Verstärker verstehen

Über den Einsatz von Belohnung im Hundetraining
 
 
Kynos (Verlag)
  • 5. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. Oktober 2018
  • |
  • 170 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95464-189-5 (ISBN)
 
Belohnen ist mehr als nur Leckerchen geben: Richtig verstanden, steckt darin ein riesiges Potenzial, um das Training effektiver zu gestalten und gewünschte Verhaltensweisen felsenfest zu verankern.
Die erfolgreiche Tiertrainerin Viviane Theby erklärt auf solider wissenschaftlicher Grundlage, warum richtige Belohnungen so machtvolle Verstärker von Verhalten sind, worin der Unterschied zwischen primären und sekundären Verstärkern besteht, warum das exakte Timing entscheidend ist und was es mit Belohnungskriterien und Belohnungsraten auf sich hat.
Damit Sie die Verstärker nicht nur verstehen, sondern auch anwenden können, bietet das Buch zahlreiche Praxisübungen zur Verfeinerung Ihrer eigenen Technik.
Denn: Training ist ein Handwerk, das man lernen kann. Hier steht, wie es geht.

Überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2018
Überarbeitete und erweiterte Neuauflage
  • Deutsch
  • Nerdlen/Daun
  • |
  • Deutschland
  • 12,17 MB
978-3-95464-189-5 (9783954641895)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Viviane Theby ist Tierärztin mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie und Hundetrainerin. Sie führt seit vielen Jahren erfolgreich die "Tierakademie Scheuerhof", wo neben Hundehaltern auch Hundetrainer ausgebildet werden. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und Artikel zum Thema Tiertraining und trat mit ihren Tieren bereits mehrfach im Fernsehen auf.
1. Training mit Belohnung
Unterschied: Belohnung - Verstärker
Primäre positive Verstärker
Richtig belohnen: Die Handhabung erlernen
Welche Belohnungen gibt es überhaupt?
2. Trainingsprinzipien
Timing
Kriterium
Belohnungsrate
Ampeltraining
PENG
3. Verstärker in der Wissenschaft
Skinner
Pavlov
Klassische oder instrumentelle Konditionierung
Premack
Yerkes/Dotson
Was passiert, wenn nicht belohnt wird?
4. Sekundäre Verstärker
Was ist das?
Warum brauchen wir sekundäre Verstärker
Wie wird ein sekundärer Verstärker auftrainiert?
Sekundäre Verstärker - immer wieder neu
Das Konditionieren eines ängstlichen Tieres
Unbeabsichtigte sekundäre Verstärker
Freies Formen - Lernen mit sekundärem Verstärker
Kommandos als sekundäre Verstärker
Das Click beendet das Verhalten - wahr oder falsch?
Sekundäre Verstärker als "das goldene Kalb" im Training?
Tertiäre Verstärker
5. Effektives Belohnen im Training
Ablenkung
Welcher primäre Verstärker für welchen Hund und welche Aufgabe?
Von billigem und teurem Verhalten
Was genau soll belohnt werden?
Schwarz oder weiß, nicht grau
Was will man nicht belohnen
We click for action, feed for position
Differenzierte Belohnung
Überraschungen
Locken oder freies Formen?
6. Regelmäßige oder variable Belohnung? - Unterschiedliche Belohnungssysteme und ihre Auswirkungen aufs Verhalten
Regelmäßige Belohnung nach einer bestimmten Anzahl von Verhalten
Variable Belohnung nach einer bestimmten Anzahl von Verhalten
Feste Belohnung nach einer bestimmten Zeitdauer
Variable Belohnung nach einer bestimmten Zeitdauer
7. Volle Kraft mit Klicker!
Fehlerfreies Lernen
Kommandos als sekundäre Verstärker
Scheinbare Kontrolle des Tieres über den Trainer
Viele, viele Wiederholungen
Die Kunst des Nicht-Klickens
8. Das Training von Verhaltensketten
Unterschiedliche Trainingsmöglichkeiten
Das Training von Verhaltensketten
Besonderheiten beim Training von Verhaltensketten
Das Erhalten einer Verhaltenskette
9. Sekundäre Verstärker bei der Arbeit mit mehreren Tieren
Der gleiche Verstärker für alle
Für jeden einen eigenen Verstärker
Weitere Tipps für das Arbeiten mit mehr als einem Hund
Kommandos in einem Mehrhundehaushalt
10. Unerwünschtes Verhalten und Belohnung?
Ändern der Sichtweise
Verstärker verstehen und abstellen
Management
Alternativen trainieren
Ein Spiel daraus machen
Die erste Stufe belohnen
Instrumentalisieren von unerwünschtem Verhalten
11. Die Kraft der klassischen Konditionierung
Wann ist die klassische Konditionierung angebracht?
Was sind die Regeln für klassiche Konditionierung?
Art des unkonditionierten Stimulus
Präsentation
Verlauf des Trainings
Umstieg auf operante Konditionierung
Vermeidung von Hundebegegnungen in der Phase der klassischen Konditionierung
12. Belohnen für Fortgeschrittene
Verschiedene Trainingsmethoden
Vom Reiz der Ablenkung
Keep-Going-Signal
Details über den Wert eines Verstärkers
Wirklich zuverlässiges Verhalten nur über Belohnung
Belohnungsschiene/Strafschiene
Verstärktes Verhalten im Training erkennen

2Trainingsprinzipien

Es ist schonmal ganz gut, wenn man sich entschieden hat, mit seinem Hund über Belohnung arbeiten zu wollen. Es gehört allerdings mehr dazu, als nur hin und wieder mal ein Leckerchen zu verteilen. Im Folgenden wollen wir uns einige wichtige Trainingsprinzipien ansehen, die das Training dann auch erfolgreich machen.

Das sind die drei Säulen eines guten Trainings. Wann immer es im Training nicht so wirklich vorwärts geht, ist höchstwahrscheinlich einer oder mehrere von diesen Punkten nicht so, wie er sein sollte.

Timing

»Je besser das Timing, desto »schlauer« das Tier«, pflegte Bob Bailey, ein überaus erfahrener Tiertrainer, immer wieder zu sagen. Es ist wirklich unvorstellbar, welch gewaltige Unterschiede man bei gutem Timing im Training bewirken kann!

Hauptsächlich entscheidet ein gutes Timing, ob der Hund überhaupt verstehen kann, was wir von ihm wollen. Möchte ich zum Beispiel ein Sitzen verstärken und mein Leckerchen ist immer erst dann beim Hund, wenn der schon wieder aufgesprungen ist, wird er wahrscheinlich vermuten, dass wir das Aufspringen wollen, was dann natürlich ein Missverständnis ist.

Timing-Übungen ohne Hund

Hier einige Timing-Übungen, wieder zunächst ohne Hund:

Optimal ist es, wenn Sie einen Trainingspartner haben, mit dem Sie diese Übungen zusammen machen können.

Linker Daumen an Nasenspitze

Einer von Ihnen ist nun der Trainer, der versucht, bei dem anderen ein bestimmtes Verhalten »einzufangen«. Dieses Verhalten soll sein: linker Daumen an Nasenspitze. Derjenige von Ihnen, der jetzt das Tier spielt, kann also mit jedem seiner Finger einen Ort im Gesicht berühren. Der Trainer muss dieses Verhalten genau beobachten. Und immer dann und nur dann, wenn der linke Daumen die Nasenspitze berührt, dann soll er clicken. Nach einiger Übung kann es dem Trainer ruhig ziemlich schwer gemacht werden, indem eine Bewegung angetäuscht wird oder die Finger sich sehr schnell zu unterschiedlichen Stellen bewegen. Tauschen Sie zwischendurch die Rollen. Wenn alle Clicks zum richtigen Zeitpunkt kommen, gibt es noch eine andere schöne Übung, um das Timing zu schulen.

Timing-Übung: Ball auf Boden

Nehmen Sie sich am besten einen Flummi, einen schön springenden Gummiball also. Damit funktioniert die Übung am besten. Gehen Sie in einen Raum, in dem Sie mit dem Ball nichts umwerfen können und werfen Sie ihn kräftig auf den Boden. Jedes Mal jetzt, wenn der Ball den Boden berührt, sollten Sie clicken. Das Geräusch des aufschlagenden Balles und der Click sollten als ein einziger Ton zusammenfallen. Am Anfang ist das relativ einfach, weil der Ball schön hoch springt und entsprechend lang für die nächste Landung braucht. Gegen Ende wird er immer schneller. Je nachdem, wo der Ball anstößt, kann er auch plötzlich seine Richtung ändern und dann ganz unerwartet wieder auf dem Boden sein. Das fördert Ihre Beobachtungsgabe und Ihr Timing.

Fußballspiel

Optimal ist es, wenn Sie sich dafür ein Fußballspiel oder ein beliebiges anderes Ballspiel auf Video oder DVD aufnehmen. Lassen Sie das Spiel anschließend laufen und drücken Sie immer dann auf die Pausetaste, wenn ein Spieler den Ball mit dem Fuß oder entsprechendem berührt. Im Standbild haben Sie dann eine gute Kontrolle über Ihr Timing. Schaffen Sie es, dass auf dem Standbild der Ball sozusagen immer am Fuß des Spielers klebt, ist Ihr Timing sehr gut.

Timingübungen mit Hund

Haben Sie sich mit Ihrem Trainingspartner schon einigermaßen im Timing geübt, kann jetzt wieder der Hund dazu kommen. Wieder ist es in erster Linie eine Übung für Sie, aber der Hund wird so nebenbei auch ganz nützliche Dinge lernen.

Für Anfänger: Bleib-Übung

Setzen Sie den Hund hin. Dann bewegen Sie sich um den Hund herum. Sie beginnen mit ganz leichten Bewegungen. Unmittelbar nach einer Bewegung füttern Sie den Hund, solange er noch sitzt. Steht er auf, waren Sie zu langsam. Oder Ihre Bewegung war zu stark und damit war es für den Hund zu schwierig, sitzen zu bleiben. Machen Sie es für den Hund so leicht, dass Sie eine gute Chance haben, ihn im Sitzen zu belohnen. Versuchen Sie aber dennoch, den Schwierigkeitsgrad der Übung immer mehr zu steigern.

Sprechen Sie nicht mit dem Hund. Ihre einzige Information für ihn sollte das zum richtigen Zeitpunkt gegebene Leckerchen sein. Je besser Ihr Timing, desto schneller werden Sie dem Hund beibringen können, dass er auch unter extremen Bedingungen sitzen bleibt.

Denken Sie daran, die Hände zwischen den Belohnungen in der Nullposition zu haben. Sie sollten also nicht ständig eine Hand mit Leckerchen vor der Hundenase haben, sondern sich immer wieder in die Nullposition begeben und von da aus das Leckerchen vor dem Hund »erscheinen« lassen und die Hand anschließend wieder genauso schnell verschwinden lassen, wie wir es schon auf S. 15 geübt haben.

Für Fortgeschrittene: Bodentarget ohne sekundären Verstärker

Der Hund soll sich auf ein Bodentarget legen, sobald es ausgelegt wird. Das ist das Trainingsziel. Sie sollten das im freien Formen erarbeiten, allerdings ohne die Benutzung eines Markersignals. Nur Ihr zur richtigen Zeit dargebotenes Leckerchen soll dem Hund die entsprechende Information geben.

Anfangs wird also jeder Blick zum Bodentarget belohnt, dann das Nähern und so weiter. Sie sollten schon einige Leckerchen in der Hand haben und diese schön in einer Null-Position halten, um schnell genug zu sein. Wenn Sie erst in die Tasche greifen, sind Sie mit Sicherheit zu langsam. Denn Sie sollten ja zu Übungszwecken keinen sekundären Verstärker verwenden. Dann ist die Übung auf alle Fälle eine schöne Herausforderung für Ihr Timing.

Kriterium

Nehmen wir nun den zweiten Punkt unserer wichtigen Trainingsprinzipien unter die Lupe, das Kriterium. Genau genommen ist damit das Belohnungskriterium gemeint. Das heißt: Was genau der Hund machen soll, um belohnt zu werden?

Sehen wir uns dazu einmal beispielhaft die Belohnungskriterien für das Trainieren der Rolle mit Locken an:

Beispiel: Trainieren der Rolle mit Locken

1. Schritt:

Aus der liegenden Position heraus soll der Hund der Hand mit dem Leckerchen folgen, die von vor seiner Nase zum Ellbogen und dann über die Schulter auf die andere Seite des Hundes geführt wird. Dazu muss er sich dann über seinen Rükken rollen. Genau dieser Moment wird belohnt, indem die Hand mit dem Leckerchen geöffnet wird.

2. Schritt:

Der Hund soll einer Hand ohne Leckerchen folgen, die in oben beschriebener Weise bewegt wird. In dem Moment, in dem er über den Rücken dreht, bekommt er eine Belohnung aus der anderen Hand.

3. Schritt:

Die lockende Hand beschreibt nur noch andeutungsweise den Weg, dem der Hund zuerst mit Nase und dann mit dem Rest seines Körpers folgen soll. Sie startet in rund 20 cm Entfernung zur Hundenase und beschreibt einen ungefähren Kreis. Der Hund wird aus der anderen Hand belohnt, sobald er über den Rücken dreht.

Danach folgen die weiteren Schritte: Die lockende Hand wird mehr und mehr zum Sichtzeichen umgebaut, indem die Bewegung immer mehr verkleinert und die Entfernung zum Hund vergrößert wird.

Die Übung wird an unterschiedlichen Orten durchgeführt, wobei der Untergrund immer angenehm für den Hund sein sollte.

Das Wortkommando wird eingeführt, indem es die nächsten Male kurz vor dem Handzeichen gegeben wird und später dann auch alleine.

Die Übung wird unter steigender Ablenkung durchgeführt - und so weiter.

Die Belohnungskriterien sind also genau die Punkte, für die der Hund in dieser Übung belohnt werden soll. Es ist so, als würden Sie jemandem anderen beschreiben, wann genau er in den einzelnen Trainingsschritten den Hund belohnen soll. Je präziser Sie damit sind, desto besser werden Ihre Trainingsergebnisse sein.

Üben mit einem Trainingspartner

Eine sehr schöne Übung zum Erlernen von Belohnungskriterien ist es deshalb auch, wenn Sie einen Trainingspartner Ihren Hund nach Ihren Anweisungen trainieren lassen. Beschreiben Sie ihm ganz genau, was er tun soll und an welchen Punkten er genau belohnen soll. Dann können Sie nämlich nicht mehr die Belohnungspunkte so aus dem Gefühl heraus wählen, sondern müssen sich genau festlegen.

Versuchen Sie als nächste Schwierigkeit, die Übung wirklich nur mit Worten zu beschreiben, ohne dass Sie zeigen, was Sie vom Trainingspartner wollen. Das erfordert eine genaue Formulierung des Trainingsschrittes und ein exaktes Festlegen des Belohnungskriteriums.

Wenn Sie das alles auch noch aufschreiben und eventuelle Änderungen in Ihren Anweisungen nachbessern, wird der Lerneffekt am größten sein.

Richtigen Schwierigkeitsgrad wählen

Ein häufig zu beobachtender Fehler ist der, dass die Belohnungskriterien zu schwierig gewählt werden. Sehen wir uns dafür noch einmal die oben ausführlich beschriebenen ersten Schritte für die Rolle an.

Mit vielen Hunden...

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