Tango Veneziano

Wen die Geister rufen
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2020
  • |
  • 476 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-3907-2 (ISBN)
 
Victor freut sich darauf, mit seiner Magda ein paar romantische Tage in Venedig zu verbringen. Doch kaum angekommen, torpediert ein winziger Moment unbedachter Neugier alle Pläne, und er findet sich wieder in der Verantwortung für eine mysteriöse Fremde. Hat er gerade Bekanntschaft mit einer Mörderin gemacht? Noch dazu konfrontiert ihn das Schicksal mit unheimlichen Erscheinungen und mit Mächten, deren Existenz er als Rationalist grundsätzlich nicht wahrhaben will. Ganz anders als Magda und die Fremde, die an Magie und Wunder, an Anderswelten und Hexenkräfte glauben, wenn auch die eine als gläubige Katholikin, während sich die andere einer alten Göttin verbunden fühlt. Die beiden werden zu erbitterten Kontrahentinnen, bis Victor befürchten muss, sie wollten sich gegenseitig mit Hilfe magischer Kräfte ins Jenseits befördern. Die Situation entgleitet ihm zunehmend, und die beschauliche Umgebung verwandelt sich in die bedrohliche Kulisse für ein undurchschaubares Spiel unheimlicher Mächte, bei dem Tauben, Schwarze Madonnen und eine alte Göttin eine ganz besondere Rolle spielen.
Und über allem: Die Frage nach den Mächten des Schicksals und wie unsere ganz persönlichen Spekulationen darüber die Welt bewegen.
Ein Romantic Thriller, in dem Venedig mehr ist als bloße Kulisse. Historische Orte werden mit neuen Geheimnissen aufgeladen und eröffnen ungekannte Perspektiven auf diese faszinierende Stadt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,53 MB
978-3-7519-3907-2 (9783751939072)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Bettina Toepffer wurde in Hamburg geboren, lebt mit ihrer Familie in München und ist im Herzen in Venedig zuhause. Sie studierte Dramaturgie, Philosophie und Psychologie in München, arbeitete im Kultursponsoring, als Staatstheater-Dramaturgin, Fachjournalistin und Kreativitätstrainerin. Als Autorin von Jugendromanen wurde ihr "großes Einfühlungsvermögen, ein sehr guter Schreibstil, die Vermittlung von viel Wissenswertem und packendes Erzählen" zugeschrieben. Mit "TANGO VENEZIANO Wen die Geister rufen" legt sie nun ihren Debut-Roman für Erwachsene vor.

Ins Nest gelegt


Oval, dreidimensional, weiß, auf unregelmäßig grauer Struktur, meldete das Designerareal seines Gehirns beim Blick aus dem Küchenfenster. Vic rieb sich verschlafen die Augen und fragte sich, ob Alkohol nicht vielleicht doch irgendwann blind machte. Bisher hatten da immer bläuliche Eier gelegen, aus denen später nackte Amseln schlüpften, da unten, auf Höhe der ersten Etage, zwischen der Hauswand und den Fallrohren fürs Regenwasser. Nun gut, zwei Flaschen Vino Nobile di Montepulciano eines Spitzenjahrgangs waren es schon gewesen, die er gestern Abend zusammen mit Magda in ihrer Lieblingsweinbar geleert hatte. Und er musste sich eingestehen, dass sie diese Menge nicht so ganz zu gleichen Teilen getrunken hatten.

Doch so sehr er seine Augen auch rieb, das Ei da unten blieb weiß. Von was für einem Vogel es wohl stammte? Vielleicht ja auch von einem Spaßvogel, der sich einen Jux gemacht und ein Hühnerei in den Nistplatz gelegt hatte.

»Gibt es schon Kaffee?«

Magda war also auch schon wach.

»Kommt gleich.«

»Come va?«

»Danke der Nachfrage, ich fühle mich bestens. Du dich etwa nicht?«

»Ma no! Ich dachte nur, du hast vielleicht eine Kreis im Kopf?«, erwiderte sie neckisch.

»Nein, ich habe keinen Kater. Der Wein war wirklich erstklassig.«

»Naturalmente, era italiano«, bekräftigte Magda süffisant mit dem für Italiener typischen Bild ihres Landes, in dem einfach alles gut und sowieso besser war als irgendwo sonst auf der Welt.

Jetzt war auch Hugo wach geworden, gähnte lautstark und räkelte sich genüsslich auf seiner Hundedecke.

»Zum Frühstück un uovo bazotto für dich?«, fragte Vic in der üblichen Mischung ihrer verschiedenen Muttersprachen, wie es sich in ihren bald fünfundzwanzig gemeinsamen Jahren so eingebürgert hatte und fischte mit der Milchflasche auch gleich den Eierkarton aus dem Kühlschrank.

»Wie groß ist das Ei?«, wollte Magda wissen.

»Ungefähr so groß wie ein Hühnerei.«

»Eh?« Magda schien sich zu fragen, ob er sie verschaukeln wollte.

»Was hattest du gefragt?« Erst jetzt tauchte Vic aus seiner Gedankenverlorenheit wieder auf.

Magda war inzwischen aufgestanden und lehnte lässig und noch ein wenig verschlafen im Türrahmen zur Küche.

»Ich wollte wissen, wie groß sind die Eier, die wir haben. Allora, wenn sie sind groß, bitte lass meine Ei fünf Minuten in kochendes Wasser. Du weißt, ich mag nicht, wenn von Eiweiß noch ist etwas glibbelicke.«

Er drehte sich zu ihr um und spürte, wie sich ein zufriedenes Lächeln über seinem Gesicht ausbreitete, sein ganz persönlicher Sonnenaufgang. Wie sie da stand, seine Magda! Mit ihren lebendigen, dunklen Augen, umrahmt vom schulterlangen, leicht gewellten Haar im warmen Ton reifer Maronen, das genauso auch duftete, wenn er seine Nase darin vergrub. Und mit ihrem selbst im Winter sonnigen Teint, ihren sinnlich vollen Lippen und ihrem zierlichen Körperbau, der ihn noch immer magisch anzog. Vielleicht auch gerade, nachdem die Geburt ihrer beiden Kinder die weiblichen Formen ein wenig stärker ausgeprägt hatte. Er ging auf sie zu und hob sie so unvermittelt auf seine Arme, dass ihr ein kleiner Schrei entfuhr, und sie erschrocken die Arme um seinen Hals schlang.

Das hatte Hugo auf den Plan gerufen. Verwegen kläffte der strubbelige, weiß-braune Foxterrier sein Herrchen an.

»Tutto bene, Hugo, alles gut«, versuchte Magda das aufgeregte Tier zu beruhigen.

»Spiel dich nicht so auf, Hugo! Halt dein Testosteron im Zaum, verstanden!« Vic sah dem kleinen Hund mit übertrieben gekräuselter Zornesfalte eindringlich in die Augen. Und Hugo zog aber sofort den Schwanz ein und trottete beleidigt und frustriert wie ein unterlegener Duellant davon.

»Oh, der Arme!«, bedauerte Magda den niedergeschmetterten Hund.

»Nicht beleidigt sein, Hugo! Du bist eine tolle Beschützer! Eine ganz brave Hund!«

»Glibberig, heißt das übrigens, amore mio«, hauchte Vic ihr ins Ohr, um die Aufmerksamkeit zurück aufs Gleis zu bringen. Dann biss er ihr zärtlich knabbernd ins Ohrläppchen und trug sie auf Händen zum Küchenfenster.

»Unser Nachwuchs ist flügge. Aber schau, da unten geht es gerade mal wieder von vorne los.«

»Dann haben wir bald piccoli piccioni.«

»Du meinst, das ist ein Taubennest?«

»Si certo, hatten wir viele Male zuhause in Modena.«

»Hier aber noch nie. Seltsam. Amseleier sind mir ohnehin viel lieber in ihrem leuchtenden Blaugrün mit den braunen Sprenkeln.« Er ließ Magda sanft zurück auf die Beine gleiten, hielt sie aber weiter eng umschlungen und küsste sie zärtlich auf den Hals. »Die Schönheit ist nun mal der wirksamste Köder: Wer erst einmal in Leidenschaft entbrannt ist, lässt sich leichter um den Finger wickeln.«

»Possibile, ist vielleicht so. Aber Tauben brauchen das nicht. Ich habe gesehen, wie Mama und Papa schon bauen zusammen das Nest und wie beide sitzen auf ihre Eier und füttern dann die Kleinen zusammen. Ist doch auch für Männer gut so, oder?«, fragte Magda mit einem verschmitzt herausfordernden Augenaufschlag.

»Ja, ja, die Liebe ist die einzige Sklaverei, die als Vergnügen empfunden wird«, scherzte Vic seufzend.

Mit einem Schwung befreite sich Magda aus der Umklammerung, packte seine Handgelenke und kreuzte sie wie ein Polizist auf seinem Rücken.

»Halt, stopp! Das war doch nur ein Zitat! Das hat George Bernard Shaw einmal gesagt!«, versuchte Vic sich zu verteidigen.

Aber sie ließ nicht locker und schob ihn weiter in Richtung Espressomaschine. »Und jetzt eine Kaffee, Sklave, subito!«

»Ihr Wunsch ist mir Befehl, Herrin«, entgegnete er mit gespielter Unterwürfigkeit. »Nur bräuchte ich dazu vielleicht meine Hände?«

Während Vic sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte, spürte er, wie sie ihn zärtlich von hinten umschlang und sich an ihn presste.

»So wird das aber auch schwierig mit dem Kaffeemachen«, jammerte er.

»Das geht schon noch«, lachte Magda und bohrte noch dazu ihre Nase verführerisch in seinen Rücken.

Endlich war auch die Milch fertig aufgeschäumt. Vic ließ sie sachte auf den Espresso rinnen, gönnte sich einen ersten Schluck und reichte die Tasse an Magda weiter. Dann schleckte er sich lasziv den Rand des Milchschaums von den Lippen und zog Magda, samt schaukelnder Espressotasse in der Hand, zurück in Richtung Schlafzimmer.

Da hörten sie, wie sich ein Schlüssel in der Wohnungstür drehte. Sie erstarrten.

»Ciao, Mama, ciao, Papa!«, vernahmen sie ihren Sohn Leon vom Flur her rufen.

Magda fasste sich zuerst. Schicksalsergeben zuckte sie mit der Schulter, wobei sie die Tasse in ihrer Hand vergaß und nur mit Mühe verhindern konnte, dass sie von der Untertasse rutschte, während sie flötete: »Ciao, amore!«

Und beide fühlten sie in diesem Moment das Gleiche, das spürte Vic genau. Was für eine absurde Situation! Da standen sie als Eltern wie zwei Teenager, die sich beim Abseilen für den ersten Kuss ertappt fühlten. Und das sogar noch, wenn die Früchte der einst ungestörten Liebesnächte selbst längst unverhohlen deutliche Hinweise auf den Bedarf an sturmfreier Bude signalisierten oder am Morgen regelrecht triumphal mit frischen Knutschflecken zum Frühstück erschienen.

Aber auch Vic fing sich schneller, als er sich selbst zugetraut hätte.

»Du, lass mal gleich die Schuhe an! Hugo muss dringend raus«, rief er zurück. »Und Brötchen kannst du dann bitte auch gleich mitbringen!«

»Und wieso warst du noch nicht mit ihm draußen?«, fragte Leon zurück, und Vic war klar, dass sein Sohn die Ansage noch keineswegs akzeptiert hatte.

»Weil wir ausnahmsweise auch mal ein bisschen länger geschlafen haben.«

»Okay. Aber warum gehst du dann nicht jetzt mit ihm runter?«

»Weil ich sonst immer mit ihm gehe«, antwortete Vic und ahnte, dass auch diese Entgegnung die Diskussion nur noch weiter in die Länge ziehen würde.

»Eben, du gehst morgens immer mit ihm. Hast du vielleicht ein Problem damit, dass ich bei Kimberly übernachtet habe?«

»Ne, wieso? Machst du ja inzwischen dreimal die Woche.«

»Also habt ihr doch ein Problem damit«, schlussfolgerte Leon pikiert.

»Haben wir nicht«, versuchte nun Magda die Eskalation der sinnlos ausufernden Debatte zwischen ihren beiden aufgestachelten Männern zu stoppen. »Aber Hugo ist nicht nur unsere Hund. Da du kannst auch mal mit ihm Gassi gehen, wenn du bist da.«

»Aber warum denn gerade jetzt? Ich kann doch später mit ihm an den Main gehen. Wollte sowieso einen Spaziergang mit Kimberly...

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