Schattenkriege

Jane
 
 
epubli (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Juli 2020
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7529-7183-5 (ISBN)
 
Die Fotografin und Reporterin Jane Mulwray hat immer wieder äußerst seltsame Erlebnisse, die sich nicht allein mit Schlafmangel oder zu viel Aufputsch- und Schlafmitteln erklären lassen. Sie weiß nicht, dass sie Teil einer Versuchsreihe der US-Regierung war, die Soldaten mit übermenschlichen Kräften erschaffen sollte (K-Programme). Neben den Menschen und der bekannten Fauna und Flora gibt es in dieser Welt nämlich noch weitere übersinnliche Wesen wie Geister, Feen, Dämonen, Werwesen, Vampire und Drachen. Sie leben unbemerkt unter uns und können nur von wenigen Menschen wahrgenommen werden, die damit meist nur schwer klarkommen. Es existiert ein Pakt als Zusatz zur amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, dass die "Übernatürlichen" sich im Hintergrund
halten, dafür leben sie von den Menschen unbehelligt. Es gibt jedoch gegenseitiges Misstrauen und nicht alle sind gewillt, sich an den Pakt zu halten. Die Menschen wären den Kräften dieser übersinnlichen Wesen hoffnungslos unterlegen. Aber was macht man mit einem widerspenstigen K-Programm, das sich nicht an die Regeln hält und irgendwie zwischen alle Fronten gerät?
2. Auflage
  • Deutsch
  • 2,60 MB
978-3-7529-7183-5 (9783752971835)
Ich lebe und arbeite im Süden des Ruhrgebiets. Als Ausgleich zu meinem ziemlich strukturierten und nüchternen Beruf tobe ich mich bei kreativen Hobbys aus. Ich bin seit vielen Jahren begeisterte Rollenspielerin, sowohl Pen and Paper als auch LARP (Live-Action-role-Play). So ist die Idee zu diesem Buch entstanden.

Intro


Geographic Magazine, 25.10.1966, Fotos u. Text: Jane Mulwray


Es ist uns beinahe zur Gewohnheit geworden, beim Abendessen Bilder eines Krieges aus einem weit entfernten Land anzuschauen. Wir sehen weitflächige Grasebenen, über die sich unsere Soldaten auf Patrouille bewegen. Dschungel, unbefestigte Straßen mit Flüchtlingen, die typischen Strohhüte auf dem Kopf. Die Bilder sind ein solch selbstverständlicher Teil unseres Lebens geworden, dass man sich kaum noch fragt, warum, wie lange, wofür.

Vietnam ist ein kleines Land am anderen Ende der Welt. Es war ein Teil von "Indochina", dem Kolonialterritorium Frankreichs in Südostasien. Wie in allen Kolonien wollten die Menschen eines Tages Freiheit und Eigenständigkeit. Sie hatte sich gegen die französischen Kolonialherren erhoben und sie vertrieben. Die größte siegreiche Partei in den langen und grausamen Kämpfen war die der Kommunisten, die seither den Norden des Landes bis zum 17. Breitengrad beherrschen. Im Süden des Landes wehren sich die Menschen. Sie wollen die neu gewonnene Freiheit nicht aufgeben. Wir leben in einer zweigeteilten Welt, getrennt durch den Eisernen Vorhang. Wir leben in Freiheit. Auf der anderen Seite herrschen die Kommunisten, die Sowjetunion, China. Sie setzen ihre Weltanschauung brutal durch. Es gibt keine freie Meinungsäußerung, Menschen denunzieren einander, Unterdrückung, Folter, Umerziehungslager und Tod. Es muss furchtbar sein, so zu leben. Vielleicht müssen wir wirklich die Freiheit der Welt in diesem abgelegenen Land der Erde verteidigen. Vielleicht ist es auch anders.

Ich möchte die Geschichte eines Jungen erzählen, den ich in einem Flugzeug zum ersten Mal in meinem Leben begegnete. Private Richard Lee Tibbs. Neunzehn Jahre, blond, ein hübscher Junge aus guter Familie. Sehr höflich und wohlerzogen. Er machte einen sehr guten Abschluss, könnte aufs College gehen, vielleicht Anwalt werden oder Lehrer. Sein Großvater hat gedient und im Ersten Weltkrieg gekämpft, sein Vater hat gedient und im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Es hätte für seine Familie bestimmt Möglichkeiten gegeben, ihn vom aktiven Dienst freizustellen, aber es war gar keine Frage, dass Richard Lee Tibbs ebenfalls seinem Land dient. Er hat sicher viele Geschichten über Kameradschaft, Tapferkeit und Heldenmut gehört. Er fiel zwischen diesen Jungs auf, weil er anders war als sie. Es war nicht nur die Kleidung, weit entfernt von dem, was zu Hause als Uniform durchgehen würde. Es war die Haltung, die Augen. Der Umgangston war rau, selbst nach militärischem Maßstab. Es waren Kämpfer, Leute mit dem unbedingten Willen, zu überleben. Niemand, den man daheim zum Tee einladen würde.

Mir fiel auf, dass keiner der Privates mit Namen angeredet wurde. Die gängigen Anreden waren "Frischfleisch" oder eher unfreundlich "Toter". Ich fand das befremdlich. Die Erklärung hierfür ist drastisch. Man bindet sich nicht an Männer, die den morgigen Tag nicht überleben. Namen gibt es nach den ersten lebend überstandenen Patrouillen. Ich schluckte. Immer wieder versuchte ich zu verdrängen, dass viele der Menschen, die mich umgaben, in wenigen Tagen nicht mehr leben würden. Unwillkürlich blickte ich wieder zu Tibbs hinüber. Er passte weniger denn je hierher.

Das Land, durch das wir fuhren, ist unsagbar schön. Die Reisfelder, die Häuser auf Stelzen über dem glitzernden Wasser. Frauen mit Strohhüten beugten sich in den Feldern. Wasserbüffel zogen primitive Pflüge oder grasten friedlich vor sich hin. Alles war unglaublich grün. Ich glaube, auf dem Lkw war ich die Einzige, die das so wahrnahm. Die Männer waren angespannt. Meine Augen suchten den Horizont ab, ich sah nichts, was ich als gefährlich wahrgenommen hätte. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall.

Tibbs hatte während der ganzen Zeit kein Wort gesagt. Es saß einfach dort, in Gedanken versunken. Sein Gewehr war ein Fremdkörper in seiner Hand. Ich hatte ihn beim Schießtraining beobachtet. Er hatte sich alle Mühe gegeben, aber er war weder schnell noch geschickt. Ich hätte ihn lieber in Zivil beim Baseballtraining gesehen. Da sei er gut, hat er mir erzählt. Er hatte mir auch ein Bild von seiner Freundin gezeigt. Ein nettes Mädchen, blonde, glatte Haare, weiße Bluse, hochgeschlossen. Ein dunkles Haarband. Sie lächelt. Ihr Name ist Arlene. Erst als wir abstiegen, nahm Tibbs den Blick wieder hoch.

"Ma'am, lassen Sie mich helfen."

Ich blickte über ihn hinweg, als er meine Tasche nahm, in das Gesicht seines Sergeanten. Unsere Augen trafen sich und ich glaube, wir dachten in diesem Moment dasselbe. Er wird es nicht schaffen!

Ich verbrachte den Abend bei der Mannschaft. Als ich das Zelt betrat, herrschte Totenstille. Blicke glitzerten lüstern durch dicke Schwaden von Marihuana. Bebende Nasenflügel sogen einen Geruch ein, den es an der Front sonst nicht gibt. Den Geruch einer Frau. Ich hatte Angst, aber ich hatte bereits gelernt, dass man die besser nicht zeigen sollte. Sergeant McCarthy machte schnell klar, dass ich nicht als Frau zu betrachten sei und stellte mir die Leute, meist mit ihrem Spitznamen, vor: Smitty, Mothergun, Cal, Terry, No-Balls. Die Rekruten saßen in einer Ecke, der wilde Haufen der kampferprobten Männer war ihnen genauso wenig geheuer wie mir. McCarthy deutete auf Tibbs und gab ihm den Befehl, auf mich achtzugeben. Ich war dankbar. So würde der Private nicht in der ersten Reihe stehen.

Am nächsten Morgen brachen wir in aller Frühe auf. Ich musste mich schwer zusammenreißen, denn munter war ich nach diesem Abend gewiss nicht. Die meisten der Jungs auch nicht, aber es war, als ob man einen Schalter umgelegt hätte. Der Job? Wie jeden Tag sollten sie zugeteilte Gebiete durchsuchen, aufgefundene Kampfeinheiten von Charlie vernichten, Grenzregionen kontrollieren und das Einsickern von feindlichen Truppen verhindern. Der Gegner sollte möglichst große Verluste erleiden. So wenige Männer wie möglich wurden abgesetzt, um Feindkontakt herzustellen, dann forderten sie Luftunterstützung an. Diese würde durch massives Feuer so viel Schaden wie möglich anrichten. Man nennt diese Strategie "search and destroy".

Mothergun, ein riesenhafter Hüne, hatte dort mit seiner Waffe, Kaliber 42, Position in der offenen Tür der Bell eingenommen. Wie er freuten sich etliche der Männer auf den Einsatz, um Charlie zu töten. Sie zeigten einander Bilder, die sie geschossen hatten, oder Trophäen wie zum Beispiel abgeschnittene Ohren. Ich kannte so etwas von Anglern oder Jägern. Nur, dass hier die erlegte Beute Menschen waren. Abscheu und Fassungslosigkeit stiegen in mir auf. Ich hatte Gerüchte über Kriegsgräuel gehört. Jetzt sah ich, dass sie von Männern begangen wurden, mit denen ich abends zuvor gefeiert hatte. Die selbst Frauen und Kinder hatten. Das passte nicht in mein Weltbild. Dass es notwendig sein würde, in einem Krieg Menschen zu töten, das war klar. Aber diese Begeisterung? Ich war angewidert. Sie hatten kein Problem damit, mit ihren Trophäen fotografiert zu werden. Der Krieg macht Bestien aus uns allen. Das Zitat stimmte. Niemand sagt so etwas zu Hause in den Nachrichten. Den Leuten könnte ja das Abendessen im Halse stecken bleiben.

Die Öffentlichkeit muss wissen, was der Krieg aus Menschen macht, die als Kfz-Mechaniker, Lagerarbeiter, Familienväter, Söhne, Brüder hierhergekommen waren! Ich werde damit nicht hinter dem Berg halten.

Ich hatte wenig Zeit, darüber nachzudenken, weil kurz darauf etwas in die Seitenwand einschlug. Ich realisierte verblüffend langsam, dass wir beschossen wurden. Der Hubschrauber drehte eine Kehre. Wir sahen fast senkrecht auf das satte Grün des Reisfeldes unter uns. Neben mir brüllten die 42er-Kalibergeschosse, die Mothergun auf alles feuerte, was sich dort unten bewegte. Die Männer setzten sich auf ihre Helme. Ich tat es ihnen gleich. Tibbs sah uns verwundert zu.

"Warum?", fragte er mich.

"Ich erkläre es dir später. Setz dich auf den verdammten Helm!"

Ich sah ihm zu. In diesem Augenblick wusste ich, was der Sergeant gemeint hatte. Private Tibbs würde nicht als strahlender Held nach Hause zurückkehren.

Der Sergeant brüllte, wir müssten abspringen, zwei Meter über dem Boden. Tibbs zögerte. Ich hielt ihm meine Hand hin.

"Helfen Sie mir, Private!"

Er überwand seine Angst. Er musste tapfer für eine Lady sein. Wir warfen uns auf den Boden. Außer Tibbs. Er blickte über das Grasland, als müsse er sich orientieren. Ich riss ihn runter. Das war sicher nicht mein Job, aber ich wollte ihn nicht sterben sehen. Das mannshohe Gras verdeckte Freund und Feind. Der Beschuss hatte aufgehört. Wir rückten vor, das Adrenalin hämmerte unter die Schädeldecke. Der Feind war unsichtbar.

Wir erreichten den Rand des Waldes. Dschungel. Dunkel, grün, nass, exotisch, unbekannt. Wir waren bis auf die Knochen nass, aber daran gewöhnt man sich. Entweder schwitzt man, es regnet oder die Blätter, die man streift, durchnässen einen. Es ist nicht kalt, deshalb ist es irgendwann egal.

Ein schmaler Pfad schlängelte sich durch das Dickicht, aber wir gingen daneben durch das Unterholz, im Gänsemarsch in die Fußspur des Vordermanns tretend.

Die Schritte werden mühsam, wenn man die Füße aus dem sumpfigen Unterboden hochziehen muss. Schlingpflanzen, in denen man hängen bleibt. Krabbeltiere in Mengen, Mücken. Du verlierst das Zeitgefühl. Du schleppst dich nur noch weiter, weil du musst. Du wirst unaufmerksam für deine Umgebung. Du wirst zur Beute. Der Dschungel ist auf der Seite des Feindes.

Mir wurde klar, warum wir nicht auf dem Weg gingen, als mir einer der Männer Fallen zeigte. Ich hätte sie nie bemerkt. Angespitzte...

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