Der gespaltene Emittent

Ad-hoc-Publizitat, Schadenersatz und Wissenszurechnung
 
 
JCB Mohr (Paul Siebeck) (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. August 2018
  • |
  • 216 Seiten
 
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978-3-16-156348-5 (ISBN)
 
Die Haftung von Wertpapieremittenten fur fehlerhafte Kapitalmarktinformation beherrscht seit Jahren die Theorie und Praxis des europaischen Kapitalmarktrechts. Zuletzt ist unter anderem durch den VW-Dieselskandal die Schadenersatzhaftung fur unterlassene Ad-hoc-Publizitat in das Zentrum des Interesses geruckt. Chris Thomale nahert sich dem Thema mit einer neuen Methode oekonomisch-analytischer Rechtsvergleichung. Er tritt de lege lata fur eine enge Bestimmung des publikationspflichtigen Emittentenwissens und de lege ferenda fur eine Abschaffung der Schadenersatzpflicht gemass 97, 98 WpHG ein.
  • Deutsch
  • Tübingen
  • |
  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • 1,73 MB
978-3-16-156348-5 (9783161563485)

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Geboren 1982; Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg, Cambridge (Clare College) und Genf; 2011 Promotion (FU Berlin); 2014 LL.M. (Yale Law School); 2017 Habilitation (Heidelberg); seit 2014 Akademischer Rat an der Universitat Heidelberg.
  • Cover
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • I. Einleitung
  • II. Allgemeine Grundsätze der Wissenszurechnung
  • 1. Rechtliches Wissen als normativ konstruiertes Wissen
  • 2. Relativität der Wissenszurechnung
  • a) Intradisziplinäre Differenzierung
  • b) Ordnungssystematische Differenzierung
  • c) Normspezifische Differenzierung
  • III. Wissenszurechnung gegenüber juristischen Personen
  • 1. Keine Übertragbarkeit des psychologischen Begriffskerns von "Wissen"
  • 2. Rechtspraktischer Bedarf nach konstruktivem Wissen der juristischen Person
  • 3. Das Fehlen gesetzlicher Wissenszurechnungsregeln
  • 4. Richterliche Rechtsfortbildung: Vom Gleichstellungsprinzip über knowledge governance zur normspezifischen Wissenssorgfalt
  • a) Gleichstellungsprinzip als commutative Gerechtigkeit
  • b) Knowledge governance (Wissensorganisationspflichten)
  • c) Kontextabhängigkeit der erforderlichen Wissenssorgfalt: Differenzierung zwischen Rechtsgeschäften und Delikten
  • aa) Keine Wissenszusammenrechnung in § 826 BGB
  • bb) Keine Wissenssorgfalt beim Verjährungsbeginn deliktsrechtlicher Ansprüche
  • (1) Rechtsprechung: Beschränkung der Wissenssorgfalt auf Rechtsgeschäfte
  • (2) Bewertung
  • cc) Bilanz: Wissenssorgfalt nur im rechtsgeschäftlichen Verkehr
  • 5. Aktuelle Entwicklungen im Schrifttum
  • a) Verschuldensaversivität der Wissensnorm (Grigoleit)
  • aa) Position
  • bb) Kritik
  • b) Strikte Wissenszurechnung (Wagner)
  • aa) Position
  • bb) Kritik
  • c) Gesamtbewertung
  • IV. Das publikationspflichtige Wissen bei Schadenersatz wegen pflichtwidrig unterlassener Ad-hoc-Publizität
  • 1. Ausgangspunkte: Art. 17 MarktmissbrauchsVO und §§ 26, 97, 98 WpHG
  • 2. Der "Emittent" als Adressat der Veröffentlichungspflicht aus § 15 WpHG a. F
  • 3. Minimalzurechnung: Kenntnis des Gesamtvorstands von der Insidertatsache
  • 4. Zurechnung von Mitarbeiterwissen nur im Falle eines "faktischen Wissensorgans"
  • 5. Wissenszurechnung gemäß dem Gleichstellungsprinzip
  • a) Regelungszweck der §§ 15, 37b WpHG a. F
  • aa) Verhinderung von Insiderhandel als primärer Regelungszweck
  • bb) Informationspflicht als deliktsrechtliche Sonderpflicht
  • cc) Abbau von Wissensvorsprüngen des Emittenten
  • (1) § 15 Abs. 1 WpHG a. F.: "Unmittelbares Betreffen" als Filter
  • (2) Keine Rechtfertigung durch ein fehlendes Informationsinteresse des Marktes oder Geheimhaltungsinteressen des Emittenten
  • (3) Verantwortungssphären nach dem Prinzip des cheapest information provider
  • (4) Markteigenverantwortung als Grenze der Wissenszurechnung zu Lasten des Emittenten
  • dd) Ergebnis
  • b) Trennung von § 15 WpHG a. F. und § 37b WpHG a. F
  • aa) Objektive Publizitätspflicht nach § 15 Abs. 1 WpHG a. F
  • (1) Objektivierte Wortwahl des WpHG
  • (2) "Unverzüglich" im Sinne des § 15 Abs. 1 WpHG a. F. ist unionskonform als "sofort" auszulegen
  • (3) Das Selbstbefreiungsprivileg nach § 15 Abs. 3 WpHG a. F. muss verdient werden
  • (4) Bedeutung der objektiven Publizitätspflicht für die Ermächtigung der BaFin
  • (5) Bedeutung der objektiven Publizitätspflicht für die Verfolgung akzessorischer Ordnungswidrigkeiten
  • (6) Ergebnis
  • bb) Kenntnis als implizites Tatbestandsmerkmal des § 37b WpHG a. F
  • (1) Keine Überforderung des ahnungslosen Emittenten ultra posse
  • (2) Kein Einfluss des unionsrechtlichen effet utile
  • (3) Schadenersatzpflicht wegen Publizitätsverstoßes setzt Kenntnis des Emittenten voraus
  • c) Kenntnis als anspruchsbegründendes Merkmal gemäß § 37b Abs. 1 WpHG a. F
  • aa) Umsetzungsvarianten: Tatbestandsbegründung vs.Einwendung fehlenden Verschuldens
  • bb) Rechtspraktische Konsequenzen
  • (1) Maßstab der Wissenszurechnung
  • (2) Darlegungs- und Beweislast
  • (3) Ergebnis
  • cc) Kenntnis als Vorbedingung des präsumptiven Handlungsunrechts der Mitteilungsunterlassung gemäß § 37b Abs. 1 WpHG a. F
  • (1) Subjektiv-objektive Sinneinheit der Nichtveröffentlichung trotz Kenntnis
  • (2) Spaltung von Ad-hoc-Publizitätspflicht und Kapitalmarktfehlinformationshaftung
  • (3) Innere Konkordanz des § 37b WpHG a. F
  • d) § 37b Abs. 1 WpHG a. F. erlaubt kein konstruktives Wissen wegen Missachtung der erforderlichen Wissenssorgfalt
  • aa) Fortgeltung, aber Unschlüssigkeit des Gleichstellungsprinzips
  • bb) Ordnungssystematische Differenzierung: Deliktscharakter verbietet Wissenssorgfalt
  • cc) Normspezifische Differenzierung: Subjektiv-objektive Sinneinheit verbietet transpersonale Wissenszusammenrechnung
  • (1) Grundsatz: Handlungsunrechtsbildendes Wissen nicht zusammenrechenbar
  • (2) Mosaikverbot in § 826 BGB
  • (3) Zurechnungsgrenzen bei §§ 830, 831 BGB
  • (4) Ergebnis
  • 6. Zusammenfassung
  • V. Nichtwissen als Einwendung gegen eine Haftung für unwahre Ad-hoc-Mitteilungen
  • 1. Unkenntnis als Entschuldigungsgrund
  • a) Präsumptiver Handlungsunwert der unwahren Ad-hoc-Mitteilung nach § 37c Abs. 1 WpHG a. F
  • aa) Tun und Unterlassen
  • bb) Unwahre Ad-hoc-Mitteilung spricht für sich
  • cc) Unwahre Mitteilung nach § 37c Abs. 1 WpHG a. F. bildet ein vollständiges, objektiv rechtswidriges Delikt
  • b) Nicht grob fahrlässige Unkenntnis der Unrichtigkeit liefert einen Entschuldigungsgrund nach § 37c Abs. 2 WpHG a. F
  • 2. Verschulden nach § 37c Abs. 2 WpHG a. F. durch wissenssorgfaltsbasierte Zurechnung von Mitarbeiterwissen
  • a) § 37c Abs. 2 WpHG a. F. impliziert Wissensorganisationspflichten
  • b) Besondere Schwere des Falschmitteilungsdelikts gebietet Wissensorganisationspflicht
  • 3. Art und Umfang der Wissenssorgfaltspflichten gemäß § 37c Abs. 2 WpHG a. F
  • a) Weiter persönlicher Anwendungsbereich
  • b) Knowledge-governance-Pflichten und die haftungsbefreiende Wirkung ihrer Erfüllung durch ein Compliance-System
  • aa) Wissensorganisationspflichten
  • (1) DCGK: Compliance Management System
  • (2) BaFin Emittentenleitfaden: Informationsweiterleitung und -bündelung
  • bb) Grobe Verletzung von Wissensorganisationspflichten
  • (1) Grobe Fahrlässigkeit im Allgemeinen
  • (2) Grob fahrlässige Unkenntnis im Besonderen
  • (3) Anwendung auf unternehmensinterne Wissensorganisation: Offensichtlich mangelhafte knowledge governance und Evidenzerlebnis
  • cc) Exkulpationswirkung nach § 37c Abs. 2 WpHG a. F
  • 4. Zusammenfassung
  • VI. Rechtslage seit Geltung der MarktmissbrauchsVO
  • 1. Ad-hoc-Publizität als Insiderhandelsprävention
  • 2. Objektive Publizitätspflicht
  • a) Unverzüglichkeit im unionsrechtlichen Sinne
  • b) Regelungsumgebung der Ad-hoc-Publizitätspflicht
  • c) Ergebnis
  • 3. Keine zwingenden Aussagen zu zivilrechtlichem Schadenersatz und Wissenszurechnung
  • VII. Die Ad-hoc-Publizitätshaftung des gespaltenen Emittenten im Privatrechtsvergleich
  • 1. Grundlagenungewissheit hinsichtlich der ökonomischen Rechtfertigung und rechtsdogmatischen Einpassung einer Schadenersatzpflicht de lege ferenda
  • a) Ökonomische Vorbehalte
  • aa) Bedenken des deutschen historischen Gesetzgebers: Sanierbarkeit und Kapitalschutz
  • bb) Einseitiges Haftungssystem mit distributiven Verzerrungen
  • (1) Haftung verfehlt schuldnerseitig die Profiteure der Fehlinformation
  • (2) Quersubventionierung zu Gunsten kurzfristiger, unterdiversifizierter Anleger
  • cc) Ultima (ir-)ratio: Abschreckung um jeden Preis
  • (1) Kostenersparnis der Anleger von zweifelhafter Quantität
  • (2) Kostenvorteile der öffentlich-rechtlichen Durchsetzung
  • (3) Unklare Wohlfahrtskonsequenzen des Insiderhandels
  • (4) Transaktionskosten von Schadenersatzprozessen
  • (5) Summe: Breiter Beurteilungsspielraum wegen ökonomischer und ökonometrischer Forschungslücken
  • b) Rechtsdogmatische Einpassungshürden
  • aa) Kein Ersatz reiner Vermögensschäden
  • bb) Fehlende spezifische Dritt- oder Privatnützigkeit der Ad-hoc-Publizitätspflicht
  • cc) Subsidiarität des Deliktsschadenersatzes
  • dd) Der Sonderdeliktstatbestand als Lösung
  • 2. Internationaler Lösungsvergleich
  • a) USA: Private Durchsetzung der Ad-hoc-Publizität zur Verhinderung von Marktmanipulation
  • aa) Position
  • bb) Evaluation
  • b) UK: Haftung für unlautere Fehlinformation
  • c) Singapur: Emittentenhaftung setzt Emittentenprofit voraus
  • d) Hong Kong: Haftung nach Billigkeit im Einzelfall
  • e) Schweiz: Ad-hoc-Publizitätspflicht ohne effektive Zivilrechtssanktion
  • 3. EU Lösungsvergleich
  • a) Unionsrechtlicher Ordnungsrahmen
  • b) Mitgliedstaatliche Lösungen
  • aa) Österreich und Niederlande: Ad-hoc-Publizitätspflicht als Schutzgesetz
  • bb) Romanischer Rechtskreis: Keine effektive Zivilrechtssanktion via Generalklausel
  • cc) Portugal: Keine effektive Zivilrechtssanktion trotz Sonderdeliktstatbestandes
  • dd) Irland und Schweden: Keine Zivilrechtssanktion
  • 4. Rechtsvergleichende Gesamtbetrachtung
  • a) Globale Zurückhaltung gegenüber effektivem Anlegerschadenersatz wegen fehlerhafter Ad-hoc-Publizität
  • b) Wissenszurechnung als rechtsordnungsübergreifendes Fundamentalproblem
  • 5. Ökonomisch-analytische und rechtsvergleichende Schlussfolgerungen
  • a) §§ 97, 98 WpHG de lege lata: Gebot restriktiver Interpretation
  • b) Deutsche Ad-hoc-Publizitätshaftung de lege ferenda
  • aa) Keine allgemeine Kapitalmarktinformationshaftung
  • bb) Stärkung der Marktaufsicht und Abschaffung der §§ 97, 98 WpHG
  • c) MarktmissbrauchsVO Recast: Ein einheitliches Sanktionsregime für die EU?
  • VIII. Thesen
  • Anhang
  • Anhang I: Marktmissbrauchsrichtlinie (Auszug)
  • Anhang II: Marktmissbrauchsverordnung (Auszug)
  • Anhang III: Synopse § 26 WpHG
  • Anhang IV: Synopse § 97 WpHG
  • Anhang V: Synopse § 98 WpHG
  • Literaturverzeichnis
  • Gesetzesmaterialien
  • Entscheidungsverzeichnis
  • Normenregister
  • Sachregister
DNB DDC Sachgruppen
Dewey Decimal Classfication (DDC)

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