Perry Rhodan 2987: Schlacht ums Gondunat

Perry Rhodan-Zyklus 'Genesis'
 
 
Perry Rhodan digital (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8453-5087-5 (ISBN)
 
Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Davon ist er in diesen Tagen des Jahres 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung allerdings weit entfernt: In der von der Superintelligenz ES verlassenen Milchstraße machen sich Boten anderer Superintelligenzen breit, ebenso alte Feinde von ES und neue Machtgruppen. Eine dieser Machtgruppen sind die Thoogondu, einst ein von ES unterstütztes Volk, das von der Superintelligenz allerdings verbannt wurde und seit Jahrtausenden in der fernen Galaxis Sevcooris darauf wartet, in die Milchstraße zurückzukehren. Der Gondu, so der Titel ihres amtierenden Herrschers, befand sich auf einem Kurs der Koexistenz, wurde allerdings von seinem Sohn Puoshoor ermordet, der unter Kontrolle einer Geheimorganisation steht, die eine Politik der brutalen Eroberung fördert. Puoshoor lässt sich zum neuen Gondu ausrufen, ungeachtet der Tatsache, dass sein Vater Puorengir, die Zwillingsschwester Puoshoors, zur neuen Gonda des Reiches erklärte. Verblendet versucht er, seine Schwester zu töten, die vor ihm in die Milchstraße flieht. Über der Hundertsonnenwelt treffen die Geschwister nun wieder aufeinander - und nur ein echter Dialog verhindert die SCHLACHT UMS GONDUNAT ...
  • Deutsch
  • 2,38 MB
978-3-8453-5087-5 (9783845350875)

2.

Verhandlungen

2. Juli 1552 NGZ

 

Ich liebe meine biologische Komponente. Ich bin dem Zentralplasma unendlich dankbar dafür, dass es mir einen Teil von sich selbst zur Verfügung gestellt und mich damit zu einem vollkommenen Geschöpf gemacht hat.

Das Wort vollkommen ist selbstverständlich ein Euphemismus, der dem Überschwang meiner Gefühlskomponenten zu verdanken ist. Denn es ist noch ein weiter Weg zur Selbstvervollkommnung. Mir werden nach wie vor einige Schwächen nachgesagt.

Viele von ihnen habe ich bereits überwunden. Vor allem die Frühzeit meiner Existenz ist ein dunkles Kapitel, über das ich nicht allzu viel nachdenken möchte.

Aber lassen wir das! Ich habe andere Schwächen, mit denen ich einfach nicht zurechtkomme. Eine davon prägt mich seit jeher - und hat mir einen ungewöhnlichen Namen eingebracht

Man nennt mich Samstag. Ich bin ein Posbi. Ein positronisch-biologischer Roboter von der Hundertsonnenwelt, dem eine prokrastinative Seelenstörung nachgesagt wird.

Mein erster Matten-Willy meinte, dass ich bereits zu meiner ... Geburt Anzeichen dieser Störung gezeigt hätte. Justinian, so war sein Name, behauptete, dass ich selbst in diesen ersten zehn Sekunden meiner Existenz viel zu langsam reagiert hätte und nicht erwachsen werden wollte.

Weil ich in den ersten Lebenstagen sehr roh und barbarisch reagiert hätte, wollte er mir den Namen Freitag geben und mich damit nach einer literarischen Figur aus dem altterranischen Sagenschatz benennen. Weil ich aber zu den Arbeitstreffen mit ihm mehrmals zu spät gekommen wäre, hätte er mich stattdessen Samstag genannt.

Mir gefällt dieser Name, muss ich zugeben. Er charakterisiert mich ein wenig und gibt mir das Gefühl, ein Individuum zu sein. Ein ... ein Selbst zu sein.

Neben dieser wundersamen Schwäche habe ich aber auch Begabungen. Ich ließ mir vor etwa zweitausendfünfhundert Jahren eine Prägung als Funker und Orter geben - und machte eine intensive Schulung als Interpreto durch. Mithilfe meiner positronischen Logikeinheit und eines besonderen Verständnisses für die Bedürfnisse rein organischer Lebewesen arbeite ich seitdem daran, Konflikte zwischen den Vertretern mehrerer Völker zu entschärfen.

Ich verstehe sie. Ich erstelle ihnen Zeit-Weg-Verständnis-Diagramme, die zu bestmöglichen Lösungen führen.

Der Pfad zu nachhaltig wirkenden Verhandlungsergebnissen ist steinig. Dies habe ich immer wieder feststellen müssen. Es trifft mich schwer, wenn all meine Bemühungen nicht zum Ziel führen. Doch ich habe mich längst damit abgefunden, dass Kompetenz allein nicht reicht. Es ist einzig der Wille, der zählt, wenn es um die friedliche Lösung eines Konflikts geht.

 

*

 

»Sieh mal einer an!«, sagt ein kleines und breit gewachsenes Geschöpf, sobald ich die Zentrale der GALBRAITH DEIGHTON VII betrete. »Was bist denn du für einer?«

»Ich bin Samstag«, antworte ich. »Der legitimierte Vertreter des Zentralplasmas bei den bevorstehenden Verhandlungen.«

»Du siehst wie ein wandelnder Schrotthaufen aus.«

»Du willst mich provozieren, nicht wahr? Das wird dir nicht gelingen. Ich habe seit 361 Jahren nicht mehr die Beherrschung verloren.«

»Und was geschah damals?«

»Darüber möchte ich nicht reden.« Meine Sensorien sagen mir, dass ich es mit Spartakus Galouye zu tun habe. Mit einem Epsaler, dem es wie so vielen seines Volkes an guten Manieren mangelt, der aber wegen seiner unverbrüchlichen Treue und seiner Kampfkraft geschätzt wird.

»Du kommst zu spät«, sagt ein anderer Mann, den ich als Monkey identifiziere. »Das Zentralplasma hatte dich bereits vor zwölf Minuten avisiert.«

»Verzeihung.« Ich verbeuge mich vor dem Oxtorner. Ich weiß, dass er auf Höflichkeit viel Wert legt.

»Ich danke dem Zentralplasma, dass es uns unterstützt«, meint ein Dritter. »Wir können Hilfe dringend gebrauchen.«

Perry Rhodan. Eine Legende biologischer Herkunft, die nur unbedeutend jünger ist als ich.

Ich verehre diesen Terraner und habe viele seiner diplomatischen Auftritte studiert. Er versteht es immer wieder, mithilfe seiner Intuition, Raffinesse und einer raschen Auffassungsgabe Konflikte zu entschärfen. Auf eine Art und Weise, die mir selbst nicht ganz klar ist. Trotz aller Analysen, die ich angestellt habe.

»Ich danke dir,« sage ich und verbeuge mich ein weiteres Mal. Mein Tonnenkörper knickt in der Mitte ab, ein leichtes Quietschen ist zu hören.

Wie peinlich! Ich habe die wöchentliche Ölung vergessen.

»Damit haben wir die Höflichkeiten hinter uns gebracht.« Monkey tritt beiseite und winkt mir, ihm und den anderen in einen kleinen Konferenzraum zu folgen.

Der unhöfliche Spartakus Galouye bleibt zu meiner Erleichterung zurück. Dafür wartet eine weitere Person auf uns: eine Frau, eine Thoogondu. Ich wünsche ihr einen Guten Morgen, sie erwidert meinen Gruß formvollendet. Ihr ist die gute Erziehung anzumerken.

Ich stehe Puorengir gegenüber, der legitimierten Gonda, der wir zu ihren Rechten verhelfen und die wir auf die Verhandlungen mit ihrem Bruder vorbereiten sollen.

Monkey lässt sich unmittelbar neben ihr auf einem Spezialstuhl nieder.

»Was immer wir beschließen, Puorengir: Ich bestehe darauf, dass du mich zu den Verhandlungen mitnimmst. Ich werde dich bei den Gesprächen mit deinem Bruder unterstützen.«

Die Thoogondu macht ihren Rücken rund, eine Eigenheit dieser Geschöpfe, wenn sie sich unwohl fühlen. Ich mache mir eine gedankliche Notiz. Ich werde sie später darauf hinweisen, dass sie ihre körperlichen Reaktionen längst nicht im Griff hat und damit leicht zu durchschauen ist.

»Ich danke dir für dein Angebot, Monkey«, sagt Puorengir mit leiser Stimme. »Aber mein Bruder würde dies als Beleidigung auffassen. Schließlich verhandeln wir über das Schicksal des Gondunats, über das Schicksal des Goldenen Reiches. Kein Oxtorner, kein Terraner und kein Posbi hätten bei diesem Gespräch etwas verloren.«

»Du hast recht, Gonda«, mische ich mich erstmals in die Unterhaltung ein. »Aber ich gebe zu bedenken: Bei diesen Verhandlungen geht es erstens um das Schicksal der Milchstraße sowie deren Völker. Zweitens ist es im Herrscherhaus der Thoogondu durchaus üblich, Gäonen als Leibwächter zu engagieren.«

»Das stimmt, Samstag. Aber ich kenne meinen Bruder. Er wird gegen Monkey protestieren und öffentlichkeitswirksam Stimmung machen. Er wird mich als - wie sagt ihr hier? - als Schoßhündchen der Terraner lächerlich machen.«

»Damit müssen wir rechnen, ja. Aber Monkey ist der bestmögliche Leibwächter, den wir uns vorstellen können. Er wird dich bis zum letzten Blutstropfen verteidigen - und dir die nötige Sicherheit bei den Verhandlungen geben. Außerdem ist er ein ausgezeichneter Ratgeber, der stets ruhig bleibt. Nicht wahr?«

Monkey starrt mich an. Ich messe eine höhere Atemfrequenz und eine Veränderung der sensorisch-muskulären Aktivitäten seiner künstlichen Augenlinsen an. Ich überrasche ihn mit meinen Worten.

»Richtig«, sagt der Oxtorner.

»Hör auf uns, Puorengir!«, bittet Rhodan. »Mag sein, dass du deinen Bruder gut kennst. Aber Monkey und ich haben unsere Erfahrungen mit Renegaten gemacht. Wir müssen damit rechnen, dass Puoshoor etwas Übles vorhat. Leider.«

Die Gonda blickt von einem zum anderen. Ihre vier Daumen bewegen sich hektisch, als würde sie an ihrer Annamthar sitzen. Auch über diese Geste muss ich mit ihr reden.

Zu guter Letzt nickt sie. »Also schön. Ich lasse mich überzeugen.«

Perry Rhodan blickt mich an und zwinkert. Seine Lippen formen dazu die Worte: »Gut gemacht!«

Meine Positronik nimmt das Lob stoisch zur Kenntnis. Das Bioplasma jedoch bebt vor Freude.

 

*

 

Ich habe den Zenit meiner Leistungsfähigkeit längst überschritten. Mein Körper ist wrack und abgenützt. Ich hätte bereits vor einigen Jahrhunderten ein Lifting vornehmen und den einen oder anderen Bestandteil ersetzen lassen sollen.

Aber ich mag nicht verleugnen, wer und was ich bin - und was ich einmal war. Also besitze ich immer noch dieselben Beine mit den doppelten Knickgelenken wie ehedem. Ausfahrbare Arme mit vielfältig ausfächerbaren Fingern. Meinen tonnenartigen Brustkorb, der mit Kunsthaut überzogen ist. Und natürlich die vielfältigen Legitimationsabzeichen, die ich an allen möglichen Stellen angeklebt habe.

Sie bekunden, dass ich in großen Teilen der Milchstraße als Friedens-Mediator anerkannt werde. Selbst die Tefroder und die Blues haben mich schon mal bei Grenzstreitigkeiten herangezogen.

Jene Thoogondu, die uns bei einer ersten Verhandlungsrunde gegenübersitzen, reihe ich in die Kategorie zensierter Kraftausdruck ein.

Ich habe mich vor langer Zeit in meinem Wortschatz eingeschränkt und dafür gesorgt, dass die unbestechliche Positronikeinheit jeden Versuch zu fluchen unterbindet. Will ich auch nur ein harmloses Schimpfwort wie ... wie ... na ja, wie ... andenken, hindert sie mich dran. Schließlich gehört sich das nicht bei meinem Beruf.

Aber es gibt sie, die Kategorie der unflätigen Wörter. Wenn ich eines davon aussprechen könnte, würde ich es an diese beiden Thoogondu richten.

Wir sitzen in einem vom Zentralplasma zur Verfügung gestellten Diplomatencontainer, etwa zwei Lichtjahre von der Hundertsonnenwelt entfernt. Wir treiben durch den Leerraum. Weit entfernt, auf neutralem Gebiet.

»Warum ist Puoshoor bei diesen Verhandlungen nicht persönlich anwesend?«,...

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