Die Drachenkämpferin - Der Auftrag des Magiers

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Oktober 2011
  • |
  • 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07185-1 (ISBN)
 
Die Halbelfe Nihal schafft das Unmögliche: Als erste Frau wird sie zum Ritter des Drachenordens geschlagen. Ihr Gefährte Sennar ist unterdessen auf der gefährlichen Suche nach der Untergetauchten Welt, wo er sich Hilfe im Kampf gegen den Tyrannen erhofft. Der zweite Teil der atemberaubenden 'Drachenkämpferin'-Saga, die international für Furore sorgt.


Licia Troisi, 1980 in Rom/Ostia geboren, ist eine der bekanntesten Fantasyautorinnen weltweit. Ihr Zyklus um die DRACHENKÄMPFERIN wurde ein internationaler Bestseller. Seitdem kann die Autorin mit dem Schreiben nicht mehr aufhören. Ihrer ersten großen Saga folgten DIE SCHATTENKÄMPFERIN und DIE FEUERKÄMPFERIN sowie DRACHENSCHWESTER und NASHIRA. Licia Troisi ist verheiratet und hat eine Tochter.
  • Deutsch
  • 1,53 MB
978-3-641-07185-1 (9783641071851)
3641071852 (3641071852)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Licia Troisi, 1980 in Rom/Ostia geboren, ist eine der bekanntesten Fantasyautorinnen weltweit. Ihr Zyklus um die DRACHENKÄMPFERIN wurde ein internationaler Bestseller. Seitdem kann die Autorin mit dem Schreiben nicht mehr aufhören. Ihrer ersten großen Saga folgten DIE SCHATTENKÄMPFERIN und DIE FEUERKÄMPFERIN sowie DRACHENSCHWESTER und NASHIRA. Licia Troisi ist verheiratet und hat eine Tochter.

1


Vor dem Aufbruch


Ein Quersack mitein paar Büchern und nur wenigen Kleidern darin war sein ganzes Gepäck. Sennar schulterte ihn und trat hinaus ins Freie.

Unter seinem Umhang trug er ein schwarzes, bis zu den Füßen reichendes Gewand mit einem großen, weit aufgerissenen Auge auf Bauchhöhe, das von ineinander verschlungenen roten Ornamenten gerahmt wurde. An das Klima in Makrat hatte er sich noch nicht gewöhnt. Im Land des Meeres, aus dem er stammte, waren die Frühlinge mild gewesen, und im Land des Windes war es fast immer warm. Doch hier, im Land der Sonne, wo in diesem Jahr der Rat der Magier seinen Sitz hatte, herrschte im Frühling eine eisige Kälte fast wie im Winter, und die schwüle, drückende Hitze des Sommers legte sich dann ohne Übergang über das Land. Sennar fröstelte und zog sich die Kapuze seines Umhangs über seine langen roten Haare.

Er war neunzehn Jahre alt - und ein Zauberer. Ein hervorragender Zauberer sogar. Aber er war kein Held. Im Gegensatz zu Nihal, die sich mit Todesverachtung in den Kampf stürzte. Seine Aufgabe war es gewesen, hinter der Front zu agieren und Strategien zu entwickeln. Und nun, da sich ihm die Gelegenheit bot, den leidenden Völkern seiner Welt in ganz besonderer Weise zu dienen, überkam ihn die Angst. Nach monatelangen Beratungen mit den anderen Zauberern im Rat und nach zahlreichen Zusammenkünften mit den höchsten Militärs war nun der Augenblick gekommen. Jetzt würde er in See stechen und die Meere befahren, unterwegs zu einem Kontinent, den es, das war ihm durchaus bewusst, vielleicht gar nicht mehr gab.

Allein - so hatte es der Rat beschlossen.

Ich bin ein Feigling

Seit einhundertfünfzig Jahren war keine Nachricht mehr von der Untergetauchten Welt zu ihnen gedrungen. Sennars Mission bestand nun darin, diese Welt neu zu entdecken und dann ihren Herrscher dazu zu bewegen, der Aufgetauchten Welt zur Seite zu stehen in einem Krieg, dessen Ende nicht abzusehen war: dem Kampf gegen den Tyrannen. Im fahlen Licht des Morgengrauens kam ihm diese Mission noch aussichtsloser vor.

 

Sein Pferd war bereits gesattelt, doch Sennar zögerte, sich hinaufzuschwingen. Noch ist Zeit. Noch kann ich umkehren und den Räten erklären, dass es wohl ein Fehler war, dass ich mich geirrt und meine Meinung geändert habe .

Er blickte sich um. Keine Menschenseele war zu sehen. Alles schlief. Der richtige Zeitpunkt, die passenden Bedingungen, um sich auf die Reise zu machen. Ohne Abschied. Instinktiv führte er eine Hand zu der Narbe auf seiner Wange. Dann nahm er die Zügel in die Hand und machte sich auf den Weg.

Zunächst würde ihn die Reise in das Land des Meeres führen, wo er sich Seeleute suchen musste, die es wagten, mit ihm den Ozean zu befahren.

Es war das Land, in dem er geboren war und das er mit acht Jahren verlassen hatte, um seiner Lehrmeisterin Soana in das Land des Windes zu folgen. Seit damals er war nur selten heimgekehrt, denn es war eine lange und beschwerliche Reise.

Zwei Jahre war Sennar nicht mehr zu Hause gewesen.

Aber nun, da er an einem Wendepunkt seines Lebens stand, verspürte er den Wunsch, seine Mutter noch einmal zu sehen.

Es war schon später Morgen, als er in Phelta, seinem Heimatdorf, eintraf.

Am Himmel hingen schwere schwarze Regenwolken, ein Gewitterhimmel, der wie eine Glocke die wenigen Häuser seines Dorfes überspannte. Kein Mensch war auf der Straße, anscheinend hatten sich alle in Erwartung des Unwetters in ihre Häuser verkrochen. Die Luft war feucht, und Sennar sog den starken, durchdringenden Geruch des Meeres, der bis in das Hinterland wehte, tief ein.

Das Dorf bestand aus einigen gemauerten Häusern, die mit den für die Gegend typischen Strohdächern gedeckt und von robusten Holzzäunen eingefasst waren. Es war ein kleines Dorf mit nicht mehr als zweihundert Bewohnern, und alles sah einfach und bescheiden aus. Die Häuser drängten sich dicht aneinander wie eine Schar verängstigter Kinder in einem fremden Land. Sennar verband nur wenige Erinnerungen mit diesem Dorf. Zwar war er dort geboren, doch die meiste Zeit hatte er mit seiner Familie im Kriegsgebiet gelebt. Nur wenige Male im Jahr, wenn sein Vater Urlaub bekam, waren sie heimgekommen, und nur dann hatte er an alte Verbindungen anknüpfen und seine Freunde wiedersehen können. Dennoch war dies sein Zuhause. Seine Heimat. Sein Vaterland.

Bevor er seine Mutter aufsuchte, wollte er sich noch ein wenig umsehen. Er verspürte das Bedürfnis, sich mit diesem Ort wieder vertraut zu machen, über das Pflaster seiner Kindheit zu laufen, die altbekannten Gerüche in der Nase zu spüren, an den Häusern mit dem von der Seeluft bröseligen Putz entlangzustreifen. So schlenderte er durch die engen gewundenen Gassen, verweilte ein wenig auf dem winzigen Dorfplatz, wo an Festtagen ein Markt abgehalten wurde, stand eine Zeit lang auf dem Landungssteg, der wie eine schmale hölzerne Zunge in die See ragte.

Und mit einem Mal sah er alles um sich herum so, wie er es als Kind wahrgenommen hatte, und eine Vielzahl verschütteter Erinnerungen überwältigte ihn: verschwommene Bilder von Spielen zwischen den Häusern, von längst aus den Augen verlorenen Freunden, von den kleinen Freuden der Kindheit. Kurz, von den Dingen, die er vielleicht zu rasch vergessen hatte.

 

Der Gedanke, seine Mutter wiederzusehen, ließ sein Herz höherschlagen. Als er vor ihrer Tür stand, drang von innen das Klappern von Geschirr zu ihm. Er zögerte einen Moment und klopfte dann an.

Ihm öffnete eine schmächtige Frau mit einem Gesicht voller Sommersprossen, die seit ihrer letzten Begegnung merklich gealtert war. Sie trug ein schlichtes schwarzes Kleid, wie es arme Leute tragen, die ihr einziges Gewand ewig flicken und stopfen, das jedoch von einem Spitzenkragen verziert wurde. Ihr zu einem losen Knoten zusammengefasstes Haar, früher einmal genauso feuerrot wie das ihres Sohnes, war von weißen Strähnen durchzogen. Ihre Augen jedoch hatten sich seit ihren Mädchentagen nicht verändert. Sie waren von einem lebhaften, munteren Grün und leuchteten sofort auf, als sie Sennar erblickte. »Mein Sohn, wie schön, dass du wieder da bist!«, rief sie und schloss ihn fest in die Arme.

 

Frische Blumen auf dem Tisch, Spitzendeckchen auf den Möbeln, eine tadellose Sauberkeit: Sennar erkannte die Sorgfalt wieder, mit der sich seine Mutter auch um die kleinsten Dinge im Haus kümmerte.

Als sie sich von ihm gelöst hatte, machte sie sich umgehend am Küchenherd zu schaffen und legte Holz nach. »Warum hast du deinen Besuch denn nicht angekündigt? Ich kann dir ja gar nichts Besonderes anbieten, nur das wenige, was ich noch in der Speisekammer habe. Heute ist ein großer Tag, den müssen wir feiern.« Sie hastete in der Küche hin und her, zog Schranktüren auf, holte Töpfe und Schüsseln hervor.

»Mach dir doch keine Mühe, Mama«, versuchte Sennar sie zu bremsen.

Dabei bereitete es ihm Vergnügen, sie am Herd herumhantieren zu sehen, und er ließ es zu, dass er wieder der kleine Junge war, so wie damals, als sein Vater noch lebte und die Familie beisammen war.

Während sie kochte, redete die Frau ohne Unterlass, erkundigte sich, wie es ihrem Sohn ergangen war, und erzählte von ihrem eigenen Leben. Aber sie plauderten auch über Belanglosigkeiten des Alltags in einer Vertrautheit, die Sennar lange vermisst hatte.

Als das Essen fertig war, setzten sie sich zu Tisch. Sennars Mutter war immer schon eine ausgezeichnete Köchin gewesen, die auch mit nur wenigen Zutaten die fürstlichsten Gerichte zu zaubern verstand. Heute hatte sie eine Fischsuppe mit Gemüse zubereitet, dazu Walnussbrot zum Tunken.

Nun, da sie in der friedlichen Stille des Hauses vor den dampfenden Tellern saßen, hatte Sennars Mutter endlich Gelegenheit, ihren Sohn mit Muße zu betrachten. »Du bist wirklich erwachsen geworden .«

Sennar errötete.

»Ein richtiger Mann ., ein Ratsmitglied .« Ihre Augen strahlten vor Stolz. »Weißt du, ich habe mich noch gar nicht richtig an den Gedanken gewöhnt. Erzähl mir noch mehr. Wie lebst du? Wie kommst du so zurecht?«

Sennar tat ihr den Gefallen, obwohl ihm seine Gewissensbisse fast die Kehle zuschnürten. Zwar waren mittlerweile viele Jahre vergangen, und seine Mutter hatte ihm seine Entscheidung niemals vorgehalten, aber dennoch war Sennar im tiefsten Innern überzeugt, sie und seine Schwester im Stich gelassen zu haben. War er nicht tatsächlich von zu Hause fortgegangen, um seinen Träumen nachzujagen, indem er sich von Soana leichten Herzens in ein Land hatte mitnehmen lassen, das vom Kriegsgeschehen noch gänzlich unberührt gewesen war? Dieser Entscheidung hatte für ihn schon immer etwas von einer Flucht angehaftet. Als er zu Ende erzählt hatte, drückte er ihre Hand: »Und du, Mama? Wie kommst du über die Runden?«

»Ach, eigentlich ganz gut. Meine Stickereien verkaufen sich immer noch, wenn auch nicht mehr so gut wie früher einmal. Den Krieg bekommen wir eben auch hier zu spüren. Aber ich will nicht klagen, von dem, was ich verdiene, kann ich leben, sogar besser als viele hier bei uns. Ja, ich führe ein erfülltes Leben. Das Haus ist immer voller Freundinnen, die vorbeischauen.«

Sennar schlug die Augen nieder. »Und Kala?«

»Kala geht's gut. Gewiss fehlt sie mir hier, aber ich sehe sie doch recht häufig.«

Die Frau nahm das Gesicht ihres Sohnes zwischen die Hände. »Sennar, sieh mich mal an. Egal, was deine Schwester denken mag, deine Entscheidung war richtig. Ich bin stolz auf den Mann, zu dem zu geworden bist.«

»Ich muss sie noch mal sehen«, sagte Sennar.

Der Blick seiner Mutter wurde ernst....

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen