Der Sarg von Sherlock Holmes (Cosy Crime, viktorianischer Krimi)

Ein Fall für Inspektor Lestrade
 
 
Inspektor Lestrade Krimi-Reihe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. April 2018
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96087-341-9 (ISBN)
 

Lestrade gegen Sherlock - ein neuer Fall für Inspektor Lestrade

Der Tod von Queen Victoria läutet ein neues Zeitalter ein - ein Zeitalter voller Skandale und Gefahren: Ein gerissener Mörder treibt sein Unwesen, eine Bombe unter Big Ben bedroht ganz London und kein anderer als der legendäre Sherlock Holmes scheint von den Toten auferstanden zu sein. Doch ist der Detektiv mit dem berühmten Hut auch der echte Holmes? Lestrade wittert eine Verschwörung und muss in den dunkelsten Gassen Londons ermitteln, um die Puzzlestücke zusammenzufügen.

Mehr aus der Inspektor Lestrade-Reihe Die weiße Lady (ISBN 978-3-96087-327-3) Die Morde von Cornwall (ISBN 978-3-96087-328-0)

Jeder Band der Reihe ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig voneinander gelesen werden.

Erste Leserstimmen „viktorianischer Krimi mit feinsinnigem, schwarzen Humor, einem spannenden Fall und tollen Charakteren" „ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen - so sehr habe ich mitgefiebert" „ein fesselnder neuer Fall für den Ermittler der Herzen: Inspektor Lestrade" „Bis zum Ende wusste ich nicht, wer der Täter ist und ich muss sagen: Ich wurde (positiv) überrascht!" „Britischer Krimi mit hohem Wohlfühlfaktor!"

Über den Autor M. J. Trow stammt aus Wales, studierte Geschichte am Londoner King's College und ist bekennender Fan des viktorianischen Zeitalters. Er verfasste spannende und humorvolle Kriminalgeschichten um Inspektor Lestrade, der in den Geschichten von Arthur Conan Doyle oft mit seinem Zeitgenossen Sherlock Holmes aneinandergerät. Doch während bei Trow der arrogante Sherlock Holmes die meiste Zeit nur pfeiferauchend in seinem Zimmer sitzt, löst der Scotland-Yard-Inspektor Lestrade mit außergewöhnlichem Scharfsinn die ungewöhnlichsten und skurrilsten Fälle.

1. digitale Neuauflage
  • Deutsch
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
  • Digitale Ausgabe
  • 1,02 MB
978-3-96087-341-9 (9783960873419)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Der Onkel von den Sechsten Karabinieren


Sie hatten ihn am Morgen gefunden, als das Gras von der Nacht noch voller Tau war und der Wald in seiner Nässe tropfte. Er lag auf seinem Rücken, die Beine ausgestreckt, und seine Hände umkrampften mit der ganzen Unnachgiebigkeit der Leichenstarre den Schaft der Bambuslanze, die senkrecht aus seiner Brust hervorragte.

Seine Freunde und seine Treiber hatten ihn auf einer Scheunentür nach Hause getragen und ihn auf sein Bett gelegt. Die Gutsfrau, die sich in diesen Dingen auskannte, hatte ihm den blutigen Jagdrock abgestreift und ihn gewaschen. Die Lanze wurde entfernt und sauber gewischt. Man musste ihm die Arme brechen, um seine Hände vom Schaft zu lösen. Und es vergingen über sechzehn Stunden, ehe die örtliche Polizei verständigt wurde. Der Chief Constable war ein umsichtiger Mann. Er war so klug, sich an den Yard zu wenden und nicht auf seine eigene Tollpatschigkeit zu vertrauen. Lestrade war gerade damit fertig, seine Berichte zu tippen - natürlich in dreifacher Ausfertigung -, als ihn die dringende Aufforderung erreichte:

»Major Deering tot. Stop. Vermute Verbrechen. Stop. Schickt Euren besten Mann. Stop. Wenn das nicht möglich, Lestrade. Stop.«

Unempfänglich für die Beleidigung, die Augen von der Konzentration des Tippens und der Verwundung durch Gerties Peitschenhieb verquollen, suchte der Inspector seinen abgeschabten Gladstone hervor, warf ein Hemd hinein, einen Reservekragen, sein Rasiermesser und begab sich nach King's Cross. Ihm blieb keine Zeit mehr, den Bericht des Coroners über den verstorbenen Childers zu lesen. Keine Zeit mehr, das Tagebuch bei den Entzifferern des Yards abzuliefern. Keine Zeit, den beiden neuen Männern, die Frost ihm geschickt hatte, Anweisungen zu geben. Sie würden, wie alle übrigen, im ersten Stock warten müssen.

Man holte ihn mit einem schwarz ausgeschlagenen Landauer am Bahnhof ab. Die gegenseitige Vorstellung vollzog sich kurz und würdig in der Dämmerung, und dann ratterte das Gefährt durch die einbrechende Dunkelheit.

»Sie sind also der Bruder des Verstorbenen?«, fragte Lestrade den Mann mit Zylinder, der ihm gegenübersaß.

»Bin ich«, bestätigte dieser.

»Ich habe keine Informationen, Sir. Können Sie mir sagen, was passiert ist?«

»Wir haben keine Ahnung, Inspector. Gestern fand eine Jagd statt. Die Halle war proppenvoll. Überall Pokale und Hunde. Onkel war am Morgen gut in Form, bereit zum Kampf, wie immer.«

Lestrade wandte sich an den älteren Mann zu George Deerings Linken. »Sie sind also der Onkel des Verstorbenen, Mr. Sheraton?«

Mr. Sheraton wirkte ein wenig überrascht, und das Monokel fiel ihm aus dem Auge.

»Nein, Sir. Ich war ein Regimentskamerad.« Und beide Männer blickten auf einen imaginären Altar in mittlerer Entfernung.

»Verzeihung«, sagte Lestrade, der spürte, dass er im Begriff war, von den fallenden Ästen des Familienstammbaumes erschlagen zu werden. »Wer ist dann Ihr Onkel?«

»John«, sagten beide wie aus einem Munde.

Lestrade blickte verständnislos.

»Major Deering«, fuhr Sheraton fort, während Lestrade die Lichter von Deering Hall durch das Immergrün schimmern sah, »war bei allen Offizieren des Regiments als >Onkel< bekannt.«

»Regiment.« Jetzt fiel Lestrade ein, welchen Rang der Tote gehabt hatte.

»Die Karabiniere, Mann«, erklärte Deering ein wenig gereizt, »die Sechsten Leibdragoner. Wir sind - waren - alle Offiziere dieser großen und vornehmen Einheit.«

Es war geraume Zeit her, seit Lestrade sich in der Gesellschaft von Troupiers befunden hatte. Er hatte ihre fehlenden Kinnpartien vergessen, ihr beschränktes Gesichtsfeld, das Ausmaß ihres Snobismus und die unsägliche Arroganz, die sie zur Schau stellten.

Der Landauer kam mit einem Ruck zum Stehen, und Lestrade wurde in das Innere von Deering Hall geleitet. Er kam sich vor, als werde er zu seiner eigenen Hinrichtung geschleppt, während die Reitstiefel seiner Begleiter auf dem gewachsten Holz und dem Marmor der Fußböden rasselten. Er wurde in einen von Kerzenlicht erhellten Raum geführt. An den Wänden hingen Banner und Porträts von steinhart dreinblickenden Colonels, stolz in ihren scharlachroten und goldenen Uniformen. Auf einer Geschützlafette lag Major John Deering, ehemals Angehöriger der Sechsten Leibdragoner Seiner Majestät. Lestrade blickte auf den Leichnam. Friedlich. Zufrieden. Er lag da, die Arme über seiner Brust gekreuzt, prächtig in der dunkelblauen und weißen Uniform der Karabiniere, und das Kerzenlicht blitzte auf den goldenen Litzen an Hals und Manschetten. Sie hatten ihm sein Schwert umgeschnallt, und auf dem Samtkissen an seinem Kopf lagen seine Panzerhandschuhe, seine Sporen und der große, weißgefiederte Helm. Lestrade fühlte sich an das Grabmal des Schwarzen Prinzen erinnert, das er in Canterbury gesehen hatte. Sogar der geschwungene Schnurrbart des Majors gemahnte daran.

»Wer hat den Tod bescheinigt?«, fragte er.

»Ich«, sagte Sheraton. »Ich bin der Regimentsarzt.«

»Wir machen ihm keinen Vorwurf daraus«, äußerte der jüngere Deering, eher als Feststellung, denn als versuchten Witz.

»Und?« Der Inspector wartete.

»Die Aorta wurde von der Spitze einer Kavallerielanze durchtrennt.«

»Von einer Kavallerielanze?« Lestrade blickte ungläubig auf. Deering ging in eine Ecke des Raumes und kehrte mit der Waffe zurück. Er überreichte sie Lestrade, der zögerte und sie dann mit einer gewissen Resignation in die Hand nahm. »Sie ist vermutlich abgewischt worden?«

»Selbstverständlich«, erwiderte Deering. »Den ganzen Tag über sind Leute gekommen, um dem Onkel die letzte Ehre zu erweisen. Morgen früh werden es noch mehr sein. Man konnte die Waffe ja nicht einfach so herumliegen lassen, mit Onkels Blut bedeckt, oder?«

»Die Wunde, Doktor?«, wandte sich Lestrade an Sheraton.

»Captain«, verbesserte Sheraton.

»Wie wurde sie ihm beigebracht?«

»Ein einziger Stoß, würde ich sagen, von vorn, wahrscheinlich, als der Onkel am Boden lag.«

»Ist es üblich, Füchse mit Lanzen zu jagen?« Die Antwort auf diese heikle Frage überließ Lestrade seinen nicht gerade entgegenkommenden Gastgebern.

»Unser Regiment gehört zur Schweren Kavallerie, Lestrade«, schnauzte Deering, »wir verwenden überhaupt keine Lanzen. Ich glaube, die Schottischen Grauen benutzen die Lanze für ihre Vorhut, aber ... nun ja, die Grauen ...« Er und Sheraton schnaubten in gemeinsamer Verachtung.

»Wem also gehört diese Lanze?«, fragte Lestrade.

»Keine Ahnung«, antwortete Deering. »Sie gehört nicht ins Haus. Sie muss dem Mörder gehört haben.«

Lestrade hielt die Waffe einen Augenblick waagerecht, dann schwenkte er sie aufwärts.

»Zeigen Sie mir, wie der Stoß ausgeführt wurde, Captain«, sagte er zu Sheraton, »Ihrer Meinung nach.«

Der gute Captain nahm den Schaft, schlang den Lederriemen um sein Handgelenk und klemmte die Waffe unter seinen rechten Arm.

»Ein Lanzenreiter würde sie so benutzen, und bei allen Angriffen mit der Lanze wird sie so geführt. Nach der Tiefe der Wunde zu urteilen, würde ich sagen, ist sie so benutzt worden ...« Er umklammerte die Lanze mit beiden Händen wie einen Speer. »Der Stoß erfolgte aus einer stehenden Position.«

»Es gab keine anderen Wunden am Körper?«

»Keine.«

»Ich schätze, die Frage, ob der Major ein guter Reiter war, erübrigt sich?«

Sheraton blickte Deering an.

»Der Beste«, bestätigte George Deering.

»Gentlemen, ich konnte keinen Constable mitbringen. Dürfte ich vielleicht Ihr Telefon benutzen, Mr. Deering?«

»Captain«, beharrte Deering.

»Um das Polizeirevier anzurufen?«

»Können Sie die Sache nicht allein erledigen, Inspector? Sehen Sie, wir möchten wirklich nicht, dass die Bobbies vom Revier hier überall herumtrampeln. Unser Chief Constable hat, wenn ich recht informiert bin, ausdrücklich nach Ihnen verlangt.«

Wie man's nimmt, dachte Lestrade. »Kopf hoch, Gentlemen«, sagte er, während er zur Tür ging. »Wir wissen zumindest, dass Major Deerings Mörder kaum ein Lanzenreiter sein kann. Ein solcher hätte sicherlich vom Sattel aus getötet. Und er hätte seine Waffe nicht zurückgelassen. Damit dürften zwei- oder dreitausend Männer als Verdächtige ausscheiden.«

Lestrades fröhlicher Optimismus wurde von seinen Gastgebern nicht geteilt. In den verbleibenden Stunden, bis die Uhr in der Eingangshalle zwölf schlug, fuhren sie in ihrer Geschichte von den Ereignissen am Vortag fort. Die Jagdgesellschaft war mit fliegendem Start aufgebrochen, und sie hofften auf einen vergnüglichen Tag. Onkel ritt einen neuen, kastanienbraunen Wallach und war bald dem Feld voraus. Am Wasser hatte es ein wenig Verwirrung gegeben, und die Meute hatte sich geteilt. Sheraton und George Deering ritten über höherliegendes Gelände auf das Hochmoor zu. Onkel und einige andere waren den übrigen Hunden in die Ginsterbüsche gefolgt und vertrauten auf ihr Jagdglück im dichten Unterholz. Als die beiden Gruppen sich wieder trafen, gab es einen schrecklichen Wirbel, weil Lady Brandlings Pferd sie abgeworfen hatte und sie den Verdacht äußerte, jemand habe sich, als sie benommen in der Lower Moorgate lag, an sie herangemacht. Sie sei ganz sicher, sagte sie, dass sie die Hand eines Mannes an ihrem Knie gespürt habe. Jedenfalls verging einige Zeit, bevor auffiel, dass Onkel nicht unter denen war, die sich um ihre völlige Wiederherstellung bemühten. Aber er war, wie George Deering dem Inspector immer wieder versicherte, ein vorzüglicher Reiter und kannte das Gutsgelände und die angrenzenden Wälder wie seine Westentasche. Er würde aufkreuzen, wenn es ihm...

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