Das Buch der Schatten - Verwandte Geister

Band 8
 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10727-7 (ISBN)
 
Dramatisch, packend und absolut magisch!

Morgan ist erschüttert: Ausgerechnet Ciaran, der Anführer des dunklen Hexenzirkels Amyranth und der Mörder ihrer Mutter, ist ihr leiblicher Vater. Ist sie damit zum Bösen verdammt? Aus Furcht vor ihrer dunklen Seite trennt sie sich von Hunter. Doch dann kommt die Nachricht von einer dunklen Welle, mit dessen Hilfe Amyranth den Hexenzirkel Starlocket zerstören will. Um diesen Angriff zu verhindert, wird Morgan gebeten, Ciarans Vertrauen zu gewinnen - und steht damit vor der Entscheidung ihres Leben .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,69 MB
978-3-641-10727-7 (9783641107277)
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1

Durchbruch

Zweifellos habe ich nicht gewusst, was das Wort »gottverlassen« wirklich bedeutet, bevor ich an diesen Ort kam. Barra Head liegt an der Westküste des schottischen Hochlands; eine wildere, ungezähmtere Landschaft lässt sich nur schwer vorstellen. Doch, Bruder Colin, ich freu mich überaus, hier zu sein, und bin begierig, den guten Menschen hier die Botschaft des Herrn zu bringen. Morgen werde ich mich mit den Leuten bekannt machen und ihnen die Freude von Gottes Wort bringen.

– Bruder Sinestus Tor, Zisterziensermönch, in einem Brief an seinen Bruder Colin, ebenfalls Mönch, September 1767

»Okay, ich bin weg«, sagte meine Schwester Mary K. und lief die Treppe hinunter. Draußen war gerade das charakteristische Hupen des Minivans der Mutter ihrer Freundin Jaycee erklungen.

»Bis dann«, rief ich ihr hinterher. Obwohl meine kleine Schwester Mary K. erst vierzehn war, wirkte sie in mancher Hinsicht eher wie Mitte zwanzig und war auch körperlich viel reifer als ich.

»Schatz?« Meine Mutter steckte den Kopf zu meiner Tür herein. »Komm doch mit uns zu Eileen und Paula.«

»Heute lieber nicht«, sagte ich und bemühte mich, nicht unfreundlich zu klingen. Ich hing sehr an meiner Tante Eileen und ihrer Freundin Paula, konnte mir aber nur schwer vorstellen, mit ihnen zu plaudern, zu lächeln, zu essen und so zu tun, als wäre alles ganz normal, wo doch vor ein paar Tagen mein ganzes Leben in Stücke gebrochen war.

»Sie hat Seegrassalat gemacht«, versuchte meine Mutter, mich zu locken.

»Iiiih!« Ich streckte ihr die gekreuzten Zeigefinger entgegen, um das gesunde Essen abzuwehren, und meine Mutter verzog das Gesicht.

»Okay. Ich dachte nur, du möchtest gern noch mal mit der Familie zusammen essen«, sagte sie in Schuldgefühle einflößendem Tonfall.

»Mom, ihr seid nur elf Tage weg. Wir sehen uns noch den Rest meines Lebens. Wir werden noch endlos oft mit der Familie zusammen essen«, sagte ich. Meine Eltern wollten am nächsten Tag zu einer Kreuzfahrt auf die Bahamas aufbrechen, um ihren Hochzeitstag zu feiern.

»Mary Grace?«, rief mein Vater, was übersetzt so viel hieß wie: Beeil dich!

»Okay.« Meine Mutter sah mich nachdenklich an und plötzlich war die ganze Leichtigkeit des Augenblicks verflogen. Meine Eltern und ich hatten in den letzten Monaten einiges durchgemacht, und ab und zu stiegen die Erinnerungen daran wieder auf und zwickten uns.

»Viel Spaß«, sagte ich und wandte mich ab. »Sag Eileen und Paula schöne Grüße von mir.«

»Mary Grace?«, sagte mein Vater noch einmal. »Tschüs, Morgan. Wir bleiben nicht zu lange.«

Kaum fiel die Haustür ins Schloss, entspannten sich meine Schultern vor Erleichterung. Endlich allein. Frei, ich selbst zu sein, wenigstens für ein Weilchen. Frei, mich elend zu fühlen, mich auf dem Bett zusammenzurollen, ziellos im Haus herumzuwandern, ohne mit jemandem reden oder einen einigermaßen normalen Eindruck machen zu müssen.

Wobei: Frei, ich selbst zu sein, war eher ein Witz. Ich war Wiccanerin. Und nicht nur Wiccanerin, sondern eine Bluthexe und eine Woodbane obendrein. Mein leiblicher Vater, Ciaran MacEwan, hatte meine leibliche Mutter, Maeve Riordan, umgebracht. Ciaran war eine der bösesten, gefährlichsten und unbarmherzigsten Hexen, die es gab, und ich stammte zur Hälfte von ihm ab. Was sagte das über mich?

Ich betrachtete mich im Schlafzimmerspiegel. Ich sah immer noch aus wie ich: glattes braunes Haar, haselnussbraune Augen, eine ganz leicht schräg stehende starke Nase. Ich war ein Meter achtundsechzig groß, siebzehn Jahre alt, und ich wartete noch darauf, dass mein Körper weibliche Kurven entwickelte.

Ich sah nicht aus wie eine Rowlands. Auch wenn ich ganz anders aussah als der Rest meiner Familie und Mary K. und ich so verschieden waren, war ich sechzehn Jahre lang gar nicht auf die Idee gekommen, ich könnte keine Rowlands sein. Jetzt wussten wir alle, warum ich so anders war: weil ich eine geborene Riordan war.

Mit schmerzender Brust ließ ich mich aufs Bett plumpsen. Erst vor ein paar Tagen war ich nur knapp dem Tod entkommen – Ciaran hatte in Manhattan versucht, mich umzubringen. Als er erkannt hatte, dass ich seine Tochter war, hatte er es sich anders überlegt und meinem Freund Hunter geholfen, mich zu retten. Mein Vater hatte schon meine Mutter umgebracht. Er hatte versucht, mich zu töten. Ciaran war unglaublich böse und dieses Böse war auch ein Teil von mir. Wie konnte Hunter nur so tun, als würde er nicht verstehen, warum ich mich von ihm getrennt hatte?

O Göttin, Hunter, dachte ich voller Sehnsucht. Ich liebte ihn, begehrte und bewunderte ihn, vertraute ihm und respektierte ihn. Er war groß und blond, sah gut aus und hatte einen tollen englischen Akzent. Er war eine machtvolle initiierte Bluthexe, halb Woodbane, und er war Sucher des Internationalen Rats der Hexen. Er war mein mùirn beatha dàn – mein Seelengefährte. Für die meisten Menschen hieß das, dass sie dazu bestimmt waren, für immer zusammen zu sein. Doch ich stammte von einer der bösesten Hexen in der Geschichte von Wicca ab. Durch dieses Erbe war ich für immer verdorben. Ich war vergiftet und würde alles zerstören, was ich anfasste. Ich ertrug den Gedanken nicht, Hunter wehzutun; dieses Risiko konnte ich einfach nicht eingehen. Also hatte ich ihm gesagt, ich würde ihn nicht mehr lieben und er solle mich in Ruhe lassen.

Deswegen war ich jetzt allein und hatte mich die letzten Tage an das Kopfkissen geklammert und mich vor Einsamkeit verzehrt, krank vor Elend.

»Was soll ich bloß machen?«, fragte ich laut. Es war Samstag und Kithic, mein Hexenzirkel, traf sich zum wöchentlichen Kreisritual. Imbolc stand kurz bevor – einer unserer acht jährlichen Hexensabbate –, und ich wusste, dass wir uns an diesem Abend über die Vorbereitungen für die Feier unterhalten wollten. Zum Kreisritual zu gehen, das Engagement aufzubringen, jede Woche dabei zu sein, gehörte zum Wicca-Leben dazu. Es war Teil des Jahresrads, Bestandteil des Lernens. Eigentlich hätte ich hingehen müssen.

Aber ich konnte einfach nicht. Der Gedanke, Hunter zu sehen und die anderen Mitglieder meines Hexenzirkels, die mich mitleidig, ängstlich oder misstrauisch beäugten, war mir unerträglich.

»Miau?«

Ich sah mein Katerchen an.

»Dagda«, sagte ich und hob ihn hoch. »So langsam wirst du ein großer Junge mit einem lauten Miau.« Ich streichelte ihn und spürte seinen Körper vom Schurren vibrieren.

Wenn ich heute Abend zum Kreisritual ging, würde ich Hunter sehen, seinen Blick spüren, seine Stimme hören. War ich stark genug, mich dem schon zu stellen? Ich glaubte es nicht.

»Ich kann da nicht hin«, erklärte ich Dagda. »Ich bleibe hier. Ich mache hier ein Kreisritual.« Mit dem Gefühl, auf diese Weise ebenfalls mein Engagement für Wicca zu zeigen, stand ich auf. Vielleicht konnte es meinen Schmerz lindern, wenn ich die magische Kraft herbeirief. Vielleicht konnte es mich – wenigstens für ein Weilchen – von Hunter ablenken und von dem Bösen, das ich geerbt hatte.

Ich ging in meinen begehbaren Kleiderschrank und zog unter dem Bademantel meinen Altar heraus. Soweit ich wusste, hatten meine Eltern ihn noch nicht entdeckt. Der Altar bestand aus einer kleinen Truhe, über die ich ein lilafarbenes Leinentuch gelegt hatte, und ich benutzte ihn, wenn ich zu Hause ein Ritual abhalten wollte. Er war hinten im Schrank versteckt, wo meine Eltern, die streng katholisch waren, nicht unbedingt darüberstolpern konnten. Es war schon schlimm genug für sie, dass ich überhaupt Wicca praktizierte, und sie wären sehr unglücklich, wenn sie wüssten, dass ich Wicca-Utensilien im Haus hatte.

Ich schob die Truhe mitten ins Zimmer und richtete sie so aus, dass die Ecken in die vier Himmelsrichtungen zeigten (das hatte ich vor Wochen herausgefunden und mir die entsprechende Position gemerkt). Auf die vier Ecken der Truhe stellte ich die zeremoniellen Silberschalen, die meiner leiblichen Mutter gehört hatten. Wie immer ruhte mein Blick voller Liebe und Dankbarkeit darauf. Ich hatte Maeve nicht gekannt, doch ich war im Besitz ihrer magischen Werkzeuge, und sie bedeuteten mir alles.

In eine Schale goss ich frisches Wasser. In die zweite Schale, die halb mit Sand gefüllt war, steckte ich ein Räucherstäbchen und zündete es an. Der dünne graue wohlduftende Rauchfaden symbolisierte das Element Luft. In der dritten Schale war eine Handvoll Steine und Kristalle als Symbol für das Element Erde. In der letzten Schale zündete ich eine dicke rote Kerze an, die für Feuer stand. Die Farbe der Kerze stand für Macht, für Leidenschaft, für Feuer, für mich. Feuer war mein Element, ich wahrsagte damit und konnte mit meiner Willenskraft Feuer entzünden.

Rasch legte ich meine Kleider ab und streifte mein grünes Gewand über. Die dünne Seide war mit keltischen Symbolen bestickt, Runen und Sigillen des Schutzes...

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