Bad Earth 23 - Science-Fiction-Serie

Skytown
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Januar 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-4856-9 (ISBN)
 
Tausende Meter unter dem Meer - im Exil der Stille

Die Identität der Master ist enthüllt - Fragen bleiben.
Doch wieder hat der Amorphe, jenes Geschöpf der "Hirten", die Initiative und Kontrolle an sich gerissen, und Darnok ist der Leidtragende. Gemeinsam auf der Flucht ist ihr Ziel eine unterseeische Station, von der aus sie sich eine Rückkehrmöglichkeit auf die RUBIKON II erhoffen.

Doch tief unter der Meeresoberfläche kommt es zu einer so nie erwarteten Begegnung!
Können die Flüchtigen von ihrer einstigen Heimat entkommen?

Bad Earth - das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

Die digitale Neuausgabe der Space Opera von Manfred Weinland jetzt endlich und nur als eBooks erhältlich.

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1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,46 MB
978-3-7325-4856-9 (9783732548569)
3732548562 (3732548562)

1.

Yu Peng: Skytown, 2041

Yu Peng blickte gedankenverloren durch eines der dicken, kreisrunden Fenster hinab auf die Erde.

Skytown, die Stadt im All, drehte sich gerade über die westliche Hemisphäre. Es war Nacht dort unten, und hunderte, ja, tausende kleine Lichtpunkte erhellten den nordamerikanischen Kontinent.

Nur wenige Sekunden blieben ihm zur Beobachtung, dann schwenkte der Heimatplanet aus seinem Gesichtsfeld und machte der sternengesprenkelten Schwärze des Weltalls Platz.

»Atemberaubend, nicht wahr?«, sagte der füllige Mann neben ihm.

Säuerlicher Mundgeruch schwappte dem Neochinesen entgegen. Steven McLair stank nach Zwiebeln, Milch und Minze.

Eine ungeheuerliche Beleidigung für Yu Pengs feine Nase, doch er blieb höflich.

»In der Tat«, entgegnete er. »Es ist immer wieder ein Erlebnis, an Bord der Raumstadt stehen zu dürfen.«

Steven McLair murmelte bestätigend und wandte sich rasch seiner Gesprächspartnerin auf der anderen Seite des Plasttisches zu: Svetlana Mastjarkova.

Ihr Gesicht war gerötet vom Wodka, dem sie bereits seit Beginn des zwanglosen Gespräches heftig zusprach. Die Mundfäulnis des dicken Amerikaners schien sie keineswegs zu irritieren.

Yu Peng hatte aufmerksam das Dossier über die Frau gelesen. Sie vertrat bei den Verhandlungen Tranzoil, den Verbund der oligarchisch herrschenden russischen Ölproduzenten.

43 Jahre alt, holte er sich die wichtigsten Stichpunkte in Erinnerung, intelligent, aber beeinflussbar. Zweimal geschieden, ehrgeizig. Schreckt nicht davor zurück, ihren Körper einzusetzen, um ein Ziel zu erreichen.

Wahrscheinlich hatte sie ihren ohnedies knapp bemessenen Rock bereits nach oben geschoben und rieb ihre Knie an denen des fetten Texaners, der in der selben Branche wie sie tätig war.

Yu Peng hatte Mühe, seine Verachtung zu verbergen, und wandte sich wieder dem Fenster zu.

Die Erde und das verdunkelte Nordamerika gerieten erneut ins Blickfeld.

Die Langnasen waren so simpel konstruiert und so leicht zu durchschauen . Die Werte, auf die sie so stolz waren - Demokratie, Freiheit der Meinungsäußerung, ausgewogen soziales Gebaren für die Schwachen, Chancengleichheit für alle -, sie verblassten doch gegen das, was das Neochinesische Reich zu bieten hatte: Menschen.

Zwei Milliarden Menschen.

Es war die Masse, die zählte. Wenn es um Produktion und Kostenfrage ging, war das neochinesische Leistungsvermögen konkurrenzlos.

Yu Peng, offiziell der Generalkonsul der Provinz Tokio von Gnaden Hu Sadakos, erneuerte sein nichts sagendes Lächeln. Er konnte es sich nicht leisten, die Konzentration zu verlieren. Hu Sadako würde es erfahren und als Schwäche interpretieren. Als einer der höchsten Offiziere des Geheimdienstes würde er für einen Schwächeanfall nicht nur Würde und Leben verlieren, sondern darüber hinaus auch noch seine Familie entehren.

Und Letzteres würde Yu Peng, der nur dem obersten Chef des Geheimdienstes gegenüber verantwortlich war - seinem Großvater -, härter treffen als alles andere.

Auf dem wortwörtlichen Gipfel der Macht, in der Bergfestung Qomolangma, auf siebentausend Metern Höhe über dem Meeresspiegel, war kein Platz für Schwächlinge, das wusste er nur zu gut.

Dies ist ein Fenster zur Welt, dachte er, und blickte hinab auf das Lichtermeer an der amerikanischen Ostküste. Vier Schichten stark, aus ultrahocherhitzten Silikaten. Die äußerste Schicht ist robust genug, um Mikrometeoriten Widerstand zu bieten, und sie reduziert schädliche Strahlung weitestgehend. Die beiden mittleren Glasschichten, die Druckscheiben, sind jeweils knapp vier Zentimeter stark. Die innerste Schicht ist dünner, aber speziell geschliffen, um eine exzellente Sicht zu erlauben. Bedampft mit einer Anti-Reflektions-Schicht, die vom UV- bis zum IR-Bereich jegliches Licht optimal bricht. Ein Fenster zur Welt - aus chinesischer Fertigung.

Yu Peng wandte sich McLair zu, dessen fleischige Hände unter dem Tisch auf Wanderschaft gegangen waren. Unter dem Tisch aus China, auf Stühlen aus China sitzend, auf einem schalldämpfenden Boden aus China ruhend, die Luft aus chinesischen Wiederaufbereitungsanlagen atmend.

Die überheblichen Langnasen waren umgeben von Erzeugnissen des Reichs der Mitte - und wussten es nicht einmal .

***

Die zweitägige internationale Zusammenkunft honoriger Wirtschaftsfachleute neigte sich ihrem Ende zu. Übereinkünfte waren erzielt worden, Drohungen waren ausgesprochen und gleich darauf wieder zurückgenommen worden. Das übliche Repertoire an Verbrüderungen, Schulterschlüssen, taktischen Rückziehern, aufgeblähter und sogleich wieder gebrochener Versprechungen war zur Anwendung gekommen.

Währenddessen hatten unter ihren Füßen hunderttausende weltfremde, meist bereits ergraute Globalisierungsgegner in den so genannten freien Ländern ihren Unmut geäußert, worüber besonders die amerikanische Delegation herzlich amüsiert gewirkt hatte.

Im Neochinesischen Reich waren Proteste unbedeutenden Ausmaßes vorgekommen. Einige gezielte Verhaftungen und Verurteilungen im verkürzten Schnellverfahren hatten noch vor Beginn der Tagung für Ruhe gesorgt.

Yu Peng war zufrieden. Er hatte zwei wichtige amerikanische Senatoren bestochen, einen deutschen Stahlindustriellen mit verfänglichen Bildern erpresst und war schließlich als Akt der Freundlichkeit mit einer der bestechend hübschen Mitarbeiterinnen des Verhandlungsteams aus Formosa ins Bett gestiegen. Sozusagen als Zeichen des guten Willens seiner Regierung.

Er nippte am Champagner, der hier, im für Touristen frei gegebenen Bereich Skytowns, unglaublich teuer war. Doch die Kosten, die die Ausrichtung der Tagung mit sich brachten, waren unerheblich im Vergleich zu den Summen, die als Verhandlungsergebnis fließen würden.

Und sie, die wichtigen Männer der Erde, hatten Ruhe vor dem Pöbel der Straße.

»Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?«, fragte Sean Patton.

Yu Peng zuckte zusammen.

Der Mann, der in den Unterlagen der neochinesischen Geheimdienstleitung als »Der Schatten Cronenbergs« bezeichnet wurde, war still und unbemerkt an ihn herangetreten. Offiziell fungierte er als oberstes Überwachungsorgan während der Sitzungen, doch er war mehr.

Viel mehr.

»Sehr freundlich, dass Sie mich fragen«, erwiderte Yu Peng höflich. »Die Peking-Ente war hervorragend. Knusprig und gut gewürzt, vielleicht mit einem kleinen Hauch zu viel Basilikum.«

»Ich meinte nicht das Essen .«, entgegnete der Schatten zweideutig.

»Ich weiß. Und Sie wissen auch, dass ich weiß, was Sie wissen.«

Patton lächelte, doch seine blauen Augen blieben davon unberührt.

»Dieser Spruch ist mir nicht geläufig«, sagte er mit rauer Stimme. »Verzeihen Sie meine Unkenntnis des chinesischen Sprachschatzes und Ihrer Kultur.«

Der Mann war gefährlich.

Er war der Einzige an Bord des Sternenrades, den Yu Peng tatsächlich aufgrund seiner Kompetenz achtete. Der Schatten war der Mann der Amerikaner, wenn es um die Beziehungen zwischen dem amerikanisch geführten Block und den Neochinesen ging.

»Ich hätte eine Frage von . Kollege zu Kollege«, sagte Yu Peng nachdenklich. Beide wussten sie, welch bedeutende Rolle der jeweils andere im Spiel der Mächtigen innehatte.

»Nur zu!«, sagte Patton und zog dabei misstrauisch eine tätowierte Augenbraue hoch.

Yu Peng nahm noch einen Schluck des faden, sprudelnden Gesöffs. »Läuft eigentlich auf der RUBIKON alles nach Plan?«

Täuschte er sich, oder zeigte Patton tatsächlich Nervosität? Ein leichtes Zucken um den Mundwinkel, eine Vergrößerung der Iris .

Doch der Amerikaner war geschickt, beherrscht und spielte die Geheimdienst-Spielchen bereits mindestens ebenso lange wie er. Es war durchaus möglich, dass selbst diese unbewusst scheinende Reaktion beabsichtigt war.

»Es gab kleine Probleme«, sagte Patton, und putzte sich ein imaginäres Staubkörnchen von der Schulter. »Vernachlässigbare Probleme.«

»Verluste?«

»Ein Mann hat durchgedreht.«

»War es . John Cloud?«

»Nein.«

»Hm . dann habe ich mich in ihm getäuscht. Ich hielt ihn anhand seines Dossiers für nicht geeignet, diese Expedition anzuführen. Ich vermutete, dass er als Erster die Nerven verlieren würde. Seine Getriebenheit und Besessenheit, sein Wunsch, die Leiche des Vaters auf dem Mars zu bergen - dies alles erschien mir als nicht vorteilhaft für die Mission. Im Neochinesischen Reich hätte er trotz seiner ausgezeichneten Leistungen während der Ausbildung keine Chance bekommen. Im Übrigen halte ich sehr wenig von den Wissensimplantaten, die Sie ihm und den anderen herkömmlichen Besatzungsmitgliedern aufgepfropft haben.«

»Sie sind verdammt gut über die Crew informiert, Yu! Wir haben die Besatzung in den letzten Monaten bestmöglich abgeschirmt. Wen haben Sie für dieses Wissen töten müssen?«

Die Frage mochte zynisch klingen, doch sie hatte durchaus Realitätsbezug. Was bedeutete schon ein unbedeutendes Menschenleben gegen das wichtigste Gut des 21. Jahrhunderts - gegen Informationen?

»Niemanden, das versichere ich Ihnen.« Yu Peng lächelte humorlos. »Manche Menschen, zum Beispiel unterbezahlte Wissenschaftler, sind gerne bereit, ihr Wissen für eine unbeträchtliche Geldsumme...

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