Das Buch der Schatten - Schwarze Seelen

Band 7
 
 
cbt (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Juni 2013
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09297-9 (ISBN)
 
Romantisch, magisch und absolut süchtig machend!

Als Morgan von einer prophetischen Vision heimgesucht wird, brechen sie und Hunter nach New York auf. Dort scheint ein dunkler Hexenclan Böses zu planen und der Anführer ist niemand Geringeren als Ciaran - der Seelenverwandte und Mörder von Morgans leiblicher Mutter. Auf wen hat er es diesmal abgesehen? Ein Wolfsjunges war in Morgans Vision das Opfer - ein Symbol für ein Kind? Morgan und Hunter setzen alles daran, dieses Kind zu beschützen .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,67 MB
978-3-641-09297-9 (9783641092979)
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1

Prophezeiungen

2. März 1977

Ich habe schon wieder von Irland geträumt. Und wie immer bin ich aus dem Traum aufgewacht mit einer Sehnsucht, die keinen Sinn ergibt. Es ist nur ein Bild, täuschend schlicht, ja geradezu unschuldig: ein Kinderkleid aus cremefarbenem Leinen, das vor einem offenen blauen Himmel auf der Wäscheleine flattert. Dahinter führt die Wiese in einer flachen Steigung zum Fuß des Slieve Corrofin mit der riesigen Felsformation in Gestalt eines Echsenkopfes oben drauf. Ich weiß noch, dass die Ortsansässigen ihn den Ballynigel-Drachen nennen, obwohl das vermutlich mehr für die Touristen ist als sonst was.

Also warum verfolgt mich Ballynigel immer noch in meinen Träumen? Und was soll ich davon halten, dass der Traum zurückkehrt, wenn ich achtzehn bin und mich nur noch zwei Nächte von meiner Hochzeit mit Grania trennen? Wenn es so ist, wie man uns lehrt, und alles eine Bedeutung hat, was bedeutet dann dieser Traum? Will er mich warnen, nicht zu heiraten? Nein, das scheint mir doch recht unwahrscheinlich, schließlich träume ich von diesem Kleid, seit ich acht bin.

Abgesehen davon ist Grania im dritten Monat schwanger. Und sie ist eine gute Partie. Ihre Familie ist eine der wohlhabendsten von Liathach, unserem Hexenzirkel. Aber vor allem ist ihre Mutter die Hohepriesterin von Liathach. Grania ist ihr einziges Kind, doch sie hat keinerlei Ehrgeiz, den Hexenzirkel zu leiten. Sie ist zufrieden damit, mir diese Rolle zu überlassen. Ich habe immer gewusst, dass ich Liathach eines Tages leiten würde. Greer MacMuredachs Schwiegersohn zu sein wird es mir um einiges leichter machen, die Macht zu übernehmen. Grania und ich werden zusammen eine ganze Dynastie von wahren Woodbane-Hexen großziehen.

- Neimhich

Es war halb neun, und ich fuhr auf dem New York State Thruway nach Süden, am Himmel noch die Blässe des frühen Morgens. Es waren kaum Autos auf der Straße und die Welt wirkte still und gedämpft in der kalten Januarluft. Auf der Rückbank von Das Boot, meinem riesigen Plymouth Valiant, Baujahr '71, saßen Bree, Robbie, Raven und Hunters Cousine Sky dicht gedrängt nebeneinander. Sie schliefen; Raven war halb gegen Sky gesunken, Bree schmiegte sich an Robbie. Außer mir war nur Hunter wach, der neben mir auf dem Beifahrersitz saß. Ich schaute kurz zu ihm rüber und betrachtete sein kantiges Profil, während er aufmerksam eine Straßenkarte studierte. Manchmal fragte ich mich, ob es je einen Augenblick gab, da Hunter nicht von dieser konzentrierten Intensität war. Schlief er auch intensiv?

Vielleicht würde ich es übers Wochenende herausfinden. Wir sechs wollten fünf Tage in New York City bleiben. Ich hatte noch nie so viel Zeit mit Hunter verbracht, und tief in mir drin klimperte etwas vor Freude darüber, ihm so nah zu sein. Wir waren noch nicht lange zusammen, doch ich wusste ohne jeden Zweifel, dass ich ihn liebte. Die meiste Zeit war ich mir ziemlich sicher, dass er mich auch liebte, auch wenn ich deswegen manchmal unsicher wurde. Vor ein paar Wochen hatte ich ihm gesagt, was ich für ihn empfand, doch er hatte es bisher nicht erwidert. Wer weiß - vielleicht hielt er es einfach nicht für notwendig. Ich hatte noch nicht den Mut gefunden, ihn zu fragen.

»Morgan, du musst den Palisades Parkway zur George Washington Bridge nehmen und dann den Harlem River Drive zum Franklin Delano Roosevelt Highway. Der bringt uns direkt in den Osten der Stadt«, sagte er.

»Ich weiß.« Ich war noch nie selbst nach New York City gefahren, aber ich war schon oft mit meiner Familie hier gewesen. Von Widow's Vale waren es ungefähr zwei Stunden nach Norden, eine ziemlich direkte Verbindung.

»Wie schnell fährst du?«

Ich schaute auf den Tacho. »Hundertzwanzig.«

Er runzelte die Stirn, ganz der verantwortungsvolle Hunter. Mit neunzehn war er das jüngste Mitglied des Internationalen Rats der Hexen, und als Sucher hatte er den Auftrag, Hexen aufzuspüren, die sich des unangemessenen Gebrauchs ihrer magischen Kräfte schuldig gemacht hatten, und sie zu bestrafen. Seit ich Hunter kannte, hatte ich mehr von der dunklen Seite von Wicca gesehen, als mir lieb war.

Vor ungefähr zwei Monaten war die Magie in mein Leben gekommen und sie hatte mir großen Kummer gebracht. Sie hatte mich alles hinterfragen lassen, was ich bis dahin für wahr und richtig gehalten hatte. Doch Magie war auch ein unglaubliches Geschenk: ein Öffnen der Sinne, ein Aufsteigen ererbter Erinnerungen, eine beglückende Verbindung zur Erde und eine Kraft, die ich niemals für möglich gehalten hatte. Und die Magie hatte Hunter in mein Leben gebracht. Hunter, den ich mehr liebte, als ich je für möglich gehalten hätte.

»Du fährst fast hundertdreißig«, sagte Hunter in missbilligendem Tonfall.

Ich verlangsamte auf 100. »Es ist doch sonst niemand auf der Straße.«

»Außer vielleicht ein Polizist«, warnte er mich. Ich spürte den Blick seiner grünen Augen, und als ich ihn ansah, lächelte er. »Schade, dass wir nicht mehr auf Besen reisen.«

»Haben wir das je getan?«, fragte ich ehrlich neugierig. »Klingt lustig.«

Hunter zuckte die Achseln. »Wirklich? Ich vermute, es wäre schrecklich unbequem - harter Sitz, keine Heizung und keine Klimaanlage, dauernd fliegen einem Insekten in den Mund .«

Ich schaute kurz zu ihm rüber und sah das amüsierte Glitzern in seinen Augen. Mich überkam eine Freude, die mir ein dämliches Grinsen ins Gesicht zauberte. »Dann bleibe ich wohl vorerst beim Autofahren.«

Eine Weile fuhren wir schweigend weiter. Der dünne Wolkenschleier am Himmel fing an zu lodern, und der Himmel überzog sich allmählich mit dem kristallinen Blau, das so typisch ist für einen Winterhimmel. Inzwischen waren auch schon mehr Autos auf der Straße.

Hunter war der Grund, warum wir alle nach New York fuhren. Hunter, mein Traum und der uralte Heizungskessel in der Widow's Vale High, der am Mittwoch vor dem Martin Luther King Day kaputtgegangen war, sodass aus einem verlängerten Wochenende auf wundersame Weise fünftägige Kurzferien geworden waren.

Wie es sich herausstellte, hatte der Rat meinen Traum sehr ernst genommen. Sie waren überzeugt, dass er eine prophetische Vision war, und hatten Hunter mit Nachforschungen beauftragt. »Sie glauben, die Tiere in deinem Traum waren in Wirklichkeit Mitglieder eines Woodbane-Hexenzirkels namens Amyranth«, hatte Hunter mir erklärt, als er die Anweisungen des Rates erhalten hatte.

»Amyranth?« Ich runzelte die Stirn. Wo hatte ich den Namen schon einmal gehört?

Von den sieben großen Clans waren die Woodbanes dafür bekannt, dass sie nach der Macht trachteten und sie missbrauchten. Doch es gab auch Woodbane-Hexenzirkel wie Belwicket, dem meine leiblichen Eltern angehört hatten, die dem Bösen abgeschworen hatten.

»Amyranth ist keiner von den Guten«, meinte Hunter. »Er ist einer der Schlimmsten. Es ist der einzige Hexenzirkel, von dem man annimmt, dass er verbotene Magie wirkt und Gestaltwandeln praktiziert. In einem anderen Hexenzirkel, Turneval, gab es früher auch Gestaltwandler. Doch Turneval wurde Anfang der Siebzigerjahre aufgelöst, nachdem der Rat die Mitglieder des innersten Kreises ihrer magischen Kräfte beraubt hatte. Amyranth ist diesem Schicksal bislang entgangen, weil sie unter strengster Geheimhaltung operieren. Die Mitglieder bleiben für gewöhnlich auch Mitglied in einem anderen Hexenzirkel; Amyranth ist sozusagen ihr geheimer Hexenzirkel.« Er sah mich von der Seite an. »Selene Belltower war Mitglied von Amyranth.«

»Oh.« Daher hatte ich den Namen also schon einmal gehört. Bei dem Gedanken an Selene schauderte es mich unwillkürlich. »Wir reden also von sehr gefährlich.«

Hunter war letzten Herbst nach Widow's Vale geschickt worden, um eine Gruppe von Woodbane-Hexen aufzuspüren, die sich schwarzer Magie bedient hatten, um ihre Widersacher zu vernichten und ihre eigene Macht zu vergrößern. Ihre Anführerin vor Ort war Selene gewesen, die Mutter von Cal, Hunters Halbbruder und mein erster Freund. Ich war zwar auch eine Woodbane, doch Selene hatte sich meiner magischen Kräfte bemächtigen wollen, und sie hatte Cal benutzt, um an mich ranzukommen. Als ihr das so nicht gelungen war, hatte sie meine jüngere Schwester Mary K. entführt und Hunter und mich damit kurz vor Weihnachten zu einem schrecklichen, entscheidenden Kampf gezwungen. Beinahe war es ihr gelungen, Hunter und mich umzubringen, und ich machte mir Sorgen, Mary K. könnte unterschwellig noch unter negativen Nachwirkungen leiden, weil sie Selenes Gefangene gewesen war.

Cal war vor mich getreten und hatte Selenes schäumende Wolke aus dunkler Energie abgefangen, die mir gegolten hatte. Jetzt war Cal tot, durch die Hand seiner eigenen Mutter. Obwohl er mich benutzt und verraten hatte, hatte er am Ende sein Leben für mich geopfert. Ich hatte das noch nicht ganz verkraftet, weder die Tatsache, dass der schöne Junge, den ich so sehr geliebt hatte, tot war, noch dass er es meinetwegen war.

Auch Selene war in jener Nacht gestorben - und obwohl ich keineswegs die Absicht gehabt hatte, sie umzubringen, quälte mich die Angst, mit meiner Magie irgendwie zu ihrem Tod beigetragen zu haben. Ich hatte noch nie miterlebt, wie jemand starb. Es war so endgültig und leer und schrecklich. Selene und Cal in dem einen...

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