Ein Kindermädchen zum Verlieben

Roman.
 
 
Gerth Medien (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Januar 2018
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96122-303-9 (ISBN)
 
Millie Longfellow hat genaue Vorstellungen von ihrer Arbeit als Nanny. Doch leider stößt ihre unkonventionelle Art bei den Eltern ihrer Zöglinge nicht gerade auf Begeisterung, sodass sie ihre Anstellung immer wieder schnell verliert. Als der Junggeselle Everett Mulberry händeringend nach einer neuen Nanny für seine drei wilden Pflegekinder sucht, wird ihm Millie vermittelt ...

Während diese sich Hals über Kopf in den jungen Mann verliebt, bemüht sich Everett darum, die Erwartungen der feinen Gesellschaft zu erfüllen und eine Dame aus guter Familie zu ehelichen. Doch allmählich beginnt er zu ahnen, dass zu einem glücklichen Leben mehr gehört als Geld und die Anerkennung der Gesellschaft.
  • Deutsch
  • Aßlar
  • |
  • Deutschland
  • 1,31 MB
978-3-96122-303-9 (9783961223039)
3961223033 (3961223033)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.

1

Long Island, New York, Juli 1882

Sie sind entlassen. Mit sofortiger Wirkung!"

Millie Longfellow musste die Augen zusammenkneifen, da plötzlich ein grelles Licht in die enge Besenkammer fiel, in der sie stand. Sie unterdrückte ein Seufzen, als Mrs Cutling sich vor ihr aufbaute. Die junge Frau schluckte den Kloß hinunter, der sich in ihrer Kehle bildete, und trat zögernd einen Schritt vor. "Entschuldigen Sie, Ma'am, aber haben Sie soeben 'entlassen' gesagt?"

"Allerdings."

"Aber warum?"

Mrs Cutling, die seit einer ganzen Woche Millies Arbeitgeberin war, stemmte eine Hand in ihre Hüfte. Wie alle Damen ihrer Gesellschaftsschicht war sie nach der neuesten Mode gekleidet. "Ich denke doch, dass der Grund für Ihre fristlose Kündigung auf der Hand liegt."

"Für mich leider nicht."

Mrs Cutling kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. "Habe ich Sie eingestellt, um auf die Kinder aufzupassen?"

"Ja, natürlich, aber -"

"Und Sie glauben, Sie kommen dieser Aufgabe auf zufriedenstellende Weise nach, wenn Sie sich in dieser Besenkammer verstecken?"

"Oh, ich habe mich nicht versteckt, Mrs Cutling. Ich habe nur an einem Ort, an dem die Kinder mich ganz bestimmt nicht sehen, ein wenig gewartet."

"Und diese Ausrede sollte mich geneigt machen, Sie doch zu behalten? Es wird mir keine Probleme bereiten, umzudisponieren und meine Kinder in Zukunft von einem anderen Kindermädchen betreuen zu lassen."

"Ich weiß nicht genau, was 'umdisponieren' bedeutet, Ma'am, aber da ich hier nur gewartet habe, damit die Kinder nicht denken, ich würde bei unserem Versteckspiel schummeln, finde ich schon, dass Sie mir erlauben sollten, meine Stelle zu behalten." Millie lächelte. "Es sieht zwar vielleicht so aus, als würden wir nur spielen, aber in Wirklichkeit kümmere ich mich um die mathematischen Fähigkeiten der Kinder. Es wird Sie freuen zu hören, dass der kleine James mit seinen fünf Jahren vorgeschlagen hat, dass ich bis tausend zählen soll, bevor ich anfange, ihn und Edith zu suchen."

Mrs Cutlings Lippen bildeten nun einen dünnen Strich. "Ich bin sicher, dass James keine Vorstellung davon hat, wie lange Sie brauchen, um bis tausend zu zählen. Außerdem hätten Sie wissen müssen, dass es unklug ist, die Kinder so lange unbeaufsichtigt zu lassen."

"Die Kinder wollten sichergehen, dass ich lange genug aus dem Weg bin, damit sie ein gutes Versteck finden können."

"Und das haben sie tatsächlich gefunden!" Mrs Cutling trat auf Millie zu und legte die Hand wie einen Schraubstock um ihren Arm.

Millie zuckte mit keiner Wimper. In all den Jahren, die sie nun bereits als Kindermädchen oder Zofe tätig war, hatte man ihr schon Ohrfeigen gegeben und sie an den Haaren gezogen, und einmal hatte man sogar mit einem Bettwärmer nach ihr geworfen. Bei diesem Vorfall hatte sie Glück gehabt, dass sie den heißen Kohlen hatte ausweichen können. Aber wenn Millie ehrlich war, konnte sie ihrer damaligen Herrin keinen Vorwurf machen, da sie mit dem Bettwärmer unabsichtlich das Bett der Dame in Brand gesetzt hatte.

Jedoch hatte sie durch die Gewaltausbrüche, die sie im Laufe der Jahre erlebt hatte, gelernt, dass so manche Dame der feinen Gesellschaft eine große Befriedigung empfand, wenn Millie vor Schmerzen zusammenzuckte. Dieser Befriedigung folgte normalerweise noch mehr Gewalt. Aus diesem Grund achtete sie inzwischen sehr darauf, ihre Gefühle nicht zu zeigen.

Daher widerstand sie dem Drang, sich zu wehren, als Mrs Cutling sie aus dem Besenschrank zerrte und unsanft mehrere düstere, schmale Gänge und Flure entlangschob. Zu ihrer Überraschung führte Mrs Cutling Millie nicht durch die Küche - was bei der Köchin und den Küchenmädchen sicher unerwünschte Spekulationen ausgelöst hätte -, sondern durch eine helle Halle, von deren zehn Meter hoher Decke zahlreiche Kristallkronleuchter hingen.

Bevor Millie Gelegenheit hatte, eine Bemerkung zu den schönen Gemälden im Raum zu machen, wurde sie bereits durch breite Terrassentüren geschoben, die in den Garten hinausführten. Sie errötete, als sie auf die gepflasterte Terrasse trat und sogleich den missbilligenden Blicken von mindestens zehn Damen der feinen Gesellschaft ausgesetzt war. Wie zu erwarten war, waren alle Damen nach der neuesten und teuersten Mode gekleidet. Ihre Kleider waren perfekt geschnitten. Modische Hüte, die mit Federn und breiten Krempen kunstvoll verziert waren, schützten ihre empfindliche Haut vor der Sommersonne.

"Wie Sie sehen können", begann Mrs Cutling, "habe ich Besuch von meinen Freundinnen."

"Wie nett", war alles, was Millie dazu einfiel.

"Es hätte nett sein sollen", erwiderte Mrs Cutling. "Aber ich glaube, keine meiner Freundinnen hat mit einem derart infamen Schauspiel gerechnet, als sie meine Einladung zum Lunch annahm."

Millie biss sich auf die Lippe und zog das kleine, zerfledderte Wörterbuch, das sie immer griffbereit hatte, aus ihrer Schürzentasche. Der Anblick dieses Wörterbuches überraschte Mrs Cutling offensichtlich so sehr, dass sie tatsächlich einen Schritt zurücktrat.

"Ist das etwa ein Wörterbuch?"

Millie, die beim Buchstaben "I" blätterte, nickte nur.

"Was machen Sie denn da?"

"Da ich nicht weiß, was 'infam' bedeutet, hielt ich es für sinnvoll, das Wort nachzuschlagen, damit ich besser für das gerüstet bin, was mich erwartet." Millie ignorierte das Tuscheln der Damen und blätterte weiter, bis sie das Wort fand. Als sie die Definition gelesen hatte, schaute sie sich um. "Entschuldigen Sie, Mrs Cutling, aber ich sehe hier nichts, das von schändlicher oder", sie schaute noch einmal in ihr Wörterbuch, "perfider Natur wäre. Obwohl", sie blätterte zum Buchstaben "P", "ich auch nicht genau weiß, was das heißt."

"Das genügt, Miss Longfellow. Ich werde nicht hier herumstehen und Däumchen drehen, während Sie in diesem Wörterbuch blättern." Mrs Cutling verschränkte die Arme. "Außerdem benötigen Frauen Ihres Standes keinen großen Wortschatz, da niemand Personal einstellt, das sich für etwas Besseres hält. Wenn Sie mich fragen, wäre Ihre Zeit sinnvoller investiert, wenn Sie lernen würden, ein brauchbares Kindermädchen zu werden, statt Ihre Zeit mit so überflüssigen Dingen zu vergeuden."

Millie ließ das Wörterbuch sinken. "Bitte entschuldigen Sie nochmals, Mrs Cutling, aber Wissen zu erlangen kann nie hoch genug geschätzt werden. Mrs Charles Hart ist der festen Überzeugung, dass alle Frauen - seien es nun Angehörige der feinen Gesellschaft oder der Arbeiterschicht - anstreben sollten, ihr Wissen täglich zu vergrößern."

Mrs Cutlings Nasenflügel blähten sich auf. "Ich zahle Sie nicht dafür, dass Sie mit mir debattieren, Miss Longfellow. Darf ich Ihren Worten entnehmen, dass Sie schon einmal in Mrs Harts Diensten standen?"

"Ich bin nicht sicher, ob man sagen kann, dass ich in Mrs Harts Diensten stand, nur weil ich mich einmal bei einem Ball in ihrem Haus als Zofe ausgegeben habe. Aber was ist nun mit den Kindern?"

"Warum in aller Welt sollten Sie sich als Zofe ausgeben? Daraus könnte man ja fast schließen, dass Sie etwas Ruchloses im Schilde führten?"

Millie ließ die Hand sinken, in der sie ihr Buch hielt. "Es überrascht Sie bestimmt, wenn ich Ihnen sage, dass ich weiß, was 'ruchlos' bedeutet. Aber als ich mich als Zofe ausgab, war daran überhaupt nichts Niederträchtiges. Um die Wahrheit zu sagen: Mrs Hart hat mir großzügigerweise ihre Freundschaft angeboten, und diese Freundschaft ist von einem unerschöpflichen Reichtum an Ratschlägen begleitet, an dem mich Mrs Hart mit Freuden teilhaben lässt."

Mrs Cutling nickte ihren Freundinnen zu. "Haben Sie das gehört, meine Damen? Dieses Kindermädchen will uns weismachen, dass sie mit keiner Geringeren als Abigail Hart befreundet ist, einer der einflussreichsten Damen der New Yorker Gesellschaft."

"Es ist wirklich weise, dass Sie beschlossen haben, sich von ihr zu trennen", verkündete eine Dame. Millie beäugte neugierig ihren Hut. Es sah beinahe so aus, als trage sie eine ganze Obstschale auf dem Kopf. "Diese Frau vernachlässigt nicht nur ihre Pflichten, sie ist auch noch eine Lügnerin. Ihr Einfluss hätte sich destruktiv auf die Kinder ausgewirkt."

Millie war kurz geneigt, das Wort "destruktiv" nachzuschlagen, aber sie drängte diesen Wunsch zurück, als sie bemerkte, dass Mrs Cutlings Freundinnen jetzt auf sie zukamen. Da sie nicht das Bedürfnis verspürte, zur Zielscheibe der messerscharfen Zungen gelangweilter Damen der feinen Gesellschaft zu werden, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Mrs Cutling zu. "Vielleicht könnten Sie mir ja jetzt sagen, was die Kinder angestellt haben."

Mrs Cutling blinzelte, als sie sich an den eigentlichen Grund für den Aufruhr erinnerte. "Ach ja. Die Kinder hätte ich jetzt fast vergessen." Sie richtete ihren Blick auf die andere Seite des Gartens und deutete mit dem Kopf zu einem kunstvollen Springbrunnen.

Mit wachsender Sorge ging Millie darauf zu. Ihre Schritte verlangsamten sich, als sie ihrem Ziel näher kam. Als sie bemerkte, dass der Springbrunnen, der mit Meerjungfrauen verziert war, aus deren Mündern sich das Wasser ergoss, offenbar um zwei neue Statuen erweitert worden war, hielt sie inne.

Die neuen Statuen schienen nicht ganz zu den...

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