Ratgeber Lebensende, Sterben und Tod

Informationen für Betroffene und Angehörige
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Januar 2017
  • |
  • 80 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-2784-3 (ISBN)
 
Jeder Mensch wird früher oder später im Leben unweigerlich mit dem eigenen Sterben oder mit dem Sterben und Tod von nahen Angehörigen konfrontiert. Der Umgang mit Sterben und Tod, die Begleitung von Angehörigen in ihrer letzten Lebensphase und das Abschiednehmen von Liebsten gehört zu den Grundaufgaben des Menschseins. Die Philosophie sowie die medizinische und psychologische Forschung haben im Laufe der Zeit immer mehr gesichertes Wissen zu den Themen Lebensende, Sterben und Tod generiert sowie hilfreiche und sinnvolle Strategien zum Umgang damit entwickelt. Die Vermittlung dieses Wissens und dieser Strategien ist Schwerpunkt dieses Ratgebers.
Trotz der enormen Fortschritte der Wissenschaften hinsichtlich Sterben und Tod bleibt vieles im Dunkeln und kann wissenschaftlich nur schwer oder gar nicht erforscht werden. Sich mit dem eigenen Tod oder mit dem Tod von Angehörigen zu befassen löst meist Befürchtungen oder diffuse Ängste aus. Dennoch: Hinsehen ist besser als Wegschauen, und die Auseinandersetzung mit den Themen Lebensende, Sterben und Tod - so belastend sie mitunter auch sein kann - kann das Leben sogar bereichern. Der Ratgeber bietet all jenen Menschen eine konkrete Hilfestellung, die sich aus beruflichen oder persönlichen Gründen mit der Sterblichkeit befassen.
1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Göttingen
  • |
  • Deutschland
  • Betroffene und Angehörige, Psychotherapeuten, Psychiater, Pflegepersonal, Palliative Care Fachpersonen, Seelsorger, Psychoonkologen, Geriater und Gerontologen.
  • 1,40 MB
978-3-8409-2784-3 (9783840927843)
10.1026/02784-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Ratgeber Lebensende, Sterben und Tod [Seite 1]
1.1 - Inhalt [Seite 7]
1.2 - Vorwort [Seite 9]
2 - 1Lebensende, Sterben und Tod - Was man sich darunter vorstellen kann [Seite 10]
2.1 - 1.1Was man sich unter dem Tod vorstellen kann [Seite 10]
2.2 - 1.2Was passiert kurz vor dem Tod? [Seite 11]
2.3 - 1.3Was sind die häufigsten Todesursachen? [Seite 12]
2.4 - 1.4Wo verbringen Menschen ihre letzten Stunden? [Seite 13]
2.5 - 1.5Lebenserwartung und demografischer Wandel [Seite 13]
2.6 - 1.6Was man sich unter dem Sterben vorstellen kann [Seite 13]
2.7 - 1.7Gibt es Nahtoderfahrungen? [Seite 14]
2.8 - 1.8Was ist Sterbehilfe? [Seite 15]
2.9 - 1.9Was ist assistierter Suizid? [Seite 16]
2.10 - 1.10Phasen des Sterbens [Seite 17]
3 - 2Was Personen am Lebensende und ihre Angehörigen belasten kann [Seite 18]
3.1 - 2.1Körperliche Belastungen am Lebensende [Seite 19]
3.2 - 2.2Psychische Belastungen am Lebensende [Seite 23]
4 - 3Existenzielle Themen am Lebensende [Seite 29]
4.1 - 3.1Beschäftigung mit dem Tod, der Endlichkeit und der verbleibenden Zeit [Seite 29]
4.2 - 3.2Isolation [Seite 31]
4.3 - 3.3Sinnlosigkeit [Seite 31]
4.4 - 3.4Freiheit und Autonomie [Seite 33]
5 - 4Was am Lebensende helfen kann [Seite 36]
5.1 - 4.1Das "gute" Sterben [Seite 36]
5.2 - 4.2Würde [Seite 37]
5.3 - 4.3Selbstbestimmung [Seite 38]
5.4 - 4.4Zwischenmenschliche Beziehungen und Selbsthilfegruppen [Seite 38]
5.5 - 4.5Religiosität, Spiritualität und Spiritual Care [Seite 40]
5.6 - 4.6Palliative Care [Seite 42]
6 - 5Die Macht philosophischer Gedanken [Seite 47]
7 - 6Was Angehörige tun können [Seite 55]
7.1 - 6.1Das Lebensende benennen [Seite 56]
7.2 - 6.2Keine Bagatellisierung und keine Übertreibung [Seite 56]
7.3 - 6.3Sich dem sterbenden Menschen widmen und für ihn da sein [Seite 58]
7.4 - 6.4Letzte Wünsche und unabgeschlossene Themen besprechen [Seite 60]
7.5 - 6.5Lebensrückblick [Seite 61]
7.6 - 6.6Die organisatorische Seite des Todes [Seite 63]
7.7 - 6.7Auf den Ausdruck von Hoffnung eingehen [Seite 64]
7.8 - 6.8Auf Sterbewünsche eingehen [Seite 65]
7.9 - 6.9Der Umgang mit Kindern von Sterbenden [Seite 66]
7.10 - 6.10Der schlimmstmögliche Fall:Wenn Kinder sterben [Seite 68]
8 - 7Patientenverfügung und Vorausplanung [Seite 72]
9 - 8Fazit [Seite 75]
10 - Anhang [Seite 76]
10.1 - Zitierte Literatur [Seite 76]
10.2 - Literatur für Angehörige [Seite 79]
10.3 - Literatur für Menschen am Lebensende [Seite 79]

|16|2 Was Personen am Lebensende und ihre Angehörigen belasten kann


Für die meisten von uns sind andere Menschen das Wichtigste im Leben. Wir definieren uns vielfach über unsere Beziehungen und verbringen den größten Teil unserer bewussten Zeit im Kontakt mit nahestehenden Personen. Der Partner, die Eltern, die Kinder, Freunde, Arbeitskollegen - praktisch jeder von uns befindet sich mitten in einem Netz von Personen, die unser Leben ausmachen. Das Sterben einer Person wird sich unweigerlich mehr oder weniger schwerwiegend auf alle anderen verbundenen Personen auswirken - in der Regel natürlich umso schwerer, je näher eine Person dem sterbenden Menschen steht.

Hinweis:

Die Sterbenden selbst leiden dabei häufig nicht nur unter dem bevorstehenden Ende ihres Lebens, sondern auch darunter, dass sie mit ihrem Tod ihren Angehörigen Schmerzen bereiten werden.

Stark zum Ausdruck gebracht hat dies die Dichterin Mascha Kaléko in ihrem Gedicht "Momento"2:

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,

Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang

Und laß mich willig in das Dunkel treiben.

Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;

- Und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,

Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

|17|In der weitaus größten Zahl der Todesfälle bleibt den Sterbenden und ihren Angehörigen zumindest eine gewisse Zeit, um sich auf den Tod vorzubereiten. Chronische und unheilbare Erkrankungen stellen mit Abstand die häufigsten Todesursachen dar. 65 Prozent der Personen zwischen 65 und 84 Jahren leiden an zwei oder mehr Erkrankungen; 82 Prozent der über 85-Jährigen leiden sogar an drei oder mehr Erkrankungen. Lediglich fünf Prozent der Todesfälle ereignen sich plötzlich und unerwartet aus voller Gesundheit heraus. Die Kombination verschiedener Erkrankungen kann am Lebensende sowohl aufgrund körperlicher als auch psychischer Faktoren für alle Beteiligten sehr belastend sein.

Zu den häufigsten körperlichen und psychischen Belastungsfaktoren am Lebensende gehören Schmerzen, Appetitlosigkeit, Erschöpfung/Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Atemnot, Verstopfung, Ängste und Depressivität.

2.1 Körperliche Belastungen am Lebensende


Schmerz

Hinweis:

Schmerz hat nicht nur eine körperliche, sondern auch eine psychische und soziale Komponente. Es besteht ein klar nachgewiesener Zusammenhang zwischen Angst, Unsicherheit und Schmerzstärke.

Schmerz ist eine private innere Erfahrung und kann nur von derjenigen Person beschrieben werden, die ihn auch tatsächlich erlebt. Chronische Schmerzen wirken sich besonders stark auf das psychische Wohlbefinden aus, da diese im Gehirn zu Veränderungen führen, die wie in einem Teufelskreis wiederum die Schmerzen beeinflussen.

Folgende Reaktionen sind bei anhaltenden Schmerzen typisch: Konzentrationsstörungen, Verstimmung, Anspannung, Antriebsminderung, Leistungsminderung, Reizbarkeit und Schlafprobleme.

|18|Hinweis: Chronische Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen kann es zu einer depressiven Entwicklung kommen. Die Menschen kommen auch hier in einen Teufelskreis, da chronische Schmerzen Depressivität fördern und Depressivität ihrerseits die Schmerzwahrnehmung verstärkt.

Kommen soziale Belastungen wie Arbeitslosigkeit oder Beziehungsprobleme hinzu, kann dies zu einer weiteren Schmerzzunahme führen. Generell sind chronische Schmerzen bei über 85-jährigen pflegebedürftigen Personen mit ungefähr 60 bis 80 Prozent die häufigsten gesundheitlichen Beschwerden.

Bei fortgeschrittenen Erkrankungen und bei Sterbenden ist Schmerz eines der häufigsten Symptome. Die meisten Krebspatienten haben unbefriedigend behandelte Schmerzen und die Häufigkeit der Schmerzen nimmt zu, je weiter eine Krebserkrankung fortschreitet. Bei der Aufnahme von Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen in palliativ-medizinische Einrichtungen sind Schmerzen bei über 70 Prozent der Personen ein Problem. Dieser hohe Prozentsatz müsste eigentlich nicht sein. Denn wenn Schmerzen immer konsequent nach den gut untersuchten Prinzipien der Weltgesundheitsorganisation behandelt würden, können diese bei 90 Prozent der Personen auf ein erträgliches Maß reduziert werden.

Erschöpfung und Müdigkeit

Die meisten denken, dass Schmerz von den Betroffenen am Lebensende als das schlimmste Problem für das tägliche Leben wahrgenommen wird. Dies trifft jedoch nicht zu.

Hinweis:

Bei vielen Menschen am Lebensende sind nicht Schmerzen das größte Problem, sondern Schwäche, Erschöpfung und Müdigkeit. Bei der Erschöpfung am Lebensende handelt es sich nicht um normale Müdigkeit, die wir alle gut kennen, sondern um einen Zustand, der eher als tiefgreifende und lähmende Kraftlosigkeit und Schwäche wahrgenommen wird.

|19|Es handelt sich dabei um eine auch "Fatigue" genannte ungewöhnliche, intensive und langdauernde, den ganzen Körper erfassende Müdigkeit, die nicht in einem direkten Verhältnis steht zu Aktivität und Anstrengung. Diese Form von Erschöpfung lässt sich durch genügend Ruhe und Schlaf nicht mehr beheben. Diese besondere Form der Erschöpfung ist verbunden mit Konzentrationsmangel sowie häufig mit Lustlosigkeit. Sie kommt besonders bei Krebspatienten, bei Personen mit Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Leber- und Nierenerkrankungen vor. Im Gegensatz zu anderen belastenden Symptomen, die oft medizinisch gelindert werden können, lässt sich diese Form der Erschöpfung häufig nicht genügend verbessern, was für viele Menschen nur schwer zu ertragen ist und die Lebensqualität stark einschränken kann.

Atemnot

Hinweis:

Atemnot ist der gefühlte Zustand, zu wenig Luft zu bekommen. Für die meisten Menschen ist Atemnot schwieriger zu ertragen als Schmerzen. Atemnot am Lebensende wird als bedrohlich empfunden und kann starke Ängste auslösen, nicht nur bei den betroffenen Personen selbst, sondern auch bei Angehörigen.

Borasio schreibt, dass das Atmen der einzige lebenswichtige Vorgang unseres Körpers ist, der sowohl mit dem Willen gesteuert als auch automatisch ablaufen kann (2011). Der Atem steht somit an der Schnittstelle zwischen unbewussten und bewusst wahrgenommenen Funktionen des Körpers. "Es ist vor diesem Hintergrund vielleicht nicht verwunderlich, dass die Atemnot das Symptom ist, das die schwersten existentiellen Ängste auslöst" (Borasio, 2011, S. 71). Bei manchen Menschen löst Atemnot auch Erinnerungen an frühere Erlebnisse wie das Sterben der eigenen Eltern aus, was die existenziellen Ängste zusätzlich verstärken kann. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Atemnot und Angst gegenseitig verstärken und in einen Teufelskreis münden können.

|20|Appetitlosigkeit und Durst

Bei Menschen am Lebensende, die stark an Gewicht verloren haben und immer schwächer werden, haben Angehörige oft den Drang, die Personen zur vermehrten Nahrungsaufnahme zu animieren. Oft ist es jedoch so, dass die Nahrungsaufnahme keinen positiven Effekt mehr hat und den Sterbeprozess lediglich in die Länge zieht. Im Alter ist es natürlich, dass die Verdauung sich verlangsamt und die Nährstoffaufnahme sich vermindert. Der Energiebedarf geht deutlich zurück. Die Nahrungsaufnahme im hohen Alter und am Lebensende sollte sich deshalb hauptsächlich am Genuss orientieren und weniger am Energiebedarf. Je näher der Tod kommt, desto unwichtiger wird die Ernährung.

Appetitlosigkeit bezeichnet das fehlende Bedürfnis der Nahrungsmittelaufnahme. Es kann auch dann zu Appetitlosigkeit kommen, wenn der körperliche Bedarf eigentlich gedeckt ist. Das Gefühl der Sättigung stellt sich am Lebensende rascher ein und der Gedanke an Essen kann bei einigen sogar Ekel auslösen.

Am Lebensende gehen unterschiedlichste Organfunktionen langsam zurück. Es kommt in ...

"Diese leicht zugängliche Lektüre hält, was sie verspricht: Sie nimmt dem Leser den Schrecken vor der Auseinandersetzung mit dem Tod und vermittelt einleuchtend, dass Hinsehen besser ist als Wegschauen."
D. Schultheis, Psychotherapie im Dialog, 1/19

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