Das Mädchen aus Mantua

Historischer Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 17. März 2011 | 700 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0422-7 (ISBN)
 
Padua, 1601. Celestina wird der Schicklichkeit halber von ihrer Mutter zu Verwandten nach Padua gesandt. Die eigensinnige junge Witwe, die ihr selbstständiges Leben in Mantua nur ungern aufgibt, macht aus der Not eine Tugend, denn sie hat sich Unmögliches in den Kopf gesetzt: Celestina will an der berühmten Universität von Padua Medizin studieren! Ein ebenso waghalsiges wie aussichtsloses Unterfangen, denn Frauen haben in den Hörsälen nichts verloren. Das Streben nach akademischen Würden ist allein den Herren der Schöpfung vorbehalten. Doch Celestina hat nicht nur stapelweise Anatomiebücher ihres verstorbenen Gatten im Gepäck, sondern auch eine Auswahl an passender Männerkleidung ¿
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Deutsch
1,76 MB
978-3-8387-0422-7 (9783838704227)
3838704223 (3838704223)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Teil IV (S. 374-375)

Padua, Mitte Oktober 1601

Der Wanderarzt Filiberto richtete sich lauschend auf. Die Geräusche des Krankensaals verstummten nie, auch nicht bei Nacht. Erst vor etwa einer Stunde, kurz vor Mitternacht, hatte einer der Kranken das Zeitliche gesegnet, und anders als die meisten, die Filiberto während seines Aufenthalts im Spital bisher hatte sterben sehen, hatte er sich nicht still und leise vom Leben verabschiedet, sondern mit einem durchdringenden Schrei, der alle Kranken aus ihren Betten hatte hochfahren lassen – so sie denn dazu imstande waren und nicht schon selbst dem Tode näher als dem Leben.

Die Schwestern waren wie stumme schwarze Vögel von allen Seiten herbeigeflattert, doch sie hatten nicht mehr tun können, als den Tod des bedauernswerten Patienten festzustellen. Nach ihnen kamen zwei kräftige Mönche, um ihres Amtes zu walten. Sie hoben den schlaffen Körper von seinem Lager und betteten ihn auf ein ausgerolltes Tuch, sodann knoteten sie es am Kopf- und Fußende zusammen und schleppten das leblose Bündel davon.

Die Nonnen zogen die beschmutzten Laken vom Bett, schüttelten die Matratze aus, wendeten sie und zogen frisches Leinen darüber, in der zweifellos zutreffenden Annahme, dass bald ein neuer Kranker käme, der diesen Platz brauchen würde. Das alles geschah im Lichte unruhig flackernder Laternen, die schaurige Schatten an die Wände warfen und die Gestalten der still arbeitenden Nonnen und Mönche ins Riesenhafte vergrößerten.

Die Kranken in den umliegenden Betten schauten eine Weile zu, doch die meisten legten sich rasch wieder hin, der Tod war zu alltäglich, um ihm noch besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Von denen, die herkamen, starben ohnehin zu viele, oft mehrere an einem Tag. Der arme Teufel, den es in dieser Nacht erwischt hatte, durfte sich glücklich schätzen, dass er es endlich überstanden hatte. Filiberto hatte viel früher mit seinem Tod gerechnet. Menschen, die am Ignis sacer litten, hielten für gewöhnlich nicht so lange durch, vor allem dann nicht, wenn bereits Hände und Füße zu faulen begonnen hatten.

Doch das Herz des Mannes war kräftig gewesen, es hatte wochenlang weitergeschlagen, bis es diese Nacht endlich seinen Dienst versagt hatte. Er hatte lange gelitten, und dieses Leid war umso unwürdiger, als niemand je kam, um ihm Trost zu spenden. Falls er noch Familie hatte, war er dieser offenbar herzlich gleichgültig. Sein Tod würde wohl keinen Menschen bekümmern. Filiberto hatte beobachtet, wie der Leichnam auf das Tuch gelegt wurde, und bevor die Mönche die Gestalt darin einrollten, erhaschte er noch einen Blick auf das entstellte Gesicht. Es war schwarz verfärbt und auf so groteske Weise angeschwollen, dass es eher an eine Teufelsmaske gemahnte als ein menschliches Antlitz.

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