Kinderzahnheilkunde

Grundlagen für die tägliche Praxis
 
 
Quintessenz Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Januar 2023
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86867-629-7 (ISBN)
 
Mit all ihren Facetten der Zahnheilkunde, der Kieferorthopädie, der Ernährungswissenschaften und nicht zuletzt auch der Psychologie vereint die Kinderzahnheilkunde eine Vielzahl von Themen in sich. Darin liegen Chance, Herausforderung und Verantwortung zugleich, um den kleinsten unter den Patienten einen optimalen Start in ein möglichst zahngesundes Leben zu ermöglichen.

Dieses Buch ist als Einstieg in die Kinderzahnheilkunde gedacht und liefert dafür grundlegendes und kompakt zusammengestelltes Wissen. Es gibt zunächst Tipps für die Kommunikation mit den kleinen Patienten und deren Eltern, liefert wichtige Hinweise im Bereich Diagnostik und Befunderhebung und erläutert im umfangreichsten Kapitel die aktuellen Behandlungsmethoden in der Kinderzahnheilkunde. Zudem werden häufige Fragestellungen der Eltern besprochen und der interdisziplinäre Blick über den Mund hinaus geschärft. Damit dient das Buch allen Zahnmedizinern und besonders Berufseinsteigern als nützliches Nachschlagewerk im Praxisalltag und bei speziellen Fragestellungen in der Kinderzahnheilkunde.
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 23,99 MB
978-3-86867-629-7 (9783868676297)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1. Einleitung und Basics
2. Kommunikation
3. Die zahnärztliche Untersuchung und Tipps zur Steigerung der Compliance
4. Diagnostik
5. Befunde
6. Behandlung
7. Prophylaxe: Recall und Aufklärung
8. Elterngespräche - Themen die bewegen
9. Formelles und Juristisches

1

EINLEITUNG UND BASICS

"Only those who attempt the absurd can achieve the impossible."

(Albert Einstein)

Kinder, egal welchen Alters, können alles sein: Überforderung, Bereicherung, Grund zum Schmunzeln, aber auch die Ursache für die ein oder andere Schweißperle. Besonders in der zahnärztlichen Prophylaxe und Behandlung ist es daher notwendig, sich auf die kleinen Patienten einzustellen, um zum einen optimale Behandlungsergebnisse zu erzielen, eine langfristige Patientenbindung zu gewährleisten und nicht zuletzt um zu verhindern, dass unter unseren Händen die Angstpatienten von morgen heranwachsen. Schätzungen nach zu urteilen bringen etwa zwei Drittel aller erwachsenen Angstpatienten ein traumatisches Erlebnis beim Zahnarzt in ihrer Kindheit mit ihrer Angst in Verbindung1.

Während des Studiums der Zahnmedizin hat man kaum Kontakt mit den praktischen Aspekten der Kinderbehandlung. Da Theorie und Praxis gerade in der Kinderzahnheilkunde mitunter nicht kompromisslos vereinbar sind, stellt die Behandlung von kleinen Patienten oft eine Herausforderung im Praxisalltag dar. In vielen Praxen sind gestandene Zahnärzte froh, wenn die Kinderbehandlung von den angestellten Assistenzzahnärzten übernommen wird. Diese wiederrum haben oft nicht das notwendige kommunikative Know-how, um die Compliance der kleinen Patienten zu steigern, bzw. zu erhalten. Solange die Diagnostik reibungslos verläuft und keine oder nur kleine Befunde offensichtlich werden, muss keiner der Beteiligten seine Komfortzone verlassen. Was aber, wenn Maßnahmen notwendig werden, die vom Patienten und vom Behandler mehr erwarten, als die individuelle Komfortzone zulässt?

Kinder haben unheimlich feine Antennen und ein deutliches Gespür für ihr Gegenüber. Unsicherheiten übertragen sich so leicht auf den kleinen Patienten und resultieren nicht selten in Überforderung und Verweigerung. Spezialisierte Kinderzahnärzte werden oft erst zu spät hinzugezogen und müssen dann mühselig das Vertrauen der Kinder zurückgewinnen. Doch es geht auch anders! Mit einigen Tricks in der Organisation, Kommunikation und Behandlung, der umfassenden und richtigen Diagnostik und nicht zuletzt dem realistischen Erkennen der eigenen Möglichkeiten und Grenzen kann die Kinderbehandlung als erfolgreicher Bestandteil eines Praxiskonzepts etabliert werden. Das Konzept einer Familienzahnarztpraxis bringt für alle Beteiligten Vorteile: Eltern können ihre Vorsorgetermine mit denen ihrer Kinder kombinieren und sparen so Zeit, der Zahnarzt gewinnt einen ganz neuen Patientenstamm, vervielfältigt sein Behandlungsspektrum und das seines Teams, die Kinderbehandlung bringt mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag, eröffnet neue Perspektiven und sie schafft Vertrauen - Eltern, die ihre Kinder bei einem Zahnarzt in guten Händen wissen, werden gerne Patienten werden oder bleiben.

Es gibt zahlreiche Behandlungsansätze und Techniken - die große Herausforderung ist es jedoch, diese Vielfalt zu kennen und individuell bei jedem Patienten wieder neu abzuwägen, welche Technik zum Einsatz kommt. Nicht jeder kleine Patient ist für die Durchführung einer klassischen Füllungstherapie geeignet und nicht bei jedem Kind kann man fluoridieren und abwarten. Nicht immer wird unsere Entscheidung richtig sein, aber was zählt, ist das tägliche Bemühen, unsere kleinen Patienten nach aktuellem Wissenstand optimal zu versorgen.

Wir dürfen außerdem nicht vergessen, dass gerade Kinderzahnheilkunde weit mehr ist als drill and fill. Die eigentliche Kernaufgabe und tägliche Herausforderung ist die Prophylaxe und somit das Verhindern einer Karies. Anders als bei erwachsenen Patienten können Kinder nicht selbst die Verantwortung für ihre Mundgesundheit übernehmen. Es gibt keinen Grund, dass Kinder eine Milchzahnkaries entwickeln und dennoch sehen wir täglich, dass die Realität anders aussieht. Wir müssen also die Eltern genauso intensiv betreuen, denn sie sind der Schlüssel zur Mundgesundheit ihrer Kinder. Das ist manchmal eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Ziel der ersten zahnärztlichen Untersuchungen ist es, die Eltern umfassend über alle relevanten Themen (Fluoride, Mundhygiene, Ernährung, Trinken) aufzuklären, Ängste abzubauen (z. B. verfrühter oder verspäteter Zahndurchbruch, Knirschen, Zahnungsbeschwerden) und Karies bzw. die frühkindliche Karies (ECC, early childhood caries) frühzeitig zu erkennen und besser noch zu verhindern. Des Weiteren sollen Kinder an die zahnärztliche Behandlung gewöhnt werden und einige positiv geprägte Zahnarztbesuche erlebt haben, bevor unter Umständen das erste Frontzahntrauma im Lauflernalter behandelt werden muss. Außerdem steht die langfristige Patientenbindung im Vordergrund.

In diesem einleitenden Kapitel werden die wesentlichsten anatomischen, physiologischen und morphologischen Basics von Milchzähnen, die auch praktische Relevanz besitzen, kurz besprochen. Des Weiteren soll dieses Kapitel als Nachschlageoption für Mineralisations- und Durchbruchszeiten dienen. Abschließend wird mithilfe einer Grafik die multifaktorielle Ätiologie von Karies dargestellt.

Aufbau von Milchzähnen

Der Aufbau von Milchzähnen unterscheidet sich maßgeblich von permanenten Zähnen und das hat direkten Einfluss auf die Behandlung. Zum einen müssen aufgrund der mikromorphologischen Gegebenheiten einige Besonderheiten bei der adhäsiven Befestigung von Füllungen beachtet werden, zum anderen ist die Makromorphologie dafür verantwortlich, dass eine Karies bei Milchzähnen schneller bis ins Dentin fortschreitet und auch wesentlich frühzeitiger endodontische Behandlungen notwendig sind.

Mikromorphologisch findet sich ein aprismatischer und unregelmäßiger Schmelzaufbau. Der Anteil organischer Bestandteile ist höher als bei bleibenden Zähnen, was die schlechtere Konditionierung mittels Säure-Ätz-Technik erklärt. Auch das Dentin weist im Vergleich zu permanenten Zähnen Unterschiede auf. Dentintubuli sind ungleichmäßiger verteilt, der Mineralgehalt des Dentins ist verringert und die Tubuli sind größer. Das erklärt die schnellere Kariesprogression und die verminderten Dentinhaftwerte2.

Auch makromorphologisch gibt es einige Besonderheiten. Diese können anhand der Abbildungen 1-1 bis 1-5 und der Tabelle 1-1 nachvollzogen werden.

Abb. 1-1 Morphologische Unterschiede zwischen Milch- und permanenten Zähnen.

Abb. 1-2 Querschnitt durch einen Milchzahn. Man erkennt deutlich die sehr dünne Schmelzschicht. (Quelle: ZTM Peter Schaller)

Abb. 1-3 Querschnitt durch einen bleibenden Zahn. Die Schmelzschicht ist deutlich dicker. (Quelle: ZTM Peter Schaller)

Abb. 1-4 Längsschnitt durch einen Milchzahn. Im linken Kronenteil kann man das Ausmaß des Pulpenkavums erkennen. (Quelle: ZTM Peter Schaller)

Abb. 1-5 Längsschnitt durch einen permanenten Zahn. Die Dentinstärke zwischen Schmelz und Pulpa ist um ein Vielfaches dicker. (Quelle: ZTM Peter Schaller)

Tabelle 1-1 Morphologische Besonderheiten von Milchzähnen3

Makromorphologie

Mikromorphologie

Der Schmelzmantel ist an keiner Stelle dicker als 1 mm.

Die Schmelzoberfläche ist durch eine weitgehend prismenlose Schmelzoberfläche gekennzeichnet (Schichtstärke 30-100 µm).

Die Pulpakammer der Milchzähne ist relativ größer und die Pulpahörner liegen vergleichsweise exponierter.

Die Schmelzprismen im Zervikalbereich steigen von der Schmelz-Dentingrenze kauflächenwärts an.

Die Kauflächen der Milchmolaren sind schmaler, ihre Bukkal- und Lingualflächen divergieren in Richtung auf einen deutlich ausgeprägten zervikalen bzw. basalen Schmelzwulst.

Der Mineralgehalt des Milchzahnschmelzes ist geringer als bei der bleibenden Dentition.

Die Milchmolaren haben einen breiteren und flächigen Approximalkontakt.

In Milchzähnen ist der postnatal gebildete Schmelz deutlich weniger dicht mineralisiert als der pränatale Schmelzmantel.

Die Interaktionsstruktur bei Milchzahndentin ist deutlich dicker als in der bleibenden Dentition (Dentintubuli sind größer, das peritubuläre Dentin ist deutlich ausgeprägter und der Mineralgehalt des intertubulären Dentins ist geringer als in der permanenten Dentition).

Tabelle 1-1 fasst die wichtigsten Unterschiede von Milchzähnen im Vergleich zu bleibenden Zähnen zusammen.

Mineralisations- und Durchbruchszeiten

Um Krankheitsbilder wie die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation oder auch die Dentalfluorose zu verstehen, muss man wissen, wann genau Milch- oder bleibende Zähne mineralisiert werden. Die Tabellen 1-2 bis 1-5 sollen hierfür als Nachschlageoptionen dienen. Des Weiteren kann es auch bei der Beurteilung von Röntgenbildern im Wechselgebiss hilfreich sein zu wissen, wann die Zahnkronen der bleibenden Prämolaren oder Molaren sichtbar sein müssten, um eine etwaige Nichtanlage zu diagnostizieren.

Tabelle 1-2 Mineralisationszeiten der Milchzähne4

Mineralisationsbeginn

Mineralisationsende

Wurzel fertig...

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