Die Drachenkämpferin - Im Land des Windes

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Oktober 2011
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07186-8 (ISBN)
 
Der fulminante Auftakt einer großen Fantasy-Saga
In einer faszinierenden Welt voller Magie und Abenteuer, bevölkert von Nymphen, Monstern und Drachen, kämpft die Halbelfe Nihal gegen die Macht des Bösen. Ein wunderbar bildhaftes und rasant erzähltes Fantasy-Epos, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.


Licia Troisi, 1980 in Rom/Ostia geboren, ist eine der bekanntesten Fantasyautorinnen weltweit. Ihr Zyklus um die DRACHENKÄMPFERIN wurde ein internationaler Bestseller. Seitdem kann die Autorin mit dem Schreiben nicht mehr aufhören. Ihrer ersten großen Saga folgten DIE SCHATTENKÄMPFERIN und DIE FEUERKÄMPFERIN sowie DRACHENSCHWESTER und NASHIRA. Licia Troisi ist verheiratet und hat eine Tochter.
  • Deutsch
  • 1,21 MB
978-3-641-07186-8 (9783641071868)
3641071860 (3641071860)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Licia Troisi, 1980 in Rom/Ostia geboren, ist eine der bekanntesten Fantasyautorinnen weltweit. Ihr Zyklus um die DRACHENKÄMPFERIN wurde ein internationaler Bestseller. Seitdem kann die Autorin mit dem Schreiben nicht mehr aufhören. Ihrer ersten großen Saga folgten DIE SCHATTENKÄMPFERIN und DIE FEUERKÄMPFERIN sowie DRACHENSCHWESTER und NASHIRA. Licia Troisi ist verheiratet und hat eine Tochter.

1


Salazar


Die Sonne überflutete die Ebene. Es war ein besonders milder Herbst, das Gras war noch saftig grün und wogte sanft gegen die Stadtmauern wie ein Meer an einem ruhigen Tag.

Nihal saß auf der Terrasse oben auf dem Turm und genoss den Morgenwind. Von diesem höchsten Punkt Salazars aus bot sich der beste Blick über die Ebene, die sich, so weit das Auge reichte, bis zum Horizont zog. Aus dieser endlosen Weite ragte die Stadt auf, mit ihren nicht weniger als fünfzig Ebenen von Häusern, Werkstätten und Ställen. Ein einziger, riesengroßer Turm, der eine kleine Metropole von fünfzehntausend Menschen fasste, die zusammengedrängt in seinen eintausendzweihundert Ellen Höhe lebten.

Nihal liebte es, allein dort oben zu sitzen, während der Wind in ihren langen Haaren spielte. Dann hockte sie mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem Stein, hatte die Augen geschlossen und ihr hölzernes Schwert wie ein echter Krieger neben sich gelegt.

Dort oben konnte sie zur Ruhe kommen, konnte sich ganz auf sich selbst konzentrieren, auf ihre verborgensten Gedanken, auf jene vage Wehmut, die sie manchmal umfing, auf jenes leise Murmeln, das sie hin und wieder aus den Tiefen ihrer Seele aufsteigen spürte.

Doch heute war kein solcher Tag. Nein, es war ein Tag der Schlacht, und wie ein Feldherr, den es zum Kampf drängt, ließ Nihal heute den Blick über die Ebene schweifen.

 

Sie waren vielleicht ein Dutzend Jugendliche, alle älter als zehn Jahre. Unter lauter Jungen war sie das einzige Mädchen. Alle saßen, nur sie stand in ihrer Mitte. Sie war der Anführer: ein schmächtiges, schlankes Mädchen, mit lebhaften violetten Augen, fließendem, blau glänzendem Haar und auffallend spitz zulaufenden Ohren. Wenn man sie so ansah, mochte man sie nicht für stark halten, doch alle hingen an ihren Lippen.

»Heute kämpfen wir um die verlassenen Häuser. Die Fammin haben sich dort eingenistet und spielen sich als die großen Herren auf. Aber sie wissen nichts von uns und erwarten uns nicht: Wir können sie also überraschen und mit der Kraft unserer Schwerter aus ihren Löchern vertreiben.«

Die Jungen lauschten aufmerksam.

»Und wie sieht dein Schlachtplan aus?«, fragte der dickste von ihnen.

»Wir marschieren in geschlossenen Reihen bis zum Stockwerk über den Werkstätten hinunter, nehmen die Abkürzung durch die Gänge hinter der Stadtmauer und landen direkt bei ihrem Versteck und können ihnen in den Rücken fallen. Wenn wir uns nicht verraten, wird das ein Kinderspiel. Ich marschiere voran, die anderen des Stoßtrupps folgen mir.« Einige der Jungen nickten überzeugt. »Dann kommen die Bogenschützen«, und drei Knaben mit Schleudern in der Hand hoben die Waffen und zeigten, dass sie verstanden hatten, »und zum Schluss die Fußsoldaten. Seid ihr bereit?«

Ein Chor begeisterter Ja-Rufe erhob sich.

»Dann auf!«

Nihal reckte ihr Schwert und ließ sich geschwind, gefolgt vom Rest der Bande, durch die Falltür hinab, die von der Terrasse in den Turm führte.

Dicht hintereinander stürmten sie im Marschschritt durch die Gänge, die den inneren Ring Salazars umliefen, unter den amüsierten, häufiger aber sorgenvollen Blicken der Einwohner Salazars, die nur allzu gut wussten, wie Nihals legendäre Schlachten häufig endeten.

»Guten Morgen, General.«

Nihal drehte sich um. Das Wesen, das sie angesprochen hatte, war ungefähr so groß wie sie, leicht untersetzt und trug einen dichten Bart, der fast sein ganzes Gesicht verdeckte. Es war ein Gnom, der jetzt eine komische Verbeugung vollführte.

Nihal ließ ihre Männer anhalten und verbeugte sich ebenfalls.

»Auch dir einen guten Morgen.«

»Nun, mal wieder auf Feindesjagd?«

»Ja, natürlich. Wir müssen doch die Fammin aus dem Turm vertreiben.«

»Gewiss, gewiss . Doch würde ich an deiner Stelle, in diesen gefährlichen Zeiten heutzutage, den bewussten Namen nicht so leichtfertig aussprechen. Selbst nicht im Spiel.«

»Wir haben aber keine Angst!«, rief ein Junge aus dem Hintergrund.

Und Nihal lächelte kühn. »Eben, wir haben keine Angst. Und wovor auch? Die Fammin sind hier doch allen verhasst, und zudem ist das Land des Windes immer noch frei.«

Der Gnom kicherte und zwinkerte ihr zu. »Wie du meinst, General. Dann viel Glück in der Schlacht.«

Rasch, aber im Gleichschritt wie richtige Soldaten passierten sie die verschiedenen Ebenen der Turmstadt, vorbei an Häusern, Läden und Werkstätten, im Chaos der Völker und Sprachen, die in Salazar zu Hause waren. Sie durchliefen die ringförmig angelegten Flure jedes Stockwerks, während die Sonne sie in regelmäßigen Abständen durch die Fensterbögen küsste, die sich zu den Gemüsegärten in der Mitte tief unter ihnen öffneten. Die Turmstädte im Land des Windes waren nämlich alle um einen breiten zentralen Schacht herum errichtet, der zwei Aufgaben erfüllte: Zum einen ließ er auch von innen Tageslicht in die Stadt hinein, und zum anderen schuf er jenes offene Feld in der Mitte, das in verschiedenste kleine Obst- und Gemüsegärten unterteilt war.

Irgendwann bog Nihal sicheren Schritts in eine schmale Gasse ein und stieß gleich darauf eine alte vermoderte Tür auf. Dahinter herrschte tiefste Finsternis.

»Da wären wir.« Das Mädchen setzte eine feierliche Miene auf. »Also, keine Angst und tapfer voran, wie immer. Unsere große Aufgabe duldet keine Schwachheiten.«

Die anderen nickten ernst und folgten ihr dann in geduckter Haltung in den Stollen hinein.

Es war so dunkel, dass man die Hand nicht vor den Augen erkennen konnte, und die Luft war stickig und abgestanden. Doch nach einer Weile gewöhnten sie sich an die Finsternis und konnten die Treppe mit den feuchten, wackeligen Stufen ausmachen, die sich im Dunkeln verlor.

»Es wird ja wohl hoffentlich heute niemand sonst hier durchkommen? Ich hab gehört, dass die Stadtmauer auf der Westseite Risse hat, die repariert werden sollen . «, flüsterte einer der Jungen.

»Die waren schon hier«, antwortete Nihal. »Ein guter Anführer bedenkt auch solche Dinge. Nun aber Schluss mit dem Gerede, konzentriert euch auf eure Aufgabe!«

In dem hohlen Gang hallten ihre Schritte noch eine Weile nach, vermischten sich mit dem Stimmengewirr jenseits der Stadtmauern. Dann noch eine letzte Biegung, und Nihal hob die Hand.

»Halt! Wir sind da«, zischte sie, schwer atmend. So fühlte sie sich immer kurz vor einem Angriff: Dann hämmerte ihr Herz in der Brust, und das Blut pochte in ihren Schläfen. Sie liebte dieses Gefühl, eine Mischung aus Furcht und dem Verlangen, sich in den Kampf zu stürzen. Ihre Finger tasteten die Wand entlang, bis sie auf eine Holztür stießen. Sie legte das Ohr daran. Die Quadersteine waren sehr dick, aber durch das Holz konnte sie die Stimmen von Jungen auf der anderen Seite wahrnehmen.

»Immer wir. Ich bin es jedenfalls leid, immer ein Fammin zu sein.«

»Das musst du mir nicht erzählen. Beim letzten Mal hat Nihal mich völlig fertig gemacht.«

»Und mir hat sie einen Zahn ausgeschlagen .«

»Als Barod noch Anführer war, haben wir uns wenigstens abgewechselt.«

»Mag sein. Aber bei Nihal macht es viel mehr Spaß. Zum Teufel, wenn wir kämpfen, habe ich das Gefühl, das ist alles echt! Dann fühle ich mich wie, wie . ein richtiger Soldat!«

»Auf alle Fälle ist sie die Beste, und da ist es nur recht, dass sie das Kommando hat.«

Nihal löste sich von der Wand und zog geräuschlos ihr Schwert aus der Scheide. Einen Augenblick wartete sie noch, holte dann aus, trat die Tür auf und stürzte sich mit ihrem Trupp hinein.

 

Der Raum war groß und voller Staub, wie Vorhänge hingen die Spinnweben vor den Fenstern. Er gehörte zu einem Haus reicher Leute, das aber, wie alle Gebäude auf dieser Ebene der Stadt, verlassen war. Die sechs Jungen, die, mit hölzernen Streitäxten bewaffnet, auf dem Boden gesessen hatten, sprangen überrascht auf, und der Kampf begann.

Wie eine Furie stürzte sich Nihal mit Macht auf die Feinde. Hin und her flog ihr Schwert, und schon bald trieb sie an der Spitze ihres Trupps die Gegner vor sich her durchs ganze Haus, von Raum zu Raum, bis zum äußeren Gang.

Die Jungen mit den Holzäxten hatten eindeutig das Nachsehen. Hier und da hörte man schon ein wehleidiges »Aua, aua«, wenn sich ein Kämpfer einen gar zu heftigen Hieb einfing.

»Rückzug«, rief der Anführer der Fammin. Wer noch konnte, rannte zur Treppe.

»Ihnen nach«, brüllte Nihal und wollte den Flüchtenden nachsetzen.

Doch einer ihrer Soldaten hielt sie am Arm fest. »Nicht runter zu den Läden. Erwischt mich mein Vater noch mal, wenn wir dort was anstellen, schlägt er mich windelweich.«

Nihal machte sich los. »Was sollen wir denn anstellen? Wir verfolgen sie doch nur, und dann kürzen wir ab durch die Felder.«

»Oje, vom Regen in die Traufe .«, murmelte der Junge, aber es blieb ihm nichts weiter übrig, als seinem Anführer zu folgen.

Alle hasteten nun die Treppe hinunter und dann weiter hinab, in heller Aufregung, die Waffen umklammernd, der Ebene mit den Läden zu. Viele Geschäfte begnügten sich für ihre Auslagen mit kleinen Schaufenstern, doch einige, besonders die Obst- und Gemüseläden, ragten mit ihren Ständen und Körben auch weit in den Durchgang hinein. Und so kam es, dass die dahinstürmenden Kinder vor einem solchen Geschäft gegen die Auslagen stießen und einige nichts ahnende Kunden fast über den Haufen rannten.

»Na wartet, ihr Halunken!«, rief der Gemüsehändler außer sich vor Zorn. »Nihal! Diesmal bekommt dein Vater was von mir zu...

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