Familie mit Herz 67 - Familienroman

Das fremde Kind in ihren Armen
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2020
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-9217-3 (ISBN)
 
Babette lebt als Reisebegleitung und Betreuung der schwangeren Gräfin Boyd im fernen Orient, während der Graf dort seinen Geschäften nachgeht. Es ist ein herzliches Miteinander, und Babette wird mit der Zeit zu einer lieben Vertrauten der Gräfin. Auch in Deutschland soll sie fortan als Kinderschwester bei der Grafenfamilie leben. Auf der Rückreise in die Heimat geraten sie jedoch in ein verheerendes Unwetter. Einer Nussschale gleich wird das Schiff von rechts nach links geworfen - und sinkt. Wie durch ein Wunder kann sich Babette mit dem Baby in eins der Beiboote retten. Und während sie auf dem offenen Meer dahintreibt, reift in ihr ein folgenschwerer Entschluss ...
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,03 MB
978-3-7325-9217-3 (9783732592173)

Das fremde Kind in ihren Armen

Roman um das dramatische Schicksal einer jungen Frau

Von Yvonne Uhl

Babette lebt als Reisebegleitung und Betreuung der schwangeren Gräfin Boyd im fernen Orient, während der Graf dort seinen Geschäften nachgeht. Es ist ein herzliches Miteinander, und Babette wird mit der Zeit zu einer lieben Vertrauten der Gräfin. Auch in Deutschland soll sie fortan als Kinderschwester bei der Grafenfamilie leben.

Auf der Rückreise in die Heimat geraten sie jedoch in ein verheerendes Unwetter. Einer Nussschale gleich wird das Schiff von rechts nach links geworfen - und sinkt. Wie durch ein Wunder kann sich Babette mit dem Baby in eins der Beiboote retten. Und während sie auf dem offenen Meer dahintreibt, reift in ihr ein folgenschwerer Entschluss .

Babette konnte nicht mehr weinen. Sie hatte, seitdem es geschah, unendlich viele Tränen vergossen. Jetzt war ihr junges Gesicht leichenblass und schmal, als sie neben ihrem Verlobten Julian Thiele dem Ausgang zuging.

Die Säuglingsschwester Berta und Stationsschwester Johanna begleiteten das Paar.

Julian hielt den Kopf gesenkt und ging immer einen Schritt schneller als Babette Saßnitz. Am Portal blieb er stehen. Er nahm der Stationsschwester den kleinen Koffer ab.

"Danke. Vielen Dank!", murmelte er.

Stationsschwester Johanna wandte sich Babette zu und drückte ihr die Hand.

"Wir werden Sie eines Tages wieder bei uns haben", sagte sie herzlich. "Nur den Mut nicht sinken lassen, Fräulein Saßnitz. Sie sind noch jung, und Sie können noch viele Kinder haben."

"Ja, Schwester Johanna", erwiderte Babette mit bebender Stimme.

Auch die Säuglingsschwester drückte ihr die Hand.

"Alles Gute", wünschte sie leise. "Und Kopf hoch."

Julian schob seine Hand durch Babettes Arm und führte sie ins Freie. Sie merkte erst jetzt, dass ihre Beine sie kaum zu tragen vermochten. Der frische Wind, der ihnen entgegenkam, warf sie fast um.

Julian ließ sie in die elegante Limousine steigen. Wie ihn der Tod des Kindes getroffen hatte! So schweigsam war er vorher noch nie gewesen.

"Julian, nun sag doch etwas", flehte Babette.

"Was soll ich sagen, Babette?", erkundigte er sich. "Du weißt doch, um was es geht. Dass unser Sohn drei Tage nach seiner Geburt starb, wirft meine ganzen Pläne durcheinander."

Babette konnte die Verzweiflung in seiner Stimme hören.

"Heiraten wir jetzt nicht?", stammelte sie.

Julian Thiele ließ sich Zeit mit der Antwort.

"Mein Gott, du willst unsere Verlobung auflösen?", stieß Babette hervor.

Julian wandte den Kopf und sah sie an. In seinen dunklen Augen las sie die unerbittliche Wahrheit.

"Ja, so leid es mir tut, Babette .", sagte er und senkte die Lider. "Ich wäre wirklich verrückt, wenn ich jetzt noch meinen Dickkopf meinen Eltern gegenüber beibehalten würde. Erinnere dich doch", fuhr er eindringlich fort, "meine Eltern stimmten nur unserer Heirat zu, weil du schwanger warst. Damit hatte ich einen großen Vorteil meinem Zwillingsbruder Kurt gegenüber."

"Ja, es geht um eure Gaststätten und Hotels", flüsterte Babette. "Ihr seid sehr reich, und nur einer von euch Brüdern soll alles erben."

"Du weißt, wie gern ich dich habe, Babette. Aber wir Thieles spielen hier in Hernebach die erste Geige. Du warst Kellnerin in einem unserer Lokale, und ich verliebte mich sofort in dich. Aber von der Herkunft her war es meinen Eltern nie recht, dich zur Schwiegertochter zu bekommen."

"Du hast dich nie daran gestört, Julian."

"Natürlich nicht. Ich war sehr verliebt in dich. Mir war deine Herkunft egal. Aber jetzt . Kurt triumphiert. Er ist mit der Tochter des Arztes Bachner verlobt, und wenn er zuerst einen Sohn hat, bekommt er alles. Ich wollte ihn so gern übertrumpfen. Das ist nun vorüber."

"Dein Bruder triumphiert, weil unser Kind gestorben ist?", sagte Babette erschüttert.

"Jedenfalls - so haben mich meine Eltern überzeugt - muss ich mich schleunigst nach einer Frau umschauen."

"Wie . wie meinst du das, Julian?"

Er sah sie an. Diesmal war ein kalter Glanz in seinen Augen, den Babette noch nie darin gesehen hatte.

"Wir müssen uns trennen, Babette, es geht nicht anders."

Babette Saßnitz begriff nur sehr langsam den Sinn seiner Worte.

"Du willst . du willst ." Sie wagte es nicht auszusprechen. Ihr Mund zuckte.

"Ich will eine andere heiraten, Babette. Ich weiß auch schon, wen. Sie ist meine Clubkameradin, und wir kennen uns schon eine Ewigkeit. Sie heißt Irene Herkamp. Ihr Vater hat die Bäckereikette hier in Hernebach, und es hätte auch geschäftliche Vorteile, wenn sie meine Frau würde."

Babette glaubte zu träumen.

Das konnte doch nicht wahr sein ., der erste und einzige Mann in ihrem Leben, dem sie sich hingegeben hatte, wollte sie verraten?

"So versteh mich doch! Ich hab' dich wirklich sehr gern, Babette. Aber Liebe und Vernunft sind zweierlei Dinge. Es wäre idiotisch von mir, dich zu heiraten und mir alle Chancen von meinem Bruder vor der Nase wegschnappen zu lassen."

"Warum könnt ihr euch das Erbe nicht teilen?"

"Das gibt es nicht bei uns Thieles. Da erbt immer nur einer alles. Damit der Besitz nicht zersplittert wird. Das war schon immer so. Du weißt doch, dass einer meiner Urahnen Hernebach im sechzehnten Jahrhundert gegründet hat. Und noch heute müssen wir Thieles nach seinen Gesetzen leben. Bei unserer Generation allerdings ist es sehr schwierig. Kurt und ich sind Zwillingsbrüder. Also entscheiden unsere Söhne über das Erbe."

"Aber warum willst du Irene Herkamp heiraten?", schrie Babette auf.

Julian antwortete nicht. Er ließ den Motor nicht an, sondern steckte sich eine Zigarette an und rauchte schweigend.

"Warum sie und nicht mich?", stammelte Babette. "Wir lieben uns doch."

Julian Thiele streifte die Asche von der Zigarette.

"Du zwingst mich also dazu, dir die volle Wahrheit zu sagen", erklärte er bitter. Er wandte sich ihr zu. "Wer sagt mir, dass du jemals ein Kind austragen kannst, das nicht stirbt? Es klingt roh", fuhr er fort, als er merkte, wie sie zusammenzuckte, "aber du wolltest ja den Grund wissen, warum ich Irene und nicht dich heiraten muss. Ein Sohn, Babette, ist für mich von entscheidender Bedeutung. Entweder ich erbe den großen Thiele-Besitz - oder ich muss als sogenannter Geschäftsführer als Angestellter meines Bruders Kurt Gehaltsempfänger werden."

"Du bist gemein", stammelte Babette Saßnitz. "Das Kind war ganz normal, doch es bekam diese Atemstörungen und starb dann."

"Wer beweist mir, dass dein nächstes Kind nicht ebensolche Atemstörungen bekommt?"

Babette sah Julian an. Er sah so attraktiv und gepflegt aus wie immer. Die Farbe des Hemdes und der Krawatte war auf den Anzug abgestimmt. Julian legte immer sehr viel Wert auf elegante Kleidung. Sie liebte ihn mit allen Fasern ihres Herzens. Aber er stieß sie von sich und war in Gedanken schon der Ehemann einer Irene Herkamp.

Babette Saßnitz kannte Irene Herkamp. Sie war ein dickliches, albernes Mädchen mit Kuhaugen, fand sie. Doch Julian schien nur an ein Kind zu denken, alle näheren Begleitumstände waren ihm gleichgültig. Er würde, um zu diesem Kind zu kommen, sicher auch noch Opfer bringen, egal welcher Art.

Sie blickte dumpf aus dem Wagenfenster und sah vorne an der Poststraße einen Wagen nach dem anderen vorbeifahren.

Jetzt habe ich nicht nur mein Kind, sondern auch noch Julian verloren, dachte sie.

Was sie empfand oder dachte, als sie plötzlich die Wagentür aufstieß und aus dem Fahrzeug stürzte, hätte sie nicht erklären können.

Sie kam wieder zum Bewusstsein, als sie sich auf dem Weg zur Poststraße befand. Sie lief, als ob tausend Teufel hinter ihr her wären. Und sie hörte Julians Ruf hinter sich.

"Was hast du vor, Babette? Komm zurück ."

Er will Irene Herkamp heiraten!, hämmerte es hinter ihrer Schläfe. Er gibt mir einen Fußtritt. Er liebt nicht mich, sondern das Geld, den Besitz der Thieles. Und er will sich dafür an Irene Herkamp verkaufen mit Haut und Haaren. Was muss Irene dafür tun, um den attraktivsten Mann von Hernebach zu bekommen? Sie muss ihm einen Sohn schenken. Nur einen Sohn, mehr nicht. Aber mein Sohn ist tot.

Blind von Tränen stürzte Babette auf die Fahrbahn.

Frauen schrien auf. Bremsen kreischten. Hände rissen sie zurück.

Und Julian sagte: "Ja, sie gehört zu mir! Ich kümmere mich um sie. Keine Aufregung, bitte."

Hilflos weinte Babette vor sich hin. Sie ließ sich von Julian zum Wagen zurückführen. Sie lag an seiner Brust. Er führte sie behutsam weiter.

Sie konnte nicht ohne Julian leben. Ein Leben ohne Julian war leer und tot.

"Mädchen,...

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