unmöglich - nein, nicht nur fast, es ist völlig unmöglich.

»Du und deine Katzen, ihr seid ja verrückt«, hört er sich sagen. »May, du bist total verrückt.«

»Und du bist mir etwas schuldig«, spricht sie da noch härter. Nun ist ihre Stimme nicht mehr kehlig, sondern klirrt metallisch.

John Jennison zuckt zusammen bei ihren harten Worten.

Ja, so ist es wohl. Er ist ihr etwas schuldig. Wahrscheinlich verdankt er ihr und ihren Mädchen sein Leben. Vor zwei Jahren nahmen ihn die drei Lonnegan-Brüder ins Kreuzfeuer und füllten ihn voll Blei. Er tötete sie zwar, angeschossen wie er war, Mann für Mann. Doch dann fiel er in bodenlose Tiefen und begriff erst Tage später, dass sie ihn im Mayflower House die Kugeln herausgeholt und gesund gepflegt hatten.

Ja, er ist May und deren Mädchen etwas schuldig.

»Ist das fair?«, fragt er böse.

Da nickt sie heftig. »Ja, es ist fair. Oder bist du der Meinung, dass Huren niemals fair sein können?«

Er schüttelt den Kopf. »Nur wer das Herz einer Hure hat, ist eine«, murrt er. »Aber als ihr mich zu euch ins Haus holtet, um mein Leben zu retten, da hattet ihr das Herz eines Samariters. Doch jetzt schickt ihr mich in den Tod.«

»Tot hättest du schon vor zwei Jahren sein können«, spricht sie abermals klirrend hart.

Da schweigt er eine Weile.

Irgendwie sieht es lächerlich aus, wie er da in seinem Unterzeug und mit der Decke nur noch halb bedeckt auf seinem Lager hockt. Und dennoch geht von ihm eine männliche Härte aus. Es ist keine böse Härte, nein, so ist es nicht. Aber wer ihn ansieht, der spürt, dass er einer von jener seltenen Sorte ist, die besondere Leistungen vollbringen kann.

May Mayflower wartet schweigend. Der Kanonenofen beginnt an einigen Stellen zu glühen, so sehr bollern in ihm die Flammen.

Doch die Dicke entledigt sich nicht ihres Pelzmantels. Sie wartet bewegungslos. Ihre grünen Katzenaugen starren ihn an, zwingend, fordernd.

»O verdammt«, knurrt er endlich. »Ich will das Geld der Mädchen nicht. Aber ich brauche tausend Dollar, um Blue Pete den Schlitten mitsamt den Hunden abkaufen zu können. Ich kann nicht auf einem Pferd gegen einen Blizzard anreiten. Ich muss den Schlitten mit den Hunden haben - und eine Menge Proviant und Futter außer der Ausrüstung. Ich will keine Kopfprämie, aber ich brauche dennoch etwas Geld, fast die Hälfte.«

»In Ordnung«, spricht May Mayflower. »Dann komm endlich in Gang, Blizzard-John. Hoch mit dir!«

Ja, sie ist erbarmungslos, wenn es darauf ankommt.

Und so erhebt er sich endlich, verharrt neben seinem Lager einen Moment in seinem Unterzeug und dehnt dann seinen prächtigen, hageren und zähen Körper.

Auch die Dicke erhebt sich.

»Diese Dee Boston .«, beginnt sie. »Dieses Mädchen ist eine Neue. Sie kam vor einigen Tagen hier an, aus Last Chance City, wie sie sagte. Sie hatte keinen einzigen Dollar mehr und wusste, dass sie hier würde überwintern müssen. Da kam sie zu mir ins Mayflower House. Sie wollte überleben, nichts anderes.«

Er weiß, was ihre Worte zu bedeuten hatten.

Diese Dee Boston ist offenbar keine Hure gewesen, war aber dann bereit, eine zu werden, um in der harten Welt hier überleben zu können. Und offenbar hat sie sich in den wenigen Tagen das Mitgefühl von May und deren Mädchen erworben, aus welchen Gründen auch immer.

Deshalb wollten sie nicht nur Rache für jene, die Bad Bud O'Nally erschlug, sondern auch die Rettung der anderen »Schwester«.

Er fragt, indes er sich anzukleiden beginnt: »Warum hat O'Nally Rosy erschlagen?«

»Weil sie sich ihm in den Weg stellte, als er Dee mitnehmen wollte. Da fegte er sie mit einem Faustschlag an den Kopf aus dem Weg. Sie war sofort tot. Er ist ein Untier. Töte ihn!«

May Mayflower geht nun hinaus. Als sie die Tür öffnet, fegt der Blizzard eine Menge Schnee herein, auch Eiseskälte. Dann hilft er May Mayflower, die Tür zuzuschlagen.

John Jennison verharrt wieder. Ja, er zögert. Er blickt sogar auf das Lager, so als wollte er sich im nächsten Augenblick wieder hinlegen, da ja die Dicke nun nicht mehr hier ist. Doch dann flucht er nur wild, ganz so wie ein Mann, der sich in einer Falle fühlt.

»Ich muss es wohl tun«, grollt er schließlich. »Weil ich in ihrer Schuld bin, muss ich es wohl zumindest versuchen. Oha, warum bin ich eigentlich kein Dreckskerl? Die haben es oft besser auf unserer Erde. Die nehmen nur immer und bezahlen nie ihre Schulden. Warum gehöre ich zu jener Sorte, die ihre Selbstachtung nicht verlieren möchte?«

Aber es ist niemand da, der ihm eine Antwort geben könnte.

?

Blue Pete, ein halber Nez Percé, hat es sich bequem gemacht in seinem Blockhaus am Rand von Two Dance.

Er liegt mit seiner Arapahoe-Squaw unter dem Bärenfell, die er sich im vergangenen Sommer von ihrer Sippe gekauft hat. Er zahlte zwei Gewehre, drei Fässchen Handelswhisky, zwei Säckchen Zucker und ein Pfund Tabak dafür.

Dafür hält ihn Kanaskabeere, wie die Schöne heißt, angenehm warm und erfüllt ihm alle Wünsche.

Als John Jennison in die Hütte eindringt, Schnee und Kälte mit sich bringend, da zielt Blue Pete mit dem Colt auf ihn, während er sich auf dem breiten Lager neben seiner Squaw aufrichtet.

»Fast hätte ich dich erschossen, John«, grollt er. »Hast du denn gar kein Benehmen, verdammt? Wie konntest du überhaupt den Querbalken aus den Halterungen bekommen?«

»Mit dem Messer«, erwidert John Jennison. »Die Spalten sind zu groß. He, Pete, ich bin gekommen, um mit dir ein Geschäft zu machen. Tausend Dollar für den Schlitten und die sieben Hunde. Gut so?«

Im Halbdunkel legt Blue Pete den Revolver neben sich.

»Bist du verrückt?« So fragt er ernsthaft. »Ich verkaufe meine Hunde nicht. Sie sind meine Kinder. Es sind gute Hunde, besser als Menschen, verstehst du?«

»Deshalb will ich sie ja auch haben«, erwidert John Jennison. »Weißt du, ich muss eine Schuld bezahlen. Dieser Bad Bud O'Nally .«

Er berichtet Blue Pete alles, was geschehen ist, und schließt mit den Worten: »Also verlangt die dicke May, dass ich meine Schuld bei ihr und ihren Mädchen bezahle. Und weil das so ist, muss ich auch deine Schuld, die du mir gegenüber hast, endlich eintreiben. Tut mir leid, Pete. Aber ich verspreche dir, dass ich mir Mühe geben will, dir...

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